Gedankenfetzen | Kurzgeschichten

Das kleine Küken Kiki – oder: Wie das Küken seine Stimme fand

von am 14. Dezember 2018

Ich widme dieses Märchen Kerstin Tölle, eine großartige Chorleiterin und ein besonderer Mensch, die mir mit ihren Bildern im Chor so verdammt viel in meinGehirn gepflanzt hat, so dass Pferdchen, Küken und glühbirnentragende Einhörner einfach aus meinem Kopf raus mussten. Ein Märchen musste es werden, damit dieseBilder mal in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden und einen Sinn ergeben.
Ob es nun mehr Sinn ergibt? Hm, keine Ahnung. Aber es ergibt nun eine sehr runde Geschichte.
Viel Spaß damit, liebe Kerstin.

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Fotografie | Gedankenfetzen | Ich | In Mamas Schuhen | Kurzgeschichten

In den Schuhen meiner Mutter

von am 23. April 2017

Ja, ich weiß:

1. So einen Titel hatte mein Blog schon einmal, vor etwa einer Woche… und
2. Gibt es so einen ähnlichen Buchtitel.

Aber es passt einfach zu diesem Post.

Seit ein paar Tagen trage ich eine Idee mit mir herum, die ich nicht mehr los werde. Wer meine Mama war, das weiß ich. Also, wer sie für mich war mit all ihren Sachen, die sie immer für uns gemacht hat.

Ich fühl mich ihr auch immer noch nahe, ich rede mit ihr, ich denke jeden Tag an sie. Weil ich will, dass ich ihre Art der Sorgsamkeit und die Sicht auf die Welt, dass das weiterlebt. Durch mich. Indem ich das weiterlebe.

Doch irgendwie reicht es mir nicht, und deswegen habe ich beschlossen:
In den nächsten Monaten werde ich versuchen, vieles zu machen, was meiner Mama immer wichtig war. Ich werde Orte besuchen, die sie geliebt hat, ich werde Veranstaltungen besuchen, die sie mitgemacht hat. Das alles werde ich mit meiner Kamera begleiten. Und ich werde versuchen immer die Schuhe meiner Mama anzuhaben.

Ich werde dahinfahren, wo sie als Kind gelebt hat, werde Omas altes Zuhause besuchen, der Friedhof wird eine zentrale Rolle spielen. Ich werde zum Ort meiner Kindheit fahren…

Ich werde auf ihren Spuren wandeln, sehen und fühlen, ganz bewusst, was sie gesehen und gefühlt hat, um dem Lied noch mehr Bedeutung zu geben, welches ich geschrieben habe.

„But we see what you have seen“

Natürlich erinnere ich mich, was sie alles gesehen hat und was sie gern getan hat. Aber ich glaube, dass ich das brauche, mir ganz bewusst werden, was sie alles gefühlt hat. Um ihr nah zu sein, um sie zu spüren und vielleicht auch ein Stück weit Abschied zu nehmen.

Ich lasse sie nicht gehen, ich stimme mich nur versöhnlich zu ihrer letzten Reise, auf der wir ihr nicht mehr Aufwiedersehen sagen konnten. Ob sie gewusst hat, dass wir neben ihr sitzen, im anderen Raum? Antworten wird sie mir nicht mehr, aber vielleicht finde ich es auf meiner eigenen Reise heraus, wenn ich in den Schuhen meiner Mutter ihre Wege noch einmal beschreite, der sicher nicht der gleiche ist, aber der ihrem Weg sehr ähnelt.

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360° Blickwinkel | Kurzgeschichten

Die kleine Welt der ängstlichen Einsiedler

von am 22. März 2016

Brüssel, Terror, schon wieder, Europa.

