360° Blickwinkel | Ausschnittsweise | Gedankenfetzen | Ich | Menschen | Musik | Schubladendenken | Seelenbilder

Prost! ~ Oder: wenn einem Ehrgeiz vorgeworfen wird…..

von am 10. Februar 2018

Hello, it´s me. Und endlich mal wieder kritisch und mit Biss. Hurra, ich bin zurück in alter Form.

Habt ihr auch manchmal Langeweile und überlegt euch, wie man denn seine Zeit am besten rumbekommt? Natürlich muss es etwas sein, was Spaß macht, was nicht sehr anstrengend ist, was man halt mal eben so nebenbei macht. Vielleicht wäre es auch noch nett, unter Menschen zu kommen. Aber bitte, ich will dann auch nur diese Zeit mit dieser Beschäftigung verbringen, die ich totschlagen möchte. Weiter soll mich dieser Zeitvertreib bitte nicht belasten. Nicht das dies noch in Stress ausartet oder, oh je, noch schlimmer irgendwann KEINEN Spaß mehr macht.

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Ich

Und was nu?

von am 6. Februar 2018

Herzlichen Glückwunsch, bitte gehen sie nicht über Los, üben sie nicht weiter, sie sind nun Rentnerin bis sie Rentnerin werden.

Tja, wenn man etwas auf einmal Schwarz auf cremefarbenen Recyclingpapier liest, dann ist es wie ein Schlag in den Magen. Heißt es doch im Endeffekt, egal was ich tu, ich bin kaputt.

Seit 6 Jahren eier ich nun mit meinem Rücken rum, habe geübt, trainiert und geackert. Immer mit der doch sehr leisen Hoffnung, irgendwann regeneriert das Bein wieder. Natürlich wieß ich als Arzthelferin, dass das nicht möglich ist. Wenn Nervengewebe erst einmal kaputt ist, dann wächst da nix mehr funktional zusammen. Aber ohne etwas zu Nachlesen zu haben, bleibt halt dieser Funke.
Dieser Brief, dass die Erberbsminderungsrente nun bis zur Altersrente gilt, das macht das alles nun sehr real. Ich bin alt, ich bin kaputt und reparieren sinnlos.
Aber es eröffnet natürlich jetzt auch Möglichkeiten. Ich habe Zeit zum Lernen. Arbeit für den Kopf. Studieren. Ich will mir Sprachen erarbeiten, ich will die wichtige Literatur lesen, wie Shakespeare. Ich will mir Wissen aneignen, was ich stets für unmöglich hielt. Mein Körper mag vielleicht nicht mehr, aber mein Kopf, der funktioniert noch. Also, gebt mir was zu lernen.

Wohin mich das alles führen wird, das kann ich nicht sagen, aber irgendwie geht das alles weiter. Ich bin da guter Dinge. Ich mache eben einfach das, was mir gefällt, egal was die anderen von mir denken. Klar können die anderen es doof finden, das ich singe. Sie können es lächerlich finden, dass ich nun Sprachen lernen möcht. Mir egal, ich will einfach glücklich sein. Und das kann ich nur schaffen, wenn ich das tu, was mich erfüllt und fordert. Alles was geht, ohne Rücken und Bein zu sehr nutzen zu müssen.

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Das kleine Monster | Ich | Menschen

Einen Rat beherzigen

von am 25. Oktober 2017

Ich schleppe es ja schon lange mit mir rum, habe es hier auf dem Blog auch immer mal wieder kurz angerissen. Aber so wirklich darüber geredet, das habe ich noch nicht.

Aber das soll ich tun, denn es ist eine ärztliche Verordnung. Und da ich mir ja mit reden immer so schwer tu, nehme ich einfach meinen Blog. Was würde auch besser passen, als dieses Medium?

Natürlich kann man darüber streiten und lange philosophieren, ob das wirklich ins www gehört. Bin ich nicht zu offenherzig? Mache ich mich angreifbar? Muss ich das alles in die Welt hinausschreien, dass ich gerade nicht so richtig ticke?

