Fotografie | Gedankenfetzen | Glücksmoment | Ich | Menschen

Das neue Jahr klopft schon ganz leise an

von am 18. Oktober 2017

Ja, ich weiß. Dieses Jahr bin ich mit allem früher als letztes Jahr. Aber ich habe das Gefühl etwas nachholen zu müssen. Dieses Weihnachtsgefühl, diesen Zauber, den will ich so gerne langsam aufbauen und bewahren bis zum Fest. Ich will mich wohl fühlen in den letzten Wochen des Jahres. Vor allem, weil sich am 12. Dezember der Todestag jährt.
Ein Jahr ohne Mama und es gab mehr Tiefen als Höhen.
Ich versuche mir Wohlfühlmomente zu verschaffen.
So habe ich schon jetzt begonnen, Weihnachtskekse zu backen. Zimtsterne und Vanillekipferl sind schon in den Dosen. Weitere Köstlichkeiten werden folgen.
Heute habe ich sogar schon die ersten Geschenke organisiert. Ich merke schon, ich übernehme Mamas System. Kaufen, verstauen und so entspannt wie möglich planen.

Was ich vom neuen Jahr erwarte? Was soll ich schon erwarten? Es soll sich nicht so taub anfühlen. Ich will diese Ohnmacht abschütteln, ich will mich wieder wohlfühlen in meiner Haut. Und da gehören diese alltäglichen Sachen, wie backen, kochen und putzen dazu.
Ich habe lange meinen Po nicht hochbekommen, das werde ich nun ändern. Ich versuche nun regelmäßig was zu tun und mich nicht von der Traurigkeit überwältigen zu lassen. Ich kann auch traurig Kekse backen. So wie ich für die ersten Geschenke schon traurig fotografiert habe. Aber der Traurigkeit verflog, dank lachneder Kinderaugen.

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Ich

Der erste Schritt auf einem steinigen Weg

von am 3. Oktober 2017

Etwas verstehen, etwas einsehen und dann versuchen etwas zu verändern. Das ist ein großer und wirklich schwerer Weg.
In den letzten Wochen habe ich wirklich eine schwere Zeit erlebt.  (Ich berichtete)

In diesen Wochen habe ich mich nicht mehr erkannt. Ich scheine ein wenig mich selbst eingebüßt zu haben. Dieses kleine Monster namens Panik nagt an mir und bin irgendwie eingeschüchtert. Sonst beschränkte sich dieses Angstgefühl und die Angst vor der Angst auf Situationen, die mir eh schon Stress machen, wie Einkaufen, voller Räume oder viele Menschen.

Aber mittlerweile nehme ich es mit in Bereiche, die mir eigentlich Zuflucht waren. Es fing im Gesangsunterricht an, ich nahm es mit zum Fotografieren auf eine Convention und dann kam es nun auch im Chor. Dieses kleine Monster nahm mir die Luft zum Einsingen. Ich konnte nur da sitzen und atmen. Mehr ging nicht, mehr wollte nicht.

Ich hab meine Sicherheit verloren, ich bin nicht mehr so unbeschwert, Lächeln fällt mir schwer und ich bin immer sehr sehr müde. Ich hab das Gefühl, mein Leben besteht aus Dauerregen und keiner ist mit einem Regenschirm da, der mich beschützt.

Was ich nun schreibe, klingt paradox. Eigentlich will ich dieses Gefühl nicht, ich mag kein Herzrasen, ich will nicht diese Enge im Brustkorb, ich will einfach diese Panik haben.

Je mehr ich jedoch dagegen versuche anzukämpfen, desto schlimmer wird es. Der Stresspegel steigt, ich schwitze noch mehr und es schlaucht. Also habe ich in den letzten Tagen versucht es einfach geschehen zu lassen. Mit dem Wissen, es geht auch wieder weg. Also halte ich es aus, ich nehme es an und lasse die Dinge in mir zu. Und dann ist es die letzten Male einfach verschwunden und ich war nur leicht lediert.

Annehmen um es loszuwerden. Völlig verquer, aber vielleicht doch auch nachvollziehbar. Denn wenn ich verkrampft versuche es zu verhindern, dann steigt der Stress natürlich on Top an. Entspannung kommt eben nur durch zulassen.

Das sind meine ersten Schritte, und das sind auch nur Strategien, die ich nun habe, um klarzukommen. Aber trotzdem kommen diese Panikattacken.
Nach vielen Gedanken und Überlegungen habe ich mich nun das erste Mal an einen Therapeuten gewandt. Nun stehe ich dort auf einer Warteliste.

Ich hoffe, das ich meinen Weg finden werde.

In diesem Sinne, kleines Monster, lass uns gemeinsam gehen.

