Waffelabenteuer

"Wenn man schon einen an der Waffel hat, dann aber so richtig. Mit Sahne und Kirschen!"
360° Blickwinkel | Kurzgeschichten

Die kleine Welt der ängstlichen Einsiedler

22. März 2016

Brüssel, Terror, schon wieder, Europa.

So etwas lese ich seit etwa einer Stunde im Netz. Und natürlich auch wieder die Hetzrufe „Es in doch die Ausländer Schuld! Diese Scheißasylanten!“
Grenzen dichtmachen, keine Flüchtlinge reinlassen, alles was Moslem ist, raus.
Schöne, herzergreifende Forderungen, die ich im Anflug von Angst, Bedrohung und Terror durchaus nachvollziehen kann. Aber sinnvoll und reflektiert? Wohl nicht, immer dann, wenn die Angst dein Berater ist, dann kann nichts Produktives rauskommen. Aber ich will mal auf den Zug aufspringen. Ich will gar nicht schreiben, dass Moral und Ethik, soziale und demokratische Werte nichts mit Herkunft, Religion oder Hautfarbe zu tun haben.
Ich will nicht schon wieder meinen Standpunkt klarmachen, dass es ein Problem der Menschen ist. Extremismus ein menschliches Gedankengut ist, was in jeder Gruppierung vorkommt. Auf der einen Seite nennt man es zum Beispiel IS, auf der anderen Seite Neonazi. Beweggründe und Ziele dieselben, nur der der Hintergrund und die Abstammung anders. Extrem und unsozial aber in jedem Fall.
Nein, ich will nichts politisch, moralisch Korrektes schreiben und mit den Fingern zeigen. Dafür bin ich zu dumm. Ich will das tun, was ich gut kann. Geschichten erzählen. Und wenn da der erhobene Finger durchkommt, dann ist das durchaus gewollt. Okay, lasst mich anfangen, ein Szenario zu spinnen.

Die kleine Welt der ängstlichen Einsiedler

Es war einmal eine kleine perfekte Welt. Alles war friedlich.
Als die Welt sich änderte, war es mit einem lauten Knall. Bomben explodierten, es rauchte und qualmte. Überall um die kleine Welt der Einsiedler herum. Man spürte, es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Veränderung wie ein Regenwurm auch zu einen durchwühlen würde.
Die Einsiedler wollten Schutz, vor den Schuldigen, den Bösen. Und sie wollten auch Schutz vor dem kommenden Wurm.
Okay, es gab nur eine Chance. Die Welt brauchte eine Mauer, nichts durfte mehr rein. Wenn man die restliche Welt einfach aussperrte, sich nicht einmischte, einfach die Augen vor den Geschehnissen rings rum verschloss, dann würde auch dieser Wurm die kleine Welt der Einsiedler nicht sehen.
Diese Lösung gefiel den Einsiedlern sehr. Einig errichteten sie Grenzen, Mauern, Zäune. Keiner kam mehr rein, keiner kam mehr raus. Nur die Lieferanten mit Köstlichkeiten, die das Paradies auf Erden versprachen, durfte durch die einzig verbleibende Tür.
Damit man die weiteren lauten Knalle nicht mehr hörte, wurden Ohrstöpsel verteilt. Damit man nicht mehr sehen musste, was drum herum passierte, gab es für jeden Einsiedler Brillen mit Klappen dran.
Die kleine Welt der ängstliche Einsiedler wurde wieder friedlicher. Sie sahen und hörten nichts. Das Leben ging weiter, in ihrer kleinen Welt. Drum herum lag alles in Schutt und Asche. Aber das bekamen die Einsiedler nicht mit. Irgendwann wunderten sie sich nur, dass es keine leckeren Früchte mehr gab. Keiner kam mehr an die einzige Tür und lieferte was ab.
Dann kam der erste schlimme Regen. Der machte alles grau. Aber warum nur? Was war passiert? Die Einsiedler wussten es nicht, sie hatten ja nichts mitbekommen.
Als die ersten Menschen krank wurden, beschloss man, doch mal rauszuschauen. Rings rum gab es nichts mehr. Die kleine Welt der ängstlichen Einsiedler war der einzig noch bewohnte Fleck auf der ganzen Erde. Aber auch dieser war nun bedroht, denn das, was drum herum ohne ihres Wissen geschehen war, beeinflusste nun auch ihre kleine Welt.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann überlegen sie noch immer, was sie hätten ändern können.

Die Moral der Geschicht? Sag ich nicht. Denkt doch selber nach. Und wenn ihr versteht, überlegt, ob es nicht endlich mal Zeit ist aktiv zu werden…..

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