360° Blickwinkel | Bücher

Krallen raus

von am 25. Juni 2015

Der Sumpf der Autorenszene! Nehmt euch Schlamm und werft, heult wenn einer das Buch nicht gut findet, haut auf Bewertungssystem der Plattform, die uns die meisten Chancen bietet. Schreibt mimimi Beiträge und sehet wie die Speichellecker und Fans hinter euch stehen, damit euer heiligen Schein glänzt und euch Absolution erteilt. Schreibt offene Briefe und meckert über die Plattform.
Aber nur meckern? Wenn ich mit was unzufrieden bin, dann nutze ich solche Plattformen nicht mehr. Alles andere macht unglaubwürdig. Lasst Taten sprechen, nicht Worte. Oder nehmt es hin, ihr schmieriges Pack! 
Oder sucht ihr Inspiration für neue Storys? Ein Wirtschaftsthriller.
„So zwang ich den eBook Goliath in die Knie“
Alter, immer dasselbe! Laaangweilig! Ich würde viel lieber über eingewachsene Zehnägel reden!

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360° Blickwinkel | Bücher

Die erste Rohfassung

von am 16. Juni 2015

Dieses ist heute kein klassischer Blickwinkel, oder vielleicht auch doch. Dies ist mein Vorwort, meine Anastasia, meine Kunstfigur, erwacht zum Leben. Und trotzdem ist sie ein Teil von mir, weil sie vieles von meiner Denkweise bekommen wird. Sie stellt sich manchmal die gleichen Fragen wie ich, ist manchmal Balla im Kopf und mag rosane Einhörner. Und trotzdem ist sie eine ganz eigenständige Person. Was ich bin, was nur ich bin, das findet doch einfach selber raus. Und meine Freunde… Ich bin gespannt ob ihr meine Gedanken wiederfindet.

Ein Hinweis. Dies ist eine absolute Rohfassung, noch nicht lekotriert, ausgearbeitet oder korrigiert. Es soll ein Vorgeschmack auf meine neue Art zu schreiben sein und eine Demonstration meiner Idee. Es ist so ganz anders als alles, was ich sonst schreibe, wie ich sonst schreibe. Obwohl, auch das ist so nicht richtig. Wer regelmäßig meine Waffelabenteuer liest, weiß, wie ich ticke ;). Und nun viel Spaß.

Mein Leben ist ein rosa Einhorn-Hof

Vorwort

Ein Vorwort. Warum schreibe ich denn so etwas? Warum muss ich in einem Buch ein Vorwort schreiben? Zur Erklärung? Hallo, dieses ist ein Buch und wenn Sie es lesen, sind sie selber schuld? Aber dass dieses hier ein Buch ist, das sollte man ja sehen. Gut, das setzt natürlich voraus, dass sie die Taschenbuchausgabe in der Hand halten. Aber ich frage mich gerade, wenn sie das in technischer Form gerade lesen. Auf diesen neumodischen eReadern oder auch Tabletts. Da sieht das sicher schon anders aus, da kann man ja viel mehr lesen, als nur ein Buch.

Okay, mein Verleger meint, wenn ich ein Buch schreiben will, dann soll da bitte auch ein Vorwort rein. Er sagte, man nenne es auch Prolog. Aber ich musste sofort an meinen Exmann denken, ein Proll vor dem Herrn, der log auch ständig. Unter diesen Voraussetzungen wollte ich so etwas auf keinen Fall schreiben. Vorwort fand ich da die bessere Wahl. Und ich müsse es schreiben, weil man das ebenso macht. Jedes gute Buch hat ein Vorwort.

Na gut, ich will schließlich ein gutes Buch schreiben. Denn ich bin gut, einmalig und einfach großartig. Wer ich bin? Das steht doch vor diesem Wort. Auf dem Cover. Ah, ich glaube daher auch das Wort, VorWort. Das Ist das, was vor den Wörtern steht. Der Titel und die Autorin. Was kommt also vor dem Wort. Blättert doch mal vor (das geht bei denen mit Taschenbuch auf jeden Fall einfacher, Pech für alle, die elektronisch lesen!). Und was ist da? Richtig, erstmal leere Seiten, dann ein paar Zahlen und ganz vorne ein buntes Bild. Und da steht ein Name.

Anastasia von der Augenweide zu Potpourri. Das ist nicht nur der Titel meines Buches, das bin ich höchstpersönlich. Wir lesen ihn nochmal, gemeinsam. Anastasia von der Augenweide zu Potpourri. Anastasia zu Potpourri reicht aber, ich will ja nicht, dass sie, meine werten Leser nachher keine Luft mehr haben, am Ende des Vorworts.

Ich habe so das leise Gefühl, doch zu erahnen, was ich in dieses Wort vor dem Buch schreiben könnte. Wie wäre es denn, wenn ich mich Ihnen vorstelle? Ich meine, es geht ja auch schließlich um mich. Da käme es doch reichlich unhöflich rüber, wenn ich nicht sage wer ich bin.

