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Ein Doo in F, Sonnenschein und Eis

von am 25. März 2017

„Lass die Sonne in dein Herz, schick die Sehnsucht himmelwärts…“

So lautet eine Zeile der Schlagergruppe Wind. Das Lied ist echt schon alt, aber wenn ich den heutigen Tag Revue passieren lasse, dann beschreibt diese Zeile es einfach am besten, wie es mir geht.

Heute ist ein grandioser Frühlingstag, etwa 14 Grad, der Wind ist noch frisch und er erinnert noch an den vergangenen Winter. Aber es ist sonnig, der Himmel ist blau und die Farben erstrahlen. Nun befinde ich mich nach einer sehr tollen Chorprobe mit meinem schmerzenden und fiesen Rücken halb liegend auf dem Sofa in der Sonne und möchte meine Gedanken aufschreiben.

Ich habe heute die Sonne in mein Herz gelassen. Und meine Sehnsucht zu meiner Mama himmwärts geschickt. Und… ich war nur ganz kurz traurig. Denn den Frühling, kurz vor Ostern, diese Zeit mochte sie sehr. Sie hat immer ihre Wohnung  dekoriert, hat die Hasen rausgeholt und Blumen gekauft. Narzissen, Tulpen, Primeln.

Auf meinem Tisch hier im Wohnszimmer steht auch ein Bund mit Tulpen, sogar meinem Papa habe ich einen Bund mitgebracht. Er macht sich da eigentlich nicht soviel draus, aber irgendwie war es mir ein Bedürfnis diese Tradition meiner Mama fortzusetzen. Im Frühling beginnt eben neues Leben, ein neuer Zyklus. Ein ganz neuer Lebensabschnitt.

Heute morgen las ich sehr gerührt einen Kommentar unter meinem letzten Blogbeitrag. „Die Leserin“ hat mir einen richtig hilfreichen und vor allem lieben Kommentar unter meinem doch eher depressiven Post geschrieben. Dafür möcht ich an dieser Stelle DANKE sagen. Der kam genau richtig.

Trauer muss nicht immer nur negative Gefühle beinhalten. Liebe, ja auch Liebe ist ein Gefühl von Trauer. Ich war auch nicht wirklich traurig, als ich an meine Mama und ihre Traditionen der ersten Frühlingstage gedacht habe. Schwermütig, oder besser melancholisch war ich. Aber ich hatte Freude ihre Hasen aus der Dekokiste zu kramen und zu verteilen. Und mein Herz hüpfe, als ich die Tulpen auf den Tisch stellte.

Ich weiß was „Die Leserin“ mit ihrem Kommentar meint, wenn sie schreibt, dass die Trauer nicht weg geht, sondern das sie einen gesunden Platz im Leben haben soll. Ja, ich glaube heute war so ein Tag, die Trauer war da, ich habe an meine Mama gedacht und trotzdem hatte ich einen sehr schönen Tag. Von den Rückenschmerzen mal abgesehen.

Aber mit der Trauer ist es wie mit meinem kaputten und verhunzten Rücken. Es kommt auf die Sicht der Dinge an. Das habe ich heute gelernt. Und diese Einsicht bringt mich auf meinem Trauerweg weiter nach vorne. Ich muss diese Gefühle einfach zulassen, notfalls Innehalten und das Leben weiterleben, was mich erfüllt.
So habe ich eben heute meine Rückenschmerzen genommen, die Zähne zusammengebissen und mit meinem Sitzkissen die Chorprobde durchgezogen. Um welchen Preis? Der Rücken tut noch mehr weh, ich hänge hier gerade wie ein Schluck Wasser in der Kurve, neben mir der Hund. Aber die Rückenschmerzen sind, nein, nicht egal, aber ich weiß, warum ich sie habe. Weil ich gesungen habe, etwas gemacht habe, was mich mit Freude erfüllt hat. Und dann nehme ich auch den unangenehmen Rückenschmerz in Kauf. Bis spätestens Montag ist der wieder weg, solange übertünche ich den Schmerz mit den vollklinden Doos in F und einem knackigen Scat Calypso und den vielen lachenden Chormitgliedern.

Und auch mit meiner Trauer werde ich nun so umgehen können. Denn es ist ebenfalls ein Schmerz. Der tut eben nur anders weh. Ich werde die Schmerzen annehmen und schauen, was ich trotz ihnen machen kann und zulassen, dass der Schmerz der Trauer an die Oberfläche tritt. Denn mir ist nun bewusst, dass es neben dieser schmerzlichen Trauer eben auch die „schönen Seiten“ der Trauer gibt. Nämlich die positiven Erinnerungen, die mit der Trauer ebenfalls einhergehen können. Wie die Tulpen und der Sonnenschein heute.

Mir ist völlig klar, dass diese Tage auch weiterhin kommen werden, wo es einfach nur schwer ist und ich weinen muss… Aber, das nehme ich an… so wie diesen Rückschmerz nach der Chorprobe… Solange es immer etwas gibt, was mehr wiegt als die negativen Empfindungen, wird alles wieder gut.

Ich sitze hier, höre Sasche, wie er bei Kibo.FM moderiert, der Kater liegt auf dem Esstisch… Ja, fragt besser nicht. Oscar liegt eingekringelt neben mir auf dem Sofa. Vor mir liegt das Handy. Als Wallpaper habe ich ein Bild von mir mit meiner Mama. Sie lächelt mich an und hält ein Bonbon mit goldenem Papier in die Kamera. Sie grinst mich an. Und ich sitze hier, habe ein Eis mit Vanille und Keksstückchen und muss zurückgrinsen.

Denn ich weiß, was sie sagen würde.
Claudia, so ist es richtig. Lass es dir gut gehen und achte auf dich.

Und beim Thema Chor? Da würde sie mit mir lachen… denn…. Wir „tanzen“

Ich blicke aus de Fenster. Es ist 18:33 und die Frühlingssonne geht langsam unster. Man sieht ein helles Orange am Horizont. Die Vögel zwitschern mit Kiras Schnurren um die Wette. Irgendwo da lacht meine Mama jetzt bestimmt und denkt sich:

„Ach herrje, meine Große singt und tanzt. Wie ein Affe auf dem Schleifstein!“

Aber ich weiß, sie wäre stolz auf mich.

Das Leben geht weiter, das Leben ist schön, es erfüllt mich so Vieles mit einem Sinn. Das musste ich nur wiederfinden.

Es ist schade, Mama, dass du das nicht mehr Live miterleben kannst, wie ich zu einem freudigen Doo meine Arme im Rhythmus bewege, aber ich weiß, du bist bei mir.

Diese Gedanken stimmen mich wieder melancholisch, ein wenig traurig aber sie bringen mir auch die Sonne in mein Herz.

„Lass die Sonne in dein Herz, schick die Liebe himmelwärts…“

Ja, jeden Tag ein wenig mehr, denn ja, diese Phrase stimmt.

Zeit heilt alle Wunden und eine Narbe bleibt zurück, die es mit Sonnenschein zu pflegen gilt. Und dafür habe ich viele Dinge in meinem Leben, die mir den Sonnenschein bringen.

Ein Doo auf F, Eis und zwei Frauen mit Zauber im Herz.

Und natürlich die besten Freunde der Welt.

Ja, mir geht es gut, ich habe die Sonne im Herz und langsam eine Ahnung, welche Richtung mein Trauerweg nimmt.
Ich sehe wieder ein Licht auf diesem Weg. Die Sonne, die ich eben immer wieder erneut ins Herz lassen musst.

