360° Blickwinkel | Das kleine Monster | Gedankenfetzen | Seelenbilder | Therapie | Trauer

Mein Haus am See

von am 13. April 2018

„Und, wie geht es dir?“

Was soll man denn auf so eine Frage antworten? Wer mich kennt, der weiß, ich lächle das weg. Heulen, meckern oder brüllen ändert ja auch nichts an der Situation. Und in Selbstmitleid möchte ich auf keinen Fall zerfließen. Das widerstrebt mir sehr, denn im Grunde bin ich ein sehr postiver Mensch.

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Trauer

Der Duft von Lavendel

von am 16. September 2017

Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Luftnot, Schwindel.
Sie sind zurück. Durch diese blöden Panikattacken.

Wie heißt es so schön? Die Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Das ist so eine Floskel, ein Spruch, den man halt so vor sich hin sagt. So richtig wusste ich nie, wie sich das anfühlt. Wenn ich die letzten Wochen Revue passieren lasse, dann muss ich sagen, auf diese Erfahrung hätte ich auch gut verzichten können.

Ich versuche dem Körper nun beizubringen: Das ist Anspannung, das ist Entspannung. Ich atme, und ich versuche einfach zuzulassen und loszulassen.

Nichts desto trotz mache ich gerade eine wirklich schwere Zeit durch. Ich dachte ja wirklich, es wird besser. Aber das das alles nochmal so schlimm wird, damit habe ich nicht gerechnet. Natürlich hängt das noch mit Mamas Tod zusammen.
Das sitzt noch so tief. Ich hatte auch noch nicht wirklich Zeit es zuzulassen. Ich habe da echt Angst vor. Aber das alleine ist es nicht. Was wäre denn, wenn ich das alles einfach zulasse. Ich habe Aufgaben, die ich erfüllen muss. Ich kann doch jetzt nicht einfach loslassen.

Das ich das muss, das ist mir völlig klar. Aber ich weiß nicht wie das geht? Ich würde das jetzt gerne alles mal zulassen, was da an Trauer in mir sitzt. Aber es kommt nicht raus. Wie soll ich es also anstellen. Mir ist den ganzen Tag zum Heulen. Manchmal kommen auch ein paar Tränen. Laufen einfach so aus meinen Augen und versiegen dann.
Ich merke auch, wenn ich mich entspanne, dass ich weinen muss. Obwohl ich meist dann gar nicht traurig bin. Aber so wirklich geht der Druck nicht weg. Es ist in mir, wie so ein kleines Monster, das an meinen Nerven reißt und sich stets in den Vordergrund rücken will. Ich will es rauslassen. Aber ich finde keinen Weg. Ich kann mich ja nicht zwingen.

Das einzige was hilft ist Atmen, Singen und mittlerweile auch Lavendel. Ich nehme etwas zur Beruhigung. Lavendelöl Kapseln. Ich habe mir einen Mini Warmie mit Lavendel geholt. So ein Stofftier mit Wärmekissen drin. Und ich habe Duftkerzen geholt, die nach Lavendel duften.

Es ist nicht die Lösung, aber ein kleiner Anker. Es erdet mich. Der Duft von Lavendel, der das kleine Nervenmonster bekämpft. Ich halte mich damit über Wasser, aber ich sehe mittlerweile ein. Ich brauche Hilfe.

Aber Lavendel wird erstmal mein Begleiter.

Und vielleicht hilft die erste Einsicht schon:

Mir geht es nicht gut und ich weiß nicht, wie ich es ändern kann….

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Gedankenfetzen | Ich | Mamalächeln | Menschen | Trauer

Da gibt es keinen Knopf

von am 11. Juni 2017

Mein Blog klingt echt schwer in den letzten Wochen. Mir ist schwer ums Herz, und doch gibt es diese glücklichen Momente, wo sie eben nur ganz kurz fehlt.

Das Leben geht eben weiter, jeden Morgen geht die Sonne wieder auf, es gibt die großen und kleinen Sorgen, die gemeistert werden müssen. Und den Sachen stelle ich mich. Es geht, ich komm zurecht. Aufgaben sind jetzt halt andere. Und ich kann nicht so weiter machen wie vorher, dass ist ganz klar.

Ich bin eben näher an meinem Vater dran, um im Alltag zu helfen. Und ich helfe ja auch gern. Für mich ist das selbstverständlich. Das hat eben alles mit Mamas Tod zu tun. Wie ich bin, was mein Leben nun ist, warum ich Dinge tu, die ich tu.

Warum ich diesen Blogbeitrag schreibe?