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360° Blickwinkel | Glücksmoment | Ich | Menschen | Musik

Menschen, die sich in mein Herz schleichen

von am 17. Juni 2017

Ich bin zwischenmenschlich gesehen ja ne harte Nuss.

Hier auf meinem Blog schreibe ich, was ich denke. So frei von der Seele. Im Real Life tu ich mir damit ja schwerer. Ich bin nett, hilfsbereit, aber mir fällt es schwer mich bei „Fremden“ zu öffnen. Natürlich rede ich, aber mit Hemmungen.

Trotzdem bin ich gern unter Menschen und wenn man mir genug Zeit gibt, dann klappt das auch mit dem zwischenmenschlichen Kontakten. 

Nach einem Jahr Chor knüpfe ich tatsächlich die ersten Kontakte, und das tut so gut. 

Da schleichen sich Menschen mein Herz, die ich nicht mehr missen möchte. Auch wenn es im großem und ganzen sich auf das musikalische fokussiert, es tut gut zu wissen, dass da Menschen sind, die einem zum Lachen bringen, die mich nehmen wie ich bin.

Ich bin dankbar für diese Erfahrungen, die ich da machen darf.

Der Chor, meine Heimat, meine Wohlfühlzone und etwas wofür es sich lohnt weiterzumachen. Dieser Chor kam einfach zur richtigen Zeit in mein Leben, Behinderung ist egal und auch die Trauer weicht. Wir sollten viel öfter proben… 

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Gedankenfetzen | Ich | Mamalächeln | Menschen | Trauer

Da gibt es keinen Knopf

von am 11. Juni 2017

Mein Blog klingt echt schwer in den letzten Wochen. Mir ist schwer ums Herz, und doch gibt es diese glücklichen Momente, wo sie eben nur ganz kurz fehlt.

Das Leben geht eben weiter, jeden Morgen geht die Sonne wieder auf, es gibt die großen und kleinen Sorgen, die gemeistert werden müssen. Und den Sachen stelle ich mich. Es geht, ich komm zurecht. Aufgaben sind jetzt halt andere. Und ich kann nicht so weiter machen wie vorher, dass ist ganz klar.

Ich bin eben näher an meinem Vater dran, um im Alltag zu helfen. Und ich helfe ja auch gern. Für mich ist das selbstverständlich. Das hat eben alles mit Mamas Tod zu tun. Wie ich bin, was mein Leben nun ist, warum ich Dinge tu, die ich tu.

Warum ich diesen Blogbeitrag schreibe?

Gestern war er wieder da. Dieser Satz, diese Frage… ob ich denn nicht genug getrauert hätte.

Ich dachte ich kann das mit einem Schulterzucken abtun. Aber es tut weh, wenn man so etwas hört. Und dann noch von nem guten Kunpel.

Ob es nicht langsam mal gut ist….

Trauer, das ist nicht wie eine Platzwunde am Knie… die heilt nicht einfach nach drei Wochen und dann ist alles weg. Trauer kann man nicht mit einer Pille heilen. Und es gibt auch keinen Knopf. 

Trauer ist ein so tiefes Gefühl, das gräbt sich in dich rein. Und je näher du einem Menschen warst, desto schlimmer ist es. Bei meinen Omas war ich traurig, aber das ist nicht im geringsten zu vergleichen. Mamas Tod löst anderes in mir aus. 

Es begleitet dich, täglich und fordert Raum. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag weinen muss. Ich lache, ich freue mich über das Leben. Aber es kommen eben immer wieder diese Momente, die, die weh tun. Die tief unter die Haut gehen und in denen du schlucken musst.

Abstand gewinnen ist ja ein kluger Rat…

Aber, das kann ich nicht, den mein Leben hat sich unmittelbar geändert. An den banalsten Stellen merkst du, wo sie fehlt. Heute, ich hab das erste Mal selbst Wurstsalat gemacht.

Ich übernehme viele Aufgaben von Mama. Weil es die Situation erfordert. 

Und so ist der Verlust immer spürbar, im banalen Alltag 

Ist es nicht langsam mal gut?

Es fühlt sich an, als wäre ich unnormal, als hätte ich mich verändert. Als wäre ich eine andere. Bin ich vielleicht…. 

Aber muss ich mich dafür entschuldigen, dass ich manchmal traurig bin, dass ich weine, dass meine Mama noch immer ein Thema ist?

Ist das denn normal? Sich für Trauer schlecht zu fühlen?

Ich mag wieder mehr Alltag, aber das was ich nun lebe, das ist mein neuer Alltag… dafür will ich mich nicht entschuldigen. Denn für den Alltag und meine Gefühle gibt es keinen Knopf.