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Die Sache mit der Stimme – Oder: Warum mir diese Frau so unheimlich ist

von am 15. März 2017

Schlaf. Geschlafen habe ich früher gerne. Ich konnte mich hinlegen, bin eingeschlafen, habe durchgeschlafen. Meistens.
Seit Mamas Tod ist das anders. Schlaf? Was ist das? Kann ich das kaufen? Und dieser Schlafmangel macht sich in allem bemerkbar. Ich bin angespannt, kann nicht locker lassen, bin stets auf dem Sprung.
Das macht mir nicht nur mehr Rückenschmerzen als sonst, sondern diese Anspannung geht vor allem auch auf die Stimme. Sie klingt nicht so frei, nicht so selbstverständlich. Und das nervt mich natürlich zusätzlich.

Heute hatte ich Gesangsunterricht. Manchmal glaube ich ja, dass an der lieben Jasmin eine Hobbypsychologin verloren gegangen ist. Heute erzählt sie mir doch glatt was von loslassen, weitmachen und das man an meiner Stimme hört, das ich drüber bin. Weil ich höher rede, als meine Brustsingstimme es vermuten lässt.
Und irgendwie hat sie heute Worte dafür gefunden, die mich berührt haben. Und beruhigt haben? Kann man das sagen? Ich fühlte mich geerdet und locker, wie seit Wochen nicht mehr. Es fühlte sich alles ganz warm an und ich fühlte mich müde. Einfach, weil sie das aussprach, was mir schon seit Wochen im Kopf rumgeht. Das ich einfach mich wieder mehr reflektieren muss, locker lassen muss. Entspannen soll.

Nun habe ich eine Hausaufgabe. Ich soll meine Stimme beobachten und schauen, wann sie eine Tendenz in die Kopfstimme bekommt. Innehalten, kurz durchatmen und mich reflektieren.

Warum kann diese Frau das? Immer gerade zur richtigen Zeit die richtigen Worte finden? Warum weiß die, zum Geier, was mit mir los ist? Und warum bringt die mich immer zum Heulen? Zum Glück nicht direkt beim Singen, aber der Kloß war schon da. Während ich locker die Sandé gesungen haben „Read all about it“ merkte ich schon, das ich mit dem Weit werden im Hals und im Loslassen in den Muskeln noch mehr den Weg bereitet habe. Anspannung von Wochen fiel ab. Die hatte ich alle gar nicht auf dem Schirm, aber die werden wohl irgendwo in mir gesessen haben. Da sitzt diese Frau mir gegenüber und kitzelt das aus mir raus, was ich eigentlich gerne in mir einschließen würde.

Im Moment versuche ich soviel, um wieder mehr zu mir zu finden, alles zuzulassen und es nicht einfach stumm wegzuschließen. Vieles versuche ich, aber so wirklich bringt es nichts.

Trauergruppe ist nett, ich merke, ich bin nicht alleine, aber viel hat das bisher nicht genützt.
Das schafft nur die Musik, der Chor, der Gesang und die Tee. Auch wenn ich an mir arbeiten muss, diesen blöden Kram zuzulassen, aber sie scheint es ja irgendwie zu schaffen. Sie scheint es wie so ein Trüffelschwein zu riechen und buddelt es aus. Das ist unheimlich. Als würde die deine Seele besser kennen als du selbst….
Oder hat man als Musikerin automatisch solche Antennen… Ich kann es mir nicht vorstellen.

Heute habe ich einen Entschluss gefasst. Was soll ich zu einen Psychologen gehen, wenn es Menschen gibt, in meinem Umfeld, die, ohne es zu wissen, mir die beste Therapie der Welt zur Hand geben? Warum mich einem Fremden öffnen, wenn ich doch alles, was ich brauche, schon in mir habe und weiß, was zu tun ist? Ich habe das alles schon einmal durch und ich schaffe das nochmal. Ich muss nur wieder bewusster daran an die Wurzel des Übels. An meine Angst vor Gefühl, weil ich Angst habe, verletzlich zu sein. Und an meine Angst, es allen recht machen zu wollen. Ich muss einfach wieder mehr nur mir genügen und auf „Die Anderen“ (entschuldigt den Ausdruck) scheißen. Ich muss mir wieder die Wichtigste sein und Dinge so machen, wie ich sie kann. Ich mag mich nicht mehr rumschubsen lassen und mir einreden lassen „Du nimmst das nicht wichtig“, „Du kannst das nicht“, „Du bist eben nicht Mama!“.

Diese Hausaufgaben mache ich gerne. Atmen, still sein, und schauen, was stresst mich gerade und wie kann ich wieder zu mir und meiner Mitte finden. Einfach mir mehr Raum und Zeit einräumen. Das ist im Grunde ja nix anderes als die Achtsamkeitsübung bei der Schmerztherapie. Ich muss mir wieder mehr bewusst machen, das Leben ist schön. Alles ist gut und alles darf geschehen. Es zulassen, mit dem Wissen, es geht alles vorüber. Auch der schlimmste Heulkrampf. Und wenn ich dann ausshehe wie ein Waschbär? Dann ist das eben so.

Eine Woche lange auf mich achten. Das schaffe ich. Und wer weiß, wie es mir dann beim Singen geht. Einfach loslassen und kein Druck. Oh Ohhh, Oh, Oh, Oh, Ohhhh.

Ich weiß, da ist noch viel Trauer in mir, die mir zwischendurch die Kehle einfach zuschnürrt, die mich anspannt. Es ist ein Gefühl, das ich unterdrücken mag, warum auch immer. Aber da sind noch mehr Gefühle, die ich unterdrücken will. Wut und manchmal sogar… nein, es ist nicht Hass. Es ist Unverständnis, wie Menschen mit Lügen sich eine ganze Welt zusammenbauen können, unter der andere Leiden. So könnte ich es am besten beschreiben. Diese Gefühle, die ich wegschließen will, aber sich immer wieder den Weg bahnen. Denen mehr Raum zu schenken, diese zulassen können um mir gerecht zu werden, dass sollte die nächsten Tage mein Ziel sein, was immer das auch für Konsequenzen hat.

Es hängt alles zusammen. Mein Rücken, meine Panikattacken, meine Stimme. Mit dem Wissen und der Einsicht, Kari, stress dich nicht selber, nimm dich einfach viel mehr aus Situationen raus, so sollte ich die nächsten Wochen wieder meistern können und mich endlich besser fühlen.

Und dann auch wieder so singen wie heute, als hätte ich nie was anderes gemacht. Selbstverständlich, alles offen und einfach alles in die Musik an Emotionen hineinlegend. Es wird ein hartes Stück Arbeit, aber die investiere ich, für mein Wohlbefinden.

Der Frühling ist endlich da, es wird Zeit, das auch ich wieder erblühe. Und meine Gefühle schicke ich zu den Sonnenstrahlen, damit sie mich wieder mit Energie und postiven Schwingungen erfüllen.

Dieser Blogbeitrag ist der Start für eine besondere Achtsamkeitswoche.
Danke an die kleine Hobbypsychologin, die nicht nur meine Stimmebänder zum Schwingen bringt. Ganze Saiten meiner Seele möchten mitsingen und sagen mir: Mit Musik geht alles leichter.

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Darauf einlassen

von am 10. Februar 2017

Manchmal sitze ich hier auf dem Sofa und kann direkt durch die Tür in den Durchgangsraum schauen, den wir als Esszimmer eingerichtet haben. Dort steht eine Kommode mit einer kleinen Lampe darauf und direkt darüber hängt meine Mama, in Schwarz und Weiß und einer Schwesterntracht. Ich weiß nicht genau wie alt sie da war. Aber mein Papa erzählte mir, dass er sie genau so kennengelernt hat. Sie muss also um die 20 gewesen sein.

