Gedichte | Schubladendenken | Übergewicht

Dickenklischees

von am 31. Mai 2018

Klischee, die Erste

Dicke stinken

Wenn Masse in Bewegung kommt, so ins Laufen.
Dann gehen viele schon in Dekung, zum Haareraufen.
Denn das ist, man nennt es, ich glaub, Physik,
das ist so ein wenig wie in einer Hochofenverbrennungsfabrik.
Da gerät dann alles in Wallung, und bei Reibung

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die nicht der Norm entsprechen | Gedankenfetzen | Ich | Menschen | Schubladendenken | Zitat

Wieviel „Kind“ ist vertretbar?

von am 2. Mai 2018

Dies ist ein Gastbeitrag von Sascha.

 

„Nur wer erwachsen wird, und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“ (Erich Kästner)

Nur selten bringen mich Zitate von gebildeten Menschen zum Nachdenken. Nicht etwa, weil ich ungebildet bin, sondern weil solche Zitate nur sehr selten auf Facebook geteilt werden. Was das wohl über den durchschnittlichen Facebook-User aussagt? Naja, mit Snapchat-Filtern wundert mich nicht mehr viel… aber ich schweife ab.

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Märchen schreibt die Zeit

von am 19. März 2018

Kennt ihr eigentlich das Lied von der Gruppe „Die Ärzte“?
„Lasse redn“ heißt der Song und ich finde, dass einfach alles in diesem Lied stimmt. Der Text, die Ironie, die Musik.

Ich hoffe, dass ihr den alle kennt. Ich habe mir eine Stelle für den heutigen Blogpost herausgesucht, die meine Situation als Familienmitglied gerade sehr passend beschreibt!

„Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin
Die meisten Leute haben ja gar nichts Böses im Sinn
Es ist ihr eintöniges Leben, was sie quält
Und der Tag wird interessanter, wenn man Märchen erzählt“

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Prost! ~ Oder: wenn einem Ehrgeiz vorgeworfen wird…..

von am 10. Februar 2018

Hello, it´s me. Und endlich mal wieder kritisch und mit Biss. Hurra, ich bin zurück in alter Form.

Habt ihr auch manchmal Langeweile und überlegt euch, wie man denn seine Zeit am besten rumbekommt? Natürlich muss es etwas sein, was Spaß macht, was nicht sehr anstrengend ist, was man halt mal eben so nebenbei macht. Vielleicht wäre es auch noch nett, unter Menschen zu kommen. Aber bitte, ich will dann auch nur diese Zeit mit dieser Beschäftigung verbringen, die ich totschlagen möchte. Weiter soll mich dieser Zeitvertreib bitte nicht belasten. Nicht das dies noch in Stress ausartet oder, oh je, noch schlimmer irgendwann KEINEN Spaß mehr macht.

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Der Klügere gibt nach, aber nie auf

von am 26. Oktober 2016

Kopf gegen Wand. Bitte. Helft mir in meiner Not bevor ich echt noch irre wegen so einigen Hohlköpfen werde. Das Problem an solchen Hohlköpfen ist ja: Du kannst denen noch so oft, freundlich, charmant, direkt, bittend, auffordernd sagen, sie möchten den Blödsinn doch bitte lassen, den sie seit Wochen mit dir veranstalten. Aber das ist genauso effektiv als würdest du dich vor deine Wohnzimmerwand stellen und versuchen mit bloßen Augen wie Superman ein Loch in die Wand zu lasern.
Kann man schon versuchen, ist nur sehr sinnlos.
Hohlköpfe müssen einfach hohle Sachen tun. Der Hohligkeit wegen. Je unlogischer etwas ist, desto besser und hohler. Ergibt für euch keinen Sinn der Satz? Gut, diente auch nur zu Demonstration, wie es in dem Kopf von so nem Hohlkopf sicher aussieht. Für mich war der Satz logisch, ihr versteht es nicht.

So geschehen die letzten Wochen auf meinem Youtube Channel. auf dem ich Gesangstagebuch führe. Ich begleite mich, halte fest, was ich gelernt habe, kenne meine Stärken, erkenne meine Schwächen und an denen arbeite ich voller Hingabe.

Außerdem bin ich ein sehr geselliger Mensch. Ich unterhalte mich gerne, bekomme gerne Feedback und möchte mich natürlich konstruktiver Kritik stellen. In allen Bereichen. Denn man lernt immer neu dazu, entwickelt sich. Dazu wollte ich diesen Channel eben auch nutzen.

In anderen Lebensbereichen bekomme ich Input. Beim Schreiben. Ich weiß, dass mir Kurzgeschichten eher weniger liegen, weil meine Geschichten immer ganz viel Platz brauchen. Kurz etwas in Worte fassen? Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch, liegt vielleicht daran.

Beim Radio habe ich meinen besten Kumpel, meine neue beste Freundin und die Hörer. Die mich pushen, mich runterholen, mich begleiten.