Es ist eher wie meine Narbe am Rücken, nach Belastung zwickt es immer mal wieder, mal mehr mal weniger. Dann ziehe ich mich eben kurz zurück, halte inne und atme. Und dann geht es weiter.

Ich komme zurecht, aber mein Rhythmus ist ein neuer.

Ob es langsam mal gut ist?

Ich würde gerne ja sagen. Und ich sage das auch, das Leben, mein Leben, wovon ich nur eines habe, ist gut so wie es ist. Denn es wird sich nicht mehr ändern. Und in diesem Leben braucht auch meine Trauer einen Platz. Und wenn die Menschen das auf meinem Weg nervt? Kann ich es nicht ändern…. ich bin noch ich, aber eben mit neuen Aufgaben im Alltag die es zu bewältigen gilt, aber dabei bin ich noch immer ich, wenn Zeit dafür ist.

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Ich | In Mamas Schuhen | Mamalächeln | Trauer

In ihren Schuhen auf einem Weg voller Veränderung

von am 30. April 2017

Endlich starte ich mein Projekt „In den Schuhen meiner Mutter“, welches ich euch ja schon vorgestellt habe. Fotos aus meiner Vergangenheit, Fotos aus der Zeit mit meiner Mama. Fotos von Taten meiner Mama, die ich selbst nochmal erleben will dieses Jahr. Kirmes in Paderborn, ich will nach Schloß Neuhaus, ich will nochmal eine Trüffelkugel bei Knigge essen, ich will frühstücken gehen, ich will in ihren Schuhen auf ihren Spuren wandeln. Nicht, weil ich an diesen Orten noch nie war, oder weil ich diese Dinge noch nicht gemacht habe. Nein, ich will ihr nochmal nahe sein. Vielleicht spüren, was sie gespürt hat. Aber auch bewusst drauf achten, wie es mir geht, wenn ich versuche in ihren Schuhen auf ihren Wegen zu wandeln. Das hat wieder viel mit Achtsamkeit zu tun und ich muss es zulassen, damit ich es hier auf dem Blog festhalten kann.

Die Schuhe meiner Mutter!

Dabei werde ich auch immer ganz bewusst ihre alten Sommerschuhe tragen. Nicht weil ich sie so schön finde (entschuldige Mama), aber ich finde es sehr passend ihre Wege in ihren Schuhen zu gehen.
Es ist ganz bewusst eine Art der Trauerbewältigung für mich. Mit traurigen und schönen Momenten. Mit Erinnerung und Reisen, die mich mitnehmen in die Vergangenheit und euch möchte ich einladen. Kommt mit mir auf meinen Wegen.

Herzlich Willkommen bei meinem Projekt:

„In den Schuhen meiner Mutter!“

Auf dem Weg

Heute war ich das erste Mal bewusst unterwegs in Mamas Schuhen. Und der Weg führte mich in ihre, aber auch in meine Vergangenheit. In ihren

Schuhen, und auf zweierlei Arten den Blickwinkel im Anschlag. Mein erstes zu Hause. 29 Jahre habe ich dort gelebt. Erst bei meinen Eltern, dann kurzfristig mal ein Block weiter, direkt gegenüber, so dass ich von meinem Küchenfenster immer in mein Kinderzimmer und in das Wohnzimmer meiner Eltern schauen konnte.
So wirklich loslassen konnte ich wohl nie, ich tat mir sehr schwer mit dem Ausziehen, mit dem Gewohnten hinter sich lassen.
Und so ging es mir auch heute, als ich mit der Kamera in unserem alten Revier herumgelaufen bin. Die alten Trampelpfade waren noch da, vielleicht ein wenig zugewachsener als damals, vieles wirkte auch irgendwie kleiner. Es war nicht mehr die weite Welt, der kleine Sandkasten nicht mehr die große Wüste, die Wäschestangen nicht mehr das große Volleyballfeld. Es hat sich relativiert. Ich habe nicht mehr durch meine Kinderaugen geschaut, ich habe die Sachen gesehen, wie meine Mama sie gesehen hat.

Die Wäschestangen, dahinter der Sandkasten

Eine sehr kinderfreundliche Umgebung. Mit viel Grün, mit einem Spielplatz, ein Berg zum Rodeln, der Kindergarten, da konnten wir hinspucken, und wenn der Wind günstig stand, dann konnten wir sogar über den Berg spucken zur Grundschule.