Mein Name ist Anastasia von der Augenweide zu Potpourri. So hieß ich an meiner Geburt bis zum meinem 22. Lebensjahr. Im Jahr 1998 ehelichte ich nämlich oben genannten Ex-Mann. Lorenz Stich. Er wollte meinen Namen nicht annehmen, meine Eltern bestanden jedoch darauf, dass ich meine Adelstitel in jedem Fall behalten müsse, wenn ich schon unter unserem Stande heiraten wolle. Und es kam wie es kommen musste. Drei Jahre hieß ich mit vollem Namen Anastasia von der Augenweide zu Potpourri Stich. Aber wie Sie ja wissen, hielt diese Ehe nicht lange. Schnell kam raus, dass der feine Herr Lorenz Stich nur zum Stich kommen wollte, weil er sich viel Geld und so versprach. Da hatte er aber die Rechnung ohne meine Eltern Berthold und Ottilie gemacht (den Nachnamen dürfen sie gerne in Gedanken einfügen, ich denke der würde hier den Rahmen sprengen). Meine Eltern hielten mich nämlich an sehr kurzer Leine. Ich musste für mein Einkommen selbst aufkommen, genauso wie Lorenz. Geld aus dem Potpourischen Vermögen gab es nur, wenn wir spurten und alles nach deren Zufriedenheit lief. Was bei mir äußerst schwer war. Denn ich brauchte nicht unbedingt das viele Geld. Ich lebte mit Lorenz im Obergeschoss der Villa meiner Eltern, zwölf Zimmer, ein Pool und ein Porsche mit Faltdach. Das nannte ich meins, ich musste nicht hungern, ach, Lorenz übrigens auch nicht, obwohl ich schnelle merkte, dass er eine Schalentierunverträglichkeit hatte. Jedes Mal wenn es Escargot gab, wurde er ganz grün im Gesicht. Ich kann mir bis heute nicht erklären warum.
Ich weiß nicht, ob Lorenz dafür eine Entschädigung erwartete. Aber er war mit dem, was wir schon hatten, nicht zufrieden. Er wollte mehr. Als das jedoch nicht kam, lernte er einen jungen Asiaten kennen. Er gestand mir, eigentlich gar nicht auf Frauen zu stehen, er wolle mich zwar als gute Freundin nicht verlieren, aber er könne unmöglich mit mir zusammen sein.
So kam es zur Scheidung, dank Ehevertrag, den er wohl unwissend oder ohne das Kleingedruckte gelesen zu haben, unterschrieben hatte, bekam er ein Jahr lang jeden Freitag Essen aus unserer Küche zu sich nach Hause gebracht. Und man kann meiner Familie auf keinen Fall vorwerfen, sie hätten sich in diesem Jahr nicht gut um Lorenz gekümmert. Sie haben alles an Kosten aufgebracht, was man sich denken kann. Es gab freitags die leckersten Köstlichkeiten von unserer Köchin zubereitet. Ich kann mich aber entsinnen, dass es in der Zeit ungewöhnlich häufig Escargot gab. Und sie glauben gar nicht, wie teuer so kleine, schleimige Viecher sein können. Wenn man es hochrechnet hat Lorenz doch noch ein nettes Sümmchen nach der Scheidung abgesahnt. Ob es ihm gemundet hat, weiß ich jedoch nicht.
Aber vielleicht mochte sein neuer Partner ja Schnecken lieber als er. Ich weiß, dass sie mittlerweile verheiratet sind. Lorenz und Wu Tan Stich-Ling. Manchmal ist das Leben doch herrlich ironisch. Finden sie nicht?

Ich sollte meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen. Ich hatte keine Wahl, wenn ich Luxus in Anspruch nehmen wollte, musste ich das tun, was sie sagten. Es gab Geld, wenn ich einen Beruf erlernte. Ich war zwar immer der Meinung, dass zwei Adelstitel und ein volles Konto von Papi zum Leben reichten, aber meine Eltern wollten, dass ich „den Ernst des Lebens“ kennenlernte. Was handfestes, ordentliches sollte her. Und Adel stand nun mal nicht in der Zeitung als ordentlicher Lehrberuf. Eigentlich wollte ich immer einer große Fotografin werden. Sie wissen schon. Kritische Gesellschaftsfotografie, immer mit dem nackten Finger auf die Missstände der Welt hinweisen. Aber auch des ist halt kein Ausbildungsberuf. Ich brauchte eine Alternative. Da meine Fotos in unserem städtischen Fotoatelier nicht ankamen, ich glaube, der Inhaber mochte die Bilder mit Hundekacke unter den Prada Schuhen nicht, oder er verstand einfach die Bildbotschaft nicht, entschied ich mich dazu, Journalistin zu werden. Ich studierte und arbeitete nebenbei bei einem kleinen, örtlichen Provinzlokalblatt. Immer mit der Hoffnung, dass ich es bald in die weiter Welt schaffen würde und meine Fotografie mit meinem Job zusammenbringen könnte. Was soll ich sagen. Ich habe es… nicht geschafft. Mit 39 arbeite ich noch immer bei diesem Käseblatt, habe eine eigene Kolumne. Die ist jedoch recht beliebt. Es ist die Rubrik für Teenager. „Frag Anastasia“ heißt die. Ich bekomme die großen und kleinen Nöte von unserer pubertierenden Bevölkerung und darf mich mit Pickeln, Kondomen und den perfekten Selfies auseinandersetzen. Zumindest hält dieses jung.

Nach Lorenz kam kein Mann mehr in mein Leben. Meine Eltern sind schon ganz verzweifelt. Ein Erbe soll doch langsam her. Ich solle mich ran halten. Das sagt mein Vater ständig. Er hat sogar schon gedroht den Geldhahn zuzudrehen. Bisher hat mich das nicht beeindruckt. Wie gesagt bisher.

Und nun wird es Zeit, dass ich mein Buch beginne. Genug des Vorwortes. Sie haben alle nötigen Informationen, die Sie brauchen, um mir in eine Woche zu folgen, die aus mir einen ganz neuen Menschen gemacht hat.“

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360° Blickwinkel | Bücher | Fotografie | Waffelmoment

Von der Verarsche zur Kunstfigur und dann zum Buch

von am 15. Juni 2015

„Anastasia von der Augenweide zu Potpourri“. Meine erfundene Fotografin, die „Schöne Kacke“ fotografiert und damit zeigen will, das Kunst im Auge des Betrachters liegt. Es war als Verarsche gedacht. Ich wollte zeigen, das man als Künstler nicht studiert haben muss. Geb einem Foto einen schmissigen Namen, der auch noch gesellschaftskritisch ist, sag, es ist aus einer ganzen Fotoreihe und zack, kommen die Leute. Das hat Anastasia wirklich geschafft auf Twitter, innerhalb einer Woche folgten mir Fotografen, die richtig gut sind. Die mochten meine Fotos.

Doch schnell merkte ich, ich lege als Anastasia richtig viel Liebe in meine Fotos und diese kritischen Töne in meinen Titeln waren mir wichtig. Anastasia wurde schnell meine Kunstfigur, die mir ans Herz wuchs. Aus Spaß ist Ernst geworden, irgendwie.