So etwas lese ich seit etwa einer Stunde im Netz. Und natürlich auch wieder die Hetzrufe „Es in doch die Ausländer Schuld! Diese Scheißasylanten!“
Grenzen dichtmachen, keine Flüchtlinge reinlassen, alles was Moslem ist, raus.
Schöne, herzergreifende Forderungen, die ich im Anflug von Angst, Bedrohung und Terror durchaus nachvollziehen kann. Aber sinnvoll und reflektiert? Wohl nicht, immer dann, wenn die Angst dein Berater ist, dann kann nichts Produktives rauskommen. Aber ich will mal auf den Zug aufspringen. Ich will gar nicht schreiben, dass Moral und Ethik, soziale und demokratische Werte nichts mit Herkunft, Religion oder Hautfarbe zu tun haben.
Ich will nicht schon wieder meinen Standpunkt klarmachen, dass es ein Problem der Menschen ist. Extremismus ein menschliches Gedankengut ist, was in jeder Gruppierung vorkommt. Auf der einen Seite nennt man es zum Beispiel IS, auf der anderen Seite Neonazi. Beweggründe und Ziele dieselben, nur der der Hintergrund und die Abstammung anders. Extrem und unsozial aber in jedem Fall.
Nein, ich will nichts politisch, moralisch Korrektes schreiben und mit den Fingern zeigen. Dafür bin ich zu dumm. Ich will das tun, was ich gut kann. Geschichten erzählen. Und wenn da der erhobene Finger durchkommt, dann ist das durchaus gewollt. Okay, lasst mich anfangen, ein Szenario zu spinnen.

Die kleine Welt der ängstlichen Einsiedler

Es war einmal eine kleine perfekte Welt. Alles war friedlich.
Als die Welt sich änderte, war es mit einem lauten Knall. Bomben explodierten, es rauchte und qualmte. Überall um die kleine Welt der Einsiedler herum. Man spürte, es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Veränderung wie ein Regenwurm auch zu einen durchwühlen würde.
Die Einsiedler wollten Schutz, vor den Schuldigen, den Bösen. Und sie wollten auch Schutz vor dem kommenden Wurm.
Okay, es gab nur eine Chance. Die Welt brauchte eine Mauer, nichts durfte mehr rein. Wenn man die restliche Welt einfach aussperrte, sich nicht einmischte, einfach die Augen vor den Geschehnissen rings rum verschloss, dann würde auch dieser Wurm die kleine Welt der Einsiedler nicht sehen.
Diese Lösung gefiel den Einsiedlern sehr. Einig errichteten sie Grenzen, Mauern, Zäune. Keiner kam mehr rein, keiner kam mehr raus. Nur die Lieferanten mit Köstlichkeiten, die das Paradies auf Erden versprachen, durfte durch die einzig verbleibende Tür.
Damit man die weiteren lauten Knalle nicht mehr hörte, wurden Ohrstöpsel verteilt. Damit man nicht mehr sehen musste, was drum herum passierte, gab es für jeden Einsiedler Brillen mit Klappen dran.
Die kleine Welt der ängstliche Einsiedler wurde wieder friedlicher. Sie sahen und hörten nichts. Das Leben ging weiter, in ihrer kleinen Welt. Drum herum lag alles in Schutt und Asche. Aber das bekamen die Einsiedler nicht mit. Irgendwann wunderten sie sich nur, dass es keine leckeren Früchte mehr gab. Keiner kam mehr an die einzige Tür und lieferte was ab.
Dann kam der erste schlimme Regen. Der machte alles grau. Aber warum nur? Was war passiert? Die Einsiedler wussten es nicht, sie hatten ja nichts mitbekommen.
Als die ersten Menschen krank wurden, beschloss man, doch mal rauszuschauen. Rings rum gab es nichts mehr. Die kleine Welt der ängstlichen Einsiedler war der einzig noch bewohnte Fleck auf der ganzen Erde. Aber auch dieser war nun bedroht, denn das, was drum herum ohne ihres Wissen geschehen war, beeinflusste nun auch ihre kleine Welt.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann überlegen sie noch immer, was sie hätten ändern können.

Die Moral der Geschicht? Sag ich nicht. Denkt doch selber nach. Und wenn ihr versteht, überlegt, ob es nicht endlich mal Zeit ist aktiv zu werden…..