Gestern war er wieder da. Dieser Satz, diese Frage… ob ich denn nicht genug getrauert hätte.

Ich dachte ich kann das mit einem Schulterzucken abtun. Aber es tut weh, wenn man so etwas hört. Und dann noch von nem guten Kunpel.

Ob es nicht langsam mal gut ist….

Trauer, das ist nicht wie eine Platzwunde am Knie… die heilt nicht einfach nach drei Wochen und dann ist alles weg. Trauer kann man nicht mit einer Pille heilen. Und es gibt auch keinen Knopf. 

Trauer ist ein so tiefes Gefühl, das gräbt sich in dich rein. Und je näher du einem Menschen warst, desto schlimmer ist es. Bei meinen Omas war ich traurig, aber das ist nicht im geringsten zu vergleichen. Mamas Tod löst anderes in mir aus. 

Es begleitet dich, täglich und fordert Raum. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag weinen muss. Ich lache, ich freue mich über das Leben. Aber es kommen eben immer wieder diese Momente, die, die weh tun. Die tief unter die Haut gehen und in denen du schlucken musst.

Abstand gewinnen ist ja ein kluger Rat…

Aber, das kann ich nicht, den mein Leben hat sich unmittelbar geändert. An den banalsten Stellen merkst du, wo sie fehlt. Heute, ich hab das erste Mal selbst Wurstsalat gemacht.

Ich übernehme viele Aufgaben von Mama. Weil es die Situation erfordert. 

Und so ist der Verlust immer spürbar, im banalen Alltag 

Ist es nicht langsam mal gut?

Es fühlt sich an, als wäre ich unnormal, als hätte ich mich verändert. Als wäre ich eine andere. Bin ich vielleicht…. 

Aber muss ich mich dafür entschuldigen, dass ich manchmal traurig bin, dass ich weine, dass meine Mama noch immer ein Thema ist?

Ist das denn normal? Sich für Trauer schlecht zu fühlen?

Ich mag wieder mehr Alltag, aber das was ich nun lebe, das ist mein neuer Alltag… dafür will ich mich nicht entschuldigen. Denn für den Alltag und meine Gefühle gibt es keinen Knopf.

Es ist eher wie meine Narbe am Rücken, nach Belastung zwickt es immer mal wieder, mal mehr mal weniger. Dann ziehe ich mich eben kurz zurück, halte inne und atme. Und dann geht es weiter.

Ich komme zurecht, aber mein Rhythmus ist ein neuer.

Ob es langsam mal gut ist?

Ich würde gerne ja sagen. Und ich sage das auch, das Leben, mein Leben, wovon ich nur eines habe, ist gut so wie es ist. Denn es wird sich nicht mehr ändern. Und in diesem Leben braucht auch meine Trauer einen Platz. Und wenn die Menschen das auf meinem Weg nervt? Kann ich es nicht ändern…. ich bin noch ich, aber eben mit neuen Aufgaben im Alltag die es zu bewältigen gilt, aber dabei bin ich noch immer ich, wenn Zeit dafür ist.

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Trauer

Von Lebensmut und Scherbenhaufen

von am 16. Mai 2017

Sortieren. Altes Leben, neues Leben. Ich komm mittlerweile klar. Das habe ich in den letzten Tagen gemerkt. Mein Leben geht weiter, wie man so schön sagt. Es ist anders, aber es ist mein Leben. Was ich daraus mache, liegt an mir. Ob hardere oder die Dinge annehme und sie mit positiver Energie angehe. Das bestimme ich allein.

Natürlich liegt da immer mal wieder dieser schwere Felsbrocken auf der Seele und ich schaue zurück. Überlege, was sich alles verändert hat, wie ich mich, zum Teil unwiederbringlich, verändert habe. Ich bin ich. Ich bin ernster, in mich gekehrter und trotzdem weiß ich was ich will und ich mache weiter.

Die Musik ist mir ein großer Halt. Und alles was dazugehört.

Ich habe die Trümmer zusammengekittet, die Mamas Tod hinterlassen hat. Man sieht natürlich alle Klebestellen, und an einigen Stellen passt es nicht mehr richtig. Aber die neue Form ist auch okay. Es ist noch genug da, wofür es sich lohnt zu leben. Für meine Nichten, für meinen Vater, meine Schwester. Für die Menschen, mit denen ich so gerne zusammen bin. Die mich stützen und die mir bei Windstille Wind in meine Flügel pusten, damit ich fliegen kann.

Es läuft. Bei mir.