In der Musik habe ich zwar auch Leute, aber gerade in der Musik musst du so viel mehr haben. Wie empfinden es Menschen? Erreicht es die Menschen?

Nun, klar kann es nicht allen gefallen. Darum ging es mir auch nicht. Viel mehr hatte ich die Hoffnung, dass man ins Gespräch kommt. Ja, das ist da schon gut, aber da war der Ton nicht sauber, die Betonung ist nicht gut oder du hast noch nicht das richtige Gefühl. Je mehr Menschen da einem bei helfen, desto runder kann so etwas werden.
Allen recht machen kann man es nie. Es wird immer Meckerköppe geben,

Und eben auch Hohlköpfe. Ich habe nichts gegen negatives Feedback. Aber immer nur einen Daumen runter zu kassieren, ohne dass ein Austausch stattfindet? Das nagt auch an der stärksten Kari. Ich würde mich gerne wehren können, wissen, was falsch ist. Warum empfindet dieser eine Mensch es so. Aber obwohl ich drum bat, der Mensch war einfach feige.

Dann bat ich drum, mich doch einfach zu ignorieren. Und es ging weiter.

Aber ich bin ja ein Mensch, der nicht nur Lebenswege aufzeigt sondern nach seinen Prinzipien handelt. Magst du was nicht, geh weiter.

Ich bat den Hohlkopf. Geh doch bitte, wenn du mich nicht magst. Er ist nicht gegangen. Da mir aber dieses rumgemobbe nicht gut tut und ich mich nicht irgendwann mal so komplett in Frage stellen will, weil ich mehr Kritik als Stolz empfinde, gehe ich lieber. Denn der Hohlkopf tut mir nicht gut. Diese Wege sind ja zum Glück nicht einseitig.

Nein, keine Sorge. Ich höre definitiv nicht auf zu singen. Damit verschwende und erfülle ich mir gerne meine Lebenszeit. Weil mir das gut tut. Mein Leben ist Musik und Sprache. Und beides zusammen ist einfach das allerbeste.

Ich werde meine Videos nur woanders hochladen.

Jeder, der mich auf meinem unmöglichen Weg begleiten möchte, den lade ich ein. Fragt nach, wo man mich findet. Und wenn ihr Kritik habt. Sagt sie mir ruhig. Denn nur wenn man die Fehler erkennt, kann man weiter kommen.

Zum Glück kenne ich meine Schwächen und kann so jeden Tag besser werden als ich gestern noch war.

Und der Hohlkopf? Na ja, wie viel kann man in ein Vakuum wohl füllen, ohne dass man es zerstört…..

In diesem Sinne. Lebt euren Traum und wenn sich euch jemand in den Weg stellt, geht an ihm vorbei und lasst ihn hinter euch.

Hohlkopf? Such dir ein anderes Opfer, Schätzchen, das tu ich mir nämlich nicht mehr an. Und für weitere Qualen? Ich hab mir sagen lassen, dass Dominas im Weh tun noch viel besser und effektiver sind als mein Gesang!!!!!

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Neue Vorurteile

von am 16. Oktober 2016

„Dicke stinken!“
„Dicke sind faul!“
„Dicke fressen nur!“
„Dicke können nicht glücklich sein!“

Liste dürft ihr beliebig forsetzen. Haut alles raus, was euch an Vorurteilen einfällt. Ich kenne mich mit diesen Vorurteilen aus. Was ich nicht alles schon zu Ohren bekommen habe. Leider nie so wirklich direkt. Meistens hinter meinem Rücken. Flüsternd und lachend. Es wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Aber wisst ihr, was das Gute ist?

Ich bin sensibel bei sowas. Wenn du dich dein Leben lang damit auseinandersetzen musst. Du immer wieder mitbekommst, wie man über dich lacht, dann spürst du irgendwann instinktiv, wann man über dich lästert. Blicke verraten es. Wie ein Mensch mit dir umgeht. Die können dir direkt freundlich ins Gesicht blicken. Aber es gibt da diesen bestimmten Gesichtsausdruck, der dir sofort sagt:
Ich finde dich einfach kacke und wenn ich mich umdrehe, dann lache ich über dich.

Ich kann das mittlerweile hinnehmen. Ich lasse es einfach nicht mehr an mich ran. Weil ich tolle Freunde habe, die mich so akzeptieren wie ich bin. Die hinter meinen Speck sehen. Bei denen ich nicht nur „die Dicke“ bin.

Aber gestern ist was passiert, was dann doch mal ganz kurz an meinem Ego kratzte.

Ein neues aufkommendes Vorurteil, was ich schon öfter jetzt bemerkt habe.

Die letzten Monate kam es vermehrt vor, dass Sprüche nicht mehr hinter vorgehaltener Hand kamen.