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360° Blickwinkel | Kurzgeschichten

Eine Geschichte

von am 14. März 2016

Angst

Die Angst. Erst ist sie klein, ganz schüchtern. Manchmal verschafft sie sich ein kleines Stimmchen. Dann sagt sie dem Gefühl, das die Schuld es ist, die die Angst vergrößert. Aber das Gefühl spricht zu der Angst und sagt, mach dir keine Sorgen, das Vertrauen wird alles richten. Alles wird gut, wenn du dem Vertrauen alles überlässt, kein Grund das du wächst, liebe Angst.
Aber die Angst versteht sich nicht so gut mit Vertrauen. Dem Gefühl zu liebe wartet sie aber ab. Warten, dass kann die Angst. Und beobachten. Das Vertrauen beobachten. Und die Schuld.
Angst sieht, das Vertrauen nichts erreicht. Es passiert so viel und das Vertrauen zieht sich zurück. Gefühl ermahnt zwar, Angst, tu nichts unüberlegtes, aber die Angst fühlt sich bestätigt. Und es sieht, dass nur die eine Schuld für den Rückzug von Vertrauen verantwortlich ist. Die Schuld bestärkt die Angst. Denn es ist immer nur die eine Schuld, die der Angst in den Rücken fällt. Schuld kann nur ein Gesicht haben. Angst weiß das ganz genau. Anders kann Schuld nicht sein. Nur so wie die Schuld eben ist. Wie Angst sie sieht, so ist Schuld.
Nun kann Angst endlich Vertrauen über den Haufen rennen. Egal wie laut Gefühl auch brüllt, Angst soll nachdenken. Angst sieht nur denen einen Weg. Auf Richtung Schuld. Denn Schuld ist nun der Ratgeber für das Handeln von Angst. Angst nimmt jede Unterstützung im Kampf. Egal was dabei rauskommt. Hauptsache die eine Schuld geht!
Und wenn die Angst dann die Schuld besiegt hat? Wenn die Schuld endlich bekämpft ist und die Angst wieder friedlich wird? Dann hört Angst auch wieder Gefühl. War es das wert? Schuld ist zwar weg, aber alles andere? Was ist damit. Die eine Schuld ist zwar weg, aber gibt es vielleicht eine neue Schuld? Gefühl ist geschwächt, Vertrauen am Boden und Angst irritiert. Denn Angst geht es schlecht. Denn nun ist neue Schuld da, die der Angst zu schaffen macht.

Meine Gedanken zu vergangenen und vielleicht zukünftigen Ereignissen. Lassen wir uns nicht von der Angst diktieren, was zu machen ist, denn die ist immer ein schlechter Ratgeber. Hören wir manchmal einfach auch auf Gefühl!

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Kurzgeschichten

Es war einmal

von am 17. Januar 2016

Dies ist eine Kurzgeschichte, von mir erdacht, von mir geschrieben. Alle Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen oder Ereignisse, oder auch mit schon bestehenden Geschichten, sind rein zufälliger Natur….
……
vielleicht

…………

Der fremde Federschmuck

Es war einmal ein kleiner, wunderschöner Vogel. Alle bewunderten ihn, weil er von allen Vögeln der strahlenste war. Jeder bewunderte ihn für das glänzende Gefieder, er wurde gelobt und man sprach in den höchsten Tönen von ihn.
Mit der Zeit wurde er immer bekannter. Doch obwohl sein Federkleid noch immer schillernd schön war, reichte ihm die Aufmerksamkeit nicht. Er wollte noch mehr, noch viel mehr Aufmerksamkeit haben. Er wollte bunt wie der Regenbogen sein. Nicht nur schwarz und glänzend.
So machte er sich auf den Weg und suchte Federn. Er fand eine rote, die steckte er sich an sein Federkleid. Alle Freunde staunten nicht schlecht und bewunderten ihn dafür, wie wundervoll er aussah.
Das gefiel dem stolzen Vogel sehr, so dass immer mehr fremde Federn an sein Kleid kamen. Rote, blaue, grüne, glitzernde, funkelnde. Gepunktete und karierte.
Sein schwarzes Gefieder schmückten immer mehr Federn. Er wurde berühmt, fast alle Vögel kannten seinen Namen. Er war Vorbild für viele. Er wurde bewundert. Das tat dem Vogel gut und er machte sich gar keine Gedanken mehr über die fremden Federn.
Eines Tages jedoch kam ein heftiger Sturm. Der blies so stark, dass es alle bunten Federn wegpustete und nur noch sein schwarzes Kleid übrigblieb. Dieses funkelte noch immer strahlend, aber das sahen die anderen Vögel nicht mehr. Sie sahen nur, dass sie getäuscht wurden.
Alles, was er vorher war, die Schönheit, die er noch immer war, die war vergessen. Nur die Schummelei, die blieb im Gedächtnis.
Aber die Zeit verging. Und irgendwann war es wieder soweit. Der Vogel wurde wieder als schön empfunden, nur manchmal erzählte man noch von dem fremden Federkleid.
Dafür schämte sich der Vogel auch noch immer sehr, aber er war bescheiden geworden, und war mit dem zufrieden, was er hatte.
Nie wieder, so versprach er sich selbst, wollte er sich selbst oder andere täuschen.