Aber wie gibt man einem Menschen den Lebensmut zurück, der alles, was seinen Lebensmittelpunkt ausgemacht hat, verloren hat. Ja, ihr könnt euch denken, von wem ich rede. Mein Vater. Kein einfacher Mensch im Alter, aber mein Vater.

In den letzten Monaten habe ich zusammen mit den anderen geschaut, wie wir das Leben von Papa regeln können, dass er klar kommt. Wie können wir ihm Freude bereiten. Was gibt ihm Sinn.

Aber er lässt sich hängen. Die Trauer erdrückt ihn. Es geht ihm nicht gut. Es kann seinen Scherbenhaufen nicht kleben.

Jetzt muss er eine neue Herzklappe bekommen, aber er will nicht. Es scheint fast so, als hätte er sich aufgegeben.

„Warum bin ich denn nicht eher gegangen? Warum musste sie denn schon gehen?“

Wenn du diesen Satz als Tochter hörst, dann musst du schlucken. Ich konnte nichts darauf antworten. Was denn auch? Ich versuche alles, was in meiner Macht steht. Er soll merken, dass es sich trotz allem noch lohnt zu leben, dass wir ihn brauchen. Aber es scheint im Versuch stecken zu bleiben.
Ich weiß, ich kann nicht mehr tun. Ich kann ihn nicht zwingen.
Aber es fühlt sich scheiße an. Es macht Angst und lähmt mich. Natürlich bin ich nicht Schuld, sollte was passieren. Und dennoch fühle ich mich verantwortlich. Ich kann doch nicht zusehen, wie er ihr hinterhergehen will.

Ich weiß ja, dass es heißt, wenn die Frau vorher stirbt, dann geht der Mann hinterher…. Aber, ich will das nicht.

Im Moment bin ich an einer Grenze. Ich weiß nicht weiter. Keiner weiß weiter. Außer es zu nehmen wie es kommt. Aber, ich fühle mich, als hätte ich versagt. Als hätte ich nicht alles versucht, obwohl ich weiß, dass ich nicht mehr machen kann.

Wie kann ich seine Scherben nur wieder kitten? Wie kann ich ihm ein Konstrukt bauen, was er als schön ansieht, wenn selbst die Enkelkinder das nicht können.

Der schmale Grad, auf dem ich stehe, ist so unsicher und ich schaue ohne Aussicht auf Entkommen in den Abgrund. Ich brülle nach Hilfe, aber der Schrei bleibt im Halse stecken. Denn ich weiß nicht, nach welcher Hilfe ich schreien soll. Es gibt einfach keine Hilfe…

Schicksal ist ein Arschloch….

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Gedankenfetzen | Mamalächeln | Projekt Felix | Trauer

Zwischen den Gefühlen 

von am 6. Mai 2017

Was ist nicht alles in den letzten Tagen geschehen. 

Alles zeigt, dass das Leben weiter geht. Zum zweiten Mal bin ich Tante geworden, Lara Maria wurde am 27. April geboren. Ich lerne französisch für ein Lied. Sascha und ich schreiben fleißig weiter eigene Songs.

Und auch Projekt Felix geht voran. Die Krankenkasse ist gewechselt, wir haben bei der Sparkasse uns Geld zur Überbrückung geholt, bis in etwa drei Monaten das Erbe da ist.

Alles in allem ist das eigentlich alles sehr positiv.

Und dennoch fahren meine Gefühle Achterbahn. Denn sie fehlt überall. 

Heute im Chor musste ich an sie denken, unvermittelt traf es mich. Ich sang voller Inbrunst und stolz auf französisch. Und ohne Vorwarnung traf es mich: Mama wäre stolz auf mich, ging es mir durch den Kopf. Tränen schossen mir in die Augen und ich musste schlucken. Zum Glück konnte ich mich schnell wieder auf Atmung und Töne fokussieren. 

Auch alles andere, alles was so schön ist, treibt mir heimlich die Tränen in die Augen. Es ist so traurig, dass Mama Lara nicht kennengelernt hat. Und ich bin für Lara traurig, dass sie ihre tolle Oma nicht mehr treffen kann.

Ich hab Angst vor Projekt Felix ohne meine Mama, was Montag mit Saschas OP startet. 

Und ich schaue traurig zu, wie gebrechlich und alt mein Papa in den letzten Wochen geworden ist. Es lässt mich Nachts nicht schlafen und es macht auch Angst. 

Das Leben geht weiter… ja…. Und ich lerne mit meinen Gefühlen von Angst und Traurigkeit umzugehen. So gut ich das vermag. Es gibt so viel, was einfach schön ist.
Chor, Gesangsunterricht, Kinder
Es kommt alles wie es soll. Immer.