Ich ertappe mich dabei, wie ich mit ihr rede. Entweder schaue ich mir das Bild an oder ich schaue einfach hoch, an die Zimmerdecke, in den Himmel, wo immer ich auch bin. Das klingt ganz schön abgedreht, aber es hilft mir. Und ich habe das Gefühl, das es einfach so ist. Sie hängt da an der Wand und lächelt mit stumm mit ihrem verträumten, ernsten Blick zu. Ein Blick, der aber auch ganz viel Lebensfreude und Neugier ausstrahlt. Es ist mein Blick, wenn ich in den Spiegel schaue, traurig, aber voller Freude auf kommende Abenteuer. Nur hat sie nicht so schlimme Augenränder wie mein Spiegelbild sie aufweisen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mit mir redet. Oder mir eine Hand auf die Schulter legt. Sie ist einfach noch da. Hier bei uns und begleitet uns auf diesem Weg. Das spüre ich auch, wenn ich diese Zeilen schreibe. So viel von ihr ist hier. Nicht nur ihr geliebtes Halstuch um meinen Hals, oder Liese Lotte, die Puppe, die sie mir zum Geburtstag als Kind geschenkt hat. Blumen auf den Tisch, die wir uns sonst zusammen gekauft haben, das habe ich nun alleine gemacht, weil es immer so war. Das Windlicht mit der Eule, welches sie mir letztes Jahr geschenkt hat, weil ich es so toll fand. Ich will mir Leber kaufen, auch wenn nur ich die jetzt noch esse, aber auch das bleibt. Ich mag Leber noch immer, die habe ich immer mit Mama gegessen. Sie hat eben mein Leben geprägt.

Ich habe gestern Werbung gesehen. Die Joghurt Schnitte, ein Nebenprodukt der Milchschnitte gibt es jetzt mit Himbeere. Ich musste an Mama denken. Die hätte sie geliebt. Das weiß ich ganz genau. Nun kauft sie die nicht mehr zum probieren für uns. Aber ich werde das nun tun, und ich werde dabei an sie denken. Weil sie es nicht mehr kann. Es immer so war und sie uns das hiergelassen hat. Neugierig auf neues sein, ganz viel neues auszuprobieren, sich nie einschränken, ungewöhnliche Wege gehen. Und vor allem: Immer an das Unmögliche glauben. Sich selbst einschränken, dass kam für sie nicht in Frage. Weil sie sich eben so sehr in ihrem Leben durch die Krankheit hatte einschränken müssen, hat sie in den ihr möglichen Bereichen immer alles mitgenommen, egal wie ungwöhnlich es war. Hauptsache es ging ihr damit gut. So wurde eben auch neuer Joghurt probiert oder für Wasser 20 Cent mehr ausgegeben, weil die Eiskönigin auf der Flasche war.

Ich solle meinen Weg finden. Ich schreibe, ich singe, ich höre Musik. Ich lese Bücher über Mütter-Töchter-Beziehungen. Und das alles tut mir gut. Und ich gefalle mir in dieser doch ernsteren Version von mir sehr gut, denn trotz allem hat diese alte Claudia, die lacht und sich Glitzerkram kauft noch ihren festen Platz. Diese ernstere Claudia kann viel mehr über Dinge nachdenken. Ich musste mich erst darauf einlassen, mir selbst wieder gefallen. Mir zugestehen, das sich eben was verändert hat, was ich aus eigener Kraft eben dieses Mal nicht ändern kann. Und ich will neugierig auf Neues bleiben, so wie Mama.

Ich lasse mich im Moment auf viel neues ein. Ich lerne im Gesangsunterricht neue Sängerinnen kennen. Ich lasse mich auf neue Sounds ein. Und ich sauge das alles auf. Wohin mich das führt? Ich weiß es nicht. Ob anderen das gefällt? Das weiß ich nicht. Einige konnten damit nicht umgehen, mit dieser Veränderung, die ich gezwungener Maßen durchmachen muss. Aber in erster Linie muss ich mit mir klar kommen. Und das tu ich.

Ich kann durch diese Veränderung mich mit den Worten noch intensiver ausdrücken, ich kann mich einfacher auf Musik einlassen. Und ich glaube auch der Gesang an sich hat nochmal eine Schippe drauf bekommen.

Es verändet sich viel. Aber wenn man sich drauf einlässt, muss Veränderung nicht gleichzeitig schlecht sein. Das habe ich diesen fast neun Wochen nun begriffen. Mama ist nicht mehr da, aber sie hat Farben hier gelassen. Für die Erkenntnis muss ich der weltbesten Jasmin danken. Als hätte sie tief in meine Seele geschaut? Oder als könnte sie einfach nur super gut zuhören. Egal was es ist. Sie hat mich voll durchschaut.

Vielleicht ist es vorherbestimmt, was nun geschieht. Vielleicht war das der große Plan, auf den ich mich halt einlassen muss. Der anders läuft, als ich ihn mir erträumt habe. Denn ich konnte mir nicht vorstellen, nein, ich wollte mir nicht vorstellen, wie es ohne Mama weitergeht. Aber die letzten Wochen haben gezeigt, es geht weiter. Irgendwie.

Mir ist es gelungen ein paar Zeilen zu schreiben und diese tatsächlich zu vertonen.

Colors

So soll das gute Lied heißen. An Jasmin und Sascha geht schon einmal ein Dankeschön raus. Ohne euch wäre das nicht geglückt. Und ich mache noch mehr, was meine Mama immer gemacht hat. Groß denken. Denn nur wenn man es denkt, dann kann es auch wahr werden. Ich will mein eigenes kleines Mini-Album mir erarbeiten.

Me, Myself and Mum

6 Songtexte habe ich, es soll schlicht werden. Mal schauen ob es gelingt, aber ich will neugierig bleiben und mich nicht einschränken.

Ich schaue wieder durch die Tür zu meiner Mama. Sie lächelt noch immer still zu mir herüber, als würde sie ihren lockern Spruch gleich sagen:
„Mach doch, wenn du das willst. Mir doch egal.“

Und damit meinte sie immer lapidar.

„Ich stehe hinter allem, was du entscheidest Kind, weil ich weiß, dass du das richtige tust.“

Vertraut hat sie uns immer. Und deswegen weiß ich, dass sie mir auch dieses zutraut und mir vertraut. Ich mach diese Idee nicht wahr für andere, sondern für mich.

Den ersten Song Colors, den bekommt ihr hier auf dem Blog als Demo. Aber es wird noch dran gearbeitet.

Man muss sich einfach auf alles einlassen, denn ändern kann man an dem was geschehen soll und muss eh nichts. Man kann nur damit umgehen was geschieht. Und das tu ich nun, in Zukunft, hoffentlich einfacher als früher. Einfach drauf einlassen, mit der Gewissheit, alles wird gut immer.

 

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Um-Bruch

von am 30. Januar 2017

Mal wieder eine Nacht voller wacher Stunden. Mit vielen Gedanken in meinem Kopf. Gestern haben wir mit Freunden nochmal „Alles steht Kopf“ geschaut.
Ein toller Kinderfilm, dessen Botschaft man wohl erst ganz erfasst, wenn man erwachsen ist.
Was sagt Kummer zu BingBong?

