Waffelabenteuer

"Wenn man schon einen an der Waffel hat, dann aber so richtig. Mit Sahne und Kirschen!"
360° Blickwinkel | Bücher | die nicht der Norm entsprechen

Vom Krieg zwischen den Autoren – Oder Rotstift gegen Seele!

29. Januar 2016

Erinnert ihr euch noch an meinen Beitrag über saisonale Flitzpiepen?

Tja, die erste ist wachgeworden. Denn wieder einmal ist ein Krieg entbrannt. Ein Krieg, der in seiner Intensität und der Leidenschaft mit der er geführt wird, selbst George W. Bush vor Neid erblassen lassen würde. Nur wird dieser Krieg mit Worten ausgetragen, statt mit Waffen (die Lobbyisten können also die Hände wieder in die Tasche sinken lassen. Sorry Jungs).

Buchstäblich (ich liebe Wortspiele). Der Krieg zwischen Autoren und Autoren. Ja, es scheint wohl zwei Gruppen von Autoren zu geben, das ist wohl wie mit Deutschland, davon scheint es wohl auch mehrere zu geben (Merkel lebt in einem anderen Deutschland als wir, dort geht es nämlich „allen gut“, und das sei „ein Grund zur Freude“).

Auslöser war dieses Mal ein Blogbeitrag einer geschätzten Kollegin und lieben Freundin. Die Steampunk-Autorin Anja Bagus positionierte sich in diesem Post gegen Lektorate, mit der Begründung, dass „ein vorhandenes Lektorat (und am Besten noch ein bezahltes), [kein] Qualitätskriterium für Bücher“ sei. Das sahen andere Kollegen wohl anders, denn das, was Anja Bagus lostrat ist mit „Shitstorm“ noch sehr harmlos beschrieben. „Shit-Hurrikan“ trifft es eher. Ich bin derweil mal zu meinem Bücherregal gerobbt (Ihr wisst schon, Sturm, umherfliegende Kleinteile und Dschungelcampbewohner, das kann gefährlich werden) und habe mir ein x-beliebiges Verlagsbuch herausgesucht. Okay, zugegeben, es ist ein Twilight-Abklatsch, was an sich ja schon nicht für Qualität spricht. „Obsidian“ war das Werk meiner Wahl. GOTT!!!!! Hat dort der Kantinenkoch das Lektorat übernommen? Hier fehlt ein Wort, da fehlt ein Buchstabe, hier ergibt ein Satz gar keinen Sinn, und dort steht etwas so unkreatives, dass ich als Leser mir verarscht vorkomme.

Der „Verlag als Hüter der Buchkultur“? Am Arsch. Der Verlag als geldgierige Kläranlage passt besser. Was machen Verlage heute noch? Sie beschäftigen eigene Übersetzer, die die billig eingekauften Lizenztitel auf deutsch trimmen (mehr oder weniger gut), nur um damit auf irgendeinen Hype-Train aufzuspringen, der gerade vorbeirauscht wie der Shinkansen persönlich.

Nein, Moment, das kann ich so nicht stehen lassen. Man springt ja nicht auf fahrende Züge auf. Man nimmt einen eigenen Zug….dummerweise Deutsche Bahn, das erklärt dann auch die Verspätung, mit der Trends aufgegriffen werden (von „Trends setzen“ wollen wir mal nicht reden, die Zeiten sind lange vorbei!). Aber ich schweife ab, zurück zum Kriegsschauplatz.