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Ich | In Mamas Schuhen | Mamalächeln | Trauer

In ihren Schuhen auf einem Weg voller Veränderung

von am 30. April 2017

Endlich starte ich mein Projekt „In den Schuhen meiner Mutter“, welches ich euch ja schon vorgestellt habe. Fotos aus meiner Vergangenheit, Fotos aus der Zeit mit meiner Mama. Fotos von Taten meiner Mama, die ich selbst nochmal erleben will dieses Jahr. Kirmes in Paderborn, ich will nach Schloß Neuhaus, ich will nochmal eine Trüffelkugel bei Knigge essen, ich will frühstücken gehen, ich will in ihren Schuhen auf ihren Spuren wandeln. Nicht, weil ich an diesen Orten noch nie war, oder weil ich diese Dinge noch nicht gemacht habe. Nein, ich will ihr nochmal nahe sein. Vielleicht spüren, was sie gespürt hat. Aber auch bewusst drauf achten, wie es mir geht, wenn ich versuche in ihren Schuhen auf ihren Wegen zu wandeln. Das hat wieder viel mit Achtsamkeit zu tun und ich muss es zulassen, damit ich es hier auf dem Blog festhalten kann.

Die Schuhe meiner Mutter!

Dabei werde ich auch immer ganz bewusst ihre alten Sommerschuhe tragen. Nicht weil ich sie so schön finde (entschuldige Mama), aber ich finde es sehr passend ihre Wege in ihren Schuhen zu gehen.
Es ist ganz bewusst eine Art der Trauerbewältigung für mich. Mit traurigen und schönen Momenten. Mit Erinnerung und Reisen, die mich mitnehmen in die Vergangenheit und euch möchte ich einladen. Kommt mit mir auf meinen Wegen.

Herzlich Willkommen bei meinem Projekt:

„In den Schuhen meiner Mutter!“

Auf dem Weg

Heute war ich das erste Mal bewusst unterwegs in Mamas Schuhen. Und der Weg führte mich in ihre, aber auch in meine Vergangenheit. In ihren

Schuhen, und auf zweierlei Arten den Blickwinkel im Anschlag. Mein erstes zu Hause. 29 Jahre habe ich dort gelebt. Erst bei meinen Eltern, dann kurzfristig mal ein Block weiter, direkt gegenüber, so dass ich von meinem Küchenfenster immer in mein Kinderzimmer und in das Wohnzimmer meiner Eltern schauen konnte.
So wirklich loslassen konnte ich wohl nie, ich tat mir sehr schwer mit dem Ausziehen, mit dem Gewohnten hinter sich lassen.
Und so ging es mir auch heute, als ich mit der Kamera in unserem alten Revier herumgelaufen bin. Die alten Trampelpfade waren noch da, vielleicht ein wenig zugewachsener als damals, vieles wirkte auch irgendwie kleiner. Es war nicht mehr die weite Welt, der kleine Sandkasten nicht mehr die große Wüste, die Wäschestangen nicht mehr das große Volleyballfeld. Es hat sich relativiert. Ich habe nicht mehr durch meine Kinderaugen geschaut, ich habe die Sachen gesehen, wie meine Mama sie gesehen hat.

Die Wäschestangen, dahinter der Sandkasten

Eine sehr kinderfreundliche Umgebung. Mit viel Grün, mit einem Spielplatz, ein Berg zum Rodeln, der Kindergarten, da konnten wir hinspucken, und wenn der Wind günstig stand, dann konnten wir sogar über den Berg spucken zur Grundschule.

Der Kindergarten

 

Der Kindergarten
Der Sandkasten

Als ich ankam war alles wieder ganz vertraut. Und alle Erinnerungen bittersüß, bunt und lebendig wieder da. Es war irgendwie so, als wäre ich nie weg gewesen. Es war alles so selbstverständlich. Im Sandkasten haben wir stundenlang für unsere Barbies Wohnungen gebaut. Ein Bett in der Ecke war der letzte Schrei. Wir haben immer Internat mit den Barbies gespielt. Nein, korrigiere, wir wollten Barbie spielen, aber meistens ging die ganze Zeit dafür drauf aus Sand Sofa, Mauern, Schreibtische und Stühle zu bauen. Dann rief Mama vom Balkon. Entweder gab es Essen oder es wurde dunkel und wir mussten rein.
Ja, der Balkon meiner Eltern. Dreh- und Angelpunkt. Ich kann nur ahnen wie nervig wir waren, wenn es wieder ertönte:

„Mamaaaaa, komm mal an den Balkooooon!“

Der Blakon, unten rechts.