Deswegen habe ich mir überlegt, wer ist meine Anastasia von der Augenweide? Und schnell war klar, ich schreibe eine Biografie. Ich meine das ernst, völlig ernst. Ich hoffe, ihr seid genauso gespannt wie ich. Ein paar Einblicke werden ich hier auf meinem Blog kundttun. Feedback wäre toll in den nächsten Wochen. Denn es ist längst keine Verarsche mehr. Anastasia ist mein zweites Ego!

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360° Blickwinkel | Bücher | die nicht der Norm entsprechen | Gedankenfetzen | Glücksmoment | Ich

Von merkwürdigen Ängsten

von am 13. Juni 2015

Morgen machen Sascha und ich einen Schritt weiter zum Autoren-Dasein. Unser größter Wunsch ist es, irgendwann mit dem Schreiben einen komfortablen Nebenverdienst im Monat zu haben. Ich will keine Millionen scheffeln, Anerkennung und so ein kleines Zubrot zu dieser mickrigen Rente wären schon großartig. Morgen wird gelesen. In einer schnuckeligen Strandbar hoch über den Dächern von Bielefeld.

Aber es macht auch Angst und Respekt. Die Frage nach dem, was einen erwartet, wenn da tatsächlich Erfolg kommt. Was erwarten die Leute dann von einem? Kann ich mit dem Erwartungsdruck umgehen? Wie kann ich mit Kritik umgehen. Damit meine ich natürlich nicht die Geschichten. Die sie so wie auch Musik oder Filme immer Geschmackssache. Was ist, wenn sie mich als Person des öffentlichen Leben dann kritisieren? Mich als Menschen ablehnen, weil ich eben die bin, die ich bin. Im Kleinen kann damit super umgehen. Dann soll sich der, der mich halt fett findet, umdrehen und seiner Wege gehen. Aber bin ich Autorin, öffentlich mit meinen Gedanken, dann sind es viel mehr Menschen, die mich beurteilen, oder auch verurteilen. Und die Masse ist schwerer zu ertragen, die können sich zusammenrotten, wie früher die Klasse. Ich habe aber viel gelernt in den letzten Jahren und hoffe, dass ich damit umgehen kann.

Doch daran will ich gar nicht denken. Denn ich wollte das immer. Eine Autorin sein, die Spuren in der Welt hinterlassen will, mit ihren Geschichten, die in ihrem Kopf rumspuken, aber auch mit den Liedtexten, diesem Blog und alles, was ich für die Ewigkeit im Netz verbreiten kann.

Denn dazu habe ich Lust, und ich arbeite daran, zwar eine von vielen zu sein, aber eine, deren Namen vielleicht schneller positiv im Gedächtnis bleibt. Weil ich eben ich bin.

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360° Blickwinkel | Bücher

Bücher in Reihe

von am 8. April 2015

Mit diesem Beitrag muss ich einfach mal Dampf ablassen. Bücher, meine Leidenschaft. Ich liebe Bücher, die geschrieben werden und die nach 500 Seiten einfach zu Ende sind. Aber es wird immer, immer schlimmer mit den Reihen. Ein Buch kommt nicht mehr mit einem Buch aus, nein, Trilogien sind besonders beliebt, wie es scheint. Und dabei habe ich immer wieder und auch immer häufiger das Gefühl, dass das einfach nicht sein muss.

Da kommt der erste Band, der einfach nur 500 Seiten braucht, um endlich mal in die Story reinzukommen. Zum Ende werden entweder die Liebenden getrennt oder irgendwas explodiert. Der zweite Band räumt dann alles auf und man fragt sich, was war das alles in Band eins. Und zum Schluss klärt sich alles auf. Dabei werden die Bände einfach nicht besser. Denn entweder ist das Pulver im ersten Band schon aufgebraucht oder man wartet mit allem bis zum Ende. Im Fazit denkt man sich, vieles hätte es nicht gebraucht und spannender wäre es gewesen, wenn man in einem Band zügig die Handlung vorangetrieben hätte.

Die Krönung ist nun eine Reihe mit sieben Bände, von einer Autorin, die ich eigentlich mag. Und sie hat immer dasselbe Schema. Nach dem Buch offenbarte es sich. Es ist ein erster Teil. Kann man das nicht irgendwo vermerken, mir sagen, dass es da mehr gibt.

Am meisten ärgert mich, dass das ganz oft so ist. Man geht in ein Geschäft, kauft sich ein Buch und überlegt…. Bitte was, verstehe ich nicht. Und dann ist es tatsächlich wirklich irgendeine Fortsetzung von irgendwas. Woher soll ich das wissen? Geht es noch.

Halten wir fest: Nur weil Autoren dutzende von Büchern zu einer Story schreiben, sind die Bücher nicht gleich gut. Manchmal liegt in der Kürze einfach die Würze!

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360° Blickwinkel | Bücher | die nicht der Norm entsprechen | Ich | Menschen

Fantasy kann doch nicht Kultur sein: Oder, wenn der Ork ein Würdenträger wird

von am 20. März 2015

Bücher, mein Leben, meine Liebe, meine Passion. Was ich lese? Alles. Genre ist mir egal. Es gibt nichts, was ich ausschließe, so lange die Wörter mich erreichen und etwas vermitteln. Da kann die Blechtrommel genauso klingen wie das Lied von Eis und Feuer.

