Waffelabenteuer

"Wenn man schon einen an der Waffel hat, dann aber so richtig. Mit Sahne und Kirschen!"
360° Blickwinkel | Gedankenfetzen | Therapie

Die Angst aufschreiben

27. Mai 2019

Seit etwa drei Wochen habe ich nun ein Tagebuch. So ein richtig analoges und ich schreibe ganz Oldschool mit einem Füller. Dennoch betreibe ich auch weiter meine Waffelabenteuer. Doch ich will mehr filtern, was ich Euch zu lesen gebe. Das Tagebuch bietet mir den Platz für alle verqueren, persönlichen, chaotischen und komischen Gedanken. Es sortiert mich. Und wenn ich ich merke, dass mich gerade ein Thema umtreibt, dass vielleicht auch anderen gefallen könnte, dann werden diese Gedanken auf meinen Waffelabenteuern landen.

Mein Tagebuch ist voll mit meinen Ängsten, meiner Wut und meiner Traurigkeit. Der Tod ist auf diesen ersten Seiten sehr präsent. Sehr selbstverständlich, nach allem, was geschehen ist.
Auch heute habe ich darüber geschrieben.
Der Tod, tot sein. So ein kleines Wort. Nur drei Buchstaben und trotzdem so ein starkes Wort. So heftig, endgültig, nicht rückgängig zu machen.
Die Buchstaben des Wortes mag ich eigentlich, Das T ist der erste Buchstabe von Traum, Tinte, Tier. Alles Worte, mit denen ich was sehr positives verbinde.
Das O ist was ganz besonderes. Das O singe ich sehr gerne. Voll in meiner entspannten Bruststimme. Wenn ich das mit allen Konsequenzen singe, dann muss ich oft weinen, weil sich alles in mir löst.
Aber diese Buchstaben zusammen, die machen mir regelrecht Angst.

Aber ich will diese Angst nicht. Sie lähmt mich. Sie raubt mir die Luft zum atmen.
Tot. Ein so abstraktes Wort. Klar, es bedeutet erstmal etwas sehr medizinisches. Organe versagen, der Kreislauf bricht zusammen, das Herz hört auf zu schlagen, der Mensch atmet nicht mehr.
Und dann? Was dann? Was geschieht dann? Was bedeutet tot sein?
Das, was ich da oben an Vorgänge geschrieben habe, ist ja eher der Sterbeprozess. Und das Wort tot?
Tot ist…. ja, tot.
Ich schaue bei solchen Themen gerne in das Wörterbuch, aber glücklich stimmt mich das auch nicht, es befriedigt mich nicht.


Der Tod (wie englisch to die von germanisch dau, ‚sterben‘) ist das Ende des Lebens bzw. (als biologischer Tod bei einem Lebewesen) das endgültige Versagen aller lebenserhaltenden Funktionsabläufe. Der Übergang vom Leben zum Tod wird Sterben genannt, der eingetretene Tod auch Exitus letalis.

Wikipedia

Es ist das Ende von Leben…. Ja, tolle Definition. Mit was kann ich es vergleichen? Tut es weh? Geht es anders weiter? Was geschieht nach dem Tod?
Es kann doch nicht einfach vorbei sein, dann wäre ja alles sinnlos. Sinnlosigkeit mag ich nicht. Ich will, dass alles immer Sinn hat. Von nicht sinnvoll habe ich in den letzten Jahren wirklich zuviel gehabt. Dinge geschehen, und keiner weiß, warum.

Eine Tierärzten sagte mir letztes Jahr, dass wir Sterben, weil wir das Privileg hatten, geboren zu werden.

Aber ist das Leben Sinn genug, dass der Tod gerechtfertigt ist? Was macht ein Leben sinnvoll? Für mich waren das ganz bestimmte Dinge. Die sind alle weg. Wo also ist der Sinn? Wenn ich meinen Sinn in meinem Leben nicht bestimmen kann, was soll mir also Sinn geben? Vor allem, wenn der Tod so unberechenbar ist? Und das Leben macht, was es will und wir so wenig Einfluss darauf haben? Es ist zwar mein Leben, aber wirkliche Entscheidungsgewalt habe ich nicht drüber. Es ist ein wenig so: Friss oder Stirb. Nimm das Leben, wie es ist und akzeptiere ist. Gerne kannst du dir Mühe geben, aber was geschieht, hast du nur sehr begrenzt in der Hand.

Fuck you!

Tot, Tod.
Ein wirklich dummes, blödes Wort.

Dieses Wort ist einfach nicht greifbar und dieses macht mir eine große Angst. Etwas nicht mit Logik und Wissenschaft erklären zu können, das beunruhigt mich. Ich kann es nicht verstehen.

Und das, obwohl ich an Gott glaube, den ja auch keiner mit Wissenschaft beweisen kann.

Ich werde die Angst nicht los. Die Angst vor einem so kleinen Wort. Ich weiß auch nicht an was ich glauben soll. Aber eines weiß ich, dass ich das, was ich kenne, und zwar mein Leben, dass ich das so erfüllt und zufrieden wie irgend möglich leben möchte. Es muss nicht perfekt sein, auch nicht jeden Tag glücklich. Aber es mich zufrieden machen. Und da wäre es schon toll, wenn die Angst weggeht. Sie soll mich nicht am Leben hindern.

Wie ist das denn so mit euch? Was denkt ihr zu dem Thema?