Wie schön, dass es neben diesen ganzen Verlagsdiktaten eine unabhängige Buchkultur gibt, in der alle Genres gleichermaßen profitieren. Von seichter Frauenunterhaltung (Neudeutsch „Chick Lit“), bis hin zum blutrünstigen Krimi und epochaler Fantasy. Das alles von Autoren, deren Namen du bequem an einer Hochhausklingeltafel verstecken kannst. Ja, selbst der Mieter unter dir könnte dazu gehören (Es sei denn du wohnst im Keller, dann  denke einfach in die andere Richtung). Jetzt haben diese Autoren ein ganz großes Problem. Eines, das mit „V“ anfängt und mit „erlagskonkurrenz“ aufhört. Die Verlage haben nämlich festangestellte Lektoren. Die sind schön billig, werden immer mit Arbeit versorgt, und dank eines Knebelvertrags kommen sie auch nicht so leicht wieder raus. (Und darf ich kurz daran erinneren, dass bei Massenware, in dem Fall viele Bücher, öfter ebenso Fehler auftauchen wie bei Portotypen?)

Was die Verlage also in Eigenregie machen, müssen sich unabhängige Autoren von freien Dienstleistern dazukaufen. Nun hat so ein „freier Lektor“ wiederum auch ein Problem. Denn dadurch dass er keinen festen Job hat, muss er ganz anders kalkulieren. Im schlimmsten Fall muss EIN Manuskript ihm den Lohn für einen ganzen Monat sichern. Wenn ich bedenke, dass wir in der Familie mit knapp 3000€ netto hinkommen….und der Lektor muss noch Sozialabgaben leisten…. Ja, ein Lektor, der NICHT bei einem Verlag angestellt ist, MUSS so kalkulieren. Wenn wir jetzt weiter festhalten, dass nicht jeder Autor mal eben 3000€ auf der Bank hat, und dann auch noch Kosten für’s Marketing, Coverdesign, Druck und Vertrieb dazukommen (Das was der Verlag unter „Portokasse“ verbucht), dann sind wir ganz schnell im hohen vierstelligen Bereich. Wenn wir weiter annehmen, dass der Autor pro verkauftem Buch nur einen Euro Gewinn machen möchte, wird das Buch trotzdem an die 15€ kosten. Er müsste also etwa 200 Bücher verkaufen, bis die Einnahmen die Ausgaben decken. Angesichts dieser Zahlen kann ich jeden Autor verstehen, der das Risiko scheut und KEINEN Lektor engagiert. Ist das Buch deshalb schlecht? Schnell ducke ich mich hinter den Sessel, denn eine Wandgranate (sic!) fliegt in meine Richtung (solche Tippfehler sind in Verlagsbüchern übrigens auch üblich). Ich halte noch immer diesen Twilight-Klon in meiner Hand und denke mir: Auch Verlagsbücher sind manchmal echte Grütze. Sei es Stilistisch („Er ist so schön.“ „Ich gliter nicht!“„WIR HABENE S KAPIERT, DU DÄMLICHE TUSSE!“), sei es inhaltlich („Nein, Mr. Grey, du darfst mir deine Reitgerte nicht in den Arsch einführen“), oder thematisch („Ja Frau Roche, einmal Canesten Gyn Once, und alles wird wieder gut.“). Auf der anderen Seite gibt es bei den Indie-Autoren echte Perlen, die innovativ sind (Und ich lobe jetzt Anja Bagus nicht, weil sie eine Freundin ist, sondern weil ihre Bücher wirklich gut sind!). Sind die aber nur Literatur zweiter Klasse? Naja, so mancher Groschenroman ist schlimmer als das was die Indies produzieren.

Letztlich liegt es am Leser, was er mag und was nicht. Okay, bei dem Erfolg von „Shades of Grey“ zweifle ich an der Kompetenz der Leser…. aber generell. „Ja, aber die Schund-Indies, die bringen doch den ganzen Berufsstand in Verruf.“ Dann werde endlich Verlagsautor, du hässlicher Vogel! Dann brauchst du dich mit Indies nicht mehr rumschlagen! Wenn du doch ach so gut bist, wieso hast du dann noch keinen Autorenvertrag? Du hättest doch jederzeit die Möglichkeit, aus der Indie-Riege auszubrechen, wenn du dich dort doch ach so missverstanden fühlst. Willste nicht? Ja, dann haste Pech, dann projiziere aber deine Maßstäbe nicht auf andere. Ich zwinge dich ja auch nicht, „Revenge“ zu gucken, nur weil ich es toll finde. Oder Lorelei Gilmore als Göttin des Sarkasmuss zu verehren. Wie? Sarkasmuss schreibt man nicht mit 2 s? Och, ich sollte mir nen Lektor organisieren. Wenn du meinst, dass du mit den Indieautoren nichts zu tun haben willst, bleibt dir nichts anderes übrig als dir einen Verlag zu suchen.