Der Kindergarten

 

Der Kindergarten
Der Sandkasten

Als ich ankam war alles wieder ganz vertraut. Und alle Erinnerungen bittersüß, bunt und lebendig wieder da. Es war irgendwie so, als wäre ich nie weg gewesen. Es war alles so selbstverständlich. Im Sandkasten haben wir stundenlang für unsere Barbies Wohnungen gebaut. Ein Bett in der Ecke war der letzte Schrei. Wir haben immer Internat mit den Barbies gespielt. Nein, korrigiere, wir wollten Barbie spielen, aber meistens ging die ganze Zeit dafür drauf aus Sand Sofa, Mauern, Schreibtische und Stühle zu bauen. Dann rief Mama vom Balkon. Entweder gab es Essen oder es wurde dunkel und wir mussten rein.
Ja, der Balkon meiner Eltern. Dreh- und Angelpunkt. Ich kann nur ahnen wie nervig wir waren, wenn es wieder ertönte:

„Mamaaaaa, komm mal an den Balkooooon!“

Der Blakon, unten rechts.

Alles ging über den Balkon. Eis für alle Kinder, was zu trinken, was zu knabbern für Zwischendurch, Spielzeugtausch. Alles. Aber Mama machte es, ohne zu meckern, immer gut gelaunt. Oft saß sie auch auf dem Balkon im Erdgeschoß und wir saßen auf der Wiese, die man eigentlich nicht betreten durfte und spielten auf unseren Decken, oder malten.
Meine Mama war Mutti für alles, was da draußen rumlief.

Eigentlich spielte sich unser Leben meistens draußen ab. Im Winter fuhren wir stundenlang Schlitten, vom Berg runter, bis vor die Haustür. Im Dunkeln, wenn die dunklen Flocken fielen.
Mama erinnerte uns dann immer, dass wir ja wenigstens mal den Schneeanzug tauschen könnten, wir seien ja schon total durchgeweicht.

 

 

Der Berg

Im Sommer spielte meine Schwester Fußball, auf dem großen Bolzplatz. Heute stehen da kleine Tore und der Platz ist aus Rasen, früher war es ein roter Schlackeplatz, da wurde man echt dreckig, vor allem nach Regenschauern.

Nicht nur der Spielplatz hat sich verändert.

In meiner alten Heimat wird renoviert. Das einst gelbe Haus ist nun rot, das graue Haus zur Hälfte schon blau, nur das Haus meiner Mama ist noch in diesem schmuddeligen rot zu sehen. Aber auch da wird fleißig geackert und gebaut. Die Haustür und die Briefkästen sind bei der Nummer 53 neu. Die alten, bröckeligen Holzfenster sind nun auch endlich ausgetauscht.

Das gelbe Haus, welches nun rot ist

 

Wenn der neue Anstrich kommt, dann verschwindet sicher auch der weiße Fleck an der Fassade, der mich immer an einen Storch erinnert hat. Ein Storch mit einem langen, dünnen Hals.

53

An der Tür erkenne ich nur noch einen Namen. Unsere Nachbarin, die über uns wohnte.
Sie hatte 2 Söhne. Der eine ist schon vor Jahren bei einem Motorradunfall verstorben. Aber ich habe noch Kindheitserinnerungen an ihn. Auf dem Platz vor dem Haus, den meine Eltern mit den Nachbarn gebaut haben, um gemeinsam dort zu grillen und Motorräder abzustellen, habe meine Schwester und ich Schneemänner gebaut. Einen großen und einen kleinen. Und der Sohn machte abends beide kaputt. Meine Mama und die Nachbarin haben das damals laut ausdiskutiert, weil wir so traurig waren. Ich muss schmunzeln bei dem Gedanken, denn eigentlich war das ja wirklich Kinderkacke. Aber so sind Mütter nun einmal, stehen für die Kinder ein, und wenn es nur der doch vergängliche Schneemann ist.

Der Weg vor der 53

Irgendwie sieht die Umgebung verwahrlost aus. Überall vor der Tür liegt Müll, der Gehweg vor der Nummer 53 ist dreckig. Dabei ist Sonntag. Samstag war immer Putztag. Das Treppenhaus wurde gewiehnert und mein Papa befreite den Hauseingang von Dreck und Tannenzapfen. Das hat sich wohl auch geändert.

Ich weiß und verstehe trotz allem, warum meine Mama und mein Papa gerne dort gewohnt haben. Die Wohnung waren immer feucht und es gab Schimmelprobleme, weil Heizungen nicht richtig funktionierten und die Fenster undicht waren. Aber die Umgebung war toll.

Wir hatten dank der vielen Grünflächen und Spielplätze und den wirklich direkt nebendran liegenden Kindergarten und der Schule sehr früh als Kinder viel Freiraum. Meine Mutter musste nur den Kopf aus dem Fenster halten und konnte uns sehen, wie wir alleine in den Kindergarten gingen oder über den Berg zur Schule.

Die Grundschule

Sandkasten, Spielplatz. Alles in ihrer Nähe. Für uns waren die Freiheiten selbstverständlich. Und ich glaube, sie hatte nicht viel Angst um uns, denn sie wusste uns stets in der Nähe und wir waren immer sehr verlässlich.