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Fotografie | Gedankenfetzen | Glücksmoment | Ich | Menschen

Das neue Jahr klopft schon ganz leise an

von am 18. Oktober 2017

Ja, ich weiß. Dieses Jahr bin ich mit allem früher als letztes Jahr. Aber ich habe das Gefühl etwas nachholen zu müssen. Dieses Weihnachtsgefühl, diesen Zauber, den will ich so gerne langsam aufbauen und bewahren bis zum Fest. Ich will mich wohl fühlen in den letzten Wochen des Jahres. Vor allem, weil sich am 12. Dezember der Todestag jährt.
Ein Jahr ohne Mama und es gab mehr Tiefen als Höhen.
Ich versuche mir Wohlfühlmomente zu verschaffen.
So habe ich schon jetzt begonnen, Weihnachtskekse zu backen. Zimtsterne und Vanillekipferl sind schon in den Dosen. Weitere Köstlichkeiten werden folgen.
Heute habe ich sogar schon die ersten Geschenke organisiert. Ich merke schon, ich übernehme Mamas System. Kaufen, verstauen und so entspannt wie möglich planen.

Was ich vom neuen Jahr erwarte? Was soll ich schon erwarten? Es soll sich nicht so taub anfühlen. Ich will diese Ohnmacht abschütteln, ich will mich wieder wohlfühlen in meiner Haut. Und da gehören diese alltäglichen Sachen, wie backen, kochen und putzen dazu.
Ich habe lange meinen Po nicht hochbekommen, das werde ich nun ändern. Ich versuche nun regelmäßig was zu tun und mich nicht von der Traurigkeit überwältigen zu lassen. Ich kann auch traurig Kekse backen. So wie ich für die ersten Geschenke schon traurig fotografiert habe. Aber der Traurigkeit verflog, dank lachneder Kinderaugen.

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Ich

Der erste Schritt auf einem steinigen Weg

von am 3. Oktober 2017

Etwas verstehen, etwas einsehen und dann versuchen etwas zu verändern. Das ist ein großer und wirklich schwerer Weg.
In den letzten Wochen habe ich wirklich eine schwere Zeit erlebt.  (Ich berichtete)

In diesen Wochen habe ich mich nicht mehr erkannt. Ich scheine ein wenig mich selbst eingebüßt zu haben. Dieses kleine Monster namens Panik nagt an mir und bin irgendwie eingeschüchtert. Sonst beschränkte sich dieses Angstgefühl und die Angst vor der Angst auf Situationen, die mir eh schon Stress machen, wie Einkaufen, voller Räume oder viele Menschen.

Aber mittlerweile nehme ich es mit in Bereiche, die mir eigentlich Zuflucht waren. Es fing im Gesangsunterricht an, ich nahm es mit zum Fotografieren auf eine Convention und dann kam es nun auch im Chor. Dieses kleine Monster nahm mir die Luft zum Einsingen. Ich konnte nur da sitzen und atmen. Mehr ging nicht, mehr wollte nicht.

Ich hab meine Sicherheit verloren, ich bin nicht mehr so unbeschwert, Lächeln fällt mir schwer und ich bin immer sehr sehr müde. Ich hab das Gefühl, mein Leben besteht aus Dauerregen und keiner ist mit einem Regenschirm da, der mich beschützt.

Was ich nun schreibe, klingt paradox. Eigentlich will ich dieses Gefühl nicht, ich mag kein Herzrasen, ich will nicht diese Enge im Brustkorb, ich will einfach diese Panik haben.

Je mehr ich jedoch dagegen versuche anzukämpfen, desto schlimmer wird es. Der Stresspegel steigt, ich schwitze noch mehr und es schlaucht. Also habe ich in den letzten Tagen versucht es einfach geschehen zu lassen. Mit dem Wissen, es geht auch wieder weg. Also halte ich es aus, ich nehme es an und lasse die Dinge in mir zu. Und dann ist es die letzten Male einfach verschwunden und ich war nur leicht lediert.

