Gedankenfetzen | Mamalächeln | Projekt Felix | Trauer

Zwischen den Gefühlen 

von am 6. Mai 2017

Was ist nicht alles in den letzten Tagen geschehen. 

Alles zeigt, dass das Leben weiter geht. Zum zweiten Mal bin ich Tante geworden, Lara Maria wurde am 27. April geboren. Ich lerne französisch für ein Lied. Sascha und ich schreiben fleißig weiter eigene Songs.

Und auch Projekt Felix geht voran. Die Krankenkasse ist gewechselt, wir haben bei der Sparkasse uns Geld zur Überbrückung geholt, bis in etwa drei Monaten das Erbe da ist.

Alles in allem ist das eigentlich alles sehr positiv.

Und dennoch fahren meine Gefühle Achterbahn. Denn sie fehlt überall. 

Heute im Chor musste ich an sie denken, unvermittelt traf es mich. Ich sang voller Inbrunst und stolz auf französisch. Und ohne Vorwarnung traf es mich: Mama wäre stolz auf mich, ging es mir durch den Kopf. Tränen schossen mir in die Augen und ich musste schlucken. Zum Glück konnte ich mich schnell wieder auf Atmung und Töne fokussieren. 

Auch alles andere, alles was so schön ist, treibt mir heimlich die Tränen in die Augen. Es ist so traurig, dass Mama Lara nicht kennengelernt hat. Und ich bin für Lara traurig, dass sie ihre tolle Oma nicht mehr treffen kann.

Ich hab Angst vor Projekt Felix ohne meine Mama, was Montag mit Saschas OP startet. 

Und ich schaue traurig zu, wie gebrechlich und alt mein Papa in den letzten Wochen geworden ist. Es lässt mich Nachts nicht schlafen und es macht auch Angst. 

Das Leben geht weiter… ja…. Und ich lerne mit meinen Gefühlen von Angst und Traurigkeit umzugehen. So gut ich das vermag. Es gibt so viel, was einfach schön ist.
Chor, Gesangsunterricht, Kinder
Es kommt alles wie es soll. Immer.

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Ich | In Mamas Schuhen | Mamalächeln | Trauer

In ihren Schuhen auf einem Weg voller Veränderung

von am 30. April 2017

Endlich starte ich mein Projekt „In den Schuhen meiner Mutter“, welches ich euch ja schon vorgestellt habe. Fotos aus meiner Vergangenheit, Fotos aus der Zeit mit meiner Mama. Fotos von Taten meiner Mama, die ich selbst nochmal erleben will dieses Jahr. Kirmes in Paderborn, ich will nach Schloß Neuhaus, ich will nochmal eine Trüffelkugel bei Knigge essen, ich will frühstücken gehen, ich will in ihren Schuhen auf ihren Spuren wandeln. Nicht, weil ich an diesen Orten noch nie war, oder weil ich diese Dinge noch nicht gemacht habe. Nein, ich will ihr nochmal nahe sein. Vielleicht spüren, was sie gespürt hat. Aber auch bewusst drauf achten, wie es mir geht, wenn ich versuche in ihren Schuhen auf ihren Wegen zu wandeln. Das hat wieder viel mit Achtsamkeit zu tun und ich muss es zulassen, damit ich es hier auf dem Blog festhalten kann.

Die Schuhe meiner Mutter!

Dabei werde ich auch immer ganz bewusst ihre alten Sommerschuhe tragen. Nicht weil ich sie so schön finde (entschuldige Mama), aber ich finde es sehr passend ihre Wege in ihren Schuhen zu gehen.
Es ist ganz bewusst eine Art der Trauerbewältigung für mich. Mit traurigen und schönen Momenten. Mit Erinnerung und Reisen, die mich mitnehmen in die Vergangenheit und euch möchte ich einladen. Kommt mit mir auf meinen Wegen.

Herzlich Willkommen bei meinem Projekt:

„In den Schuhen meiner Mutter!“

Auf dem Weg

Heute war ich das erste Mal bewusst unterwegs in Mamas Schuhen. Und der Weg führte mich in ihre, aber auch in meine Vergangenheit. In ihren

Schuhen, und auf zweierlei Arten den Blickwinkel im Anschlag. Mein erstes zu Hause. 29 Jahre habe ich dort gelebt. Erst bei meinen Eltern, dann kurzfristig mal ein Block weiter, direkt gegenüber, so dass ich von meinem Küchenfenster immer in mein Kinderzimmer und in das Wohnzimmer meiner Eltern schauen konnte.
So wirklich loslassen konnte ich wohl nie, ich tat mir sehr schwer mit dem Ausziehen, mit dem Gewohnten hinter sich lassen.
Und so ging es mir auch heute, als ich mit der Kamera in unserem alten Revier herumgelaufen bin. Die alten Trampelpfade waren noch da, vielleicht ein wenig zugewachsener als damals, vieles wirkte auch irgendwie kleiner. Es war nicht mehr die weite Welt, der kleine Sandkasten nicht mehr die große Wüste, die Wäschestangen nicht mehr das große Volleyballfeld. Es hat sich relativiert. Ich habe nicht mehr durch meine Kinderaugen geschaut, ich habe die Sachen gesehen, wie meine Mama sie gesehen hat.