Alles ging über den Balkon. Eis für alle Kinder, was zu trinken, was zu knabbern für Zwischendurch, Spielzeugtausch. Alles. Aber Mama machte es, ohne zu meckern, immer gut gelaunt. Oft saß sie auch auf dem Balkon im Erdgeschoß und wir saßen auf der Wiese, die man eigentlich nicht betreten durfte und spielten auf unseren Decken, oder malten.
Meine Mama war Mutti für alles, was da draußen rumlief.

Eigentlich spielte sich unser Leben meistens draußen ab. Im Winter fuhren wir stundenlang Schlitten, vom Berg runter, bis vor die Haustür. Im Dunkeln, wenn die dunklen Flocken fielen.
Mama erinnerte uns dann immer, dass wir ja wenigstens mal den Schneeanzug tauschen könnten, wir seien ja schon total durchgeweicht.

 

 

Der Berg

Im Sommer spielte meine Schwester Fußball, auf dem großen Bolzplatz. Heute stehen da kleine Tore und der Platz ist aus Rasen, früher war es ein roter Schlackeplatz, da wurde man echt dreckig, vor allem nach Regenschauern.

Nicht nur der Spielplatz hat sich verändert.

In meiner alten Heimat wird renoviert. Das einst gelbe Haus ist nun rot, das graue Haus zur Hälfte schon blau, nur das Haus meiner Mama ist noch in diesem schmuddeligen rot zu sehen. Aber auch da wird fleißig geackert und gebaut. Die Haustür und die Briefkästen sind bei der Nummer 53 neu. Die alten, bröckeligen Holzfenster sind nun auch endlich ausgetauscht.

Das gelbe Haus, welches nun rot ist

 

Wenn der neue Anstrich kommt, dann verschwindet sicher auch der weiße Fleck an der Fassade, der mich immer an einen Storch erinnert hat. Ein Storch mit einem langen, dünnen Hals.

53

An der Tür erkenne ich nur noch einen Namen. Unsere Nachbarin, die über uns wohnte.
Sie hatte 2 Söhne. Der eine ist schon vor Jahren bei einem Motorradunfall verstorben. Aber ich habe noch Kindheitserinnerungen an ihn. Auf dem Platz vor dem Haus, den meine Eltern mit den Nachbarn gebaut haben, um gemeinsam dort zu grillen und Motorräder abzustellen, habe meine Schwester und ich Schneemänner gebaut. Einen großen und einen kleinen. Und der Sohn machte abends beide kaputt. Meine Mama und die Nachbarin haben das damals laut ausdiskutiert, weil wir so traurig waren. Ich muss schmunzeln bei dem Gedanken, denn eigentlich war das ja wirklich Kinderkacke. Aber so sind Mütter nun einmal, stehen für die Kinder ein, und wenn es nur der doch vergängliche Schneemann ist.

Der Weg vor der 53

Irgendwie sieht die Umgebung verwahrlost aus. Überall vor der Tür liegt Müll, der Gehweg vor der Nummer 53 ist dreckig. Dabei ist Sonntag. Samstag war immer Putztag. Das Treppenhaus wurde gewiehnert und mein Papa befreite den Hauseingang von Dreck und Tannenzapfen. Das hat sich wohl auch geändert.

Ich weiß und verstehe trotz allem, warum meine Mama und mein Papa gerne dort gewohnt haben. Die Wohnung waren immer feucht und es gab Schimmelprobleme, weil Heizungen nicht richtig funktionierten und die Fenster undicht waren. Aber die Umgebung war toll.

Wir hatten dank der vielen Grünflächen und Spielplätze und den wirklich direkt nebendran liegenden Kindergarten und der Schule sehr früh als Kinder viel Freiraum. Meine Mutter musste nur den Kopf aus dem Fenster halten und konnte uns sehen, wie wir alleine in den Kindergarten gingen oder über den Berg zur Schule.

Die Grundschule

Sandkasten, Spielplatz. Alles in ihrer Nähe. Für uns waren die Freiheiten selbstverständlich. Und ich glaube, sie hatte nicht viel Angst um uns, denn sie wusste uns stets in der Nähe und wir waren immer sehr verlässlich.

Ich stand vorhin auf dem Berg und konnte runter auf den riesigen Spielplatz schauen. Der sieht wirklich klein von da oben aus.

Alles hat sich verändert, alles Äußerliche. Aber eines ist gleich und bleibt. Ich werde mich dort immer wohl und zu Hause fühlen, egal wohin mich mein Weg noch führt. Das Gefühl, das bleibt, egal wieviel die an den Häusern renovieren, die 53, da hat Mama uns die Flügel gegeben, die wir brauchen, um uns die Welt zu erobern.