Annehmen um es loszuwerden. Völlig verquer, aber vielleicht doch auch nachvollziehbar. Denn wenn ich verkrampft versuche es zu verhindern, dann steigt der Stress natürlich on Top an. Entspannung kommt eben nur durch zulassen.

Das sind meine ersten Schritte, und das sind auch nur Strategien, die ich nun habe, um klarzukommen. Aber trotzdem kommen diese Panikattacken.
Nach vielen Gedanken und Überlegungen habe ich mich nun das erste Mal an einen Therapeuten gewandt. Nun stehe ich dort auf einer Warteliste.

Ich hoffe, das ich meinen Weg finden werde.

In diesem Sinne, kleines Monster, lass uns gemeinsam gehen.

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360° Blickwinkel | Glücksmoment | Ich | Menschen | Musik

Menschen, die sich in mein Herz schleichen

von am 17. Juni 2017

Ich bin zwischenmenschlich gesehen ja ne harte Nuss.

Hier auf meinem Blog schreibe ich, was ich denke. So frei von der Seele. Im Real Life tu ich mir damit ja schwerer. Ich bin nett, hilfsbereit, aber mir fällt es schwer mich bei „Fremden“ zu öffnen. Natürlich rede ich, aber mit Hemmungen.

Trotzdem bin ich gern unter Menschen und wenn man mir genug Zeit gibt, dann klappt das auch mit dem zwischenmenschlichen Kontakten. 

Nach einem Jahr Chor knüpfe ich tatsächlich die ersten Kontakte, und das tut so gut. 

Da schleichen sich Menschen mein Herz, die ich nicht mehr missen möchte. Auch wenn es im großem und ganzen sich auf das musikalische fokussiert, es tut gut zu wissen, dass da Menschen sind, die einem zum Lachen bringen, die mich nehmen wie ich bin.

Ich bin dankbar für diese Erfahrungen, die ich da machen darf.

Der Chor, meine Heimat, meine Wohlfühlzone und etwas wofür es sich lohnt weiterzumachen. Dieser Chor kam einfach zur richtigen Zeit in mein Leben, Behinderung ist egal und auch die Trauer weicht. Wir sollten viel öfter proben… 

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Gedankenfetzen | Ich | Mamalächeln | Menschen | Trauer

Da gibt es keinen Knopf

von am 11. Juni 2017

Mein Blog klingt echt schwer in den letzten Wochen. Mir ist schwer ums Herz, und doch gibt es diese glücklichen Momente, wo sie eben nur ganz kurz fehlt.

Das Leben geht eben weiter, jeden Morgen geht die Sonne wieder auf, es gibt die großen und kleinen Sorgen, die gemeistert werden müssen. Und den Sachen stelle ich mich. Es geht, ich komm zurecht. Aufgaben sind jetzt halt andere. Und ich kann nicht so weiter machen wie vorher, dass ist ganz klar.

Ich bin eben näher an meinem Vater dran, um im Alltag zu helfen. Und ich helfe ja auch gern. Für mich ist das selbstverständlich. Das hat eben alles mit Mamas Tod zu tun. Wie ich bin, was mein Leben nun ist, warum ich Dinge tu, die ich tu.

Warum ich diesen Blogbeitrag schreibe?

Gestern war er wieder da. Dieser Satz, diese Frage… ob ich denn nicht genug getrauert hätte.

Ich dachte ich kann das mit einem Schulterzucken abtun. Aber es tut weh, wenn man so etwas hört. Und dann noch von nem guten Kunpel.

Ob es nicht langsam mal gut ist….

Trauer, das ist nicht wie eine Platzwunde am Knie… die heilt nicht einfach nach drei Wochen und dann ist alles weg. Trauer kann man nicht mit einer Pille heilen. Und es gibt auch keinen Knopf. 