Und die Moral von der Geschicht,
fremde Federn lohnen nicht.
Denn irgendwann, da fliegt es auf,
das ist eben der Weltenlauf!

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Meine Challenge 2014 – Glücksmoment 1

von am 1. Januar 2014

Manchmal überkommen mich Gedanken einfach so, manchmal lassen mich meine Gedanken einfach nicht los. Deswegen ist gerade eine Idee entstanden. Ich will vorbeugen. Ich will Glücksmomente festhalten und beweisen, dass es jeden Tag so einen Glücksmoment gibt. Deswegen meine Challenge. Jeden Tag ein Foto posten, welches meine Glücksmomente festhält.

Ich werde das Foto mal kommentieren und mal nicht. Ich werde es mit meiner Nikon aber auch mit meinem Handy bestreiten, diese Herausforderung. Für euch werden diese Bilder vielleicht nicht immer offensichtlich Glücksmomente darstellen, aber ich werde dann versuchen, sie zu erklären. Ich bin mal gespannt, ob es mir gelingt und ob es wirklich jeden Tag so einen Moment gibt. Vielleicht sehe ich auch nur alles viel zu naiv und mit meiner rosa Brille. Heute hatte ich jedoch schon so einen Glücksmoment, deswegen gibt es natürlich auch jetzt mein erstes Foto!

 

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Ich habe eben meine letzte Geschichte für mein Märchenbuch geschrieben. Die letzte Geschichte hat sogar meinen Mann zum Weinen gebracht.

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Bücher | Gedankenfetzen | Kurzgeschichten

Tintenklecks – Oder wie man erkennt, dass man ein Autor ist

von am 14. Oktober 2013

Für alle, die Geschichten schreiben und auf Erfolg warten. Gebt nicht auf, lasst die Geschichten raus, eure Hirngespinste werden sonst krank und sind traurig.
Für alle, die gerne lesen. Charaktere sind lebendig, durch die Seele des Autors. Heißt sie willkommen in unserer Welt, indem ihr die Bücher aufschlagt und lest.

Es war einmal ein kleines Mädchen. Da es immer Papier und einen Füller mit sich trug, der auf ihrer Kleidung Tintenkleckse hinterließ, wurde sie Tintenklecks genannt.

Egal wo sie war, sie schrieb alles auf, was ihr im Kopf spukte. Es ging um Feen, Einhörner und Prinzen. Immer wenn sie diese Geschichten aufschrieb, wurden sie lebendig. Es öffnete sich ein Tor und alle Wesen besuchten Tintenklecks. Sie wurde zu ihren besten Freunden. Wenn sie den Füller wieder beiseite lag, gingen Feen, Einhörner und Prinzen wieder durch das Tor in ihre Welt.

Vor allem Prinz Erwin hatte es ihr angetan. Er war tapfer und bekämpfte mutig böse Drachen, rettete Kinder vor Gefahren und brachte Tintenklecks ganz oft zum Lachen.