Ich stand vorhin auf dem Berg und konnte runter auf den riesigen Spielplatz schauen. Der sieht wirklich klein von da oben aus.

Alles hat sich verändert, alles Äußerliche. Aber eines ist gleich und bleibt. Ich werde mich dort immer wohl und zu Hause fühlen, egal wohin mich mein Weg noch führt. Das Gefühl, das bleibt, egal wieviel die an den Häusern renovieren, die 53, da hat Mama uns die Flügel gegeben, die wir brauchen, um uns die Welt zu erobern.

Der Spielplatz, Blick vom Berg.

Danke Mama!

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Fotografie | Gedankenfetzen | Ich | In Mamas Schuhen | Kurzgeschichten

In den Schuhen meiner Mutter

von am 23. April 2017

Ja, ich weiß:

1. So einen Titel hatte mein Blog schon einmal, vor etwa einer Woche… und
2. Gibt es so einen ähnlichen Buchtitel.

Aber es passt einfach zu diesem Post.

Seit ein paar Tagen trage ich eine Idee mit mir herum, die ich nicht mehr los werde. Wer meine Mama war, das weiß ich. Also, wer sie für mich war mit all ihren Sachen, die sie immer für uns gemacht hat.

Ich fühl mich ihr auch immer noch nahe, ich rede mit ihr, ich denke jeden Tag an sie. Weil ich will, dass ich ihre Art der Sorgsamkeit und die Sicht auf die Welt, dass das weiterlebt. Durch mich. Indem ich das weiterlebe.

Doch irgendwie reicht es mir nicht, und deswegen habe ich beschlossen:
In den nächsten Monaten werde ich versuchen, vieles zu machen, was meiner Mama immer wichtig war. Ich werde Orte besuchen, die sie geliebt hat, ich werde Veranstaltungen besuchen, die sie mitgemacht hat. Das alles werde ich mit meiner Kamera begleiten. Und ich werde versuchen immer die Schuhe meiner Mama anzuhaben.

Ich werde dahinfahren, wo sie als Kind gelebt hat, werde Omas altes Zuhause besuchen, der Friedhof wird eine zentrale Rolle spielen. Ich werde zum Ort meiner Kindheit fahren…

Ich werde auf ihren Spuren wandeln, sehen und fühlen, ganz bewusst, was sie gesehen und gefühlt hat, um dem Lied noch mehr Bedeutung zu geben, welches ich geschrieben habe.

„But we see what you have seen“

Natürlich erinnere ich mich, was sie alles gesehen hat und was sie gern getan hat. Aber ich glaube, dass ich das brauche, mir ganz bewusst werden, was sie alles gefühlt hat. Um ihr nah zu sein, um sie zu spüren und vielleicht auch ein Stück weit Abschied zu nehmen.

Ich lasse sie nicht gehen, ich stimme mich nur versöhnlich zu ihrer letzten Reise, auf der wir ihr nicht mehr Aufwiedersehen sagen konnten. Ob sie gewusst hat, dass wir neben ihr sitzen, im anderen Raum? Antworten wird sie mir nicht mehr, aber vielleicht finde ich es auf meiner eigenen Reise heraus, wenn ich in den Schuhen meiner Mutter ihre Wege noch einmal beschreite, der sicher nicht der gleiche ist, aber der ihrem Weg sehr ähnelt.

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Gedankenfetzen | Ich | Trauer

Es gibt immer positive Seiten

von am 4. April 2017

Heute wäre eigentlich wieder Trauergruppe. Warum eigentlich? Weil ich die letzten drei Termine abgesagt habe. Ich habe es versucht, bin auch stolz auf mich, es versucht zu haben, aber bin zu der Ansicht gekomm, dass dieser Weg nichts für mich ist. Ich habe Für und Wider abgewogen. Es hat mir nicht viel  auf meinem Trauerweg gebracht.

Aber das macht nichts. Denn eines wird rückblickend klar. Jeder Schritt und jeder Moment in deinem Leben hat, egal wie grausam, ungerecht oder scheiße es scheinen mag, auch eine positive Seite.
Für die Trauergruppe bedeutet das, ich bin froh und glücklich, diese Möglichkeit probiert zu haben, auch wenn es nichts für mich war. So kann ich es abhaken und sagen, ich habe es versucht und muss mich nachher nicht ärgern, dass ich etwas versäumt habe.

Wie ich auf diese Gedanken komme? Das man erst im Nachhinein weiß, dass alles auch etwas positives hat, das man aus schweren Situationen lernt, das man sich meist durch Probleme weiterentwickelt?