Was das soll? Hier der versprochene Teil zwei meines Event-Rants. Und die entsprechende Veranstaltung ist am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen. Die Leipziger Buchmesse. Der Schmelztiegel der deutschen Intellektuellen. Zumindest wenn man den breiten Medien glauben darf (darf man denen überhaupt was glauben?).
Am LBM-Freitag, also dem ersten „öffentlichen Tag“, schaute ich mir (eigentlich mehr aus Versehen) die Sendung „Aspekte“ im ZDF an. Nun sind ja gerade das Erste und Zweite nicht für die Verherrlichung der Populärkultur bekannt (außer es geht um Flori und Helene). Nein, dort zelebriert man die hochgeistige Wissenschaft des Bullshitlaberns. Über die Nachrichten, also „heute“ oder die „Tagesschau“ kann man nichts sagen. Das sind ja Nachrichtenformate, die es in unveränderter Form seit Jahren gibt, und seien wir ehrlich, hin und wieder schaut jeder die Tagesschau (auch ein RTL-Verfechter und Wallraff-Fan).
Aber was man sonst da sieht, ist jetzt nicht unbedingt das, was die Jugend interessiert. Irgendwelche Dokumentationen über die (zugegeben) desaströsen Zustände in Altenheimen oder Krankenhäusern, intelligent abgewechselt mit Eisbär, Löwe, Kackbratze und Co. Ach ja, und wie man seine Habseligkeiten (und vielleicht auch seine Schwiegermutter) verramscht, zeigt mir neuerdings nicht nur der Trödeltrupp, sondern auch Herr Lichter (ja, dieser komische Koch mit dem Schnäuzer…..anscheinend läuft sein Restaurant gerade nicht so gut, da muss er sich was dazuverdienen).
Ja, schaut man sich diese beiden Sender regelmäßig und über einen längeren Zeitraum an, kann man nachvollziehen, warum ARD und ZDF vorwiegend als „Rentner-Sender“ gelten. Hin und wieder ist da auch für mich was Interessantes dabei, aber im Großen und Ganzen brauche ich den Großteil des Programms nicht für mein Leben.
Umso mehr freut es mich da, wenn diese Sender über gesellschaftliche Großereignisse (nein, nicht die Eheschließung des siebenundzwanzigsten schwedischen Thronfolgers) berichtet.
Die Leipziger Buchmesse.
Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, da ich wusste, dass sehr viele befreundete Autoren (aller Couleur und Genres) auf der LBM (Ich bin euch den Beitrag mit den Abkürzungen noch schuldig), teilweise auch mit einem Stand, vertreten sind. In den letzten Jahren ist ja gerade die Indie-Kultur auf der LBM wesentlich präsenter geworden.
Mit Popcorn und Cola saß ich also auf dem Sofa und bekam…..
….eine Buchbesprechung über eine Wiener Autorin und ihren Lebensratgeber als zweifache Mutter.
Das, was ich hörte, war unterwältigend, und wenn man diese Frau als Leitbild und literarisches Vorbild nimmt, dann frage ich mich echt, warum die LBM soooo groß ist.
Ein Ratgeber unter tausenden, die man auch in der Brigitte, Laura oder Für Sie finden kann. Ich weiß nicht warum, aber SIE ist was Besonderes. Ich hab es nicht gelesen, vielleicht ist sie ja über die stille Treppe hinausgewachsen.
Wie auch immer, es ging weiter, und endlich…ENDLICH….kam der Sprecher zu den Mangas…..und das Bild zeigte Furries….liebes ZDF, macht erstmal eure Hausaufgaben, bevor ihr so groß auf die Kacke haut. Furry hat mit Cosplay und Manga ungefähr so viel zu tun, wie ein alter Golf GT mit der Formel 1. Irgendwie Verkleidet, ja….das wars dann aber auch schon.
Partnerland war in diesem Jahr ja Israel. Holocaust-Mahnprediger, ich höre euren Ruf von weitem und schreite voran. In die andere Richtung. Ganz ehrlich. Es ist scheiße, was damals unter Adolf Hitler passiert ist. Bei all den erhobenen Zeigefingern: wir alle wissen, was passiert ist, und tun unser Bestes, dass so etwas nie wieder passiert.
Aber deshalb möchte ich nicht bei jedem Buch, das ich lese, immer wieder das Gefühl bekommen, dass ich persönlich an allem Schuld bin. Ich lese diese Bücher gerne, auch Bücher, die in der Zeitepoche spielen, aber mit dem Holocaust nichts zu tun haben (Die Bücherdiebin zum Beispiel). Zeigt es doch, dass dieses schwarze Kapitel der Geschichte auch anders aufgearbeitet werden kann, ohne den Jugendlichen eine „Erbschuld“ einzubläuen.
Nach diesem sehr ernüchternden Beitrag über die LBM fehlte mir ein Aspekt jedoch vollständig. Belletristik und Populärkultur.
Und mit Belletristik meine ich gewiss nicht nur leichte Frauenlektüre à la Rosamunde Pilcher. Auch Fantasy, Science-Fiction und Historische Romane gehören für mich zur Belletristik dazu. Wikipedia gibt mir Recht, denn laut der online-Enzyklopädie gehören neben der klassischen „Erzählenden Literatur“ auch Thriller und Comics dazu. Denn Belletristik bedeutet ja eigentlich nichts anderes als „Unterhaltungslektüre“.
Aber wo waren diese Genres denn bitte in dem Beitrag? Okay, Erzählende Literatur, sowas wie etwa irgendwelche Geschichten von Hausfrauen und ihren alltäglichen Problemen beim Hornhautraspeln findet man auch gerne mal im „Literarischen Quartett“, wo dann irgend so ein Kritiker sitzt, der herausstellt, was man alles in die Geschichte von der Kette, die ins Klo gefallen ist, hineininterpretieren kann.
Ich weiß schon, warum ich nicht Germanistik studiert habe.
Wenn ich aber darauf hoffe, ein Fantasybuch dort zu finden, werde ich bitter enttäuscht. Man kann durchaus und berechtigt den Eindruck bekommen, Fantasy und dergleichen sei Literatur für Menschen, deren Bildung das Niveau der Hauptschule vielleicht gerade so übersteigt. Für mehr ist Fantasy jedoch nicht gut. Und Liebesschnulzen….die gelten ja als „Groschenromane“, die muss ein gebildeter, gescheiter Mensch nicht lesen. Doch da sind ZDF und ARD eh ein wenig schizophren. Im Club der lesenden Weisen, finden diese Pilchers und Lindströms keinen Platz, kann man ja nichts reininterpretieren. Aber zum Verfilmen sind sie geeignet? Diese Doppelmoral kann ich nicht verstehen. Oder trauen sie ihren älteren Zuschauern nur noch platte Filme zu, da sie mit hoher Literatur schon ausgelastet sind?