Die Wäschestangen, dahinter der Sandkasten

Eine sehr kinderfreundliche Umgebung. Mit viel Grün, mit einem Spielplatz, ein Berg zum Rodeln, der Kindergarten, da konnten wir hinspucken, und wenn der Wind günstig stand, dann konnten wir sogar über den Berg spucken zur Grundschule.

Der Kindergarten

 

Der Kindergarten
Der Sandkasten

Als ich ankam war alles wieder ganz vertraut. Und alle Erinnerungen bittersüß, bunt und lebendig wieder da. Es war irgendwie so, als wäre ich nie weg gewesen. Es war alles so selbstverständlich. Im Sandkasten haben wir stundenlang für unsere Barbies Wohnungen gebaut. Ein Bett in der Ecke war der letzte Schrei. Wir haben immer Internat mit den Barbies gespielt. Nein, korrigiere, wir wollten Barbie spielen, aber meistens ging die ganze Zeit dafür drauf aus Sand Sofa, Mauern, Schreibtische und Stühle zu bauen. Dann rief Mama vom Balkon. Entweder gab es Essen oder es wurde dunkel und wir mussten rein.
Ja, der Balkon meiner Eltern. Dreh- und Angelpunkt. Ich kann nur ahnen wie nervig wir waren, wenn es wieder ertönte:

„Mamaaaaa, komm mal an den Balkooooon!“

Der Blakon, unten rechts.

Alles ging über den Balkon. Eis für alle Kinder, was zu trinken, was zu knabbern für Zwischendurch, Spielzeugtausch. Alles. Aber Mama machte es, ohne zu meckern, immer gut gelaunt. Oft saß sie auch auf dem Balkon im Erdgeschoß und wir saßen auf der Wiese, die man eigentlich nicht betreten durfte und spielten auf unseren Decken, oder malten.
Meine Mama war Mutti für alles, was da draußen rumlief.

Eigentlich spielte sich unser Leben meistens draußen ab. Im Winter fuhren wir stundenlang Schlitten, vom Berg runter, bis vor die Haustür. Im Dunkeln, wenn die dunklen Flocken fielen.
Mama erinnerte uns dann immer, dass wir ja wenigstens mal den Schneeanzug tauschen könnten, wir seien ja schon total durchgeweicht.

 

 

Der Berg

Im Sommer spielte meine Schwester Fußball, auf dem großen Bolzplatz. Heute stehen da kleine Tore und der Platz ist aus Rasen, früher war es ein roter Schlackeplatz, da wurde man echt dreckig, vor allem nach Regenschauern.

Nicht nur der Spielplatz hat sich verändert.

In meiner alten Heimat wird renoviert. Das einst gelbe Haus ist nun rot, das graue Haus zur Hälfte schon blau, nur das Haus meiner Mama ist noch in diesem schmuddeligen rot zu sehen. Aber auch da wird fleißig geackert und gebaut. Die Haustür und die Briefkästen sind bei der Nummer 53 neu. Die alten, bröckeligen Holzfenster sind nun auch endlich ausgetauscht.

Das gelbe Haus, welches nun rot ist

 

Wenn der neue Anstrich kommt, dann verschwindet sicher auch der weiße Fleck an der Fassade, der mich immer an einen Storch erinnert hat. Ein Storch mit einem langen, dünnen Hals.

53

An der Tür erkenne ich nur noch einen Namen. Unsere Nachbarin, die über uns wohnte.
Sie hatte 2 Söhne. Der eine ist schon vor Jahren bei einem Motorradunfall verstorben. Aber ich habe noch Kindheitserinnerungen an ihn. Auf dem Platz vor dem Haus, den meine Eltern mit den Nachbarn gebaut haben, um gemeinsam dort zu grillen und Motorräder abzustellen, habe meine Schwester und ich Schneemänner gebaut. Einen großen und einen kleinen. Und der Sohn machte abends beide kaputt. Meine Mama und die Nachbarin haben das damals laut ausdiskutiert, weil wir so traurig waren. Ich muss schmunzeln bei dem Gedanken, denn eigentlich war das ja wirklich Kinderkacke. Aber so sind Mütter nun einmal, stehen für die Kinder ein, und wenn es nur der doch vergängliche Schneemann ist.

Der Weg vor der 53

Irgendwie sieht die Umgebung verwahrlost aus. Überall vor der Tür liegt Müll, der Gehweg vor der Nummer 53 ist dreckig. Dabei ist Sonntag. Samstag war immer Putztag. Das Treppenhaus wurde gewiehnert und mein Papa befreite den Hauseingang von Dreck und Tannenzapfen. Das hat sich wohl auch geändert.

Ich weiß und verstehe trotz allem, warum meine Mama und mein Papa gerne dort gewohnt haben. Die Wohnung waren immer feucht und es gab Schimmelprobleme, weil Heizungen nicht richtig funktionierten und die Fenster undicht waren. Aber die Umgebung war toll.