Je älter Tintenklecks wurde, desto weniger öffnete sie das Tor. Der Prinz und alle anderen besuchten sie immer seltener, bis sie eines Tages gar nicht mehr zu Besuch kamen. Das Lächeln verschwand von Tintenklecks Gesicht. Sie war erwachsen geworden.

Manchmal huschte ihr das Gesicht des Prinzen noch ins Gedächtnis, aber sie wusste nicht, wem es gehörte. Und so vergaß sie es immer schnell wieder. Für Hirngespinste hatte sie keine Zeit. Sie musste arbeiten, Geld verdienen und ihre Familie versorgen.

Eines Nachts träumte sie. Eine Fee besuchte sie.

„Hey, Tintenklecks, wach auf.“

Tintenklecks öffnete die Augen. Sie erinnerte sich, dass sie diesen Namen kannte. Woher nur? Sie schlug die Augen auf. Vor ihr schwebte ein kleines Wesen, nicht größer als der kleine Finger an einer Kinderhand. Es leuchtete und schimmerte. Tintenklecks wischte sich müde über die Augen. Sie musste träumen.

„Endlich, du bist wach, Tintenklecks!“

„Meinst du mich?“

„Ja, ich meine dich. Tintenklecks, öffne das Tor, unser Prinz ist krank und braucht dich.“

Tintenklecks wusste nicht, was dieses Wesen meinte, sagte jedoch ganz automatisch:

„Ich kann das nicht, ich bin jetzt erwachsen!“

Tintenklecks dreht sich auf die Seite und die Fee verschwand.

Am nächsten Morgen hatte sie ihren Traum schon wieder vergessen.

In der nächsten Nacht träumte sie erneut. Ein Einhorn besuchte sie.

„Pssst, Tintenklecks, wach auf.“

Tintenklecks öffnete die Augen. War nicht sie mit Tintenklecks gemeint? Eine dunkle Erinnerung flackerte kurz in ihr auf. Vor ihrem Bett stand ein weißes Pferd mit rosa Flügeln und einem Horn auf der Stirn. Konnte das ein Einhorn sein?

„Du bist wach, Tintenklecks. Hör mir zu!“

„Meinst du mich?“

„Ja, natürlich meine ich dich. Erinnere dich.  Der Prinz ist krank, du musst das Tor endlich wieder öffnen. Wir vermissen dich alle so sehr, dass es weh tut.“

Tintenklecks schaute das Einhorn fragend an und antwortete automatisch:

„Ich kann das nicht, ich bin jetzt erwachsen!“

Sie drehte sich in ihrem Bett um und das Einhorn verschwand. Am nächsten Morgen hatte sie den Traum vergessen.

In der dritten Nacht träumte sie erneut. Diesmal stand ein junger Mann vor ihr und lächelte sie warmherzig an.

„Wie schön, du bist wach, Tintenklecks.“

„Ich bin Tintenklecks!“

Tintenklecks konnte sich erinnern. Auch an den Mann vor ihr.

„Du bist Prinz Erwin.“

„Du erinnerst dich, wie schön.“

„Das ist so lange her, wie konnte ich dich nur vergessen?“

„Es stimmt, es ist lange her. Und du hast uns vergessen. Aber nun bin ich krank.“

„Wie kann ich dir helfen?“

„Öffne dein Herz und unser Tor. Wir müssen wieder in deine Welt. Wenn man uns vergisst, dann ist unsere Welt in Gefahr. Die Menschen müssen an uns erinnert werden.“

„Was muss ich tun?“

„Du weißt, was zu tun ist, erinnere dich! Wir freuen uns auf dich.“

Am nächsten Morgen wusste Tintenklecks genau, was sie tun musste. Sie begann, alle Geschichten aufzuschreiben. Sie erzählte von den Feen, den Einhörnern und Prinz Erwin. Sie alle besuchten sie wieder in ihrer Welt und zauberten ihr ein Lächeln auf ihr Gesicht.

Gemeinsam mit dem Prinzen beschloss sie, dass auch andere Menschen von ihnen erfahren sollten und so veröffentlichte sie ihre Geschichten.