Ein Gespräch mit meiner Physiotherapeutin ist schuld.

Meine Krankenkasse handelt im Moment nach Gesetzen, ihren Verpflichtungen, nach Standardkatalog. Das ist ja auch ok. Mir wollten sie mein Bewegungsbad nicht weiter genehmigen. Vorschriften eben.
Ich lasse mich aber nicht abspeisen. Ich weiß, das ich eben nicht Standard bin und es medizinisch einfach notwendig ist. Deswegen nutze ich meine Möglichkeiten und kämpfe. Ich gebe mich nicht mit einem Nein zufrieden.

Und das ist mittlerweile in meiner Persönlichkeit verankert. Denn, wie hat Almuth es so schön gesagt? Daran ist der verkorkste Rücken Schuld. Wenn es was positives an der ganzen Erkrankung und Behinderung gibt, dann das ich selbstbewusster geworden bin und ich für mich einstehe.

Stimmt, sie hat recht.

Und so ist es in jeder Lebenslage. Für was ist es gut? Das fragt man sich ja ständig.
Dieser Antworten findet man immer, nicht immer sofort, manchmal brauchen die Antworten eben Zeit, manchmal bekommt man sie sicher erst am Ende des Lebens.

Aber man bekommt sie, denn kein Erlebnis ist sinnlos. Keine Handlung geschieht ohne Folge.

Alles was man macht, was man erlebt führt weiter. Wie mit dieser Pusteblume im Bild. Ella pustet. Die Schirmchen fliegen. Sinnlos? Nein, banale Kleinigkeiten können alles ändern und wichtig sein. Das Schirmchen fliegt und sät sich aus und nächstes Jahr gibt es eine neue Pusteblume. Die Antwort erkennen wir nicht sofort, aber es gibt sie. Ella kennt die Antwort auch noch nicht, die dauert jetzt.

Und auch ich finde Antworten auf das ständige Warum. Und ich ich kenne die positiven Dinge, die man aus den blöden Lebenslagen zieht.

Durch meine Mama weiß ich jetzt, dass ich stark und aushalten kann, ich bin wieder achtsam und weiß, ich muss auf mich achten, durch den Rücken bin ich selbstbewusst und durch den unerfüllten Kinderwunsch hartnäckig und entschlossen, voller Ehrgeiz und Mut, alles durchzuziehen und für meine Wünsche und Träume unbeirrt zu kämpfen.

Denn kein Erlebnis, kein Schicksalsschlag ist sinnlos, alles ergibt irgendwann ein komplettes Bild. Wir werden zum kompletten Bild, denn wenn wir Schicksal zulassen und annehmen, können wir charakterlich vorankommen und reifen.

Alles hat eben einen Sinn. Wir müssen es annehmen, für uns.

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Gedankenfetzen | Glücksmoment | Ich | Mamalächeln | Menschen | Musik | Schmerzen | Seelenbilder | Trauer | Wegbegleiter

Die Sache mit der Stimme – Oder: Warum mir diese Frau so unheimlich ist

von am 15. März 2017

Schlaf. Geschlafen habe ich früher gerne. Ich konnte mich hinlegen, bin eingeschlafen, habe durchgeschlafen. Meistens.
Seit Mamas Tod ist das anders. Schlaf? Was ist das? Kann ich das kaufen? Und dieser Schlafmangel macht sich in allem bemerkbar. Ich bin angespannt, kann nicht locker lassen, bin stets auf dem Sprung.
Das macht mir nicht nur mehr Rückenschmerzen als sonst, sondern diese Anspannung geht vor allem auch auf die Stimme. Sie klingt nicht so frei, nicht so selbstverständlich. Und das nervt mich natürlich zusätzlich.

Heute hatte ich Gesangsunterricht. Manchmal glaube ich ja, dass an der lieben Jasmin eine Hobbypsychologin verloren gegangen ist. Heute erzählt sie mir doch glatt was von loslassen, weitmachen und das man an meiner Stimme hört, das ich drüber bin. Weil ich höher rede, als meine Brustsingstimme es vermuten lässt.
Und irgendwie hat sie heute Worte dafür gefunden, die mich berührt haben. Und beruhigt haben? Kann man das sagen? Ich fühlte mich geerdet und locker, wie seit Wochen nicht mehr. Es fühlte sich alles ganz warm an und ich fühlte mich müde. Einfach, weil sie das aussprach, was mir schon seit Wochen im Kopf rumgeht. Das ich einfach mich wieder mehr reflektieren muss, locker lassen muss. Entspannen soll.

Nun habe ich eine Hausaufgabe. Ich soll meine Stimme beobachten und schauen, wann sie eine Tendenz in die Kopfstimme bekommt. Innehalten, kurz durchatmen und mich reflektieren.