„Ja, es tut weh, wenn man etwas verloren hat, was man liebt.“

Kummer hat so recht. Es tut weh, in jeder Faser deines Körpers. Als würdest du eine schwere Virusinfektion bekommen, so reißt es an deinen Gliedern. Dir ist flau im Bauch, dein Darm krampft, dein Kopf fühlt sich an wie in einer Wattewolke. Jede Bewegung fühlt sich schwer an. Minuten werden zu Stunden, Stunden fühlen sich an wie Tage. Während für meine Mitmenschen schon wieder 6 Wochen rum sind, sind es für mich erst 6 Wochen, die ich wie durch einen Nebel wahrgenommen habe.

Im Film geht es auch um das abstrakte Denken.

Auch ich denke im Moment viel Abstraktes.
Es geschieht so viel um mich herum, was ich nicht aufhalten kann. Weil es nicht in meiner Macht steht. Weil ich zu schwach bin, weil es im Leben Dinge gibt, die einfach geschehen….

„Dein Leben verändert sich gerade. Du ordnest dein Leben neu, weil gewohnte Strukturen weggefallen sind.“
(Weisheiten meiner lieben Anja)

Ja, aber diese Veränderung ist so viel mehr. Sie ist ein Umbruch. Umbruch. So ein komisches Wort. Was soll das heißen? Auf den ersten Blick scheint es so, als würde man etwas umkrempeln, auf eine gegenüberliegende Seite bringen.
Aber es bedeutet viel mehr, es ist fast so wie das Wort Tod.
Um-Bruch

Um. Etwas ist um. Vorbei. Unwiederbringlich beendet. Now old friends are acting strange. Meine Mama, die um ist. Ihr Leben ist um. Freunde verhalten sich anders. Weil bei mir etwas um ist. Meine Unbeschwertheit. Ist um.
Um. Weg, für immer. Ich kann diese Sachen nicht wiederherstellen. Meine Mama kommt nicht wieder.
Um. Jetzt verstehe ich. Ich verstehe was um bedeutet. Erst jetzt. Jetzt wird mir das Wort, die Bedeutung von „Um“ in Umbruch klar.
Und ich kann nichts ändern daran. Wenn etwas um ist, dann ist es vergeblich, darum zu kämpfen. Vor allem dann, wenn mit diesem einen Um andere Ums aus der Vergangenheit wieder auf den Plan treten.

In „Alles steht Kopf“ war es das Unterbewusstsein. Dinge, vor denen man Angst hatte, die werden dort weggesperrt. Broccoli zum Beispiel, der Staubsauger der Oma, ein fies grinsender Clown. Das kann ich so gut nachvollziehen. Auch ich habe da diese Dinge drin. Dinge, die schon vor Jahren „Um“ waren von einem Umbruch, von einer Veränderung.
Mit dem jetzigen „Um“ kommen die wieder jedoch wieder hoch. Als würde das eine „Um“ wie ein Schlüssel in das Unterbewusstsein passen und das alte „Um“ freundlich begrüßen. Hey komme, lass uns Party machen.
Und alles, was damals war, erfüllt mich mit den gleichen Gefühlen, die ich bei dem jetzigen „Um“ durchmache. Damals hatte ich Panikattacken, Herzrasen, Angst vor dem Unbekannten, Beklemmungen, Schwitzen, Schlaflosigkeit. Einfach einen riesen Schiss vor dem „Um“. Es hat was in mir kaputt gemacht. Ich habe es in mir eingeschlossen. Tief in mir drin. Um daran nicht zu zerbrechen.

Als meine Mama nun starb, kam dieses Gefühl des alten „Um“ wieder raus. Und vermischt sich nun mit dem „Um“ aus dem Unterbewusstsein. Die beiden „Um“ verstärken sich nun gegenseitig. Und ich komme mir vor, als würde ich verrückt werden. Ich will dieses „Um“ nicht, ich will mein Leben wieder, wie es war. Aber meine Mama kommt nicht wieder. Mit „Old Friends“ scheint es keine Chance zu geben, etwas zu kitten.
Weil ich mich verändert habe. „They shake their head, they say I’ve changed“.
Ja, diese Veränderung ist eben auch ein Um….

Nur dieses „Um“ ginge vielleicht ja noch.
Aber in Umbruch steht auch noch Bruch.

Etwas zerbricht, knackt laut, geht kaputt. Natürlich kann man Brüche zum Teil reparieren. Knochenbrüche werden gegipst. Ein gebrochenes Möbelstück kann man leimen.
Aber was ist mit den Brüchen der Seele. Die heilen sicher auch. Aber da werden immer Narben drauf sein, die nicht verschwinden. Da hat meine liebe River schon recht. Die Zeit heilt den Bruch, aber die Narbe bleibt.
Auch bei dem Möbelstück und beim Knochen. Auch wenn nach einem Bruch etwas repariert wird, du wirst die Stelle immer sehen, die repariert wurde. Es ist nichts mehr wie es war. Es ist anders. Verändert. Kaputt und nie mehr so stabil.

Was bleibt mir nun zu tun in dieser ausweglosen Situation?

Natürlich könnte ich in die Offensive gehen. Ich könnte lauthals den Tod verfluchen. Aber das ändert nichts am Um und nichts am Bruch.
Ich könnte nun zu der Welle der „Old friends are acting strange“ eine öffentliche Gegenbewegung starten.
Überall und jedem erzählen, was beim „Um“ und „Bruch“ geschehen ist. Das ich doch einfach nur eine Schulter wollte zum Anlehnen, einen Menschen, der zuhört…
Und nun hören viele zu, aber nicht meine Worte… Weil mich nie einer gefragt hat. Und die, die fragen, keine Armee bilden und für mich in die Schlacht ziehen. Weil ich das nicht will.
Weil das mein Um-Bruch ist. Das hat nichts mit den Menschen zu tun, die mir beistehen. Da reicht mir das Wissen, sie sind da.

Ich muss mit Mamas Tod umgehen, ich muss mit Unverständnis umgehen und mit dem Vorwurf, ich habe mich verändert. Das ist meine Sache….
Ich nehme alles an, was jetzt passiert. Die Narben sind schon da, waren schon beim ersten Um-Bruch tief.

Frei nach dem ABBA Song.

When all is said and done

„It’s so strange when you’re down and lying on the floor

How you rise, shake your head, get up and ask for more

Clear-headed and open-eyed

With nothing left to try

Standing calmly at the crossroads, no desire to run

There’s no hurry any more When All Is Said And Done

Und auch Joni Mitchell hat recht

„Something lost, somthing gained in living every day“

Eines steht jedoch fest. Zu so einem Umbruch gehören immer zwei Parteien. Und beide tragen Verantwortung für einen Umbruch. Meine Mama starb… Sie muss nun auf mich aufpassen. Ich lebe noch.
Danke an Sandra an dieser Stelle. Ja, auf mich wartet noch so viel, was ich meiner Mama berichten kann.

Vielleicht stimmt es. Ich habe mich verändert, das war mein Teil, den ich ohne Beschönigung zugeben muss.
Ich kann nur so sein, wie Kari eben ist. Mich zurückziehen, die Menschen sich einfach eine Meinung über mich bilden lassen und es aushalten. Ich habe keine Zeit und keinen Kopf, mir darüber Gedanken zu machen, ich muss erstmal den Bruch verheilen zu lassen.
Denn bei einem „Um“ und „Bruch“ ist es wichtig, es eben geschehen zu lassen, damit es besser heilen kann. Je mehr man versucht dagegen anzukämpfen, desto mehr tut es weh.

Um-Bruch? – Zu-lassen!

Das Schicksal wird wohl wissen was es tut.
Und ich? Ich muss schauen, dass es mir und meiner Psyche gut geht….

