Und die NW berichtet über die Parkklänge. Ich habe mich nun auch zu einem Leserbrief entschieden.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

seit ein paar Wochen verfolge ich gespannt die Diskussion der „Parkklänge“, eine musikalische Veranstaltung für Jugendliche, in Bielefeld Sennestadt.

Was ich da so lesen muss in der Presse, da muss ich doch ganz schön an mich halten und würde die Damen und Herren gerne mal fragen, ob sie nicht auch mal jung waren. Ich bin nicht mehr „die Jugend“, sondern eher mittleren Alters, kann mich aber noch gut an meine Jugend zurückerinnern. Auch uns wurde vorgeworfen, auch hier in Sennestadt, wir seien zu laut. Sind das denn Jugendliche für ihre älteren Mitbürger nicht immer? Fehlt da nicht Respekt und Toleranz auf beiden Seiten? (Und ja, ich bin der Ansicht, wenn die nette, ältere Dame von mir Rücksicht, Toleranz und Verständnis fordert, dann kann ich das auch!)

Ich will mit meiner Lesermeinung gar nicht um mich prügeln, sondern ich möchte einfach kommentarlos eine Geschichte erzählen. Vielleicht, ganz vielleicht findet sich da jeder selber wieder.

Samstagnachmittag. Das Wetter ist schön, Peter Müller, 18 Jahre, ist langweilig. Wie jeden Samstag bereitet Mutter in der Küche Kartoffelsalat zu. Peter hört schon die Musik aus dem Radio. Deutscher Schlager, das läuft immer, jeden Samstag in der Küche, wenn Mama kocht. Das ist so bei den Müllers, das war schon immer so. Peter ist damit aufgewachsen. Aber er mag auch andere Sachen. Heimlich hat er sich heute Vormittag eine neue Platte gekauft. „Highway to Hell“ steht auf dem Album, das Cover zeigt dunkel gekleidete Menschen mit zottligen Haaren. Das ist andere Musik, als Mama sie hört. Sie bezeichnet diese Musik als „Krach“. Diese Musiker und die Leute die das hören, kiffen doch alle und saufen ständig. Die, die solche Musik gut finden, aus denen kann nichts werden.
Was aus Peter mal werden soll, das weiß er auch noch nicht. Seine Noten sind nicht besonders gut, aber dafür ist doch noch Zeit.
Peter verstaut seine Platte im Rucksack, verlässt sein Zimmer und geht zur Wohnungstür.
Mama fragt: „Wo willst du hin?“
Peter: „Ich geh zu Lisa, ein Referat schreiben.“
Mama: „Ja, aber komm nicht wieder so spät. Und trink nicht wieder so viel.“
Draußen wartet schon sein Kumpel Kalle im Auto, aus den Boxen dröhnt laut „ I´m on the Highway to Hell.“
Peters Vater steht draußen bei den Mülleimern und hält ein Gespräch mit Frau Schmidt.
Zu seinem Sohn sagt er:
„Müsst ihr die Hotten-Totten-Musik so laut hören?“

Peter lächelt über seine Gedanken, als über die Veranstaltung der „Parkklänge“ geredet wird. Aus ihm ist ein Politiker geworden, trotz lauter Musik, Bier und Zottelhaaren. Denn auch er war mal jung und ist seinen Weg gegangen.

 

(Musikrichtung und Zeitpunkt der Geschichte können variabel gestaltet werden, denn es ist keine Frage der Zeit, sondern eine Frage der Generation, die alle mit den gleichen Vorurteilen zu kämpfen hatten! Jede neue Musik ist „Krach“. Woodstock, Abba, Beatles, Loveparade, Wacken, Parkklänge.)

Ich hoffe, meine Geschichte kann Erinnerungen in jedem wach rufen. Lasst der Jugend doch ihre Freiheit, auch in Sennestadt, denn was hat Sennestadt schon anderes zu bieten? Und mal ehrlich, ein Rasenmäher ist lauter und unangenehmer als die Klänge, die ich letzten Sommer auf dem Balkon gehört habe. Und noch vor der Nachtruhe ist die Musik wieder aus. Ist doch alles super. Endlich kommt nach Sennestadt mal Leben… Wo man doch sonst das Gefühl hat, das hier um 18 Uhr die Bürgersteige eingeklappt werden, selbst wenn „Traditionsveranstaltungen“ in Sennestadt stattfinden.

 

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