Trauer ist ein so tiefes Gefühl, das gräbt sich in dich rein. Und je näher du einem Menschen warst, desto schlimmer ist es. Bei meinen Omas war ich traurig, aber das ist nicht im geringsten zu vergleichen. Mamas Tod löst anderes in mir aus. 

Es begleitet dich, täglich und fordert Raum. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag weinen muss. Ich lache, ich freue mich über das Leben. Aber es kommen eben immer wieder diese Momente, die, die weh tun. Die tief unter die Haut gehen und in denen du schlucken musst.

Abstand gewinnen ist ja ein kluger Rat…

Aber, das kann ich nicht, den mein Leben hat sich unmittelbar geändert. An den banalsten Stellen merkst du, wo sie fehlt. Heute, ich hab das erste Mal selbst Wurstsalat gemacht.

Ich übernehme viele Aufgaben von Mama. Weil es die Situation erfordert. 

Und so ist der Verlust immer spürbar, im banalen Alltag 

Ist es nicht langsam mal gut?

Es fühlt sich an, als wäre ich unnormal, als hätte ich mich verändert. Als wäre ich eine andere. Bin ich vielleicht…. 

Aber muss ich mich dafür entschuldigen, dass ich manchmal traurig bin, dass ich weine, dass meine Mama noch immer ein Thema ist?

Ist das denn normal? Sich für Trauer schlecht zu fühlen?

Ich mag wieder mehr Alltag, aber das was ich nun lebe, das ist mein neuer Alltag… dafür will ich mich nicht entschuldigen. Denn für den Alltag und meine Gefühle gibt es keinen Knopf.

Es ist eher wie meine Narbe am Rücken, nach Belastung zwickt es immer mal wieder, mal mehr mal weniger. Dann ziehe ich mich eben kurz zurück, halte inne und atme. Und dann geht es weiter.

Ich komme zurecht, aber mein Rhythmus ist ein neuer.

Ob es langsam mal gut ist?

Ich würde gerne ja sagen. Und ich sage das auch, das Leben, mein Leben, wovon ich nur eines habe, ist gut so wie es ist. Denn es wird sich nicht mehr ändern. Und in diesem Leben braucht auch meine Trauer einen Platz. Und wenn die Menschen das auf meinem Weg nervt? Kann ich es nicht ändern…. ich bin noch ich, aber eben mit neuen Aufgaben im Alltag die es zu bewältigen gilt, aber dabei bin ich noch immer ich, wenn Zeit dafür ist.

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Ich | In Mamas Schuhen | Mamalächeln | Trauer

In ihren Schuhen auf einem Weg voller Veränderung

von am 30. April 2017

Endlich starte ich mein Projekt „In den Schuhen meiner Mutter“, welches ich euch ja schon vorgestellt habe. Fotos aus meiner Vergangenheit, Fotos aus der Zeit mit meiner Mama. Fotos von Taten meiner Mama, die ich selbst nochmal erleben will dieses Jahr. Kirmes in Paderborn, ich will nach Schloß Neuhaus, ich will nochmal eine Trüffelkugel bei Knigge essen, ich will frühstücken gehen, ich will in ihren Schuhen auf ihren Spuren wandeln. Nicht, weil ich an diesen Orten noch nie war, oder weil ich diese Dinge noch nicht gemacht habe. Nein, ich will ihr nochmal nahe sein. Vielleicht spüren, was sie gespürt hat. Aber auch bewusst drauf achten, wie es mir geht, wenn ich versuche in ihren Schuhen auf ihren Wegen zu wandeln. Das hat wieder viel mit Achtsamkeit zu tun und ich muss es zulassen, damit ich es hier auf dem Blog festhalten kann.

Die Schuhe meiner Mutter!

