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Supermann, ältere Frau und harter Knochen ~ Ich hatte einen Schutzengel

von am 24. Juni 2017

Mir tut heute noch alles weh. Ich hab überall Blutergüsse und sogar das Tippen auf dem Tablet schmerzt im Nacken.

Warum?

Ich hatte Mittwoch einen Unfall. Ich bin einmal durch den Bus geflogen als ich auf dem Weg zum Gesangsunterricht war. Aber bevor ich den Unfall erzähle. Hier der Zeitungsartikel.

Ich war dann mal die ältere Frau. Jasmin betitelte mich als harten Knochen, für Lars bin ich Supermann.

Ich habe zahlreiche Prellungen und Stauchungen und Schmerzen an Körperstellen, die ihr euch nicht vorstellen könnt. Am schlimmsten ist die Prellung am Steißbein, ich kann nicht richtig sitzen, Klo tut weh, alles was man da eben so macht.

Und das Schleudertrauma mit dem Schulter-Arm Syndrom. Alles was ich ab Arm bewege kommt direkt im Nacken und Kopf an. Wenn ich kaue, die Augen bewege, sogar wenn ich den kleinen Finger bewege. Und sogar das pillern merke ich in den Schultern.

Und auch der Bauch tut weh, der ist seit Freitag neu dazu gekommen. Irgendwie wie Muskelkater nach Situps. Wirklich, wirklich unangenehm.

Mein rechtes, eh schon taubes Bein fühlt sich auch irgendwie anders an, schwerer, es kribbelt mehr. 

Ich geb den Prellungen und dem ganzen wohl noch ein paar Tage Zeit. Wenn es nicht besser wird, dann geh ich zum Arzt, nochmal…
Aber das alles wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Ich mag nicht jammern, denn ich kann froh sein, dass mir nicht mehr passiert ist. Bei meinem Gewicht und der Tatsache, das ich fast 5 Meter durch den Bus von einer Tür zur anderen geflogen bin.

Ich glaube, ich hatte einen Schutzengel. In den Sekunden, die sich für mich ewig angefühlt haben, hatte ich das Gefühl, ich war in einem dunklen Tunnel. Ich hab nichts mehr gesehen, ich habe nicht gespürt, wie ich mir den Arm und den Kopf angeschlagen habe. Dafür fühlte ich mich leicht, wirklich so, als könne ich fliegen. Und ich hatte das Gefühl, das mich jemand in Watte packt.

Als ich wieder zu mir kam, war mir warm, und es tat auch nix weh. Ich lag wie so ein Käfer auf dem Rücken, mittig platziert im Gang an der Fahrertür und starrte zur Decke. Den Rucksack hatte ich noch auf, der hatte wohl einiges abgefangen. Und ich fühlte mich wohl? Geborgen? Aber ich fühlte auch, dass mich wer verließ und das behagliche Gefühl mit sich nahm.

Das klingt merkwürdig, oder? Ich hatte das Gefühl, da hat jemand die Hand über mich gehalten, so dass mir nichts passiert ist, oder eben nicht mehr. Ich weiß nicht, ob es Mama war, aber ich möchte es gern glauben. 

Haltet mich für verrückt, vielleicht bin ich das auch. Aber so etwas habe ich vorher noch nie erlebt…

Danke, Schicksal, Fügung, Schutzengel oder Mama. Ich hatte Glück im Unglück. Und die Schmerzen vergehen auch wieder…

Und mein defekter Tolino…. ist ersetzbar.

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Gedankenfetzen | Schmerzen | Trauer

Warum Achtsamkeit dich erdet, aber nicht stressfrei macht

von am 19. April 2017

Achtsamkeit.

Dieses Thema verfolgt mich ja schon seit meiner Schmerztherapie. Dabei geht es in den Achtsamkeitsübungen nicht darum irgendetwas los zu werden. Die Schmerzen vergehen nicht, die Probleme werden nicht kleiner.

Was macht Achtsamkeit denn dann?

Sascha und ich haben da die letzten Tage viel drüber geredet. Was Achtsamkeit bei anderen macht, das weiß ich nicht. Ich kann nur beschreiben, wie es mir geht.

Achtsamkeit. Man achtet auf etwas. Man achtet auf alles, was im Moment los ist. Man schaut sich um, realisiert und nimmt wahr. Dabei handelt es sich um alles, was gerade, just in dem Moment gerade los ist. Das kann die Umgebung sein, das können Empfindungen sein, Geräusche oder Gerüche.

So eine Übung kann man immer und überall machen. 30 Sekunden oder Stunden.