Alle ihre Wesen kamen jetzt regelmäßig in die wirkliche Welt. Sie machten die Welt bunter und friedlicher. Alle Menschen, die die Geschichten lasen, hatten ein Lächeln auf dem Gesicht und waren glücklich.

Das Tor blieb nun immer auf und die Feen, Einhörner und Prinzen machten die Welt besser.

Und wenn Tintenklecks nicht gestorben ist, dann schreibt sie immer noch Geschichten von Prinz Erwin und den Feen.

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Kurzgeschichten

Harmonie entsteht durch Gleichgewicht

von am 23. September 2013

Letztes Jahr im November begann die Fotoausstellung von Foto-Treff-Bielefeld zum Thema Gegensätze.  Ich habe nicht nur ein Foto ausgestellt, sondern auch ein Märchen geschrieben. Das könnt ihr heute auf meinem Blog lesen!

 

Harmonie entsteht durch Gleichgewicht

 

Es waren einmal ein alter König und seine Königin. Diese beiden hatten einen Sohn, der bald über das Königreich herrschen sollte. Doch die Gesetze des Reiches schrieben vor, dass der junge Prinz erst eine Frau ehelichen müsse, die zusammen mit ihm das Königreich regieren solle.

Viele Prinzessinnen waren von weit her angereist, doch der Prinz fand einfach keine Liebste. Keine schien für ihn die Richtige zu sein. Haarfarbe, Größe, Augen, Vorlieben. Immer fand der Prinz einen Grund, die Frau zurückzuweisen.

Gesundheitlich ging es dem alten König sehr schlecht, das Volk befürchtete das baldige Ableben ihres geliebten Herrschers. Das Königspaar ahnte auch, dass die Zeit drängte. Sie waren verzweifelt. Was war nur mit ihrem Sohn los.

Eines Abends betrat die Mutter das Schlafgemach ihres Sohnes.

„Junge, du musst dir eine Frau suchen. Dein Vater ist schwer krank und du sollst doch auf den Thron steigen. So viele Prinzessinnen kamen von Weit und Nah, und keine sagte dir zu.“

„Ach, Mutter. Sie sind einfach anders.“
„Wie meinst du das? Sie sind anders?“

„Mutter, ich will eine Frau, die ganz genauso ist wie ich. Sie soll die gleichen Augen, die gleichen Haare haben und sie soll Pferde lieben, Musik mögen und Gedichte lesen. Sie soll wie mein Spiegelbild sein.“

„Ich verstehe, aber ich glaube, dass kann wird sehr schwer werden.“

Die weise Königin überlegte eine Weile, dann gab sie ihrem Sohn folgenden Rat:

„Ich mache dir einen Vorschlag. Ziehe alleine durch die Lande und suche dir deine Frau. Wenn sie nicht zu dir kommt, dann musst du sie vielleicht selber finden. Beherzige jedoch folgenden Rat, mein geliebter Sohn, vielleicht hilft es dir weiter. Harmonie entsteht durch Gleichgewicht. Gehe nicht nur geradeaus mein Kind, sondern schau auch Rechts und Links vom Weg, denn nur so können wir unsere Mitte finden.“

„Ich verstehe nicht was du meinst, Mutter.“

„Die Antwort wird dich ereilen, sobald du zu verstehen bereit bist.“

Mit diesen Worten ließ sie ihren Sohn allein zurück.

Der junge Prinz machte sich am nächsten Tag auf, seine zukünftige Frau zu finden. Seine Eltern sah er nicht mehr. Er bekam ein Pferd, einfache Kleidung und ein Beutel mit wenig Geld. An dem Beutle war ein kleiner Zettel, er erkannte die geschwungene Handschrift seiner Mutter.

„Mein lieber Sohn. Mach dich auf Weg. Du sollst so leben, wie es unsere Untertanen tun, schau in das wahre Leben und erkenne den anderen Teil, der das Ganze ausmacht. Ohne das eine, gäbe es das andere nicht und umgekehrt. Sammle viele Eindrücke, lerne die Welt verstehen und ich bin sicher, du wirst die richtige Frau finden. Pass gut auf dich auf, wir haben dich lieb.“

Der Prinz war jetzt noch verwirrter als am Abend zuvor. Er sollte sich unter das Fußvolk mischen? Aber er wusste, dass seine Mutter eine sehr weise und gebildete Frau war. Sie würde sicher wissen, was sie tat. So schwang er sich mit vielen Fragen auf sein Pferd und ließ das Schloss hinter sich.