Warum kann diese Frau das? Immer gerade zur richtigen Zeit die richtigen Worte finden? Warum weiß die, zum Geier, was mit mir los ist? Und warum bringt die mich immer zum Heulen? Zum Glück nicht direkt beim Singen, aber der Kloß war schon da. Während ich locker die Sandé gesungen haben „Read all about it“ merkte ich schon, das ich mit dem Weit werden im Hals und im Loslassen in den Muskeln noch mehr den Weg bereitet habe. Anspannung von Wochen fiel ab. Die hatte ich alle gar nicht auf dem Schirm, aber die werden wohl irgendwo in mir gesessen haben. Da sitzt diese Frau mir gegenüber und kitzelt das aus mir raus, was ich eigentlich gerne in mir einschließen würde.

Im Moment versuche ich soviel, um wieder mehr zu mir zu finden, alles zuzulassen und es nicht einfach stumm wegzuschließen. Vieles versuche ich, aber so wirklich bringt es nichts.

Trauergruppe ist nett, ich merke, ich bin nicht alleine, aber viel hat das bisher nicht genützt.
Das schafft nur die Musik, der Chor, der Gesang und die Tee. Auch wenn ich an mir arbeiten muss, diesen blöden Kram zuzulassen, aber sie scheint es ja irgendwie zu schaffen. Sie scheint es wie so ein Trüffelschwein zu riechen und buddelt es aus. Das ist unheimlich. Als würde die deine Seele besser kennen als du selbst….
Oder hat man als Musikerin automatisch solche Antennen… Ich kann es mir nicht vorstellen.

Heute habe ich einen Entschluss gefasst. Was soll ich zu einen Psychologen gehen, wenn es Menschen gibt, in meinem Umfeld, die, ohne es zu wissen, mir die beste Therapie der Welt zur Hand geben? Warum mich einem Fremden öffnen, wenn ich doch alles, was ich brauche, schon in mir habe und weiß, was zu tun ist? Ich habe das alles schon einmal durch und ich schaffe das nochmal. Ich muss nur wieder bewusster daran an die Wurzel des Übels. An meine Angst vor Gefühl, weil ich Angst habe, verletzlich zu sein. Und an meine Angst, es allen recht machen zu wollen. Ich muss einfach wieder mehr nur mir genügen und auf „Die Anderen“ (entschuldigt den Ausdruck) scheißen. Ich muss mir wieder die Wichtigste sein und Dinge so machen, wie ich sie kann. Ich mag mich nicht mehr rumschubsen lassen und mir einreden lassen „Du nimmst das nicht wichtig“, „Du kannst das nicht“, „Du bist eben nicht Mama!“.

Diese Hausaufgaben mache ich gerne. Atmen, still sein, und schauen, was stresst mich gerade und wie kann ich wieder zu mir und meiner Mitte finden. Einfach mir mehr Raum und Zeit einräumen. Das ist im Grunde ja nix anderes als die Achtsamkeitsübung bei der Schmerztherapie. Ich muss mir wieder mehr bewusst machen, das Leben ist schön. Alles ist gut und alles darf geschehen. Es zulassen, mit dem Wissen, es geht alles vorüber. Auch der schlimmste Heulkrampf. Und wenn ich dann ausshehe wie ein Waschbär? Dann ist das eben so.

Eine Woche lange auf mich achten. Das schaffe ich. Und wer weiß, wie es mir dann beim Singen geht. Einfach loslassen und kein Druck. Oh Ohhh, Oh, Oh, Oh, Ohhhh.

Ich weiß, da ist noch viel Trauer in mir, die mir zwischendurch die Kehle einfach zuschnürrt, die mich anspannt. Es ist ein Gefühl, das ich unterdrücken mag, warum auch immer. Aber da sind noch mehr Gefühle, die ich unterdrücken will. Wut und manchmal sogar… nein, es ist nicht Hass. Es ist Unverständnis, wie Menschen mit Lügen sich eine ganze Welt zusammenbauen können, unter der andere Leiden. So könnte ich es am besten beschreiben. Diese Gefühle, die ich wegschließen will, aber sich immer wieder den Weg bahnen. Denen mehr Raum zu schenken, diese zulassen können um mir gerecht zu werden, dass sollte die nächsten Tage mein Ziel sein, was immer das auch für Konsequenzen hat.

Es hängt alles zusammen. Mein Rücken, meine Panikattacken, meine Stimme. Mit dem Wissen und der Einsicht, Kari, stress dich nicht selber, nimm dich einfach viel mehr aus Situationen raus, so sollte ich die nächsten Wochen wieder meistern können und mich endlich besser fühlen.