Wir hatten dank der vielen Grünflächen und Spielplätze und den wirklich direkt nebendran liegenden Kindergarten und der Schule sehr früh als Kinder viel Freiraum. Meine Mutter musste nur den Kopf aus dem Fenster halten und konnte uns sehen, wie wir alleine in den Kindergarten gingen oder über den Berg zur Schule.

Die Grundschule

Sandkasten, Spielplatz. Alles in ihrer Nähe. Für uns waren die Freiheiten selbstverständlich. Und ich glaube, sie hatte nicht viel Angst um uns, denn sie wusste uns stets in der Nähe und wir waren immer sehr verlässlich.

Ich stand vorhin auf dem Berg und konnte runter auf den riesigen Spielplatz schauen. Der sieht wirklich klein von da oben aus.

Alles hat sich verändert, alles Äußerliche. Aber eines ist gleich und bleibt. Ich werde mich dort immer wohl und zu Hause fühlen, egal wohin mich mein Weg noch führt. Das Gefühl, das bleibt, egal wieviel die an den Häusern renovieren, die 53, da hat Mama uns die Flügel gegeben, die wir brauchen, um uns die Welt zu erobern.

Der Spielplatz, Blick vom Berg.

Danke Mama!

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Gedankenfetzen | Mamalächeln | Musik | Trauer

„Diese Sprache klingt, als würden die Menschen immer singen.“

von am 21. April 2017

Was Musik alles kann, darüber habe ich schon oft geschrieben.

Was mir Musik bedeutet, das habe ich auf meinem Blog schon mehr als einmal zum Ausdruck gebracht.

Musik. Sie füllt mich aus, erdet mich, aber macht mich auch unendlich leicht und unbeschwert. In die Musik lege ich alles rein und ich lasse alles raus. Was mit Worten bei mir eben nicht geht, dabei hilft mir die Musik. Durchs Hören, aber vor allem durchs selbst Singen.

Einige sagen, ich kann gar nicht singen, andere mögen was ich tu. Aber es soll heute gar nicht um meine persönliche Leistung gehen.

Heute geht es mit der Musik um meine Oma. Die Musik hat mich gestern Abend gepackt.

Immer, wenn ich kann, dann übe ich. Für den Gesangsunterricht und für den Chor. Ich bin da eben so eine kleine Streberin, die voller Ehrgeiz an die Aufgaben geht. 

Gestern stand der Chor im Fokus. 

Vor zwei Wochen haben wir ein neues Lied versucht. Einen französischen Klassiker. 

„Aux Champs-Élysées“ von Joe Dassin.


Die Melodie macht mir keine Probleme, der Text sitzt auch, na ja, auf deutsch halt. Aber französisch? Kann ich nicht, verstehe ich nicht. Ich wäre aber nicht ich, wenn ich nicht daran arbeiten würde. So läuft nun unsere zauberhafte Chorleiterin Kerstin, die uns mal ne Demo eingesungen hat, auf Dauerschleife und berieselt mich, ich habe den Text aufgescheschrieben, wie ich ihn verstehe.

Dann begann ich mitzusingen. Uff, da brachen Dämme. So ganz unvermittelt, ohne Vorwarnung. Ich musste urplötzlich an meine verstorbene Oma denken. 4,5 Jahre ist es nun her, als sie starb. So wie sie es immer wollte. Kurz nach ihrem Geburtstag, ein Stück Schwarzwälderkirschtorte und dann schlief sie friedlich ein. 

Weinen musste ich nicht, konnte ich nicht. Sie hatte ihr Leben gelebt, es war ihre Zeit zu gehen. Ich war traurig, klar, aber es war nicht schlimm, es war versöhnlich, genau richtig. 

Gestern jedoch, als ich das erste Mal französisch gesungen habe, da war nichts mehr richtig. Da hab ich an meine Oma gedacht und die Trauer überwältigte mich. Denn sie liebte die französische Sprache. Sie selbst sprach und verstand es nicht, aber für meine Oma hatte diese Sprache immer etwas magisches.

„Französisch ist wie eine gesungene Sprache. Wenn die Franzosen reden, dann hört es sich an, als würden sie singen. Ihre ganz eigene Melodie!“

Ja, sie hat recht. Ich mag die Sprache auch. Und ich liebe es, in dieser Sprache zu singen, auch wenn ich kein Wort verstehe.

Wieder einmal hat sich bewiesen, was ich schon immer geglaubt habe und was mir Halt gibt, vor allem in den letzten Monaten. Musik heilt die Seele, Musik erreicht Orte in deinem Körper, und Empfindungen, die gut verborgen lagen. Welche Musik das ist, das ist nicht vorhersehbar. Das Lied aus dem Chor, gesungen von Kerstin und dann mir, damit hab ich nicht gerechnet.

Ich will dieses Lied nun weiter üben. Das mach ich für meine Oma, voller Liebe und in der Hoffnung, dass sie mit ihrer Tochter, meiner Mama, oben im Himmel sitzt und stolz auf mich herunterschaut. Stolz, dass ich meine Träume lebe, egal wohin die mich führen.