 

Ohne Plan und ohne Ziel ritt er bis die Nacht hereinbrach. Im Dunkeln kam er an ein Wirtshaus. Es schien schon geschlossen zu sein. Dunkel und schwarz stand es vor ihm. Er nahm seinen Mut zusammen und klopfte. Eine kleine, alte Dame öffnete ihm.

„Sie wünschen?“

„Ich hätte gerne ein Zimmer für die Nacht. Allerdings wäre es mir lieb, wenn es in diesem Zimmer eine Öllampe gäbe, die des Nachts das Zimmer erhellen möge.“

Die Wirtin schüttelte den Kopf und lachte.

„Die Menschen fürchteten die Dunkelheit und vertrieben sie mit Feuer. Doch dabei vergaßen sie, dass das eine nicht ohne das andere existieren kann.“

„Ich möchte nur ein Zimmer.“

„Nein, sie möchten verstehen. Licht und Schatten können ohne einander nicht existieren.“

Der Prinz starrte die alte Frau nur fragend an. Sie schien alt und senil zu sein und einfach nur wirres Zeug zu reden.

„Bekomme ich ein Zimmer, bitte?“

„Das können sie wohl, allerdings ohne die Öllampe. Öl ist teuer. Treten sie ein.“

Die Wirtin des Gasthauses begleitete den jungen Mann nach oben in ein winziges Zimmer.

„Geruhen sie wohl.“

Obwohl es draußen stockdunkle Nacht war, war das Zimmer trotzdem hell erleuchtet. Der pralle Vollmond erhellte die Kammer. Und der Prinz dachte nach:

„Wäre draußen nicht so finstere Nacht, dann könnte der Mond dieses Zimmer nicht so sehr erhellen. Die Alte hat wohl Recht, das eine kann nicht ohne das andere existieren.“

Mit dieser Einsicht schlief er ein.

 

Die Wirtin machte dem Herrn noch ein Frühstück, er bezahlte seine Rechnung und er ritt weiter. Am Nachmittag kam er in ein Dorf. Auf dem Marktplatz stand ein Maler. Er war mit seiner Staffelei der großen Kirche zugewandt und zeichnete. Der Prinz stieg von seinem Pferd herab und schaute dem Künstler über die Schulter.

„Das Bild ist ja nur grau. Ich erkenne gar nichts.“

Der Maler hielt in seiner Arbeit inne und er sah seinem Beobachter direkt in die Augen.

„Das Bild ist weit mehr als nur grau. Es ist schwarz und weiß, denn ich finde, dass man mit nichts weiter als der schwarzen Kohle und der weißen Leinwand genauso gut die Schönheit unserer Welt einfangen kann, wie mit allen Farben des Regenbogens.“
„Ich erkenne auf dem Bild aber nichts. Es ist nichts mehr als Hell und Dunkel. Grau in Grau.“

„Öffnen sie einfach nur ihre Augen, junger Herr. Öffnen sie ihr Herz. Nur zwei unterschiedliche Dinge können ein Ganzes ergeben. Schauen sie nochmal genau hin.“

Der Prinz stellte sich aufrecht hin und betrachtete das Bild nochmals genauer. Da passierte plötzlich was Merkwürdiges. Aus schwarz und weiß und grau wurde ein Bild. Es war die Kirche, vor der sie standen. Aus zwei unterschiedlichen Dingen, war ein ganzes geworden.

 

Der junge Prinz ritt weiter. Er hatte das Gefühl, er sei dem Rat seine Mutter auf der Spur. Harmonie entsteht durch Gleichgewicht. Schwarz und Weiß. Licht und Dunkel. Wenn es das eine nicht gab, konnte das andere nicht existieren. Nur zusammen ergaben sie ein Bild.  Irgendwie schien das alles zu der Lösung zu gehören. Aber er kam nicht drauf.