Denn wenn alles gesagt ist, dann braucht man sich keine Gedanken zu machen. Und ich glaube tatsächlich, es wurde alles gesagt….. aber es kam nicht an. Der Tod ist eben taub und einfach unfair….

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ehrenwertes Haus | Gedankenfetzen | Menschen

Von der Feigheit der Menschen und warum die Welt früher oder später vor die Hunde gehen muss

von am 22. November 2016

Trautes Heim, Glück allein.

Seit Sascha und ich zusammen wohnen, haben wir irgendwie immer Menschen in den Mietshäusern, die ein Ei am Wandern haben. Bisher jedoch kamen Beschwerden imm direkt zu uns. Man sprach uns an, wir haben nach Kompromissen geschaut und es wurde sich geeinigt.

Natürlich möchte ich mein Leben gerne so leben in meiner Wohnung, wie ich das für richtig halte, dennoch finde ich auch Rücksichtnahme im bestimmten Maß für angebracht, damit auch andere Leben können. Damit jedoch jeder so leben kann, wie es für einen selbst wichtig ist, muss man ins Gespräch kommen und gegebenfalls schauen, inwiefern man einen Mittelweg findet, sollten die Lebensweisen nicht miteinander kompatibel sein.

Wir wohnen jetzt seit Juni hier. Bisher war alles ruhig. Wir leben das Leben. Singen, spielen Gitarre. Zu noramlen Zeiten, in einer normalen Lautstärke und auch in einer angemessenen Zeitspanne. Nicht jeden Tag, vielleicht einmal die Woche so richtig ausgiebig, sonst ist es eher so, als würde man beim Radiohören mitsingen. Was nicht wesentlich lauter ist als die Gesprächsstimme.

Natürlich klingt Saschas Tenor noch voller und lauter, 7 Jahre Gesangsunterricht schlagen da eben voll durch. Aber auch das hält er ja nicht stundenlang durch. Er sing mal ein Lied, 2 Lieder, nimmt vielleicht auch mal so nen Stündchen was auf. Dann ist aber auch gut. Und das auch nicht täglich.
Wie Leben eben ist. Mit Musik und Geräuschen.

Gestern hatten wir eine halbe, mit „Hausbewohner“ unterschriebene Postkarte in unserem Briefkasten.

 

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Was soll ich sagen. Das sind Menschen von unserem Singen genervt, wir mögen doch bitte in die Kirche dazu gehen und es sei doch hier „Fehl am Platz“.
Was diese ganzen Anführungsstriche bedeuten, wie bei „Singen“, keine Ahnung.

Von wem es von den 30 Parteien kommt, keine Ahnung.

Mich ärgert nicht mal der Inhalt. Wenn man von etwas genervt ist, wir andere vielleicht blästigen, dass will ich wissen, damit man vielleicht was ändern kann. Aber so? Wie und was kann ich ändern. Wann war es so laut, das man es hörte? Ist es Sascha, bin ich es? Ist es der Gesang unter der Dusche? Oder in der Küche? Liegt es an der Uhrzeit?

Mit dieser Karte kann ich gar nichts anfangen. Ich bin mir keiner Schuld bewusst und kann auch erstmal nichts daran ändern. Denn Singen lasse ich mir ersmtal nicht verbieten.

Warum kann man nicht miteinander reden. Warum scheint es eine Person zu sein, die das ganze Haus mit einbezieht.
Ein Gespräch mit dem Hausmeister verriet mir, er höre uns nicht. (Er ist auch ein besagter Hausbewohner)
Unsere direkte Nachbarin, mit der wir schon zwei Tage vorher zufällig ins Gespräch kamen, weil sie Abends ab 20 Uhr nochmal eine Waschmaschine anmacht, sagte uns ebenfalls, sie würde es nicht stören.

Als können es ja schonmal nicht alles Hausbewohner sein.

So eine Art und Weise ist einfach feige. Nun gehe ich durchs Haus und wenn ich jemandem begegne hab ich gleich ein schlechtes Gefühl, weil ich denke, es ist genau dieser Mensch, der genervt ist.

Die Welt geht vor die Hunde. Es wird immer schlimmer. Toleranz, Respekt, Einigung in Lebensweisen. Es wird immer schwerer.

Eigentlich hat man doch eher zwei Möglichkeiten.

Wenn mich etwas nervt, was ein anderer tut, dann gehe ich ihm entweder aus dem Weg, wenn ich das kann. Oder aber, wenn ich wie hier im Haus genervt bin, weil zum Beispiel der Nachbar unter mir immer wieder seine Boxen mit Eurobeat Mucke auf volle Pulle dreht (das ist tatsächlich so) dann geh ich zu dem Herr hin, rede mit ihm und schau nach, wie wir beide unser Leben führen können, mit unserem Bedürfnis uns zu verwirklichen, ohne das jemand groß zurückstecken muss.

Aber einfach so eine Karte schreiben und alle damit hineinzuschreiben, das ist die Höhe. Leider passiert das immer wieder. Menschen reden nicht oder ignorieren sich. Sondern es wird aufeinander einghakt und es wird überall schlecht geredet.

Was geht nur in der Menschheit ab. Singt doch alle mal mehr, das macht glücklich.

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360° Blickwinkel | Menschen

Gehirnfressende Zombies?

von am 28. Oktober 2016

Jüngste Ereignisse machen mich aggressiv. Und lassen mich zu folgender Aussage kommen: Es gibt dumme und ignorante Menschen auf der Welt.

Warum ich so drauf bin? Lasst mich von 3 Geschehnissen erzählen und danach dürft ihr selbst urteilen.

Zum ersten berichtete ich ja von meinem YouTube Channel und dem Menschen, der mir nicht zugehört hat, meine Bitte nicht ernst nahm. Ich bat ihn, mich endlich in Ruhe zu lassen und nicht alles rigoros mit einem Daumen runter zu versehen. Er hörte nicht, ich trat also den Rückweg an. Ich begründete es bereits ausführlich.

Aber da eine Schwalbe ja allein ja noch keinen Sommer macht, macht mich natürlich auch nicht nur ein Ereignis so grantig.

Gehen wir weiter in den Ereignissen.

Dienstag. 25. Oktober 2016, 17 Uhr und 27 Minuten.

Ich gehe mit unserem Hund raus. Einige Meter vor mir sehe ich einen anderen Hund. Um meinem Hund nicht unnötig Stress zu bereiten, warte ich am Sichtpunkt auf Sascha, der gerade Wasser holt.

Oscar kann ich gut beschäftigen. Er sieht den anderen Hund zwar, findet Frauchen aber viel spannender. Der andere Hund ist viel aufgeregter und kläfft.
Herrchen des Kläffers hat nichts Besseres zu tun, als seinen Köter abzuleinen. Der stürmt auf mich und Oscar zu.
Ich bringe Oscar mit einem beherzten „Rück“ hinter mich, ich weiß ja was Oscar von zu stürmisch hält und rufe dem Hundebesitzer entfernt von mir zu:
„Meiner mag das nicht, könnten sie ihren Hund bitte wieder zurückrufen!“
Rufe erklangen, Schreie.
Ratet mal. Der kläffende Köter reagierte nicht. Nein, der ist schnurstracks hinter mich gegangen und auf Oscar drauf.
Danke.
Klar hätte ich mit Oscar schimpfen können. Aber der hatte alles richtig gemacht.
Ich hätte die andere Töle verschrecken können, aber Hundebesitzer sind da ja sehr eigen.
Ich ging sofort in die Offensive und schnauzte den Hundebesitzer an.
Wenn sein Hund nicht abrufbar sei, dann solle er ihn gefälligst an die Leine nehmen, nicht um Meinetwillen. Sondern zum Schutz des eigenen Hundes. Wenn Oscar nämlich doch mal im Stress zuschnappt und nicht nur ermahnt, dann ist nämlich mein Hund der Böse, nicht der Köter mit den Durchzugsohren. Und ich will mich auch nicht ständig und immer wieder erklären müssen, wie mein Hund tickt. Verstehen die denn kein Deutsch?