Dann kann ich wiederrum verstehen, dass so hochgestochene und wertvolle Werke vorgestellt werden, wie von Günther Grass, Thomas Mann und…ach, keine Ahnung, weil sie mich persönlich nicht so interessieren als dass ich sie für das Nonplusultra halte. Ich habe „Die Blechtrommel“ zwar gelesen, derartige Literatur ist jedoch nicht gerade leichtverdaulich, und nicht jede rversteht sie. Nein, jetzt gebe ich denen Recht, die ich eigentlich kritisiere. Argh. Ich habe nunmal keine Lust, einen Duden und ein Lexikon neben mir liegen zu haben, nur um ein Buch zu verstehen. Denn dort hört für mich die „Unterhaltung“ einfach auf.

Ich streite nicht ab, dass die Herren mit ihren Büchern Kulturgeschichte geschrieben haben. Aber das hat ein Herr Tolkien auch. „Der Herr der Ringe“ verbindet sogar Generationen. Unsere Eltern haben vielleicht die Bücher gelesen, wir kennen sie spätestens durch die Verfilmung von Peter Jackson. Obwohl Tolkien bereits seit über 70 Jahren tot ist.
Vielleicht ist ja der Schlüssel. Man muss erst abkratzen, damit das Buch einen literarischen Einfluss auf die Kultur der Menschen ausübt.
Das gilt übrigens nur für die öffentlich-rechtlichen Sender (mit einer Ausnahme, die ich gleich aufzähle). Die Privaten befassen sich erst gar nicht ausgiebig mit der LBM. Dort hackt man lieber auf Hartz-IV-Empfängern herum oder zeigt irgendwelche Hirnverbrannten Typen vor Gericht. Über die Berichterstattung, wenn sie dann doch mal stattfindet, lasse ich mich hier nicht aus. Computerspieler und Cosplayer wissen, worauf ich anspiele.
Einzig Bücher wie „Feuchtgebiete“ oder „Shades of Grey“ halten Literatur-Deutschland in Atem.
Es ist grausam. Terry Pratchett (Möge der Tod an seiner Seite sein) war den meisten Sendern nur eine kurze Meldung in den Nachrichten wert. Wenn aber eines Tages unsere deutsche Antwort auf E.L. James (ihr wisst schon, die mit der Geschlechtskrankheit in der Geschichte) stirbt, dann wird das Zweite wahrscheinlich eine abendfüllende Dokumentation bringen. Der Sendeplatz für den Silbereisen-Nachruf ist wahrscheinlich schon festgelegt.
Wieso findet Fantasy und andere „leichte Literatur“ nicht die Beachtung, die sie (manchmal) durchaus verdient? Warum finden gerade Deutsche Autoren nicht die Plattform, die einer J.K. Rowling bekam. Wieso müssen die Kerstin-Gier-Verfilmungen „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ mittels Crowdfunding finanziert werden, und das ZDF gibt regelmäßig (unsere!) Kohle für irgendwelche Fernsehfilme aus, die sich in Handlung und Ausgang immer ähnlicher werden und sich wiederholen?
Dabei hat doch Maria Ehrich, die Hauptdarstellerin jener „Edelstein“-Verfilmungen den Nachwuchspreis der Goldenen Kamera bekommen. Das zeigt doch, dass die Zuschauer es anders sehen (Wortspiel beabsichtigt!).
Der Markt wäre also durchaus da. Aber wer kann was bewegen? Die Verlage sind da in erster Linie am Drücker. Statt Lizenzen aus Amerika zu kaufen (klar ist ja billiger) könnte man auch hier in Deutschland einen Autor „aufbauen“, „großziehen“. Was tun wir stattdessen? „Oh schau mal. Shades of Grey….das können wir doch sicherlich auch. Komm, wir schreiben unsere eigenen Erotikbücher, die dann den Markt überschwemmen.“
Nach Harry Potter und Twilight kamen unzählige Ableger nach Deutschland. Einer schlechter als der nächste. Nach „Hunger Games“ erlebte ich dasselbe Phänomen.
Anstatt das die Verlage Innovativ schauen, was vielleicht noch geht, springen sie im Verlagsprogramm immer auf Wellen auf und warten auf neue Trends aus Amerika. Indies, mit eigenen Ideen haben es da schwer. Vampir ist gerade voll Inn aus Übersee, schreib du auch mal einen, dann haste ne Chance im Verlag.
Die einzige Sparte, in der auch Orks Würdenträger sind, ist und bleibt (vorerst) das Indie-Segment. Ich lese mittlerweile genauso viele Verlagsbücher wie ich Bücher von Indie-Autoren und Selfpublishern lese. Denn hier wird viel mehr experimentiert, egal ob es der Markt gerade hergibt oder nicht. Da findet man Steampunk-Romane (der letzte größere Geniestreich in Deutschland ist auch schon ein paar Jahrzehnte her) und mittelalterliche Zeitreisen (die hin und wieder ein wenig an Game of Thrones erinnern, aber auch die Reihe ist ja schon ein paar Jahrzehnte alt).
Klar, auch dort gibt es „massenkompatible ‚Romantasy‘“ à la „Vampir liebt Mensch“, aber immer wieder ein wenig anders.
Und worüber berichten die Medien? Über hochgeistige Literatur, die kein Nicht-Studierter versteht (manchmal auch, weil es als Dialekt-Roman geschrieben ist). Kein Wunder also, dass ARD und ZDF das Image des Rentner-Senders haben.
Ich würde mir wünschen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Scheuklappen ablegen, und abseits der geistigen Elite schauen. Sie sind doch „Volkssender“. Hochgeistiger Literatur, ist aber keine Volksliteratur. Warum hatten Schriftsteller wie Goethe und Schiller zu ihrer Zeit so großen Erfolg? Sie schrieben, wie dem Volk der Schnabel gewachsen war. Sie schrieben Geschichten, die die Menschen der „unteren Klasse“ verstanden. „Götz von Berlichingen“ und das herrliche Zitat haben ihren Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Und heute zählt das zu den Standardwerken im Deutschunterricht.
Die Autoren von heute schreiben ebenfalls für die Masse. Aber das ist verpönt. Ist die heutige Ausdrucksweise also nicht intelligent genug, dass sie lesenswert ist? Muss ich mir den Stock in den Po stecken, um Beachtung zu finden? (Obwohl ich mit dem Stock im Po sicher für Aufsehen sorgen und auf der Welle von „Shades of Grey“ getragen werde würde!) Was ist nur aus dem Land der Dichter geworden? Okay, du musst schon SEHR dicht sein, um die Literatur, die heute als „Pflicht“ angesehen wird, zu verstehen. Aber mit Masse und Publikum hat das nichts mehr zu tun.
Ich geselle mich dann mal wieder zu den Orks. Die verstehen mich wenigstens. Und wenn ich dann eines Tages mal sterbe, vielleicht, ja, ganz vielleicht, verfilmt dann jemand meine Bücher. Und dann bin ich posthum Kulturgut. Bis dahin könnt ihr vom ARD und ZDF mich mal „im Arsche lecken“ und Frau Pilcher frönen.