Dabei werde ich auch immer ganz bewusst ihre alten Sommerschuhe tragen. Nicht weil ich sie so schön finde (entschuldige Mama), aber ich finde es sehr passend ihre Wege in ihren Schuhen zu gehen.
Es ist ganz bewusst eine Art der Trauerbewältigung für mich. Mit traurigen und schönen Momenten. Mit Erinnerung und Reisen, die mich mitnehmen in die Vergangenheit und euch möchte ich einladen. Kommt mit mir auf meinen Wegen.

Herzlich Willkommen bei meinem Projekt:

„In den Schuhen meiner Mutter!“

Auf dem Weg

Heute war ich das erste Mal bewusst unterwegs in Mamas Schuhen. Und der Weg führte mich in ihre, aber auch in meine Vergangenheit. In ihren

Schuhen, und auf zweierlei Arten den Blickwinkel im Anschlag. Mein erstes zu Hause. 29 Jahre habe ich dort gelebt. Erst bei meinen Eltern, dann kurzfristig mal ein Block weiter, direkt gegenüber, so dass ich von meinem Küchenfenster immer in mein Kinderzimmer und in das Wohnzimmer meiner Eltern schauen konnte.
So wirklich loslassen konnte ich wohl nie, ich tat mir sehr schwer mit dem Ausziehen, mit dem Gewohnten hinter sich lassen.
Und so ging es mir auch heute, als ich mit der Kamera in unserem alten Revier herumgelaufen bin. Die alten Trampelpfade waren noch da, vielleicht ein wenig zugewachsener als damals, vieles wirkte auch irgendwie kleiner. Es war nicht mehr die weite Welt, der kleine Sandkasten nicht mehr die große Wüste, die Wäschestangen nicht mehr das große Volleyballfeld. Es hat sich relativiert. Ich habe nicht mehr durch meine Kinderaugen geschaut, ich habe die Sachen gesehen, wie meine Mama sie gesehen hat.

Die Wäschestangen, dahinter der Sandkasten

Eine sehr kinderfreundliche Umgebung. Mit viel Grün, mit einem Spielplatz, ein Berg zum Rodeln, der Kindergarten, da konnten wir hinspucken, und wenn der Wind günstig stand, dann konnten wir sogar über den Berg spucken zur Grundschule.

Der Kindergarten

 

Der Kindergarten
Der Sandkasten

Als ich ankam war alles wieder ganz vertraut. Und alle Erinnerungen bittersüß, bunt und lebendig wieder da. Es war irgendwie so, als wäre ich nie weg gewesen. Es war alles so selbstverständlich. Im Sandkasten haben wir stundenlang für unsere Barbies Wohnungen gebaut. Ein Bett in der Ecke war der letzte Schrei. Wir haben immer Internat mit den Barbies gespielt. Nein, korrigiere, wir wollten Barbie spielen, aber meistens ging die ganze Zeit dafür drauf aus Sand Sofa, Mauern, Schreibtische und Stühle zu bauen. Dann rief Mama vom Balkon. Entweder gab es Essen oder es wurde dunkel und wir mussten rein.
Ja, der Balkon meiner Eltern. Dreh- und Angelpunkt. Ich kann nur ahnen wie nervig wir waren, wenn es wieder ertönte:

„Mamaaaaa, komm mal an den Balkooooon!“

Der Blakon, unten rechts.

Alles ging über den Balkon. Eis für alle Kinder, was zu trinken, was zu knabbern für Zwischendurch, Spielzeugtausch. Alles. Aber Mama machte es, ohne zu meckern, immer gut gelaunt. Oft saß sie auch auf dem Balkon im Erdgeschoß und wir saßen auf der Wiese, die man eigentlich nicht betreten durfte und spielten auf unseren Decken, oder malten.
Meine Mama war Mutti für alles, was da draußen rumlief.

Eigentlich spielte sich unser Leben meistens draußen ab. Im Winter fuhren wir stundenlang Schlitten, vom Berg runter, bis vor die Haustür. Im Dunkeln, wenn die dunklen Flocken fielen.
Mama erinnerte uns dann immer, dass wir ja wenigstens mal den Schneeanzug tauschen könnten, wir seien ja schon total durchgeweicht.

