Gedankenfetzen | Therapie | Trauer

Fuck you!

von am 9. November 2018

Ich habe eine Aufgabe in der Psychotherapie. Ich soll wütend auf das Schicksal sein und dem Schicksal einen bösen Brief schreiben. Hmmm, das fühlt sich bisher noch nicht richtig an, denn es hilft mir ja nicht weiter. Ich schimpfe so ungern und will nicht, dass man mich doof findet. Nicht mal das Schicksal soll mich doof finden. Selbst, wenn ich alles verfluchen würde, wenn ich dem lieben Gott den Stinkefinger zeigen würde (was ich gestern rein für die Geste mal getan habe in der Therapie), es würde alle zerplatzten, spießigen Träume nicht mehr zurückbringen. Die Seifenblasen haben Blubb gemacht und lassen sich eben nicht mehr zusammenkleben. Egal wie sehr ich eben mecker und das Schicksal zum Teufel jage.
Aber da ich eine folgsame Patientin bin, versuche ich das mal, ganz gegen meine Überzeugung, lächeln und weiter machen. Wer regelmäßig meinen Blog verfolgt, der weiß, dass ich immer sehr versöhnlich mit dem Schicksal umgehe. Es ergibt bestimmt immer alles einen Sinn. Einige erkennt man gleich, andere es spät und die restlichen vielleicht erst, wenn wir beim lieben Gott anklingeln.

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360° Blickwinkel | Das kleine Monster | Therapie | Trauer

Als hätte ich mich ein wenig selbst verloren

von am 28. September 2018

Wenn man Chaos im Kopf hat, und irgendwie nichts wiederfindet, nicht mal sich selbst, dann muss man wohl mal endlich durchmisten, ausmisten und endlich auch mal wegschmeißen. Meine Mitmenschen sagen loslassen dazu.
Aber um etwas loszulassen, muss man sich auch erstmal sehr bewusst darüber sein, das man etwas festhält.
Deswegen hat das bisher nicht geklappt, das mit dem Loslassen. Weil ich nicht wusste, dass ich etwas festhalte. Wie sollte ich das auch wissen? Ich dachte, die ganzen Sachen hätte ich gut weggesteckt. Die Wünsche und Träume, die ich hatte. Meinen Beruf, der nun Geschichte ist, dieses Familienkonstrukt, was sich unwiederbringlich geändert hat. Es gibt Rollen, die ich im Leben intus hatte, die ich nun nicht mehr habe, über die ich mich definieren konnte. Und Rollen, die ich gerne angenommen hätte, die nun in sehr entfernter Weite liegen.

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Das kleine Monster | Gedankenfetzen | Gedichte | Ich | Mamalächeln | Seelenbilder | Trauer

„Bleib in dem Gefühl“

von am 17. September 2018

Als ich sang, bei einer tollen Freundin, die ich nicht mehr aus meinem Leben lassen will, sagte sie mir:

„Bleib in dem Gefühl!“

In dem Gefühl bleiben, wärhend ich singe. Ich weiß, wo dieses Gefühl sitzt. Es sitzt im Bauch, vor allem im Magen. Und es sitzt auf der Brust. Da macht es mir das Atmen schwer. Und es sitzt mega groß im Hals. Schnürt mir den Hals ab, macht einen fetten Kloß, ständig, bleibend und zeitweise verschlimmert. Das spüre ich deutlich.
Ab Hals ist es dann dicht. Dieses Gefühl, das kommt einfach nicht weiter.

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Löffel-Liste | Mamalächeln | Therapie | Trauer

Löffelliste 2018 – Einen Luftballon in den Himmel steigen lassen

von am 16. August 2018

Guten Tag, Chaos im Kopf.
Und ich bekomme es nicht wirklich gut sortiert. Deswegen war dieser Punkt auf meiner Löffelliste heute sehr wichtig für mich.