Ich beginne immer mit dem Ort. Farben, Umgebung. Bin ich drin, bin ich draußen, ist es hell oder dunkel. Was höre ich? Rieche ich was. Ist irgendwo Dreck. Was mag ich gerade in der Situation, was nicht?

Schnell komme ich dann auf mich. Wie geht es mir? Was denke ich? Und da wird es meist nicht so angenehm. Ich spüre die ständigen Schmerzen, mache mir bewusst, wo es weh tut. Aber ich weiß auch, das die positiven Dinge, die ich vorher möchte dadurch nicht unschöner werden. 

Alles kann existieren. Zur gleichen Zeit, das macht mir die Achtsamkeit bewusst.

Es ist nie alles nur doof, aber auch nie nur alles grandios.

Achtsamkeit erdet mich, Achtsamkeit macht bewusst. Bewusst im Moment leben, akzeptieren, was los ist und realisieren, dass alles sein darf, kann und muss.

Achtsamkeit macht nicht frei von Stress, manchmal realisiert man erst, wie stressig es gerade ist. Aber alles, was während den Übungen real wird, damit kann ich viel einfacher und bewusster umgehen. Und alles wird relativ. Denn es gibt nicht nur die eine Seite im Moment.

Atmen, annehmen und bewusst den Moment erleben, tut manchmal weh, aber befreit. 

Es kostet Übung, aber mir hilft es. Es stärkt meine Persönlichkeit.

Und ich kann mit der Trauer, Schmerzen und auch Stress besser umgehen. Weil ich es bewusst zulasse. Zulasse, was vorher sich vielleicht versteckt hat. Nur Gefühle und Sachen, die einem bewusst sind, egal wie schmerzhaft, kann man angehen und bewältigen. 

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Die Sache mit der Stimme – Oder: Warum mir diese Frau so unheimlich ist

von am 15. März 2017

Schlaf. Geschlafen habe ich früher gerne. Ich konnte mich hinlegen, bin eingeschlafen, habe durchgeschlafen. Meistens.
Seit Mamas Tod ist das anders. Schlaf? Was ist das? Kann ich das kaufen? Und dieser Schlafmangel macht sich in allem bemerkbar. Ich bin angespannt, kann nicht locker lassen, bin stets auf dem Sprung.
Das macht mir nicht nur mehr Rückenschmerzen als sonst, sondern diese Anspannung geht vor allem auch auf die Stimme. Sie klingt nicht so frei, nicht so selbstverständlich. Und das nervt mich natürlich zusätzlich.

Heute hatte ich Gesangsunterricht. Manchmal glaube ich ja, dass an der lieben Jasmin eine Hobbypsychologin verloren gegangen ist. Heute erzählt sie mir doch glatt was von loslassen, weitmachen und das man an meiner Stimme hört, das ich drüber bin. Weil ich höher rede, als meine Brustsingstimme es vermuten lässt.
Und irgendwie hat sie heute Worte dafür gefunden, die mich berührt haben. Und beruhigt haben? Kann man das sagen? Ich fühlte mich geerdet und locker, wie seit Wochen nicht mehr. Es fühlte sich alles ganz warm an und ich fühlte mich müde. Einfach, weil sie das aussprach, was mir schon seit Wochen im Kopf rumgeht. Das ich einfach mich wieder mehr reflektieren muss, locker lassen muss. Entspannen soll.

Nun habe ich eine Hausaufgabe. Ich soll meine Stimme beobachten und schauen, wann sie eine Tendenz in die Kopfstimme bekommt. Innehalten, kurz durchatmen und mich reflektieren.

Warum kann diese Frau das? Immer gerade zur richtigen Zeit die richtigen Worte finden? Warum weiß die, zum Geier, was mit mir los ist? Und warum bringt die mich immer zum Heulen? Zum Glück nicht direkt beim Singen, aber der Kloß war schon da. Während ich locker die Sandé gesungen haben „Read all about it“ merkte ich schon, das ich mit dem Weit werden im Hals und im Loslassen in den Muskeln noch mehr den Weg bereitet habe. Anspannung von Wochen fiel ab. Die hatte ich alle gar nicht auf dem Schirm, aber die werden wohl irgendwo in mir gesessen haben. Da sitzt diese Frau mir gegenüber und kitzelt das aus mir raus, was ich eigentlich gerne in mir einschließen würde.

Im Moment versuche ich soviel, um wieder mehr zu mir zu finden, alles zuzulassen und es nicht einfach stumm wegzuschließen. Vieles versuche ich, aber so wirklich bringt es nichts.