Wie, dich will keiner? Oh, das ist jetzt aber blöd für dich, weil das bedeutet ja, dass du qualitativ auch nicht gut bist. Oder die im Verlag haben keine Ahnung, kann ja auch sein. Wer führt eigentlich bei Bildern und Kunstwerken ein „Lektorat“ durch? Stand da auch hinter Da Vinci jemand und sagte „Nee, das Grinsen von der Lisa kannste aber so nicht lassen“? Da wird ein Bild verkauft, das ich erst für eine überdimensionale, einfarbige Badkachel gehalten habe. Für 30 Millionen! Ja, richtig gelesen. DREIßIG MILLE! Sowas ist Kunst….also ich kenne „blau feiern“ und „blau saufen“, „blau malen“ war mir neu. Oder was ist mit Christo und Jeanne-Claude? Hat denen jemand gesagt „In weiß sieht der Reichstag aber scheiße aus. Kackbraun passt viel besser!“ Nein! Und Literatur ist auch eine Kunstform. Wieso darf bei der Literatur jemand den Rotstift ansetzen und bestimmen, was gut ist, und in anderen Kunstbereichen wird die Kritik dem Konsumenten überlassen? „Die Kultur muss geschützt werden!“ Vor wem? Den Hunnen? Sorry, aber ich wusste ja nicht, dass der Hype-Train heute so eine perverse Verspätung hat.

Wenn hier Kunst geschützt werden muss. Dann frage ich mich manchmal wirklich wer andere Kunst schützt. Ein verhüllter Reichstag hat mit Picasso ja nun auch nix mehr zu tun. Die Wahrheit ist doch: Niemand will Bücher lesen, bei denen 200 Fehler alleine im ersten Satz versteckt sind. Das sind Bücher, keine Osternester. Genauso will aber niemand Bücher, die so glatt gebügelt sind, dass man sie neben das Sonntagshemd in den Schrank hängen kann. Jeder Leser soll selber entscheiden, wie viele Kanten und Ecken sein Buch haben darf. Der eine verzeiht mehr Fehler, der andere weniger. Der Verlag mag seinen Autoren vielleicht mehr PR bieten, aber man braucht ihn heute nicht mehr, um ein Buch zu veröffentlichen. Denn eines kann einem weder der Verlag noch der Lektor abnehmen: Das Entwickeln einer kreativen Idee. Die muss man selbst haben. Was man daraus macht liegt im Ermessen seines eigenen Könnens und seiner eigenen Kreativität. Ich lese genauso gerne kreative Verlagsbücher wie spannende Indie-Werke. Klar geht es immer darum, das bestmögliche aus einem Buch herauszuholen, aber kann das nur ein Lektorat? Vielleicht schmeißt der Lektor ja einen Aspekt der Geschichte weg, der die Story besonders gemacht hätte, der den Lesern vielleicht sogar besonders gut gefallen hätte. Aber der Lektor weiß es natürlich besser, er hat ja studiert! Und genau das ist der Punkt. Denn Literatur war früher ein Zeichen der Kultiviertheit. Ein Signal, dass man „gebildet war“. Wer Bücher las, der galt als gesellschaftlich angesehen. Literatur, dass war die Hohe Kunst der Sprache, die nur sehr wenige beherrschten, und die nur wenige Ausgewählte genießen sollten. Sie war Kunst. Und dieses Denken ist in den Köpfen verankert. Verlag = Qualität. Kein Verlag = Schund (Sarazzin ist jetzt mal die Ausnahme, die die Regel bestätigt). Aber dem ist nun einmal nicht so. Und wenn ein Autor sich gegen ein Lektorat entscheidet, dann nicht, weil er denkt, dass seine Texte „Eh perfekt“ sind. Sondern weil andere Gründe dagegen sprechen.