Ich weiß nicht wie ich anfangen soll. Aber dank einer richtig tollen Frau, mit der ich die letzten zwei Wochen richtig viel gemacht habe, und die ich nicht mehr missen will, weiß ich jetzt, das auch schreiben gut ist. Wenn du nicht sagen kannst, was du brauchst, dann schreib es auf. Und Schreiben kann ich. Und ich weiß auch, dass Schreiben mein WirrWarr in meinem Oberstübchen, in meinem Bauch und in meinem ganzen Körper zumindest sortiert. Deswegen schreibe ich einfach mal drauf los und schaue, was aus mir raus will. Ohne Plan und ohne Ziel. Keine Ahnung, wohin mich dieser Blogbeitrag bringt.

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360° Blickwinkel | Das kleine Monster | Gedankenfetzen | Seelenbilder | Therapie | Trauer

Mein Haus am See

von am 13. April 2018

„Und, wie geht es dir?“

Was soll man denn auf so eine Frage antworten? Wer mich kennt, der weiß, ich lächle das weg. Heulen, meckern oder brüllen ändert ja auch nichts an der Situation. Und in Selbstmitleid möchte ich auf keinen Fall zerfließen. Das widerstrebt mir sehr, denn im Grunde bin ich ein sehr postiver Mensch.

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Trauer

Der Duft von Lavendel

von am 16. September 2017

Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Luftnot, Schwindel.
Sie sind zurück. Durch diese blöden Panikattacken.

Wie heißt es so schön? Die Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Das ist so eine Floskel, ein Spruch, den man halt so vor sich hin sagt. So richtig wusste ich nie, wie sich das anfühlt. Wenn ich die letzten Wochen Revue passieren lasse, dann muss ich sagen, auf diese Erfahrung hätte ich auch gut verzichten können.

Ich versuche dem Körper nun beizubringen: Das ist Anspannung, das ist Entspannung. Ich atme, und ich versuche einfach zuzulassen und loszulassen.

Nichts desto trotz mache ich gerade eine wirklich schwere Zeit durch. Ich dachte ja wirklich, es wird besser. Aber das das alles nochmal so schlimm wird, damit habe ich nicht gerechnet. Natürlich hängt das noch mit Mamas Tod zusammen.
Das sitzt noch so tief. Ich hatte auch noch nicht wirklich Zeit es zuzulassen. Ich habe da echt Angst vor. Aber das alleine ist es nicht. Was wäre denn, wenn ich das alles einfach zulasse. Ich habe Aufgaben, die ich erfüllen muss. Ich kann doch jetzt nicht einfach loslassen.

Das ich das muss, das ist mir völlig klar. Aber ich weiß nicht wie das geht? Ich würde das jetzt gerne alles mal zulassen, was da an Trauer in mir sitzt. Aber es kommt nicht raus. Wie soll ich es also anstellen. Mir ist den ganzen Tag zum Heulen. Manchmal kommen auch ein paar Tränen. Laufen einfach so aus meinen Augen und versiegen dann.
Ich merke auch, wenn ich mich entspanne, dass ich weinen muss. Obwohl ich meist dann gar nicht traurig bin. Aber so wirklich geht der Druck nicht weg. Es ist in mir, wie so ein kleines Monster, das an meinen Nerven reißt und sich stets in den Vordergrund rücken will. Ich will es rauslassen. Aber ich finde keinen Weg. Ich kann mich ja nicht zwingen.

Das einzige was hilft ist Atmen, Singen und mittlerweile auch Lavendel. Ich nehme etwas zur Beruhigung. Lavendelöl Kapseln. Ich habe mir einen Mini Warmie mit Lavendel geholt. So ein Stofftier mit Wärmekissen drin. Und ich habe Duftkerzen geholt, die nach Lavendel duften.

Es ist nicht die Lösung, aber ein kleiner Anker. Es erdet mich. Der Duft von Lavendel, der das kleine Nervenmonster bekämpft. Ich halte mich damit über Wasser, aber ich sehe mittlerweile ein. Ich brauche Hilfe.

Aber Lavendel wird erstmal mein Begleiter.

Und vielleicht hilft die erste Einsicht schon:

Mir geht es nicht gut und ich weiß nicht, wie ich es ändern kann….

