Wer hätte gedacht, das die Genesung von der Rücken-OP mir doch so Einiges abverlangt? Ich dachte ja: Op, Reset-Knopf, sofort alles supi. Und das, obwohl ich eigentlich völlig ohne Erwartungen drangehen wollte, weil ich Angst vor einer Enttäuschung hatte.

Tja, das Vorhaben war wohl doch für den Allerwertesten…

Ja, ich weiß, das ist nett formuliert. Mein Hausarzt sagte am Mittwoch, ich würde klingen wie eine Politikerin. Diplomatisch und alles beschönigen. Aber meckern und motzen und fluchen bringt mich ja nun auch nicht weiter.

Ich versuche auf die Füße zu kommen. Aber es ist wirklich schwerer als gedacht. Der Ischiasnerv (oder welcher Nerv auch immer) zwickt und zwackt vom Po bis in den Fuß und manchmal mag ich einfach nicht mehr. Aber dann fallen mir all die Dinge ein, die ich jetzt ins Rollen gebracht habe. Und ich weiß, wenn ich jetzt nicht weitermache, dann habe ich echt verloren. Ich kann doch nicht irgendwelche Sachen anfangen und dann alles hinschmeißen. Wenn ich was anfange, dann ziehe ich das auch durch. Für diesen eine großen Traum: Paris rückt in greifbare Nähe. Den Eiffelturm sehen… davon träume ich schon…. mein ganzes Leben.

Und dafür muss ich laufen können, sitzen können, stehen können. Deswegen lasse ich jetzt nicht locker. Ich versuche jeden kleinen Fortschritt wirklich bewusst wahrzunehmen und auch anzunehmen. Egal wie klein die Schritte sind. Es sind Schritte in die richtige Richtung. Und nur darauf kommt es an. Und wenn ich langsam zum Ziel komme, dann komme ich eben nur langsam zum Ziel. Das ist bei meiner Gewichtsreduktion genau das Gleiche.

Mein Therapeut hat die Wette eh schon gewonnen. Er war eher als ich in Paris und hat mir ein Foto vom Eiffelturm geschickt. Aber ich kann noch immer einen Teilsieg davontragen. Er war nämlich nicht AUF dem Eiffelturm. Und mit Verlaub Herr F., dass mit dem besseren Blick für ein schönes Foto, das stimmt tatsächlich. Da haben Sie wirklich recht gehabt. Danke für diese Einschätzung, das Lob tut gerade gut. Und ich habe, nur nebenbei bemerkt, sicher auch die bessere Kamera.

Und ich halte es dann mal wie die großartige Julia Engelmann:

Es geht nicht ums Gewinnen, sondern darum, dass du kämpfst.

Und genau das werde ich, denn nur, wenn ich nicht mehr aufstehe, dann habe ich verloren. Deswegen mache ich weiter. Ich übe. Laufen, gehen, stehen, sitzen und auch das Fotografieren. Das fühlte sich die letzten Tage gut an. Jede Minute, in der ich das schaffe und es übe, habe ich dann auf der Haben-Seite. Und es ist wichtig, etwas auf dem Haben-Konto zu haben. Da ist es egal wie viel das ist, Hauptsache es ist irgendwas. Das ist dann nämlich auf jeden Fall mehr als Nichts.

Ich gönne Ihnen Ihren Sieg Herr F.. Sie waren halt schneller, das muss ich neidlos anerkennen. Ehre, wem Ehre gebührt. Und dennoch habe ich auch gewonnen, schon jetzt. Denn…. ich stehe wieder auf.

Frei nach Rolf Zuckowski:

Es geht immer noch ein bisschen weiter, ein bisschen weiter als vorher!

In diesem Sinne, bleibt am Ball, ihr Lieben, egal was es ist. Ein Schritt nach dem anderen, man kommt auch langsam an und manchmal ist der Weg ja schon das Ziel. Und manchmal kann sich auch ein Ziel ändern, wenn man auf dem Weg ist. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt!

Autor

kari@kibo.fm

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