Und dann auch wieder so singen wie heute, als hätte ich nie was anderes gemacht. Selbstverständlich, alles offen und einfach alles in die Musik an Emotionen hineinlegend. Es wird ein hartes Stück Arbeit, aber die investiere ich, für mein Wohlbefinden.

Der Frühling ist endlich da, es wird Zeit, das auch ich wieder erblühe. Und meine Gefühle schicke ich zu den Sonnenstrahlen, damit sie mich wieder mit Energie und postiven Schwingungen erfüllen.

Dieser Blogbeitrag ist der Start für eine besondere Achtsamkeitswoche.
Danke an die kleine Hobbypsychologin, die nicht nur meine Stimmebänder zum Schwingen bringt. Ganze Saiten meiner Seele möchten mitsingen und sagen mir: Mit Musik geht alles leichter.

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Ich | Trauer

Näher denn je – Wer bin ich ?

von am 25. Februar 2017

Wie sagt man so schön? Manchmal muss man sich trennen, um sich nah zu sein. Diese Worte scheinen schmerzlich wahr zu sein.

Ich erlebe es im Moment sehr. Meine Mama ist nicht mehr da, aber ich fühle mich ihr so nah, wie ich es noch nie erlebt habe. Das klingt so grotesk, wenn ich das schreibe, dass ich hier nur an meinem Laptop sitzen kann und den Kopf schüttel. Es ist so surreal.
Aber es ist wie es ist.

Seit Mama gestorben ist, habe ich viele Aufgaben übernommen, die sie sonst gemacht hat. Aufgaben, die sie für meinen Papa erledigt hat, Aufgaben, die sie in der Familie erledigt hat. Und ich erlebe vieles, was Mama sonst erlebt hat.
Einen grantigen alten Vater… Eigentlich sollte ich das nicht schreiben, aber ist ja wie es ist.

Ich meine es auch nicht böse, genauso wie mein Papa es nicht böse meint. Aber in den letzten Wochen kann ich meine Mama viel mehr verstehen. Ich weiß, warum sie Sachen gemacht hat, wie sie sie gemacht hat. Ich verstehe, warum sie gehandelt hat, wie sie handelte. Ich weiß warum sie so war, wie sie war. Weil ich jetzt so bin.

„So will ich niemals sein!“

Ein Satz, den Jugendliche oft sagen. Aber keine Chance. Irgendwann merkt man, man hat viel von seiner Mutter, und auch von seinem Vater.
Was aber passiert, man findet es oftmals nicht mehr schlimm. Weil man nachvollzieht, warum Dinge so sind. Weil man sie selbst erlebt. Auf die eine oder andere Weise.

Ich weiß, warum meine Mama, obwohl es ihr nicht gut ging, oft auf Achse war. Ich weiß, warum sie so gerne Facebookspiele gespielt hat. Und ich weiß, warum sie Papa soviel abgenommen hat. Obwohl er eigentlich alles selbst machen könnte. Ich mache es jetzt nicht anders, aus den gleichen Gründen. Und das verbindet mich im Moment so sehr mit meiner Mama.  So sehr, dass es weh tut. Da ist so viel von ihr in mir, dass es mich zerreißt und ich sehr nah am Wasser gebaut bin.

Vielleicht ist es das erste Mal wichtig zu fragen, wer bin ich eigentlich?

Das muss ich tun. Denn mein Vater merkt ebenfalls, dass ich viel von meiner Mama habe. Er kann grantig mit mir umspringen, mir das Gefühl geben, ich mache nichts richtig, nichts im richtigen Tempo. Er behandelt mich wie früher Mama. Weil ich in dieser Beziehung eben viel von meiner Mama, ich bin viel zu besorgt, hilfsbereit und bekomme schnell ein schlechtes Gewissen.

Aber auch wenn ich ihr so ähnlich bin und ihr so nah bin, bin ich nicht meine Mama.
Das hat ja sogar meine ach so tolle Patentante mitbekommen. Ich bin nicht wie Mama, mit mir kann man ja nicht reden. Richtig. Ich hab viel von Mama, aber ich bin nicht Mama.

Nur, wer bin ich eigentlich.? Es wird Zeit, dieses nun herauszufinden. Eine neue Definition meiner Selbst. Denn dieses Geheule von mir geht mir auf den Zwirn. Ich will meinem Papa Paroli bieten können, mir nicht alles so sehr zu Herzen nehmen, nicht immer ein schlechtes Gewissen haben.

Also, wer ist Kari? Kari ist Claudia und die findet sich ab heute selbst und sortiert sich erstmal richtig.

Vielleicht ist das auch ein Teil der Trauerbewältigung.

Zu sich selbst in dieser Zeit finden und für sich einzustehen. Immer mit dem Liebsten im Herzen, der einem nun so nahe ist.

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