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Gedankenfetzen | Ich | Mamalächeln | Menschen | Trauer

Da gibt es keinen Knopf

von am 11. Juni 2017

Mein Blog klingt echt schwer in den letzten Wochen. Mir ist schwer ums Herz, und doch gibt es diese glücklichen Momente, wo sie eben nur ganz kurz fehlt.

Das Leben geht eben weiter, jeden Morgen geht die Sonne wieder auf, es gibt die großen und kleinen Sorgen, die gemeistert werden müssen. Und den Sachen stelle ich mich. Es geht, ich komm zurecht. Aufgaben sind jetzt halt andere. Und ich kann nicht so weiter machen wie vorher, dass ist ganz klar.

Ich bin eben näher an meinem Vater dran, um im Alltag zu helfen. Und ich helfe ja auch gern. Für mich ist das selbstverständlich. Das hat eben alles mit Mamas Tod zu tun. Wie ich bin, was mein Leben nun ist, warum ich Dinge tu, die ich tu.

Warum ich diesen Blogbeitrag schreibe?

Gestern war er wieder da. Dieser Satz, diese Frage… ob ich denn nicht genug getrauert hätte.

Ich dachte ich kann das mit einem Schulterzucken abtun. Aber es tut weh, wenn man so etwas hört. Und dann noch von nem guten Kunpel.

Ob es nicht langsam mal gut ist….

Trauer, das ist nicht wie eine Platzwunde am Knie… die heilt nicht einfach nach drei Wochen und dann ist alles weg. Trauer kann man nicht mit einer Pille heilen. Und es gibt auch keinen Knopf. 

Trauer ist ein so tiefes Gefühl, das gräbt sich in dich rein. Und je näher du einem Menschen warst, desto schlimmer ist es. Bei meinen Omas war ich traurig, aber das ist nicht im geringsten zu vergleichen. Mamas Tod löst anderes in mir aus. 

Es begleitet dich, täglich und fordert Raum. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag weinen muss. Ich lache, ich freue mich über das Leben. Aber es kommen eben immer wieder diese Momente, die, die weh tun. Die tief unter die Haut gehen und in denen du schlucken musst.

Abstand gewinnen ist ja ein kluger Rat…

Aber, das kann ich nicht, den mein Leben hat sich unmittelbar geändert. An den banalsten Stellen merkst du, wo sie fehlt. Heute, ich hab das erste Mal selbst Wurstsalat gemacht.

Ich übernehme viele Aufgaben von Mama. Weil es die Situation erfordert. 

Und so ist der Verlust immer spürbar, im banalen Alltag 

Ist es nicht langsam mal gut?

Es fühlt sich an, als wäre ich unnormal, als hätte ich mich verändert. Als wäre ich eine andere. Bin ich vielleicht…. 

Aber muss ich mich dafür entschuldigen, dass ich manchmal traurig bin, dass ich weine, dass meine Mama noch immer ein Thema ist?

Ist das denn normal? Sich für Trauer schlecht zu fühlen?

Ich mag wieder mehr Alltag, aber das was ich nun lebe, das ist mein neuer Alltag… dafür will ich mich nicht entschuldigen. Denn für den Alltag und meine Gefühle gibt es keinen Knopf.

Es ist eher wie meine Narbe am Rücken, nach Belastung zwickt es immer mal wieder, mal mehr mal weniger. Dann ziehe ich mich eben kurz zurück, halte inne und atme. Und dann geht es weiter.

Ich komme zurecht, aber mein Rhythmus ist ein neuer.

Ob es langsam mal gut ist?

Ich würde gerne ja sagen. Und ich sage das auch, das Leben, mein Leben, wovon ich nur eines habe, ist gut so wie es ist. Denn es wird sich nicht mehr ändern. Und in diesem Leben braucht auch meine Trauer einen Platz. Und wenn die Menschen das auf meinem Weg nervt? Kann ich es nicht ändern…. ich bin noch ich, aber eben mit neuen Aufgaben im Alltag die es zu bewältigen gilt, aber dabei bin ich noch immer ich, wenn Zeit dafür ist.