Der Spielplatz, Blick vom Berg.

Danke Mama!

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Gedankenfetzen | Mamalächeln | Musik | Trauer

„Diese Sprache klingt, als würden die Menschen immer singen.“

von am 21. April 2017

Was Musik alles kann, darüber habe ich schon oft geschrieben.

Was mir Musik bedeutet, das habe ich auf meinem Blog schon mehr als einmal zum Ausdruck gebracht.

Musik. Sie füllt mich aus, erdet mich, aber macht mich auch unendlich leicht und unbeschwert. In die Musik lege ich alles rein und ich lasse alles raus. Was mit Worten bei mir eben nicht geht, dabei hilft mir die Musik. Durchs Hören, aber vor allem durchs selbst Singen.

Einige sagen, ich kann gar nicht singen, andere mögen was ich tu. Aber es soll heute gar nicht um meine persönliche Leistung gehen.

Heute geht es mit der Musik um meine Oma. Die Musik hat mich gestern Abend gepackt.

Immer, wenn ich kann, dann übe ich. Für den Gesangsunterricht und für den Chor. Ich bin da eben so eine kleine Streberin, die voller Ehrgeiz an die Aufgaben geht. 

Gestern stand der Chor im Fokus. 

Vor zwei Wochen haben wir ein neues Lied versucht. Einen französischen Klassiker. 

„Aux Champs-Élysées“ von Joe Dassin.


Die Melodie macht mir keine Probleme, der Text sitzt auch, na ja, auf deutsch halt. Aber französisch? Kann ich nicht, verstehe ich nicht. Ich wäre aber nicht ich, wenn ich nicht daran arbeiten würde. So läuft nun unsere zauberhafte Chorleiterin Kerstin, die uns mal ne Demo eingesungen hat, auf Dauerschleife und berieselt mich, ich habe den Text aufgescheschrieben, wie ich ihn verstehe.

Dann begann ich mitzusingen. Uff, da brachen Dämme. So ganz unvermittelt, ohne Vorwarnung. Ich musste urplötzlich an meine verstorbene Oma denken. 4,5 Jahre ist es nun her, als sie starb. So wie sie es immer wollte. Kurz nach ihrem Geburtstag, ein Stück Schwarzwälderkirschtorte und dann schlief sie friedlich ein. 

Weinen musste ich nicht, konnte ich nicht. Sie hatte ihr Leben gelebt, es war ihre Zeit zu gehen. Ich war traurig, klar, aber es war nicht schlimm, es war versöhnlich, genau richtig. 

Gestern jedoch, als ich das erste Mal französisch gesungen habe, da war nichts mehr richtig. Da hab ich an meine Oma gedacht und die Trauer überwältigte mich. Denn sie liebte die französische Sprache. Sie selbst sprach und verstand es nicht, aber für meine Oma hatte diese Sprache immer etwas magisches.

„Französisch ist wie eine gesungene Sprache. Wenn die Franzosen reden, dann hört es sich an, als würden sie singen. Ihre ganz eigene Melodie!“

Ja, sie hat recht. Ich mag die Sprache auch. Und ich liebe es, in dieser Sprache zu singen, auch wenn ich kein Wort verstehe.

Wieder einmal hat sich bewiesen, was ich schon immer geglaubt habe und was mir Halt gibt, vor allem in den letzten Monaten. Musik heilt die Seele, Musik erreicht Orte in deinem Körper, und Empfindungen, die gut verborgen lagen. Welche Musik das ist, das ist nicht vorhersehbar. Das Lied aus dem Chor, gesungen von Kerstin und dann mir, damit hab ich nicht gerechnet.

Ich will dieses Lied nun weiter üben. Das mach ich für meine Oma, voller Liebe und in der Hoffnung, dass sie mit ihrer Tochter, meiner Mama, oben im Himmel sitzt und stolz auf mich herunterschaut. Stolz, dass ich meine Träume lebe, egal wohin die mich führen.

Oma? Aux Champs-Élysées ist für dich. Und umarme Mama von mir, auch sie hätte es geliebt… Schade, dass ihr nicht mehr sehen könnt, wie gut mir das Singen tut und was Chorleiterin und Gesangslehrerin mit meiner Stimme machen.

Musik? Damit lösen sich sie Probleme nicht in Luft auf, aber es wird alles einfacher.

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Gedankenfetzen | Schmerzen | Trauer

Warum Achtsamkeit dich erdet, aber nicht stressfrei macht

von am 19. April 2017

Achtsamkeit.