Damit meine ich dich, du hässlicher Kackvogel, der unbedingt auf ein Lektorat besteht. Wieviele Bücher hast du denn verkauft? Was, gar keine? Das kann doch gar nicht sein, du hast doch ein teures Lektorat eingekauft….sind deine Bücher vielleicht doch scheiße, oder haben die Leser einfach keine Ahnung? Denk mal drüber nach. Ein Lektorat kann einen guten Text perfekt machen, aber vielleicht ist „perfekt“ manchmal dann doch ein Tick zuviel. Denn eine Biuchseele braucht keine Perfektion, sondern Charme und persönliche Identität. Und die hat bekanntlich auch Ecken und Kanten!

  1. Auch wenn bestimmt wieder viele hergehen werden und diesen Artikel verdammen, weil er mal wieder nicht ‚objektiv‘ mit dem Thema umgeht. Spricht er mir doch in vielen Punkten aus der Seele.

    … das mit der Reitgerte … das steht da echt so drin? OO

  2. Uff, hier geht es ja ganz schön zur Sache. Gut, ich habe jetzt von dem ganzen Shitstorm gegen Anja nix mitbekommen und kann von daher nicht sagen, warum du so die Keule schwingst. Ich werde trotzdem versuchen hier mal ein wenig Sachlichkeit reinzubringen. Ich glaube zwar, daß der häßliche Kackvogel haarscharf an mir vorbeigeflogen ist, da ich zwar ein Autor bin, aber nicht auf ein Lektorat bestehe und auch nicht denke, daß ein Lektorat bei einem guten Buch zwingend notwendig ist. Auch wenn ich denke, das ein vernünftiges Lektorat so manches Buch ganz schön aufwerten könnte und ein Lektorat auch bei guten Büchern den Lesespaß deutlich aufwerten kann.

    Und, naja, ich bin auch kein reiner Indie, sondern auch Verlagsautor, dessen Buch dementsprechend auch durch ein Lektorat „mußte“, aber wie dir vielleicht schon aufgefallen ist: Ich schreibe immer noch in der alten Rechtschreibung und dies ist auch in meinen Büchern nicht anders. Sprich: Bei mir haben die Lektoren NICHT die Seele und den Charakter des Buches verbogen oder ähnliches, sondern sogar eine „falsche“ Rechtschreibung zugelassen. Und ja: Ich glaube, daß meine Bücher viel Persönlichkeit und Seele haben, die die Lektoren nicht aus ihnen herausgebügelt haben.

    Deine Thesen sind jetzt zwar nicht falsch und was für ein geistesverwirrter Schwachsinn im Mainstream und in den Bestsellerlisten (und auch in den Verlagsprogrammen vieler großer Verlage) rumschwirrt zeigt eins ganz klar: Die großen Verlage stehen – ob Lektorat oder nicht (bei vielen Büchern bezweifele ich, daß ein Lektorat durchgeführt wurde (und wenn ja, dann zweifel ich hier mal per sé am geistigen Zustand des Lektors)) nicht gerade für Qualität. Da sind Dinger (ich möchte hier nicht behaupten, daß es sich dabei noch um Bücher handelt) bei – solch ein Unsinn mag ich nichtmal mit 10 Kilometer Abstand an meinen geistign Hirnwindungen vorbeirauschen lassen, da les ich – ganz ehrlich und ohne Ironie – lieber das Telefonbuch, als so einen Mist!