Oma? Aux Champs-Élysées ist für dich. Und umarme Mama von mir, auch sie hätte es geliebt… Schade, dass ihr nicht mehr sehen könnt, wie gut mir das Singen tut und was Chorleiterin und Gesangslehrerin mit meiner Stimme machen.

Musik? Damit lösen sich sie Probleme nicht in Luft auf, aber es wird alles einfacher.

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Gedankenfetzen | Schmerzen | Trauer

Warum Achtsamkeit dich erdet, aber nicht stressfrei macht

von am 19. April 2017

Achtsamkeit.

Dieses Thema verfolgt mich ja schon seit meiner Schmerztherapie. Dabei geht es in den Achtsamkeitsübungen nicht darum irgendetwas los zu werden. Die Schmerzen vergehen nicht, die Probleme werden nicht kleiner.

Was macht Achtsamkeit denn dann?

Sascha und ich haben da die letzten Tage viel drüber geredet. Was Achtsamkeit bei anderen macht, das weiß ich nicht. Ich kann nur beschreiben, wie es mir geht.

Achtsamkeit. Man achtet auf etwas. Man achtet auf alles, was im Moment los ist. Man schaut sich um, realisiert und nimmt wahr. Dabei handelt es sich um alles, was gerade, just in dem Moment gerade los ist. Das kann die Umgebung sein, das können Empfindungen sein, Geräusche oder Gerüche.

So eine Übung kann man immer und überall machen. 30 Sekunden oder Stunden.

Ich beginne immer mit dem Ort. Farben, Umgebung. Bin ich drin, bin ich draußen, ist es hell oder dunkel. Was höre ich? Rieche ich was. Ist irgendwo Dreck. Was mag ich gerade in der Situation, was nicht?

Schnell komme ich dann auf mich. Wie geht es mir? Was denke ich? Und da wird es meist nicht so angenehm. Ich spüre die ständigen Schmerzen, mache mir bewusst, wo es weh tut. Aber ich weiß auch, das die positiven Dinge, die ich vorher möchte dadurch nicht unschöner werden. 

Alles kann existieren. Zur gleichen Zeit, das macht mir die Achtsamkeit bewusst.

Es ist nie alles nur doof, aber auch nie nur alles grandios.

Achtsamkeit erdet mich, Achtsamkeit macht bewusst. Bewusst im Moment leben, akzeptieren, was los ist und realisieren, dass alles sein darf, kann und muss.

Achtsamkeit macht nicht frei von Stress, manchmal realisiert man erst, wie stressig es gerade ist. Aber alles, was während den Übungen real wird, damit kann ich viel einfacher und bewusster umgehen. Und alles wird relativ. Denn es gibt nicht nur die eine Seite im Moment.

Atmen, annehmen und bewusst den Moment erleben, tut manchmal weh, aber befreit. 

Es kostet Übung, aber mir hilft es. Es stärkt meine Persönlichkeit.

Und ich kann mit der Trauer, Schmerzen und auch Stress besser umgehen. Weil ich es bewusst zulasse. Zulasse, was vorher sich vielleicht versteckt hat. Nur Gefühle und Sachen, die einem bewusst sind, egal wie schmerzhaft, kann man angehen und bewältigen. 

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Mamalächeln | Seelenbilder | Trauer

Ostern – in den Schuhen meiner Mutter

von am 11. April 2017

Wir befinden uns in der Kar-Woche. Die Osterwoche. Es ist schon Dienstag. Irgendwie kam Ostern jetzt schneller als gedacht. Die Natur blüht, alles wirkt hell und freundlich.

Und das Leben geht weiter.

Es ist erst neun Uhr. Und in der Wohnung riecht es nach frisch gebackenem, süßen Osterbrot, mit Rosinen. Nachdem ich Weihnachtaten nicht, wie sonst Tradition, Weihnachtsplätzchen gebacken habe, habe ich mich für eine neue Tradition entschieden. Ich beschenke meine Lieben mit selbstgebackenem Brot.

Als ich vorhin mein Blogbeitrag im Kopf schon formte wusste ich, dies ist ein Mama-Lächeln Post. Das erste Osterfest ohne Mama, und wir versuchen Traditionen zu bewahren, aber auch neue zu definieren.

Ich hab die letzten Wochen so ein wenig Mamas Vorbereitungsmethoden übernommen. Nach Angeboten schauen, bei jedem Einkauf schon Osterartikel gekauft und eine riesige Tüt mit Schokoladeneiern und Hasen nun hier stehen. Soviel wollte ich gar nicht kaufen, aber ich musste es. Denn… es war immer so. Und ich habe den Wunsch, dass es auch ohne Mama so ist.

In den letzten Tagen halte ich viel inne. Ich atme, so wie Jasmin es mir aufgetragen hat, und komme zu Ruhe.