Dieses Thema verfolgt mich ja schon seit meiner Schmerztherapie. Dabei geht es in den Achtsamkeitsübungen nicht darum irgendetwas los zu werden. Die Schmerzen vergehen nicht, die Probleme werden nicht kleiner.

Was macht Achtsamkeit denn dann?

Sascha und ich haben da die letzten Tage viel drüber geredet. Was Achtsamkeit bei anderen macht, das weiß ich nicht. Ich kann nur beschreiben, wie es mir geht.

Achtsamkeit. Man achtet auf etwas. Man achtet auf alles, was im Moment los ist. Man schaut sich um, realisiert und nimmt wahr. Dabei handelt es sich um alles, was gerade, just in dem Moment gerade los ist. Das kann die Umgebung sein, das können Empfindungen sein, Geräusche oder Gerüche.

So eine Übung kann man immer und überall machen. 30 Sekunden oder Stunden.

Ich beginne immer mit dem Ort. Farben, Umgebung. Bin ich drin, bin ich draußen, ist es hell oder dunkel. Was höre ich? Rieche ich was. Ist irgendwo Dreck. Was mag ich gerade in der Situation, was nicht?

Schnell komme ich dann auf mich. Wie geht es mir? Was denke ich? Und da wird es meist nicht so angenehm. Ich spüre die ständigen Schmerzen, mache mir bewusst, wo es weh tut. Aber ich weiß auch, das die positiven Dinge, die ich vorher möchte dadurch nicht unschöner werden. 

Alles kann existieren. Zur gleichen Zeit, das macht mir die Achtsamkeit bewusst.

Es ist nie alles nur doof, aber auch nie nur alles grandios.

Achtsamkeit erdet mich, Achtsamkeit macht bewusst. Bewusst im Moment leben, akzeptieren, was los ist und realisieren, dass alles sein darf, kann und muss.

Achtsamkeit macht nicht frei von Stress, manchmal realisiert man erst, wie stressig es gerade ist. Aber alles, was während den Übungen real wird, damit kann ich viel einfacher und bewusster umgehen. Und alles wird relativ. Denn es gibt nicht nur die eine Seite im Moment.

Atmen, annehmen und bewusst den Moment erleben, tut manchmal weh, aber befreit. 

Es kostet Übung, aber mir hilft es. Es stärkt meine Persönlichkeit.

Und ich kann mit der Trauer, Schmerzen und auch Stress besser umgehen. Weil ich es bewusst zulasse. Zulasse, was vorher sich vielleicht versteckt hat. Nur Gefühle und Sachen, die einem bewusst sind, egal wie schmerzhaft, kann man angehen und bewältigen. 

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Mamalächeln | Seelenbilder | Trauer

Ostern – in den Schuhen meiner Mutter

von am 11. April 2017

Wir befinden uns in der Kar-Woche. Die Osterwoche. Es ist schon Dienstag. Irgendwie kam Ostern jetzt schneller als gedacht. Die Natur blüht, alles wirkt hell und freundlich.

Und das Leben geht weiter.

Es ist erst neun Uhr. Und in der Wohnung riecht es nach frisch gebackenem, süßen Osterbrot, mit Rosinen. Nachdem ich Weihnachtaten nicht, wie sonst Tradition, Weihnachtsplätzchen gebacken habe, habe ich mich für eine neue Tradition entschieden. Ich beschenke meine Lieben mit selbstgebackenem Brot.

Als ich vorhin mein Blogbeitrag im Kopf schon formte wusste ich, dies ist ein Mama-Lächeln Post. Das erste Osterfest ohne Mama, und wir versuchen Traditionen zu bewahren, aber auch neue zu definieren.

Ich hab die letzten Wochen so ein wenig Mamas Vorbereitungsmethoden übernommen. Nach Angeboten schauen, bei jedem Einkauf schon Osterartikel gekauft und eine riesige Tüt mit Schokoladeneiern und Hasen nun hier stehen. Soviel wollte ich gar nicht kaufen, aber ich musste es. Denn… es war immer so. Und ich habe den Wunsch, dass es auch ohne Mama so ist.

In den letzten Tagen halte ich viel inne. Ich atme, so wie Jasmin es mir aufgetragen hat, und komme zu Ruhe.