Trauergruppe ist nett, ich merke, ich bin nicht alleine, aber viel hat das bisher nicht genützt.
Das schafft nur die Musik, der Chor, der Gesang und die Tee. Auch wenn ich an mir arbeiten muss, diesen blöden Kram zuzulassen, aber sie scheint es ja irgendwie zu schaffen. Sie scheint es wie so ein Trüffelschwein zu riechen und buddelt es aus. Das ist unheimlich. Als würde die deine Seele besser kennen als du selbst….
Oder hat man als Musikerin automatisch solche Antennen… Ich kann es mir nicht vorstellen.

Heute habe ich einen Entschluss gefasst. Was soll ich zu einen Psychologen gehen, wenn es Menschen gibt, in meinem Umfeld, die, ohne es zu wissen, mir die beste Therapie der Welt zur Hand geben? Warum mich einem Fremden öffnen, wenn ich doch alles, was ich brauche, schon in mir habe und weiß, was zu tun ist? Ich habe das alles schon einmal durch und ich schaffe das nochmal. Ich muss nur wieder bewusster daran an die Wurzel des Übels. An meine Angst vor Gefühl, weil ich Angst habe, verletzlich zu sein. Und an meine Angst, es allen recht machen zu wollen. Ich muss einfach wieder mehr nur mir genügen und auf „Die Anderen“ (entschuldigt den Ausdruck) scheißen. Ich muss mir wieder die Wichtigste sein und Dinge so machen, wie ich sie kann. Ich mag mich nicht mehr rumschubsen lassen und mir einreden lassen „Du nimmst das nicht wichtig“, „Du kannst das nicht“, „Du bist eben nicht Mama!“.

Diese Hausaufgaben mache ich gerne. Atmen, still sein, und schauen, was stresst mich gerade und wie kann ich wieder zu mir und meiner Mitte finden. Einfach mir mehr Raum und Zeit einräumen. Das ist im Grunde ja nix anderes als die Achtsamkeitsübung bei der Schmerztherapie. Ich muss mir wieder mehr bewusst machen, das Leben ist schön. Alles ist gut und alles darf geschehen. Es zulassen, mit dem Wissen, es geht alles vorüber. Auch der schlimmste Heulkrampf. Und wenn ich dann ausshehe wie ein Waschbär? Dann ist das eben so.

Eine Woche lange auf mich achten. Das schaffe ich. Und wer weiß, wie es mir dann beim Singen geht. Einfach loslassen und kein Druck. Oh Ohhh, Oh, Oh, Oh, Ohhhh.

Ich weiß, da ist noch viel Trauer in mir, die mir zwischendurch die Kehle einfach zuschnürrt, die mich anspannt. Es ist ein Gefühl, das ich unterdrücken mag, warum auch immer. Aber da sind noch mehr Gefühle, die ich unterdrücken will. Wut und manchmal sogar… nein, es ist nicht Hass. Es ist Unverständnis, wie Menschen mit Lügen sich eine ganze Welt zusammenbauen können, unter der andere Leiden. So könnte ich es am besten beschreiben. Diese Gefühle, die ich wegschließen will, aber sich immer wieder den Weg bahnen. Denen mehr Raum zu schenken, diese zulassen können um mir gerecht zu werden, dass sollte die nächsten Tage mein Ziel sein, was immer das auch für Konsequenzen hat.

Es hängt alles zusammen. Mein Rücken, meine Panikattacken, meine Stimme. Mit dem Wissen und der Einsicht, Kari, stress dich nicht selber, nimm dich einfach viel mehr aus Situationen raus, so sollte ich die nächsten Wochen wieder meistern können und mich endlich besser fühlen.

Und dann auch wieder so singen wie heute, als hätte ich nie was anderes gemacht. Selbstverständlich, alles offen und einfach alles in die Musik an Emotionen hineinlegend. Es wird ein hartes Stück Arbeit, aber die investiere ich, für mein Wohlbefinden.

Der Frühling ist endlich da, es wird Zeit, das auch ich wieder erblühe. Und meine Gefühle schicke ich zu den Sonnenstrahlen, damit sie mich wieder mit Energie und postiven Schwingungen erfüllen.

Dieser Blogbeitrag ist der Start für eine besondere Achtsamkeitswoche.
Danke an die kleine Hobbypsychologin, die nicht nur meine Stimmebänder zum Schwingen bringt. Ganze Saiten meiner Seele möchten mitsingen und sagen mir: Mit Musik geht alles leichter.

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