Ich habe die Trauergruppe verlassen, ganz bewusst, weil das Reden in einer mir fremden Runde nichts für mich ist. Ich habe das Gefühl, dass Fremde das nicht erreicht, was ich fühle. Und deswegen nehme ich meinen Blog. Und meine Freunde. Und vor allem meine Familie. Sie sind mir Halt und Trost. Die Dame, bei der ich die letzten Termine gecanceld habe, war sehr nett. Sie sagte, es wird immer wieder hochkommen. Und das stimmt.

Aber es ist nicht mehr schlimm. Ich denke gerne an Mama und es stimmt mich dann natürlich traurig. Doch immer wieder drängt sich mir dann auch die Frage auf: Wäre sie stolz auf mich? Wäre sie zufrieden mit dem, was wir tun, wie wir Ostern vorbereiten?

Natürlich antwortet sie mir nicht, aber ich spüre, dass sie stolz wäre. In dem, was und wie wir es tun, lassen wir ihren Geist weiterleben. Ich kann das gerade nicht anders ausdrücken. Wir haben ihre Sachen in unseren Alltag integriert und so bleibt sie, obwohl sie weg ist, noch immer unter uns. Sie hat uns etwas hiergelassen. Das Gefühl, Familie zu leben.
Und das kommt gerade zu solchen Festen zum Tragen.

Nicht nur Ostern mit all den Familientraditionen steht vor der Tür. Auch Lara, meine 2. Nichte, erblickt bald das Licht der Welt. Für meine Schwester ist das noch spannender als für mich. Aber auch hier stecke ich in den Schuhen meiner Mutter. Die fülle ich aus, aber anders als sie.
Das was wir vorhatten, eine Babydecke, das erste Stofftier, die Taufpatenschaft, das alles wird nun neu sortiert, aber trotzdem umgesetzt.

Ich mag mich in dieser Rolle, obwohl sie sehr anstrengend manchmal im Rücken ist. Mir ist es so sehr wichtig, das alles in Mamas Sinne zu machen. Diese kleinen Feinheiten weiter zu leben und zu gestalten.

Wie halt, dass es Schokohasen für alle zu Ostern gibt.

Die Wellen kommen noch, aber sie ebben ab. Ich trinke sogar wieder Kaffee, und das fühlt so richtig gut an.

Es stimmt, Ostern beginnt alles von Neuem. Jesus ist für uns auferstanden und hat uns allen neue Hoffnung geschenkt. Das ist der Kern des chrsitlichen Glaubens. Ich weiß, viele in meinem Dunstkreis, die glauben nicht. Die sind nicht so kirchlich. Aber Mama war das wichtig, das war einer ihrer Stützpfeiler in all den dunklen und schweren Stunden, immer, wenn sie dem Tod wieder mit rausgestreckter Zunge von der Schippe gesprungen ist.

Ich habe das immer bewundert. Klar glaube ich auch, aber Mama war da so unerschütterlich drin.
Ich verstehe sie jetzt. In den letzten Wochen war der Glaube auch mir eine große Hilfe. Verstehen, warum Gott  uns sie schon genommen hat, das können wir wohl nicht, denn er antwortet nicht. Aber der Glaube, dass das alles früher oder später Sinn ergibt, das hilft sehr.

Den Blick auf die positiven Sachen, den habe ich mir bewahrt.
Mama, auch wenn du nicht mehr da bist, ich laufe weiter, in deinen Schuhen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe deine karierten Schuhe nun an. Die blauen. Wenn ihr euch das Foto zum Blogbeitrag anschaut, dann seht ihr sie.

Das Foto entstand letzte Woche auf der Kirmes. Wir haben fotografiert. Ulrike und ich.

Auch das war ein Mama-Lächeln Moment. Und Tränen gab es auch. Denn im Herbst waren wir auf genau derselben Kirmes. Mama, Lars, Ella, Sascha und ich. Nicole war zu Hause, schwanger mit Lara und mit Übelkeit. Und auch dort habe ich fotografiert.

Das Leben geht weiter. Und wir leben jede Minute für meine Mama, in Gedanken an meine Mama und mit all dem, was sie uns für unser Leben mitgegeben hat in ihrem Sinne.

Sie malte uns das Leben bunt. Bunt wie die Ostereier, die wir Freitag malen. Bunt wie der Osterstrauch, den ich und Ella vor der Haustür bei Papa geschmückt haben. „She painted our life, colorful, black and white“

Mama, ich gehe weiter in deinen Schuhen und mach sie passend für mich. Ich werde nie sein wie du, aber ich kann so sein wie ich bin mit alldem in mir, was du mir mit auf meinen Weg gegeben hast. Und da bist du ein Teil von mir. Und ich stecke mit meinen Füßen in deinen Schuhen. Danke, das du mich zu diesem Menschen gemacht hast.

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Gedankenfetzen | Ich | Trauer

Es gibt immer positive Seiten

von am 4. April 2017

Heute wäre eigentlich wieder Trauergruppe. Warum eigentlich? Weil ich die letzten drei Termine abgesagt habe. Ich habe es versucht, bin auch stolz auf mich, es versucht zu haben, aber bin zu der Ansicht gekomm, dass dieser Weg nichts für mich ist. Ich habe Für und Wider abgewogen. Es hat mir nicht viel  auf meinem Trauerweg gebracht.