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360° Blickwinkel | Bücher

Ein Buch allein reicht nicht mehr aus…. Oder: Warum man Teebeutel zum Lesen braucht!

von am 13. März 2015

Wenn ich ein Buch kaufe, dann wegen dem Buch, wegen dem Geruch nach frisch bedrucktem Papier, wegen den Wörtern, die die Geschichte bilden, die Charaktere, die mich in ihre Welt entführen, und den Wendungen, die mir das Blut in den Adern gefrieren lassen, oder die Tränen in die Augen treiben.
Andere sehen das anscheinend jedoch anders. Für sie muss ein Buch mehr sein. Ein interaktives Erlebnis. Sie möchten am liebsten noch die CD dazu legen, die sie zum Schreiben inspiriert hat.
Manche Autoren gehen jedoch noch seltsamere Wege
Um ein Buch an den Mann/die Frau zu bringen, ist ihnen jedes Mittel recht. Einige von ihnen würden sich auch an den Reichstag ketten, nur damit jemand ihr Buch kauft.
Sie schrecken auch vor Bestechung nicht zurück! Oder wie immer an das auch nennen will, wenn da Dinge auftauchen, die man gar nicht angefragt hat und eigentlich keiner braucht.
Da findet man – nichtsahnend, wie man ist – in dem Paket mit dem Buch noch Teebeutel, Lesezeichen, Kühlschrankmagnete, den Krankenbericht ihres Dackels, den alten Latschen ihrer Oma und einen Zigarrenstummel ihres Onkels
Nachdem ich dann erstmal den Müll entsorgt habe, kann ich mich endlich auf das konzentrieren, was ich eigentlich wirklich haben will: Das Buch.
Aber ich gehöre da wohl zu einer aussterbenden Minderheit. Auf Facebook gibt es einige Gruppen, in der sich Buchblogger mit Autoren in Verbindung setzen können. Ziel der Autoren ist es natürlich, eine gute Rezension zu bekommen. Und der Kampf ist hart. denn die Buchblogger sind mittlerweile ja verwöhnt (so könnte man glauben).
Eine Geschichte, gut geschrieben und nett verpackt, reicht nicht mehr als Anreiz.
Die Autoren überbieten sich gegenseitig mit Dreingaben zum Buch.
Jeder gibt immer mehr dazu. Das Buch, so scheint es, ist nur schmückendes Beiwerk zum Merchandising um die Geschichte.
Tassen, Taschen und dergleichen mehr sollen den gemeinen Blogger selig stimmen und für eine gute Rezension sorgen. Aber auch die potentiellen Leser können diese Art der Zuwendung bekommen. Gewinnspiele sprießen förmlich aus dem Boden. Hier: Gewinn das Buch und Schlüsselanhänger, Kulli, Socken. Doch warum machen die Menschen da mit? Klar, gibt was umsonst. Umsonst nehmen wir doch alle gern. Und gewinnen die Leser nicht? Werden sie mit ziemlicher Sicherheit das Buch nicht kaufen (Ausnahmen bestätigen immer die Regel). Es geht halt nicht ums Buch, sondern ums Umsonst. Probiert mal aus. Verlost irgendwas. Ein Kaugummi, Klopapier. Es wird immer welche geben, die für umsonst alles nehmen.

Und manche Autoren, aber auch einige Verlage, haben dieses Spiel weiter pervertiert.
Unter allen eingesandten Rezensionen wird ein großer Gewinn ausgelost. Da machen jetzt sogar die großen Verlage mit. Sag uns deine Meinung (natürlich nur die gute, und du bekommst was gratis, Konfetti). Ich tippe ja auf einen Wasserkocher. Ohne heißes Wasser nützt mir doch der ganze Tee nichts, den ich von den Autoren bekomme.
Es geht also nicht mehr darum, Leser für das BUCH zu begeistern, sondern mittlerweile geht es darum, wer mehr Extras zu seinem Buch rausrückt. Je mehr du das rausschreist, was es nicht alles noch mit deinem Buchcover gibt, desto mehr bleibst du im Gedächtnis (und in meinem genervten Kopf).
Doch schnell muss man einsehen als Autor, Merchandising ist gut, aber die Verkaufszahlen kurbelt das nicht an. Hinterher muss das Buch dann soweit im Preis gesenkt werden, damit Leser auch nur einen kleinen Anreiz bekommt, das Buch in seine Bibliothek zu stellen. Am besten noch Gratis, damit es alle haben und keiner es mehr kaufen will. Strategisch meisterhaft gedacht. Hut ab, liebe Autorenkollegen.
Was waren das doch für paradiesische Zeiten, als nur das reine Buch zählte, die Geschichte, die uns fesseln sollte. Als der Leser gestöbert hat, ohne Angst zu haben in irgendwelchen Gruppen Steingut an den Kopf zu bekommen. Du willst was lesen? Hier nimm gratis. Und die Socken und den Tee.
Wobei, fesseln geht auch heute noch, wenn wir genug Teebeutel aneinanderknoten, sollte es reichen.
Wofür brauchen wir diesen Müll überhaupt? Wozu brauchen wir Lippenstifte, Kühlschrankmagnete und was es sonst nach an Mist gibt? Tut das irgendwas für die Story?
Spielt der Lippenstift mit Erdbeergeruch irgendeine Rolle im Vampirroman um Vlad Tepes?
Hat der Schwarze Kugelschreiber irgendetwas mit dem Magischen Zepter des Königs Kaius zu tun? (Außer, dass das Design dem Cover entspricht?)
In den meisten Fällen ist die Antwort mit „nein“ zu beantworten.
Die Autoren verschenken also unnötigen Mist, der mich als Leser überhaupt nicht darauf schließen lässt, dass ich einen Autor vor mir hatte? Oder dass es sich bei dem Design der Tasse um ein Buch handelt?
Hätte ich ne Leseprobe, wüsste ich das sofort. Aber so stelle ich mir die Frage, was Douglas- oder Schneider-Mitarbeiter auf einer Buchmesse zu suchen haben. Dass die was mit den Büchern zu tun haben, woher soll ich das wissen? Ein Erfrischungstuch bleibt auch mit Buchcover ein Erfrischungstuch.