Gut, abgehakt war das Thema. Nach der Schimpftriade ging es mir gut.

Aber es geht ja noch weiter.

Donnerstag. 27. Oktober 2016, 12 Uhr 08 Minuten.

Claudia geht mit Oscar für 2 Haltestellen in den Bus. Oscar folgsam, brav. Ignoriert alles. Menschen, die direkt an ihm vorbeigehen, Fahrradfahrer. Der Rollator im Bus einer Dame macht ihm zwar etwas Stress, aber ich war ja da.

Eine Dame.
„Och, der ist aber lieb. Wie heißt der denn.“
Alarmglocke. Wenn die weiß wie der heißt, dann redet die mit ihm. Nicht gut.
„Ja, er ist lieb, aber der hat grad Angst und Stress. Lassen sie ihn besser in Ruhe. Der mag nicht, wenn man ihn anspricht in dieser Situation.“
„Ich kenn mich mit Tieren aus. Na, wer bist du denn?“
Sprachs und beugte sich von oben über Oscar. Für Hunde übrigens bedrohlich. Und gepaart mit dem Stressfaktor Busfahrt echt scheiße.

Oscar wich zurück, suchte bei mir Schutz und kläffte die ignorante Dame an.

„Ich hab ihnen doch gesagt, dass er das nicht mag. Der hat Angst. Könnten sie das jetzt bitte lassen.“
„Ich kann doch mit ihm reden, ich pack ihn ja nicht an.“
„Aber das stresst ihn noch mehr…“
„Ich kenne Tiere, das geht schon.“

Gut das die Haltestelle kam und ich mit dem Hund rauskam.

Lassen sie ihn in Ruhe…. Was versteht man nicht? Soll ich die Buchstaben noch tanzen?

Hallo? Was geht mit den Menschen. Warum ignorieren die so ganz einfache Wünsche? Verstehen die mich nicht? Warum denkt jeder, er sei Experte?

Geht da irgend so ein Virus um, der die Gehirnsubstanz aufweicht? Der taub und ignorant macht? Steht auf meiner Stirn doof? Gibt es etwa doch Gehirnfressende Zombies?

Und es wird ja auch immer schlimmer. Egal wo. Egal in welchem Thema. Immer gibt es die, die es soviel besser wissen als man selbst.

Mit mehr Geld schaffst du mehr. Brüll doch mehr. Mach dies, tu das, das ist richtig, du kannst das nicht.

 

Hallo? Ich hab nen Kopf, und ich kann denken. Und wenn ich zu etwas sage, das ist für mich aber so und so und ich bitte drum, mich einfach in Ruhe zu lassen. Warum stichelt man weiter und drängt einem seine verfickte Scheißmeinung auf.
Ich habe nicht um Rat gebeten. Das mache ich schon sehr bewusst. Wenn ich Tipps brauche, sag ich das. Wenn ich sage, lasst mich in Ruhe, ich weiß was ich tu, dann meine ich das auch so.

Was geht bei der Menschheit. Im Moment bin ich es so leid, dass alle diese Besserwisser wie die Pilze aus dem Boden schießen, dass ich Kotzen will.

Ich mach mein Ding schon. Ich weiß wie mein Hund tickt, ich kann mich in der Musik schon einschätzen und hey, ich weiß auch schon seit Jahren, was gut und nicht so gut ist für meine Projekte. Und ob ich für etwas genug Zeit habe oder nicht….
Und was ich anziehe zu irgendeinem Ereignis oder nicht, das entscheide ich auch. Was für eine Gesellschaft ist das denn.
„Das ist nicht fein genug, die Klamotte!“
Wird gesagt, ohne die Klamotte zu kennen. Als wäre ich dumm und wüsste mich nicht zu benehmen. Überall wird mir gerade mein Hirn abgesprochen!

Das ist meine Angelegenheit. Was stimmt mit euch nicht? Oder stimmt was mit mir nicht?

Menschen sind scheiße, naja, einige!

Lest meine Lippen. Ich weiß was ich tu. Und wenn ihr das ignoriert, dann wundert euch nicht, dass mein Hund wirklich so ist, wie ich es prophezeit habe, oder ich irgendwann man um mich beiße!!!!!!!!!

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360° Blickwinkel | Ich | Menschen | Schubladendenken

Der Klügere gibt nach, aber nie auf

von am 26. Oktober 2016

Kopf gegen Wand. Bitte. Helft mir in meiner Not bevor ich echt noch irre wegen so einigen Hohlköpfen werde. Das Problem an solchen Hohlköpfen ist ja: Du kannst denen noch so oft, freundlich, charmant, direkt, bittend, auffordernd sagen, sie möchten den Blödsinn doch bitte lassen, den sie seit Wochen mit dir veranstalten. Aber das ist genauso effektiv als würdest du dich vor deine Wohnzimmerwand stellen und versuchen mit bloßen Augen wie Superman ein Loch in die Wand zu lasern.
Kann man schon versuchen, ist nur sehr sinnlos.
Hohlköpfe müssen einfach hohle Sachen tun. Der Hohligkeit wegen. Je unlogischer etwas ist, desto besser und hohler. Ergibt für euch keinen Sinn der Satz? Gut, diente auch nur zu Demonstration, wie es in dem Kopf von so nem Hohlkopf sicher aussieht. Für mich war der Satz logisch, ihr versteht es nicht.

So geschehen die letzten Wochen auf meinem Youtube Channel. auf dem ich Gesangstagebuch führe. Ich begleite mich, halte fest, was ich gelernt habe, kenne meine Stärken, erkenne meine Schwächen und an denen arbeite ich voller Hingabe.

Außerdem bin ich ein sehr geselliger Mensch. Ich unterhalte mich gerne, bekomme gerne Feedback und möchte mich natürlich konstruktiver Kritik stellen. In allen Bereichen. Denn man lernt immer neu dazu, entwickelt sich. Dazu wollte ich diesen Channel eben auch nutzen.

In anderen Lebensbereichen bekomme ich Input. Beim Schreiben. Ich weiß, dass mir Kurzgeschichten eher weniger liegen, weil meine Geschichten immer ganz viel Platz brauchen. Kurz etwas in Worte fassen? Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch, liegt vielleicht daran.

Beim Radio habe ich meinen besten Kumpel, meine neue beste Freundin und die Hörer. Die mich pushen, mich runterholen, mich begleiten.

In der Musik habe ich zwar auch Leute, aber gerade in der Musik musst du so viel mehr haben. Wie empfinden es Menschen? Erreicht es die Menschen?

Nun, klar kann es nicht allen gefallen. Darum ging es mir auch nicht. Viel mehr hatte ich die Hoffnung, dass man ins Gespräch kommt. Ja, das ist da schon gut, aber da war der Ton nicht sauber, die Betonung ist nicht gut oder du hast noch nicht das richtige Gefühl. Je mehr Menschen da einem bei helfen, desto runder kann so etwas werden.
Allen recht machen kann man es nie. Es wird immer Meckerköppe geben,

Und eben auch Hohlköpfe. Ich habe nichts gegen negatives Feedback. Aber immer nur einen Daumen runter zu kassieren, ohne dass ein Austausch stattfindet? Das nagt auch an der stärksten Kari. Ich würde mich gerne wehren können, wissen, was falsch ist. Warum empfindet dieser eine Mensch es so. Aber obwohl ich drum bat, der Mensch war einfach feige.