Aber das macht nichts. Denn eines wird rückblickend klar. Jeder Schritt und jeder Moment in deinem Leben hat, egal wie grausam, ungerecht oder scheiße es scheinen mag, auch eine positive Seite.
Für die Trauergruppe bedeutet das, ich bin froh und glücklich, diese Möglichkeit probiert zu haben, auch wenn es nichts für mich war. So kann ich es abhaken und sagen, ich habe es versucht und muss mich nachher nicht ärgern, dass ich etwas versäumt habe.

Wie ich auf diese Gedanken komme? Das man erst im Nachhinein weiß, dass alles auch etwas positives hat, das man aus schweren Situationen lernt, das man sich meist durch Probleme weiterentwickelt?

Ein Gespräch mit meiner Physiotherapeutin ist schuld.

Meine Krankenkasse handelt im Moment nach Gesetzen, ihren Verpflichtungen, nach Standardkatalog. Das ist ja auch ok. Mir wollten sie mein Bewegungsbad nicht weiter genehmigen. Vorschriften eben.
Ich lasse mich aber nicht abspeisen. Ich weiß, das ich eben nicht Standard bin und es medizinisch einfach notwendig ist. Deswegen nutze ich meine Möglichkeiten und kämpfe. Ich gebe mich nicht mit einem Nein zufrieden.

Und das ist mittlerweile in meiner Persönlichkeit verankert. Denn, wie hat Almuth es so schön gesagt? Daran ist der verkorkste Rücken Schuld. Wenn es was positives an der ganzen Erkrankung und Behinderung gibt, dann das ich selbstbewusster geworden bin und ich für mich einstehe.

Stimmt, sie hat recht.

Und so ist es in jeder Lebenslage. Für was ist es gut? Das fragt man sich ja ständig.
Dieser Antworten findet man immer, nicht immer sofort, manchmal brauchen die Antworten eben Zeit, manchmal bekommt man sie sicher erst am Ende des Lebens.

Aber man bekommt sie, denn kein Erlebnis ist sinnlos. Keine Handlung geschieht ohne Folge.

Alles was man macht, was man erlebt führt weiter. Wie mit dieser Pusteblume im Bild. Ella pustet. Die Schirmchen fliegen. Sinnlos? Nein, banale Kleinigkeiten können alles ändern und wichtig sein. Das Schirmchen fliegt und sät sich aus und nächstes Jahr gibt es eine neue Pusteblume. Die Antwort erkennen wir nicht sofort, aber es gibt sie. Ella kennt die Antwort auch noch nicht, die dauert jetzt.

Und auch ich finde Antworten auf das ständige Warum. Und ich ich kenne die positiven Dinge, die man aus den blöden Lebenslagen zieht.

Durch meine Mama weiß ich jetzt, dass ich stark und aushalten kann, ich bin wieder achtsam und weiß, ich muss auf mich achten, durch den Rücken bin ich selbstbewusst und durch den unerfüllten Kinderwunsch hartnäckig und entschlossen, voller Ehrgeiz und Mut, alles durchzuziehen und für meine Wünsche und Träume unbeirrt zu kämpfen.

Denn kein Erlebnis, kein Schicksalsschlag ist sinnlos, alles ergibt irgendwann ein komplettes Bild. Wir werden zum kompletten Bild, denn wenn wir Schicksal zulassen und annehmen, können wir charakterlich vorankommen und reifen.

Alles hat eben einen Sinn. Wir müssen es annehmen, für uns.

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Trauer

„Ist es nicht langsam mal gut?“ ~ Die Frage nach der richtigen Dauer

von am 23. März 2017

Das sich meine Trauer nun schon echt „lange“ hinzieht, dass mag der eine oder andere sicher denken. Und es sind nun ja auch schon 16 Wochen, fast. Vier Monate ohne meine Mama.

Gestern fiel der Satz das erste Mal.

„Ist es nicht langsam mal gut?“

Ich musste tatsächlich kurz schlucken. Es ist für mich schließlich „erst“ 4 Monate her. Und das erste Mal in diesen Wochen komme ich so richtig zu Ruhe. Ich kann mich jetzt erst richtig damit auseinandersetzen, dass meine Mama nicht mehr wiederkommt. Die Ämtergänge sind weg, Alltag kehrt ein, neue Strukturen wurden geschaffen. Und erst jetzt merke ich und wird mir bewusst… Sie ist weg. Die letzte Woche vor allem, die war richtig hart.

Seit ich die Achtsamkeitsübungen wieder durchziehe, seitdem kommt so einiges an die Oberfläche. Alles was ich weggelächelt habe, alles was ich mit Lachen und gute Laune versucht habe zu kaschieren, das überflutet mich jetzt.

Wer weiß, vielleicht ist es ja gut, dass ich mich dem nun stellen muss. Alles nur in sich hineinzufressen ist wahrlich nicht gesund. Es ist eben wie so ein Staudamm, irgendwann hat der eben keinen Platz mehr und dann sprudelt alles raus.
Was ich in der letzten Woche geweint habe, dass ist echt nicht wahr. Und immer so ohne Vorzeichen. Es kommt einfach so.