Können die nicht mal etwas Nützliches zum Buch dazugeben? Ne Kaffeemaschine wäre doch mal nett. Wobei die natürlich etwas unpraktisch zum Schleppen ist. Aber Kaffee und Buch, das gehört doch zusammen! Oder gleich die Verfilmung, manchmal erspart die einem das Lesen von todlangweiligen Stories.
Außerdem möchte ich ein Buch kaufen, nicht gewinnen. Jeden Tag gibt es in diesen Gruppen zig Bücher zu gewinnen. Wenn ich bei jedem Gewinnspiel mitmachen würde, hätte ich zig eBooks auf meinem Reader, die ich eh nicht lese, und der Autor hat keinen Cent an seinen Büchern verdient. Wenn er sie doch sowieso an Hinz und Kunz verschenkt, warum lädt er sie nicht irgendwo öffentlich hoch und gibt uns einfach nur den Link? Wäre doch viel einfacher! Wenn es ihm nur um Leser geht, einfacher kann er da doch gar nicht rankommen.
Ich habe keine Lust mehr, ständig mit Werbeposts, Gewinnspielhinweisen und sonstigem Scheiß bombardiert zu werden. Ich habe im Fernsehen schon genug Werbung, da brauche ich nicht auch noch Facebook zu.
Und wenn ich Tee, Stifte, Lippenstifte, oder sonstigen Müll haben will, kaufe ich es mir. Genauso wie ich mir Bücher kaufe. Gratis-eBooks liegen eh meistens nur nutzlos platzfressend auf meinem eReader, und ich lese sie nie. Weil sie mir nicht das Gefühl geben, etwas „wertvolles“ zu besitzen. Diese Gratis-eBooks sind sowas wie der Unrat, der sich im Keller meiner Eltern angesammelt hat. Ne große Tonne und weg damit. So kommts mir vor. Die Messie-Generation 2.0
Vielleicht steckt dort aber auch etwas anderes hinter. Vielleicht sollen diese „netten Dreingaben“ der Autoren davon ablenken, dass ihre Geschichte einfach nur scheiße ist? Oder sie sind einfach nicht davon überzeugt, dass sie gut ist. Anders kann ich mir das bei manchen Aktionen nicht erklären, denn ich habe die dazugehörenden eBooks gekauft, und sie sind gut. Oh Gott, die zu den Maßnahmen gehörenden eBooks? Jetzt fange ich auch schon an, so zu reden. Die Bücher stehen im Vordergrund, warum kapiert das denn niemand? Und das sollte möglichst auch so bleiben. Ich kaufe ein Buch wegen des Buchs, nicht weil ich noch zehntausend Sachen an Merchandising dazu haben will!
Ich kann nur jeden eindrücklich warnen, der an diesem Wochenende die Leipziger Buchmesse besucht. Wenn ihr nicht aufpasst, schleppt ihr am Sonntag mehrere Stifte, Taschen, Schlüsselanhänger, Lutscher, Bonbons, und Kühlschrankmagnete herum. Aber nicht ein einziges neues Buch.

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Bücher | Waffelmoment

Autorius Genialus

von am 10. März 2015

Ich beobachte Indie-Autoren schon eine geraume Zeit. Auch ich gehöre dazu, bin aber eher still. Ich habe mein Buch mal irgendwann auf den Markt geworfen, da liegt es nun und wird gekauft. Ich mach da nicht viel… Um nicht zu sagen, eigentlich gar nichts. Ich bin eben von Natur aus faul.

In der breiten Indie und freien Autoren-Wildbahn gibt es viele Gattungen und Exemplare.

Etwa 90 % der Autoren gehören zu den gemeinen Autorius Normalus (zu denen zähle ich mich auch). Sie lassen ihrer Fantasie freien Lauf, verfassen eine Geschichte und bieten diese im Dschungel der Leser zum Verkauf an. Das ist dann mal von Erfolg gekrönt, mal nicht. Das kommt immer darauf an, wie der allgemeine Leser gerade so drauf ist und was so Saison hat. Ab und zu sagt diese Spezies der Autorius Normalus auch was zu seinem Werk. Das ganze Jahr über gibt es stetigen, aber nicht übertrieben Austausch mit dem Konsumenten. Die Hauptgattung der Autoren sind anwesend, machen ihr Ding, sind aber eher im Hintergrund. Still, mit Leidenschaft und voller Inbrunst schreiben sie ihre Geschichten und freuen sich auf jedes kleine Feedback. Sie sind sehr angenehme Zeitgenossen, da sie unaufdringlich sind und ihr Wissen und ihre Erfahrungen nur weitergeben, wenn es angemessen ist, oder sie gefragt werden.

Dagegen muss man die weniger große, jedoch umso penetrantere Gattung der Autorius Genialus stellen. Sie sind laut. Sehr viel lauter als die Normalus. Im Dschungel der Leserschaft hallt es aus allen Ecken. Sie wissen alles, können alles und haben natürlich die besten Bücher geschrieben und wissen immer genau wie es geht. Sie haben immer und zu allem die Lösung. Egal zu welchem Thema, die Lösung und die Antwort ist inhaltlich immer die gleiche, jedoch immer brav anders verpackt. Hauptsache das Buch ist die Lösung.