Dann bat ich drum, mich doch einfach zu ignorieren. Und es ging weiter.

Aber ich bin ja ein Mensch, der nicht nur Lebenswege aufzeigt sondern nach seinen Prinzipien handelt. Magst du was nicht, geh weiter.

Ich bat den Hohlkopf. Geh doch bitte, wenn du mich nicht magst. Er ist nicht gegangen. Da mir aber dieses rumgemobbe nicht gut tut und ich mich nicht irgendwann mal so komplett in Frage stellen will, weil ich mehr Kritik als Stolz empfinde, gehe ich lieber. Denn der Hohlkopf tut mir nicht gut. Diese Wege sind ja zum Glück nicht einseitig.

Nein, keine Sorge. Ich höre definitiv nicht auf zu singen. Damit verschwende und erfülle ich mir gerne meine Lebenszeit. Weil mir das gut tut. Mein Leben ist Musik und Sprache. Und beides zusammen ist einfach das allerbeste.

Ich werde meine Videos nur woanders hochladen.

Jeder, der mich auf meinem unmöglichen Weg begleiten möchte, den lade ich ein. Fragt nach, wo man mich findet. Und wenn ihr Kritik habt. Sagt sie mir ruhig. Denn nur wenn man die Fehler erkennt, kann man weiter kommen.

Zum Glück kenne ich meine Schwächen und kann so jeden Tag besser werden als ich gestern noch war.

Und der Hohlkopf? Na ja, wie viel kann man in ein Vakuum wohl füllen, ohne dass man es zerstört…..

In diesem Sinne. Lebt euren Traum und wenn sich euch jemand in den Weg stellt, geht an ihm vorbei und lasst ihn hinter euch.

Hohlkopf? Such dir ein anderes Opfer, Schätzchen, das tu ich mir nämlich nicht mehr an. Und für weitere Qualen? Ich hab mir sagen lassen, dass Dominas im Weh tun noch viel besser und effektiver sind als mein Gesang!!!!!

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360° Blickwinkel | Gedankenfetzen | Menschen | Otaku

Vorsicht zerbrechlich

von am 25. Oktober 2016

Stellt euch folgendes vor.

Ein Mädchen, schüchtern, nicht beliebt in der Schule. Tollpatschig. So etwas wie ein hässliches Entlein. Und auch ihre Hobbys, die sie so hat, kann sie nicht so gut wie andere. Sie schwimmt nicht so schnell, sie zeichnet nicht so gut, sie trifft nicht jeden Ton. Und Cosplay, naja, überzeugend war sie eben in noch keiner Rolle.

Was würde passieren?

Im Anime und Manga, so in einem Shojo, da würde genau diese Person den Schulschwarm abbekommen, den heißen, coolen Typen, denn nur er erkennt, wie liebenswert sie ist. Und er hat keine Angst davor, auch mal die Schelte von denen einzustecken, die vorher dieses Mädchen gepiesakt haben. Einen coolen und guten Ruf verlieren, das wäre ihm egal.

Und wir ach so tollen Otakus finden diese Story zuckersüß. Denn die Welt ist so heile und alles wird gut. Die Mitschüler lassen sich nämlich durch den Schulschönling überzeugen und finden unser Entlein auch ganz toll. Sie können nicht verstehen, warum sie sie gemobbt haben.

Aber das wäre eben so ein typischer Shojo Verlauf. Heile Welt, alle lieben und man steht füreinander ein. Der gute Ruf ist egal, denn es zählt nur eins. Das moralisch richtige zu tun. Ob man da gegen einen Strom schwimmt oder sich selber zum Opfer machen würde, das ist egal. Man ist einfach ein guter Mensch und weiß, wenn ich mich für die Schwachen einsetze, dann halte ich alles aus.

Und in der realen Otaku Welt, die mit den bunten Kontaktlinsen, den abgebundenen Titten und den künstlich, stinkenden Perücken (ja, dieser Post trieft nur vor Zynismus)?

Da geht es leider Gottes anders zu. Nein? Ist nicht so. Wartet. Ich hab ein Foto. Einfach mal lesen und auf der Zunge zergehen lassen.

 

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Da bekommt jemand systematisch 5 Jahre lang von „Artgenossen“ (also Cosplayern) gesagt, du kannst das nicht und dieser Mensch kapituliert. Und gibt eines der schönsten Hobbys auf?
In unserer bunten Heiteitei Welt ist kein Platz dafür, anders zu sein, nein, so zu sein, wie man ist. Wer hat denn bitte diese Standards festgelegt? Aber es war ja nur eine Frage der Zeit, bis auch in dieser, vor etwa 15 Jahren, Nische, der harte Wind des Perfektionismus herrscht.

Weit weg von unserem Anime. Wo der Schönste ja das Entlein genommen hätte.

Was machen in unserer elitierten Welt die Schönsten? Die rotten sich zusammen, die möchten ja nicht ihren guten Ruf als „Schöne“ und „Perfekte“ verlieren.

Natürlich sind die eigentlich die Minderheit. Aber gerade Minderheiten schreien ja am meisten und lautesten.

Ich als naiv denkender Gutmensch überlege jetzt. Wenn es doch eher die Minderheit ist, und man immer wieder liest, nein, ich bin tolerant, jeder darf cosplayen, was er mag. Warum können wir das nicht als Einheit machen, warum können wir uns nicht ebenfalls, wie diese kleine Möchtgern Elite zusammensetzen und gegen die brüllen. Für das Entlein?
Aber was wünsche ich mir das, das klappt ja in keinem Bereich.

Wie man auf dem Bildschirm Foto sehen kann, was da geschrieben steht.

Menschen haben Angst, selbst das Opfer zu werden. Und das spiegelt nicht nur unsere ach so tolle Otakuwelt wieder. Zivilcourage heißt das Zauberwort. Und das ist leider nicht selbstverständlich.

Unsere Welt der kleinen Freaks war nicht immer so. Vielmehr waren wir die Verstoßenen, die keiner verstand. Da musste man zusammenhalten.

Man stand zusammen. Einer für alle und jeder für jeden und natürlich ALLE für EINEN. Da wurde nicht geschaut, wie cosplayst du, woher kommst du, welchen Anime magst du. Oder bist du Tema Naruto oder Sasuke. Nein es zählte nur, das wir eines waren: Otakus die auf Zeichentrick und Comics standen. Wir waren die Minderheit und nicht die Masse. Sonst hätten wir keine Connichi gebraucht, auf der man eine Art Asyl erfahren hat.

Und heute?
Gibt es einen Mainstream in unserer Fanwelt. Und zwar die, die nach Perfektion schreien und die Regeln festlegen. Und besser ist es, wenn man anerkannt werden will, nichts dagegen zu sagen und schon gar nicht sich auf die Seite derer zu schlagen, die mit diesen „Regeln“ niedergemacht werden.

Denn, dass Leben ist kein Anime. Anime und Manga täuscht uns was vor. Wir wollen, dass das so ist, deswegen konsumieren wir das zu Hauf und verschwinden immer wieder darin. Aber es selber leben, das ist zu gefährlich. Wir lieben das zwar, aber solche Geschichten, wie die mit dem hässlichen Entlein, die wollen wir nicht in die Tat umsetzen. Um Gottes willen, wer will schon freiwillig das nächst potentielle Opfer sein.