    Und ja, es gibt auch – fraglos – Lektoren, die sich für Literaturpäpste halten, sich aufspielen als seien sie Graf Rotz auf Koks und ein Buch mit ihrer geistigen Unfehlbarkeit so scharf auf Links drehen, daß es jede Qualität verliert. Aber mit solchen Lektoren habe ich bisher nicht zusammengearbeitet und von solchen Lektoren halte ich auch nichts!

    Ja, du hast Recht, gute Bücher brauchen Ideen, Seele, Ecken und Kanten, eben Charakter und wirklich gute Lektoren wollen einem Buch auch so etwas auch nicht nehmen! Gute Lektoren lassen sich auf ein Buch ein und arbeiten mit dem Autor zusammen. Sie sind Freunde des Buches und des Autors!

    Gut bisher – das muß ich zugeben – haben Lektoren bei mir vor allen Rechtschreib-, Tipp- und Grammatikfehler ausgemerzt und sich nur ganz sanft an den Inhalten meines Buches „vergriffen“. Das mag damit etwas zu tun haben, daß ich sehr viel Arbeit und Zeit in meine Bücher stecke. Denn seien wir ehrlich: Ein gutes Buch zu schreiben ist sau viel Arbeit. Es gehört mehr dazu als nur ein paar Ideen zu haben und diese einfach runterzuschreiben.

    Ach ja: Ich habe oben ja durchaus harte (und wie ich finde berechtigte) Kritik an den Verlagen geübt. Sind Indie-Autoren deshalb besser?
    Meine Antwort ist ein ganz klares:
    NEIN!
    Versteh mich nicht falsch, es gibt ein paar sehr, sehr gute Indieautoren. Sogar Indieautoren, die sehr gut sind aber sich trotzdem nicht oder nicht gut verkaufen – weil sie sich schlecht vermarkten oder nicht dem Massengeschmack entsprechen. Verkaufszahlen sind also – auch wenn du es oben anführst – kein wirklicher Indikator für die Qualität eines Buches.
    Aber: Es gibt auch unheimlich viele Indieautoren die einfach nur ein schlechtes Buch nach dem anderen schreiben, ohne Sorgfalt und mit tausenden von Rechtschreib- und Logikfehlern und dieses dann einfach und fröhlich bei Kindle und Co. veröffentlichen.
    Warum? Keine Ahnung! Vielleicht einfach um sich Autor nennen zu können!

    Salute, das war´s von mir.
    Laßt euch nicht den Spaß am Lesen nehmen.

    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende,
    Der Kleckser

  3. Guten Morgen,

    ich danke sehr für die Meinungen.
    Ja ich schwinge die Keule. Meine Sarkasmus-Keule, die ich immer dann schwinge, wenn ich nicht begreifen kann, wie man Dinge, über die man gar nicht diskutieren muss, totquatschen kann und somit diesem wundervollen, bunten, vielseitigem Handwerk und der Kunst der Fantasie dahinter den Zauber nehmen kann.
    Und bei dem Zauber ist es soiwas von egal, ob Verlag, ob nicht Verlag, ob Fehler, ob nicht Fehler. Fesselt mich ein Buch, nehmen mich die geschriebenen Seiten in meinen Bann, dann ist es gut. Warum will mir irgendwer sagen, dass das falsch ist, weil sie irgendetwas nicht haben?

    Ich bin froh das es beides gibt und diese wundervolle Buchwelt noch so viel bunter wird durch noch mehr Möglichkeiten der Veröffentlichungen. Ich möchte beides nicht missen.

    So, diesmal strotzt dieser Kommentar nicht von Sarkasmus, Zynismus und Übertreibungen. Dafür bin ich einfach zu müde.

    Ich gehe mal wieder lesen.