Der Genialus Typ ist sehr von sich überzeugt. Genialus weiß sich auch hinten rum zu vermarkten. Alles wird als Plattform verwendet, sich selbst darzustellen. Auch wenn man denkt, nein, kann nicht sein, doch, Genialus macht sich alles zu eigen und schiebt Werbung für immer die gleichen Sachen. Und so wie Genialus das macht, müssen es alle machen, um zum Erfolg zu kommen.

Sie schreiben natürlich auch ihre Geschichten und sind voller Leidenschaft dabei. Aber diese Leidenschaft geht über das Schreiben hinaus.

Die Gattung Genialus ist immer am besten, am schlausten, am schnellsten und hat einen großen Löffel im Mund, mit ganz viel Weisheit. Das Positive an Genialus ist es jedoch, dass Genialus sein Wissen immer und überall und auch ungefragt weitergibt. Genialus kann man anzweifeln, aber man wird entweder bei Zweifeln ignoriert oder bekommt mit dem Löffelchen voll Weisheit Schimpfe und Haue. Genialus kann einfach keine Nomalus neben sich gut heißen. Weil sie zu leise sind, haben Autorius Noramlus neben Genialus nur dann Chancen, wenn sie es entweder belächeln, oder sich durch ihre ruhige Art den Kleinen aus dem Lesedschungel widmen. Denen es nicht um das ständige Gaken geht, sondern ums Lesen.

Genialus leidet sehr oft an chronischer Selbsüberschätzung. Einmal in den Toprankings unter den besten 500, hat man gleich einen Weltbestseller geschrieben. Hat man eine positive Rezension, haben die anderen Meinungen und Leserstimmen keinen Mehrwert mehr und bei der ersten Erwähnung auf Facebook ist man gleich der Buch-Messias, der vom Buch-Olymp gestiegen ist und seine Predigten den Gläubigen und treuen Jüngern verbreitet.

Genialus verspricht mit jedem Post, dass sein Werk nicht nur ein Buch ist, sondern mit der Bibel gleichzusetzen ist, weil Genialus halt so viel Erfahrung hat. Der Löffel der Weisheit ist sein Zepter, der 500. Platz sein Thron und jedes Like ein Zacken in der Messiaskrone.

Amen, ich sage euch, auch wir haben einen Autoris Genialus unter uns, denn keiner kann ohne Erleuchtung, Offenbarung und Weissagung.

 

UPDATE:

Wie eine unabhängige Forscherin soeben berichtete kann man Autorius Genialus auch anhand ihrer Reaktion auf Kritik erkennen, bestimmen und einorden. Negative Meinungen werden umgehend als Neid dargestellt. Dies macht Genialus manchmal selbst, doch viel öfter wurde beobachtet, dass Genialus Helferlein hat. Fanbase nennt man diese und wenn dieser die negative Meinung eines Einzenlen nicht passt, wird gleich mit der Keule draufgeschlagen und den Kritiker mundtot und lächerlich gemacht.

Wenn ihr auch Forschungen angestellt habt und darüber berichten möchtet, dann schreibt es doch einfach hier in die Kommentare und lasst uns das Bild des Autorius Genialus erweitern und komplettieren.

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360° Blickwinkel | Bücher | Gedankenfetzen | Ich | Menschen

Alles dreht sich – meistens um irgendwas

von am 3. März 2015

Die Leipziger Buchmesse steht bevor. Oh mein Gott, die Welt geht unter.

So, oder so ähnlich kommt es mir jedenfalls vor. Aber der Reihe nach.

Wann immer irgendwo ein Großereignis bevorsteht, spielt meine Facebook-Zeitleiste verrückt. Tausende und abertausende Einträge türmen sich, sodass ich mich frage, ob es eigentlich noch ein anderes Thema gibt. Was ist aus #dressgate und #icebucketchallenge geworden? Ich habe diese Videos geliebt….

Nun ist es also die Leipziger Buchmesse, die mir auf Facebook aus zwei völlig verschiedenen Gründen auf die Nerven geht. Zum einen, weil ich aus gesundheitlichen Gründen nicht da sein kann, zum anderen, weil mir meine Facebook-Freunde mir das Gefühl geben, dass ich DAS Ereignis des Jahres verpasse. Ich meine, die machen aber auch immer ein Gewese um alles.

„Ich weiß noch nicht, was ich anziehen soll…“ (besonders von den Cosplayern in meiner Timeline ein sehr gerne gesehenes Argument, dabei ist das nichtmal eine Cosplay-Veranstaltung), oder auch „Da sind zwei Lesungen zur gleichen Zeit…welche soll ich besuchen?“ Am besten die, bei der du nicht einschläfst…

Ich meine, ganz ehrlich. Ich freue mich für euch, aber müsst ihr mir so auf die Nerven gehen, dass ihr nur noch von Euch redet, was IHR auf der LBM machen wollt?

Seht das ganze doch mal aus meiner Perspektive. Ich poste, dass ich mich auf etwas freue, und das ganze mindestens fünf Mal am Tag. Würde Euch das nicht auf den Geist gehen? Irgendwann würdet ihr mich von der Facebook-Freundesliste schmeißen, oder mich zumindest auf „Blockieren“ setzen.

Ich kann ja damit anfangen. Ich freue mich, im Oktober nach Berlin zu reisen. Was soll ich anziehen? Es ist Oktober, es könnte kalt werden….auf der anderen Seite, es könnte auch noch warm sein….hmmm…

Und das werde ich jeden Tag bis Oktober machen. Zwei Wochen vorher aufhören, nur um dann, kurz vor knapp ganz entsetzt zu tun. Oh nein, schon Oktober, ich fahre nach Berlin.

Und ich werde ganz, ganz, ganz, ganz viele Fotos machen, versprochen!
Nur ein Gewinnspiel wird es nicht geben. Ist ja kein Großereignis.

Nehmt es mir nicht übel, und ja, ich bin auch ein wenig neidisch, aber ihr geht mir auf den Geist.

Und alle, die mir jetzt den guten Rat geben: Dann les es doch nicht, denen sag ich nur: Hahaha, wie denn, ohne das ich 3/4 meine Freunde von der Liste werfe, die kein anderes Thema mehr haben und deren Welt sich nur um sich dreht.

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