Er ritt die nächsten Tage mit vielen Gedanken im Kopf.

Auf seinem Weg entdeckte er viele weitere Dinge, die sich trotz ihrer Unterschiede ergänzten. In einem Moment suchte er unter den mächtigen Baumkronen Schutz vor dem Regen im nächsten Augenblick zauberte das Licht der Sonne einen farbenfrohen Regenbogen an den grauen Himmel. Er entdeckte ein Rudel Hirsche mit großen Geweihen, die mit ihren Jungtieren auf der Suche nach Nahrung waren.

Eines Tages hörte er in der Ferne das Donnern von Hufen. Am Horizont machte er einige Kutschen aus, die sich eilig auf ihn zubewegten. Aus der Staubwolke vor ihm lösten sich 2 einzelne Reiter.

„Macht Platz für ihre königliche Majestät, Prinzessin Antonia!“

Hastig folgte er dem Befehl. Die Reiter versperrten ihm den Weg und warteten, bis die Kutsche vorbeigefahren war. Als der Prinz gerade sein Gesicht verdecken wollte bremste die Kutsche ab. Die zwei Reiter, offenbar Ritter des königlichen Gefolges, traten an die Kutsche und öffneten die Tür.

„Euer Majestät, warum halten wir an?“

„Warum versperrt ihr einem armen Bauern den Weg? Ich möchte mit ihm sprechen.“

Der Prinz beobachtete, wie eine junge Frau aus der Kutsche stieg. Ihm kam es sehr befremdlich vor, dass er für einen Bauern gehalten wurde und noch befremdlicher fand er es, dass die Prinzessin sich auf seine gegenwärtige Stufe hinabließ. Er hätte das nie getan. Sein Herz machte einen kleinen Hüpfer, sie musste eine sehr warmherzige Person sein. Die Prinzessin trat auf ihn zu, und er konnte sie nun betrachten. Sie hatte schwarze dichte Haare, nicht so blond wie seine. Ihre Haut schimmerte olivfarben in der Sonne, während er im Sonnenlicht immer blass wirkte. Ihre Augen hatten das dunkelste Braun das er jemals gesehen hatte. Kein bisschen blau konnte er darin finden. Sie war nicht das Spiegelbild, was er sich immer vorgestellt hatte, dennoch faszinierte diese sonderbare Frau ihn, die so anders war.

„Nennt mir Euren Namen!“ forderte die Prinzessin freundlich.

„Zander, Prinz dieses Landes.“

Die Prinzessin blickte ihn irritiert an und brach dann in schallendes Gelächter aus.

„Ihr? Ein Prinz?“
In diesem Moment wurde dem Prinzen bewusst, dass er immer noch die einfache Kleidung trug, die ihm seine Mutter gegeben hatte.

„Es mag für euch nicht verständlich sein, aber ich spreche die Wahrheit.“

„Dann verratet mir, edler Prinz, warum ihr keine Kleidung tragt, die eures Standes würdig ist.“

„Wenn es diese standesunwürdige Kleidung nicht geben würde, holde Prinzessin, wäret ihr keine Prinzessin. Und hätte ich standeswürdige Kleidung an, hätte ich euch wohl nie getroffen.“

Der Prinz erzählte der Prinzessin von seinem Auftrag und das er in den letzten Tagen gelernt hatte, wie wichtig es war, das es diese Gegensätze gab. Gegensätze, so wusste er jetzt zu berichten, ergänzten sich zu einem Ganzen und konnten nie ohneeinander sein.

Prinzessin Antonia gefiel das was sie hörte, und sie ließ sich vom Prinzen auf das Schloss einladen.

Wenige Wochen danach wurde Hochzeit gefeiert. Der Prinz hatte sein Gegenstück in Antonia gefunden. Endlich hatte er die Worte seiner Mutter gänzlich begriffen. . Harmonie entsteht durch Gleichgewicht. Er hatte gelernt auch Rechts und Links des Weges zu schauen und endlich seine Mitte gefunden.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann Leben sie noch heute.

 

 

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