    1. Ja, in der Autoren- und Literaturszene ist ne ganze Menge los. Da ist schon seit einiger Zeit eine ganze Menge Frust unterwegs. Der Markt ist einfach total mit Büchern überflutet, weshalb die Verkaufszahlen schlechter werden. Qualität scheint derzeit auch nicht soooo gefragt zu sein. Man muß sich nur mal die Bücher der Bestsellerlisten anschauen, die Hälfte davon würde bei mir sofort als Sondermüll mit einem Gefahrguttransporter abtransportiert und nicht als Literatur deklariert. Versteh mich nicht falsch, ich mag auch Trash wenn er gut gemacht und unterhaltsam ist, aber das, was man mir da versucht als Unterhaltung vorzusetzen, empfinde, zumindest ich, als völlig schwachsinnige Hirngrütze. Natürlich gibt es unter den Bestsellern immer noch die ein oder andere Perle, so daß man nicht per sé sagen kann, daß sei alles Schwachsinn, aber…

      Die Lesegewohnheiten haben sich in den letzten Jahren radikal verändert, oder hast du in letzter Zeit mal wieder so Slogans wie „Lesen bildet!“ gelesen? Nicht? Siehst du! Literatur scheint für viele einfach nur noch eine Konsumware geworden zu sein. Vor allen Frauenkitsch mit Porno verkauft sich derzeit sehr gut. Wie sollte es sonst zu so „Ausschweifungen“ wie Dinoerotik kommen? Also wird sehr lieblos zusammengeschriebene Massenware nachgeschobent. Gute Bücher haben eher ein Nischendasein entwickelt. Es gibt sie, aber man muß lange danach suchen. Sie wurden von Büchern, die noch unter der Qualität der alten Groschenromane liegen (man nehme einfach nur einmal Rechtschreibung und Grammatik als Qualitätsindikatoren), verdrängt. Ich sehe darin zwar auch nur einen Trend, aber derzeit, naja …

      Man merkt es vielleicht: Ich bin als Leser ein wenig verzweifelt, für das was mir da so als „Literatur“ allen ernstes angeboten wird und habe mich als Autor dagegen entschieden. Ich schreibe lieber tolle Geschichten, voller kruder Phantasie und verrückten Einfällen. Halt Bücher, die ich selbst gerne lesen würde. Und eine stetig steigende Leserschaft dankt es mir. 😉

      Warum sich nun die Autoren untereinander zanken?
      Ich glaube, das hat viel mit dem Print on Demand-Verfahren, der Entwicklung der eBooks und das mit diesem technologischen Fortschritt nun mit einem Male jeder Bücher veröffentlichen kann, zu tun. Denn plötzlich macht es auch gefühlt Jeder! Der Markt ist völlig überflutet mit Büchern. Das haben sogar die großen Verlage zu spüren bekommen. Einige wie Weltbild mußten sogar ihre Pforten dicht machen. Deshalb schimpft so manch ein Mitarbeiter etablierter Verlage auf die Selfpublisher und werfen ihnen vor, mit schlechten Büchern ohne Lektorat den Markt überflutet zu haben.
      Den vielen, vielen Selfpublishern geht es auch nicht so gut. Ihre Bücher finden – trotz jeder Menge Spamwerbung – kaum Absatz und dafür suchen sie Schuldige. Die wiederum finden sie in ihren eigenen Reihen. Also wird dort wieder niedergebasht, wo man kann und auf die geschimpft, die „schlechtere Bücher“ schreiben. Sie würden die Selfpublisherszene in Verruf bringen. Ganz falsch ist es auch nicht, denn es gibt eben wirklich unheimlich viele Bücher, voller Rechtschreib- und Grammatikfehler in der Selfpublisherszene. Das ganze ist ein richteges Pulverfaß! Einige Autoren hauen und stechen wo sie nur können und gönnen niemanden irgendwas. Und wenn Anja nun daherkommt und meint: Ein Lektorat ist nicht zwingend notwendig, dann sticht sie mit dieser Meinung eben in dieses Wespennest und „BUMM!“ geht die Bombe hoch.