„Ist es nicht langsam mal gut?“

Der Satz ist so blöd. Wer bestimmt denn das Tempo, wie man trauert? Wer bitte nimmt sich denn heraus zu sagen, bis dahin darfst du trauern, und dann musst du bitte funktionieren. Dann hat alles gut zu sein. Von Anja und auch von meinem Hausarzt habe ich erfahren, dass medizinisch festgelegt wurde, dass nach 6 Wochen Trauer das ganze als Depression abgehakt wird, wenn man dann noch immer traurig ist.

Diese beiden Menschen sehen das allerdings anders. Beide sagen, dass es mindestens ein Jahr dauert.

Und ich kann da nur zustimmen. Du vermisst einen Menschen ja nicht nur sechs Wochen und dann ist alles wieder tutti. Du musst alles einmal erleben. Jeden Feiertag, Geburtstag, Jahreszeit. Wie fühlen sich diese Sachen an, ohne Mama. Wie verbringe wie diese Zeiten, was bleibt an Ritualen und familiärem Gefüge?

Ob ich nun eine Depression habe, dass kann ich nicht sagen.

Ich freue mich noch über Sachen, aber ich bin trotzdem auch traurig und kann nicht alles so, wie ich das will.

Es gibt diese Hochs, in denen alles gut ist, aber auch, vielleicht öfter als sonst, Tiefs, die mich einfach erdrücken.

Ich würde so gerne reden… Alles mal rauslassen. Aber ich weiß nicht wie… und schon gar nicht was.

„Ist es nicht langsam mal genug?“

Auf die Frage jedoch habe ich eine Antwort!

Nein, es wird nie genug sein können, denn meine Mama wird immer eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Ich vermisse sie und irgendwie ist ein sehr wichtiger Pfeiler in meinem Leben weggebrochen.

Und dieser Verlust geht nicht weg. Aber es wird immer ein wenig besser…
Aber es wird nie genug sein, denn dieser Verlust wird mich begleiten.

Ich wünsche mir Menschen, die mich begleiten, und bei denen ich auch schwach sein kann….
Nein, ich kann wahrscheinlich bei allen meinen Freunden schwach sein. Aber ich trau mich nicht….

„Du musst da nicht alleine durch!“

Ich weiß… aber, wie soll ich den sagen, mir geht es nicht gut, wenn ich Angst davor habe, schwach zu sein und das was da in mir ist in Gefühle und Worte zu packen?

„Ist es nicht langsam mal gut?“

Wie kann es gut sein, wenn ich nicht weiß, wie es wieder gut werden soll? Ich brauche meine Zeit… und es dauert so lange, wie es eben dauert, auch wenn es Menschen gibt, die es nicht verstehen.

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Trauer

„Du musst da nicht alleine durch.“

von am 22. März 2017

Schwere Zeiten nennt man das wohl, was ich gerade druchmache. Mit Höhen und Tiefen, aber zumindest immer meinen Galgenhumor, zum größten Teil bewahrend…
Und doch ist es schwer. Herzrasen, Unwohlsein und immer wieder das Gefühl, ich bekomme nichts geschissen.

Dank der Achtsamkeitsübung reflektiere ich mich wieder mehr. Das hilft bei den Schmerzen, das hilft mir beim Atmen und beim Schlafen.

Aber es holt auch ganz viel hervor. Dinge, über die ich nicht reden mag. Und selbst wenn ich die hier in diesem Blog schreiben wollen würde, ich bekomme sie einfach nicht in Worte gefasst. Es ist eben mehr als Glitzer, Pink und Einhörner. Hier hilft mein poliertes, immer freudiges Ich einfach nicht. Ich kann zwar nach Außen lächeln…
Ich schaff es auch zu gestehen, dass es mir irgendwie nicht gut geht. Aber ich kann keine Gründe formulieren. Ich kann die Tatsachen nennen. Ich habe Angst, ich kann nicht richtig weinen, da ist ständig der Kloß im Hals, der einfach nicht zu schlucken geht.
Nur beim Singen wird der so ein wenig besser und scheint kleiner zu werden.

Ich habe Methoden, die es eindämmen, es besser machen. Aber es geht nicht weg. Die Panikattacken bleiben. Mindestens einmal am Tag, eher öfter. Ich bekomm die in den Griff, ich atme, ich singe, aber manchmal kommen die so schlimm oder ungelegen, dass sie einfach nicht weggehen.

Und ich weiß nicht warum. Ich habe keine Ahnung.

Heute sagte Jasmin zu mir

„Du musst da nicht alleine durch, Claudia!“

Ja, sie hat recht, aber ich tu mir schwer über mein Innesrstes zu reden. Es fällt mir so schwer. Aber ich denke auf jeden Fall drüber nach zum Pychologen zu gehen. Ich weiß, dass ich nicht alleine bin… aber, ich fühl mich allein….

Ich bin bisher immer alleine überall durch. Aber vielleicht muss ich einsehen, dass ich das in diesem Fall nicht kann.