Ich finde es traurig, dass man seinen „guten Ruf“, egal ob als Fotograf oder  Cosplayer, über die moralische Gerechtigkeit stellt.

Das würde den Rut der „Elite“ nicht schlechter machen, sondern man wäre wie der Schönling in meinem Animebeispiel. Man wäre Vorbild, dass andere auch einfach mal anders Denken und lauter gegen die schreien, die andere immer schlecht reden.

Danke für euer Auge, ich geh mir jetzt wieder Utopie reinziehen, ihr Heuchler.

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die nicht der Norm entsprechen | Menschen | Schubladendenken

Neue Vorurteile

von am 16. Oktober 2016

„Dicke stinken!“
„Dicke sind faul!“
„Dicke fressen nur!“
„Dicke können nicht glücklich sein!“

Liste dürft ihr beliebig forsetzen. Haut alles raus, was euch an Vorurteilen einfällt. Ich kenne mich mit diesen Vorurteilen aus. Was ich nicht alles schon zu Ohren bekommen habe. Leider nie so wirklich direkt. Meistens hinter meinem Rücken. Flüsternd und lachend. Es wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Aber wisst ihr, was das Gute ist?

Ich bin sensibel bei sowas. Wenn du dich dein Leben lang damit auseinandersetzen musst. Du immer wieder mitbekommst, wie man über dich lacht, dann spürst du irgendwann instinktiv, wann man über dich lästert. Blicke verraten es. Wie ein Mensch mit dir umgeht. Die können dir direkt freundlich ins Gesicht blicken. Aber es gibt da diesen bestimmten Gesichtsausdruck, der dir sofort sagt:
Ich finde dich einfach kacke und wenn ich mich umdrehe, dann lache ich über dich.

Ich kann das mittlerweile hinnehmen. Ich lasse es einfach nicht mehr an mich ran. Weil ich tolle Freunde habe, die mich so akzeptieren wie ich bin. Die hinter meinen Speck sehen. Bei denen ich nicht nur „die Dicke“ bin.

Aber gestern ist was passiert, was dann doch mal ganz kurz an meinem Ego kratzte.

Ein neues aufkommendes Vorurteil, was ich schon öfter jetzt bemerkt habe.

Die letzten Monate kam es vermehrt vor, dass Sprüche nicht mehr hinter vorgehaltener Hand kamen.

In der Straßenbahn wird gegenüber von mir auf polnisch über mich gelacht. Woher ich weiß, dass ich gemeint war? Nun ja, sie redeten, zeigeten auf mich (ich war keine 50 cm gegenüber der Kerle) und fingen an zu lachen und sich köstlich zu amüsieren.
Ich lächelte sie freundlich an und als ich ausstieg sagte ich freundlich Tschüss und erwähnte, dass ich glücklich sei, zu ihrer Erheiterung beigetragen zu haben.

Als ich vor ein paar Wochen zum Bewegungsbad ging, begegneten mir Menschen, die, als sie an mir vorbei waren, laut hinter mir sagten:

„Boah, war die fett!“

Ich drehte mich um und antwortete:

„Nein, wenn ihr euch nochmal umdreht, seht ihr, dass ich auch noch immer fett bin!“

Die Blicke der Leute waren köstlich.

Das Vorurteil ist klar, oder?

„Dicke sind taub!“

Wie gesagt, ich kann damit umgehen. Ich atme das weg, bin schlagfertig, weil halt nichts Neues kommt an Sprüchen. 38 Jahre Trainingslager gehen halt nicht spurlos an dir vorbei. Da entwickelst du Strategien und Standards, die wirken.

Was aber gestern geschehen ist, dass war doch neu. Körperlich angegangen zu werden mit einem Spruch, das saß.

Der Weg war breit genug, ich ging über eine Kirmes, die gerade erst eröffnete. Ein Mann kam mir mit seiner Freundin entgegen. Ich hatte meine Nichte an der Hand. Er ging voller Energie und kam mit jedem Schritt ein wenig mehr auf mich zu. Als er fast an mir und meiner Nichte vorbei war, knuffte er mir seitlich mit dem Ellenbogen in die Rippen und sagte laut:

„Es gibt schon fette Menschen auf der Welt!“

Ich habe nichts gemacht. Ich hab geatmet und mich weiter um meine 4 jährige Nichte gekümmert. Hätte ich die nicht gehabt, wäre ich sicher nicht so cool gewesen.

Hier, auf meinem Blog, hier werde ich allerdings nicht cool sein.

Was erdreistet ihr Lästermäuler euch eigentlich, Menschen nach Äußerlichkeiten zu beurteilen, nein, zu verurteilen? Was gibt euch das recht über Menschen, die euch völlig unbekannt sind, mit denen ihr euch nicht beschäftigt, irgend eine Meinung zu haben?
Ich weiß, dass mit den Vorurteilen ist sehr bequem. Wie so ne Tütensuppe.
Alle Zutaten die man braucht sind da, zack, Stempel drauf, weitermachen. Zack Tüte auf, essen.
Aber sich die Mühe machen, mal nach den Einzelheiten zu schauen, was macht diesen Menschen noch aus, wie setzt der sich zusammen, dass geht nicht. Das kostet Zeit. Das ist anstrengend. Man könnte sich ja selbst hinterfragen müssen. Oh Gott, man müsste sich eingestehen, dass man falsch liegt mit seiner Meinung. Einfacher ist es natürlich in der Masse zu schwimmen. Kostet nicht soviel Kraft. Und man fällt nicht auf in der Gesellschaft. Es gibt schon eine feste Meinung in deinem Freundeskreis. Einfach mit aufspringen. Herrlich variabel und individuell… nicht.
Um Himmels willen. Gebt euch bloß nicht die Blöße, hinter Fassaden zu schauen.
Bleibt bei euren Vorurteilen. Ohne Einzelheiten zu kennen um sich ein wahres Urteil zu erlauben.
Alle schreien sie nach mehr Freundlichkeit auf der Welt. Frieden. Dafür muss man aber „Anderssein“ zulassen. Ohne Angst.
Dicke haben Gefühle, Dicke können denken, Dicke leben, Dicke weinen und lachen. Und, soll ich euch was sagen? Dicke sind lebendige Menschen, die atmen….. Huch, ich hab Mensch gesagt.

Ich glaube ja, Menschen, die so mit Vorurteilen voll sind, haben Angst. Angst, das „Anderssein“ ansteckend ist. Angst, weil sie „Anderssein“ nicht verstehen und nachvollziehen können. Angst, weil sie merken, dass auch sie „Anders“ sind. Sie haben Angst vor ihrer Angst und die Vorurteile sind eine Möglichkeit mit dieser Angst umzugehen. Um sich mit ihrem „Anderssein“ nicht auseinandersetzen zu müssen.

Auch mein Stumper war anders. Er war braungebrannt und muskelbepackt. Eben anders!

Ich würde mir wünschen, dass sich jeder bewusst macht, das man als Mensch eben anders ist, und das dass nichts Schlimmes ist.

Aber das kann nur passieren, wenn die Menschen mit Brett vor dem Kopf und Bohnen in den Ohren mal anfangen Dinge zu hinterfragen und aus Vorurteilen Urteile zu machen. Und diese Menschen müssen eben das Verständnis entwickeln, auch sie sind „anders“.

Dann, ihr Lieben, merkt ihr vielleicht auch, dass auch dünne Menschen stinken und ein dicker Mensch nicht taub ist!

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