      Ich weiß schon, warum ich mich von diesem ganzen Tohuwabohu fernhalte und mich lieber mit liebenswerten Autorenkollegen (von denen es durchaus auch genügend gibt) umgebe. Mit ihnen macht das Autorendasein einfach Spaß, bedeutet weniger Streß und ist somit auch viel besser für die Gesundheit.

      Und nun mal als kleines Post Scriptum meine Meinung zum Lektorat:
      Wie ich in meiner letzten Antwort ja schon schrieb, gibt es genug Lektoren, die es mit ihrer Arbeit übertreiben und sich selbst zu wichtig nehmen. Trotz alledem: Bei großen Projekten besteht immer die Gefahr betriebsblind zu werden und Fehler zu machen. Außerdem gibt es kaum jemanden, der seine eigenen Rechtschreib- und Grammatikschwächen komplett ausmerzen kann. Deshalb sollte man, bevor man ein Buch publiziert, wenigstens mal einen Freund/eine Freundin drübergeschaut haben. Das kann die Qualität des Buches deutlich aufwerten.

      So genug von mir und meinen Mamutantworten,
      Der Kleckser

  4. Ich möchte mal den Inhalt kurz hineinstellen und die Art und Weise etwas loben.
    Ich habe bei den Vergleichen Tränen gelacht. Auf sarkastisch, humorvolle Weise dieses Thema an den Schultern zu packen und durchzuschütteln, Ist wohl die beste Variante damit umzugehen. Vor allem da sich hier ja ein Shitstorm austobt.

    Meine Meinung liegt bei dem Thema allgemein recht nah an diesem hier.
    Wobei! Nein! Ich bin für Leben und Leben lassen und einen genauen Check der eigenen Werke. Geradeaus dem Grund, dass wirklich viel Schund auf dem Markt erscheint.
    Wer sich kein teures Lektorat leisten können will, der sollte trotzdem nicht auf andere Stimmen verzichten.
    Lasst es Freunde und andere Autoren lesen. Betaleser finden sich in jedem größeren Autorennetzwerk, welche zwar keine Profis sind, aber sowohl bei Rechtschreibung und Grammatik, als auch bei Logikfehlern gerne nachhelfen.
    Denn ich finde eine Veröffentlichung ganz ohne 2. Augenarzt vermessen.

  5. So, als Mitautor dieses Beitrags melde ich mich jetzt auch mal zu Wort.

    Zunächst einmal ein herzliches „Sorry“ an alle, die den Unterschied zwischen Ernst und Sarkasmus nicht erkennen (gibt so einige auf Facebook).

    Zu den Übertreibungen und Überspitzungen: Entschuldigt, aber wie soll man einem solch lächerlichen Thema sonst begegnen, wenn nicht mit Sarkasmus und Ironie? Und ich finde dieses Thema lächerlich. Ich persönlich würde mir für meine Bücher schon ein Lektorat wünschen, leider hat es erst bei einem Buch wirklich geklappt, und auch nur, weil die Lektorin eine gute Freundin von uns ist, und „für lau“ korrigiert hat.

    Ja, die teils hohen Kosten für ein professionelles Lektorat schrecken ab, denn ich habe nie Gewissheit, ob sich diese Ausgaben wieder einspielen lassen. Ich gehöre nicht zu den Autoren, die auf allen Kanälen pausenlos auf ihre Produkte aufmerksam machen. Vielleicht ist das ein Fehler, ich weiß nicht.

    Trotzdem gibt es bei den „professionellen“ Büchern, die aus Verlagen stammen, auch ziemliche Gurken, oder sie sind einfach (in meinen Augen) inhaltlicher Müll („Shades of Grey“ mag noch so beliebt sein, für mich ist die Reihe einfach überflüssig).