Ich habe die Trauergruppe verlassen, ganz bewusst, weil das Reden in einer mir fremden Runde nichts für mich ist. Ich habe das Gefühl, dass Fremde das nicht erreicht, was ich fühle. Und deswegen nehme ich meinen Blog. Und meine Freunde. Und vor allem meine Familie. Sie sind mir Halt und Trost. Die Dame, bei der ich die letzten Termine gecanceld habe, war sehr nett. Sie sagte, es wird immer wieder hochkommen. Und das stimmt.

Aber es ist nicht mehr schlimm. Ich denke gerne an Mama und es stimmt mich dann natürlich traurig. Doch immer wieder drängt sich mir dann auch die Frage auf: Wäre sie stolz auf mich? Wäre sie zufrieden mit dem, was wir tun, wie wir Ostern vorbereiten?

Natürlich antwortet sie mir nicht, aber ich spüre, dass sie stolz wäre. In dem, was und wie wir es tun, lassen wir ihren Geist weiterleben. Ich kann das gerade nicht anders ausdrücken. Wir haben ihre Sachen in unseren Alltag integriert und so bleibt sie, obwohl sie weg ist, noch immer unter uns. Sie hat uns etwas hiergelassen. Das Gefühl, Familie zu leben.
Und das kommt gerade zu solchen Festen zum Tragen.

Nicht nur Ostern mit all den Familientraditionen steht vor der Tür. Auch Lara, meine 2. Nichte, erblickt bald das Licht der Welt. Für meine Schwester ist das noch spannender als für mich. Aber auch hier stecke ich in den Schuhen meiner Mutter. Die fülle ich aus, aber anders als sie.
Das was wir vorhatten, eine Babydecke, das erste Stofftier, die Taufpatenschaft, das alles wird nun neu sortiert, aber trotzdem umgesetzt.

Ich mag mich in dieser Rolle, obwohl sie sehr anstrengend manchmal im Rücken ist. Mir ist es so sehr wichtig, das alles in Mamas Sinne zu machen. Diese kleinen Feinheiten weiter zu leben und zu gestalten.

Wie halt, dass es Schokohasen für alle zu Ostern gibt.

Die Wellen kommen noch, aber sie ebben ab. Ich trinke sogar wieder Kaffee, und das fühlt so richtig gut an.

Es stimmt, Ostern beginnt alles von Neuem. Jesus ist für uns auferstanden und hat uns allen neue Hoffnung geschenkt. Das ist der Kern des chrsitlichen Glaubens. Ich weiß, viele in meinem Dunstkreis, die glauben nicht. Die sind nicht so kirchlich. Aber Mama war das wichtig, das war einer ihrer Stützpfeiler in all den dunklen und schweren Stunden, immer, wenn sie dem Tod wieder mit rausgestreckter Zunge von der Schippe gesprungen ist.

Ich habe das immer bewundert. Klar glaube ich auch, aber Mama war da so unerschütterlich drin.
Ich verstehe sie jetzt. In den letzten Wochen war der Glaube auch mir eine große Hilfe. Verstehen, warum Gott  uns sie schon genommen hat, das können wir wohl nicht, denn er antwortet nicht. Aber der Glaube, dass das alles früher oder später Sinn ergibt, das hilft sehr.

Den Blick auf die positiven Sachen, den habe ich mir bewahrt.
Mama, auch wenn du nicht mehr da bist, ich laufe weiter, in deinen Schuhen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe deine karierten Schuhe nun an. Die blauen. Wenn ihr euch das Foto zum Blogbeitrag anschaut, dann seht ihr sie.

Das Foto entstand letzte Woche auf der Kirmes. Wir haben fotografiert. Ulrike und ich.

Auch das war ein Mama-Lächeln Moment. Und Tränen gab es auch. Denn im Herbst waren wir auf genau derselben Kirmes. Mama, Lars, Ella, Sascha und ich. Nicole war zu Hause, schwanger mit Lara und mit Übelkeit. Und auch dort habe ich fotografiert.

Das Leben geht weiter. Und wir leben jede Minute für meine Mama, in Gedanken an meine Mama und mit all dem, was sie uns für unser Leben mitgegeben hat in ihrem Sinne.

Sie malte uns das Leben bunt. Bunt wie die Ostereier, die wir Freitag malen. Bunt wie der Osterstrauch, den ich und Ella vor der Haustür bei Papa geschmückt haben. „She painted our life, colorful, black and white“

Mama, ich gehe weiter in deinen Schuhen und mach sie passend für mich. Ich werde nie sein wie du, aber ich kann so sein wie ich bin mit alldem in mir, was du mir mit auf meinen Weg gegeben hast. Und da bist du ein Teil von mir. Und ich stecke mit meinen Füßen in deinen Schuhen. Danke, das du mich zu diesem Menschen gemacht hast.

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