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Musik | Seelenbilder | Trauer

Stimme, der Spiegel deiner Seele

von am 18. März 2017

Seit Donnerstag reflektiere ich mich nun selbst. Wann bekommt die Stimme die Tendenz in die Kopfstimme, wie verhält sich mein Körper, was ist angespannt, wie geht es mir damit?

Einiges wusste ich schon vorher. Wenn Oscar mich zum Beispiel nervt, weil er so zieht oder mal wieder nicht die Bohne hört, dann qietsche ich schon sehr. Oder wenn ich angespannt bin, weil ich nicht weiß, ob ich alles zur vollsten Zufriedenheit für meinen Papa gemacht habe. Stress und Druck, den ich mir zum Teil selber mache, dass ist ein Auslöser. Das wusste ich selbst, aber in den letzten Tagen habe ich da extrem drauf geachtet, und mir ging es besser. Ich war insgesamt viel ausgeglichener und entspannter. Es hatte sogar Auswirkungen auf die Schalfqualität (nicht die Quantität, leider). Ich war innerlich sehr ruhig, weil ich mich immer wieder selbst ermahnt habe, das ich vor allem Abends sehr schnell zu Ruhe gekommen bin und wenigstens schnell einschlafen konnte. Wer weiß, vielleicht klappt das dann auch bald wieder mit dem Durchschlafen.

Auch bei positiven Stimmungen quietsche ich gerne mal, Freude oder Glück. Oder wenn ich den Hund lobe, weil er was ganz toll gemacht hat.

Aber eines habe ich die letzten Tage auch von mir begriffen.

Ich will nicht, dass man mir anmerkt wie es mir geht, und in diesen Situationen spanne ich an und die Stimme geht hoch… und… ich fange an zu schwitzen. Völlig dumm und widersinnig.
Weil ich nicht will, das man mir die Trauer ansieht, das ich im Moment so gar nichts geschissen bekomme. Das ich mir für (fast) alles einen Arschtritt geben muss, um es zu machen. Im Moment gibt es nur wenige Dinge, die mir einen Sinn und Halt geben. Das ist der Rehasport im Bewegungsbad, die Krankengymnastik, der Chor und der Gesangsunterricht. Und seit einer Woche auch die Proben um Probenraum. 2-4 Stunden können Sascha und ich uns da der Musik widmen.
Alles andere? Haushalt? Lesen? Einkauf? Nur weil ich muss… Nicht weil ich will. Und immer ist da dieser Kloß im Hals, der zwar bei den schönen Aktivitäten in den Hintergrund rückt, aber den ich nie ganz herunterschlucken kann.
Dieser signalisiert mir stets: Es ist noch nicht vorbei, dir geht es nicht gut.
Warum will ich denn, dass die Menschen es nicht mitbekommen? Vor allem auch so Menschen, mit denen ich häufig zu tun habe?

Ich will nicht, dass die was falsches denken? Dabei ist das ja Bullshit. Was sollen die schon denken?
Das ich bei Fremden nicht schwach sein möchte, das ist mir klar. Ich will nicht erklären müssen, warum ich weine. Das will nicht vor allen die Heulsuse darstellen. Warum auch immer.

Die letzten Tage, seit ich die Stimme nicht mehr „gekünstelt“ hochpusche, fällt es mir schwer, meine „Rolle“ der gutgelaunten Kari zu spielen. Ich weiß nicht, ob die liebe Jasmin das beabsichtigt hat, ob sie das geahnt hat, das meine Stimmung nur eine „Rolle“ für andere ist. Aber mit dieser Achtsamkeitsübung meine Stimme betreffend löst sich gerade so einiges. Da hat sie irgendwie in ein Wespennest gestochen.
Meine Stimme ist also auch eine Fassade. Hey, schaut, wie gut es mir geht. Ich bin stark und ich schaffe das. Obwohl ich lieber, auch beim Gesangsunterricht, heulen würde. Vor allem dann, wenn ich locker singe und die Töne alle Gefühle aus meiner tiefsten Seele mit nach oben durch das geöffnete Walloch pusten.

Das ist dann wie buddeln in der Erde. Man stößt irgendwann, wenn man nur tief genug gräbt auf Wasser. Das macht die Stimme und der Gesang auch mit mir. Vor allem, wenn Text und Melodie in mir was auslösen und ich scheinbar schwerelos singe. Wenn alles fließt und leicht ist. Meine Stimme durchdringt meinen ganzen Körper und es kommt auch das zum Vorschein, was ich vorher brav verbuddelt habe.
Aber… das… macht Angst.

Was Blödsinn ist. Ich weiß. Aber in Kontrolle abgeben war ich ja noch nie gut. Ich hab lieber auf alles eine leitende Hand.

Was bringt mir diese Achtsamkeitsübung der Stimme nun mehr, als viele Einsichten?

Das es sich wundervoll anfühlt, wenn alles so locker ist. Und das ich den Preis der Tränen gerne dafür zahle…. Ich sollte Taschentücher mitnehmen nächsten Mittwoch.

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