    Und dann sehe ich das ganze Thema noch aus einem anderen Blickwinkel: Kann man von einem unbekannten, vielleicht unerfahrenen Autor und dessen Erstlingswerk, dass NICHT bei einem Verlag erschienen ist wirklich eine 99%ige Fehlerfreiheit und Perfektion erwarten?
    Wenn ich mich auf einen „Indie“ einlasse, nehme ich in Kauf, dass dort nicht alle Fehler ausgebügelt sind, wohingegen meine Erwartungshaltung bei Verlagsbüchern ungemein höher ist.
    Ich möchte damit nicht die Deppen in Schutz nehmen, die nicht einen einzigen Satz hinbekommen, bei dem der Rotstift vor lauter Arbeit geschmolzen ist. Ich kenne diese Art Autor aus meinem weiteren Bekanntenkreis (Stichwort: Tempus-Sprünge, Perspektivenwechsel mitten im Satz, Schachtel- und Bandwurmsätze).

    Ich persönlich positioniere mich ausschließlich und ausdrücklich gegen die Art von „versnobbten“ Autoren, die sich anmaßen, zu bestimmen, wie ein Indiebuch aussehen muss (Ja, Qindie, ich meine EUCH!). Muss ein professionelles, teures Lektorat sein, oder reicht auch ein vertrauenswürdiger „Betaleser“, der dir bei Bedarf auch Zunder gibt, wenn du totalen Bockmist gebaut hast?
    Ist ein „gutes Buch“ ausschließlich eines, dass für mehrere hundert Euro auf hochglanz poliert wurde, oder ist ein gutes Buch eines, dessen Story spannend ist, sodass mir kleinere Fehler nicht einmal auffallen?
    Und alle, die im Bezug auf „Lektorat“ der Ansicht sind, nur Bares sei Wahres: Sorry, aber EUCH kann man nur mit Sarkasmus begegnen. Das ist nämlich genau die Art von Autor, die die Indieszene für ihre angebliche Stümperhaftigkeit verteufeln, und trotzdem nix produzieren, was einen Verlag interessieren würde. Und daran, dass sie keinen Verlag finden sind – natürlich – auch die Indies Schuld, die den Ruf versauen.

    Ja es gibt einige, die echt schlecht schreiben. Ich behaupte von mir selber auch nicht, der nächste Brecht oder Kafka zu sein. Aber wenn ich mir dann anschaue, wieviele meine Bücher gekauft haben (ob sie sie gemocht haben, sei mal dahingestellt), dann scheine ich – fehlerfrei oder nicht – ja doch den Geschmack einiger weniger zu treffen. Einiger weniger, denen egal ist, dass mein Buch „nur“ durch meine Co-Autorin lektoriert wurde statt durch einen freiberuflichen Lektor.

    Aber diejenigen, die ständig ihre eigenen Ansprüche auf andere projizieren, und denen dann die Schuld geben, wenn sie die „gut gemeinten Ratschläge“ (Ja, „Du musst das so machen, sonst bist du ein Idiot und eine SChande für alle Indies“ ist ein echt gut gemeinter Ratschlag, sehr taktvoll) nicht annehmen, diejenigen sind das eigentliche Problem. Denn das was sie veranstalten ist Kindergarten, und Kindergarten – Sorry – begegne ich ausschließlich mit Sarkasmus, weil es in meinen Augen einfach lächerlich ist.

    So, Steine heute im Sonderangebot: Werfen sie drei, zahlen sie nur zwei.

  6. Shitstorm? Shitstürmchen höchstens. Ich weder hier noch unter Anjas ursprünglichen Posts allzu Unsachliches oder Beleidigendes. Vielleicht ist der Verfasser ja auch nur in braven Regionen des Internets unterwegs und hat noch nie einen echten Sturm erlebt? Lohnt sich, da wackelt wirklich die Wand. So wirkt das jedenfalls aufgebauscht irgendwie nach gekränkter Autoreneitelkeit. Armes Töff Töff. Und jetzt ist aber auch wieder gut, ja?

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