 

 

Der Berg

Im Sommer spielte meine Schwester Fußball, auf dem großen Bolzplatz. Heute stehen da kleine Tore und der Platz ist aus Rasen, früher war es ein roter Schlackeplatz, da wurde man echt dreckig, vor allem nach Regenschauern.

Nicht nur der Spielplatz hat sich verändert.

In meiner alten Heimat wird renoviert. Das einst gelbe Haus ist nun rot, das graue Haus zur Hälfte schon blau, nur das Haus meiner Mama ist noch in diesem schmuddeligen rot zu sehen. Aber auch da wird fleißig geackert und gebaut. Die Haustür und die Briefkästen sind bei der Nummer 53 neu. Die alten, bröckeligen Holzfenster sind nun auch endlich ausgetauscht.

Das gelbe Haus, welches nun rot ist

 

Wenn der neue Anstrich kommt, dann verschwindet sicher auch der weiße Fleck an der Fassade, der mich immer an einen Storch erinnert hat. Ein Storch mit einem langen, dünnen Hals.

53

An der Tür erkenne ich nur noch einen Namen. Unsere Nachbarin, die über uns wohnte.
Sie hatte 2 Söhne. Der eine ist schon vor Jahren bei einem Motorradunfall verstorben. Aber ich habe noch Kindheitserinnerungen an ihn. Auf dem Platz vor dem Haus, den meine Eltern mit den Nachbarn gebaut haben, um gemeinsam dort zu grillen und Motorräder abzustellen, habe meine Schwester und ich Schneemänner gebaut. Einen großen und einen kleinen. Und der Sohn machte abends beide kaputt. Meine Mama und die Nachbarin haben das damals laut ausdiskutiert, weil wir so traurig waren. Ich muss schmunzeln bei dem Gedanken, denn eigentlich war das ja wirklich Kinderkacke. Aber so sind Mütter nun einmal, stehen für die Kinder ein, und wenn es nur der doch vergängliche Schneemann ist.

Der Weg vor der 53

Irgendwie sieht die Umgebung verwahrlost aus. Überall vor der Tür liegt Müll, der Gehweg vor der Nummer 53 ist dreckig. Dabei ist Sonntag. Samstag war immer Putztag. Das Treppenhaus wurde gewiehnert und mein Papa befreite den Hauseingang von Dreck und Tannenzapfen. Das hat sich wohl auch geändert.

Ich weiß und verstehe trotz allem, warum meine Mama und mein Papa gerne dort gewohnt haben. Die Wohnung waren immer feucht und es gab Schimmelprobleme, weil Heizungen nicht richtig funktionierten und die Fenster undicht waren. Aber die Umgebung war toll.

Wir hatten dank der vielen Grünflächen und Spielplätze und den wirklich direkt nebendran liegenden Kindergarten und der Schule sehr früh als Kinder viel Freiraum. Meine Mutter musste nur den Kopf aus dem Fenster halten und konnte uns sehen, wie wir alleine in den Kindergarten gingen oder über den Berg zur Schule.

Die Grundschule

Sandkasten, Spielplatz. Alles in ihrer Nähe. Für uns waren die Freiheiten selbstverständlich. Und ich glaube, sie hatte nicht viel Angst um uns, denn sie wusste uns stets in der Nähe und wir waren immer sehr verlässlich.

Ich stand vorhin auf dem Berg und konnte runter auf den riesigen Spielplatz schauen. Der sieht wirklich klein von da oben aus.

Alles hat sich verändert, alles Äußerliche. Aber eines ist gleich und bleibt. Ich werde mich dort immer wohl und zu Hause fühlen, egal wohin mich mein Weg noch führt. Das Gefühl, das bleibt, egal wieviel die an den Häusern renovieren, die 53, da hat Mama uns die Flügel gegeben, die wir brauchen, um uns die Welt zu erobern.

Der Spielplatz, Blick vom Berg.

Danke Mama!

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