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Trauer

Von Lebensmut und Scherbenhaufen

von am 16. Mai 2017

Sortieren. Altes Leben, neues Leben. Ich komm mittlerweile klar. Das habe ich in den letzten Tagen gemerkt. Mein Leben geht weiter, wie man so schön sagt. Es ist anders, aber es ist mein Leben. Was ich daraus mache, liegt an mir. Ob hardere oder die Dinge annehme und sie mit positiver Energie angehe. Das bestimme ich allein.

Natürlich liegt da immer mal wieder dieser schwere Felsbrocken auf der Seele und ich schaue zurück. Überlege, was sich alles verändert hat, wie ich mich, zum Teil unwiederbringlich, verändert habe. Ich bin ich. Ich bin ernster, in mich gekehrter und trotzdem weiß ich was ich will und ich mache weiter.

Die Musik ist mir ein großer Halt. Und alles was dazugehört.

Ich habe die Trümmer zusammengekittet, die Mamas Tod hinterlassen hat. Man sieht natürlich alle Klebestellen, und an einigen Stellen passt es nicht mehr richtig. Aber die neue Form ist auch okay. Es ist noch genug da, wofür es sich lohnt zu leben. Für meine Nichten, für meinen Vater, meine Schwester. Für die Menschen, mit denen ich so gerne zusammen bin. Die mich stützen und die mir bei Windstille Wind in meine Flügel pusten, damit ich fliegen kann.

Es läuft. Bei mir.

Aber wie gibt man einem Menschen den Lebensmut zurück, der alles, was seinen Lebensmittelpunkt ausgemacht hat, verloren hat. Ja, ihr könnt euch denken, von wem ich rede. Mein Vater. Kein einfacher Mensch im Alter, aber mein Vater.

In den letzten Monaten habe ich zusammen mit den anderen geschaut, wie wir das Leben von Papa regeln können, dass er klar kommt. Wie können wir ihm Freude bereiten. Was gibt ihm Sinn.

Aber er lässt sich hängen. Die Trauer erdrückt ihn. Es geht ihm nicht gut. Es kann seinen Scherbenhaufen nicht kleben.

Jetzt muss er eine neue Herzklappe bekommen, aber er will nicht. Es scheint fast so, als hätte er sich aufgegeben.

„Warum bin ich denn nicht eher gegangen? Warum musste sie denn schon gehen?“

Wenn du diesen Satz als Tochter hörst, dann musst du schlucken. Ich konnte nichts darauf antworten. Was denn auch? Ich versuche alles, was in meiner Macht steht. Er soll merken, dass es sich trotz allem noch lohnt zu leben, dass wir ihn brauchen. Aber es scheint im Versuch stecken zu bleiben.
Ich weiß, ich kann nicht mehr tun. Ich kann ihn nicht zwingen.
Aber es fühlt sich scheiße an. Es macht Angst und lähmt mich. Natürlich bin ich nicht Schuld, sollte was passieren. Und dennoch fühle ich mich verantwortlich. Ich kann doch nicht zusehen, wie er ihr hinterhergehen will.

Ich weiß ja, dass es heißt, wenn die Frau vorher stirbt, dann geht der Mann hinterher…. Aber, ich will das nicht.

Im Moment bin ich an einer Grenze. Ich weiß nicht weiter. Keiner weiß weiter. Außer es zu nehmen wie es kommt. Aber, ich fühle mich, als hätte ich versagt. Als hätte ich nicht alles versucht, obwohl ich weiß, dass ich nicht mehr machen kann.

Wie kann ich seine Scherben nur wieder kitten? Wie kann ich ihm ein Konstrukt bauen, was er als schön ansieht, wenn selbst die Enkelkinder das nicht können.

Der schmale Grad, auf dem ich stehe, ist so unsicher und ich schaue ohne Aussicht auf Entkommen in den Abgrund. Ich brülle nach Hilfe, aber der Schrei bleibt im Halse stecken. Denn ich weiß nicht, nach welcher Hilfe ich schreien soll. Es gibt einfach keine Hilfe…

Schicksal ist ein Arschloch….

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