In der Straßenbahn wird gegenüber von mir auf polnisch über mich gelacht. Woher ich weiß, dass ich gemeint war? Nun ja, sie redeten, zeigeten auf mich (ich war keine 50 cm gegenüber der Kerle) und fingen an zu lachen und sich köstlich zu amüsieren.
Ich lächelte sie freundlich an und als ich ausstieg sagte ich freundlich Tschüss und erwähnte, dass ich glücklich sei, zu ihrer Erheiterung beigetragen zu haben.

Als ich vor ein paar Wochen zum Bewegungsbad ging, begegneten mir Menschen, die, als sie an mir vorbei waren, laut hinter mir sagten:

„Boah, war die fett!“

Ich drehte mich um und antwortete:

„Nein, wenn ihr euch nochmal umdreht, seht ihr, dass ich auch noch immer fett bin!“

Die Blicke der Leute waren köstlich.

Das Vorurteil ist klar, oder?

„Dicke sind taub!“

Wie gesagt, ich kann damit umgehen. Ich atme das weg, bin schlagfertig, weil halt nichts Neues kommt an Sprüchen. 38 Jahre Trainingslager gehen halt nicht spurlos an dir vorbei. Da entwickelst du Strategien und Standards, die wirken.

Was aber gestern geschehen ist, dass war doch neu. Körperlich angegangen zu werden mit einem Spruch, das saß.

Der Weg war breit genug, ich ging über eine Kirmes, die gerade erst eröffnete. Ein Mann kam mir mit seiner Freundin entgegen. Ich hatte meine Nichte an der Hand. Er ging voller Energie und kam mit jedem Schritt ein wenig mehr auf mich zu. Als er fast an mir und meiner Nichte vorbei war, knuffte er mir seitlich mit dem Ellenbogen in die Rippen und sagte laut:

„Es gibt schon fette Menschen auf der Welt!“

Ich habe nichts gemacht. Ich hab geatmet und mich weiter um meine 4 jährige Nichte gekümmert. Hätte ich die nicht gehabt, wäre ich sicher nicht so cool gewesen.

Hier, auf meinem Blog, hier werde ich allerdings nicht cool sein.

Was erdreistet ihr Lästermäuler euch eigentlich, Menschen nach Äußerlichkeiten zu beurteilen, nein, zu verurteilen? Was gibt euch das recht über Menschen, die euch völlig unbekannt sind, mit denen ihr euch nicht beschäftigt, irgend eine Meinung zu haben?
Ich weiß, dass mit den Vorurteilen ist sehr bequem. Wie so ne Tütensuppe.
Alle Zutaten die man braucht sind da, zack, Stempel drauf, weitermachen. Zack Tüte auf, essen.
Aber sich die Mühe machen, mal nach den Einzelheiten zu schauen, was macht diesen Menschen noch aus, wie setzt der sich zusammen, dass geht nicht. Das kostet Zeit. Das ist anstrengend. Man könnte sich ja selbst hinterfragen müssen. Oh Gott, man müsste sich eingestehen, dass man falsch liegt mit seiner Meinung. Einfacher ist es natürlich in der Masse zu schwimmen. Kostet nicht soviel Kraft. Und man fällt nicht auf in der Gesellschaft. Es gibt schon eine feste Meinung in deinem Freundeskreis. Einfach mit aufspringen. Herrlich variabel und individuell… nicht.
Um Himmels willen. Gebt euch bloß nicht die Blöße, hinter Fassaden zu schauen.
Bleibt bei euren Vorurteilen. Ohne Einzelheiten zu kennen um sich ein wahres Urteil zu erlauben.
Alle schreien sie nach mehr Freundlichkeit auf der Welt. Frieden. Dafür muss man aber „Anderssein“ zulassen. Ohne Angst.
Dicke haben Gefühle, Dicke können denken, Dicke leben, Dicke weinen und lachen. Und, soll ich euch was sagen? Dicke sind lebendige Menschen, die atmen….. Huch, ich hab Mensch gesagt.

Ich glaube ja, Menschen, die so mit Vorurteilen voll sind, haben Angst. Angst, das „Anderssein“ ansteckend ist. Angst, weil sie „Anderssein“ nicht verstehen und nachvollziehen können. Angst, weil sie merken, dass auch sie „Anders“ sind. Sie haben Angst vor ihrer Angst und die Vorurteile sind eine Möglichkeit mit dieser Angst umzugehen. Um sich mit ihrem „Anderssein“ nicht auseinandersetzen zu müssen.

Auch mein Stumper war anders. Er war braungebrannt und muskelbepackt. Eben anders!

Ich würde mir wünschen, dass sich jeder bewusst macht, das man als Mensch eben anders ist, und das dass nichts Schlimmes ist.

Aber das kann nur passieren, wenn die Menschen mit Brett vor dem Kopf und Bohnen in den Ohren mal anfangen Dinge zu hinterfragen und aus Vorurteilen Urteile zu machen. Und diese Menschen müssen eben das Verständnis entwickeln, auch sie sind „anders“.

Dann, ihr Lieben, merkt ihr vielleicht auch, dass auch dünne Menschen stinken und ein dicker Mensch nicht taub ist!

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Wie man „Veränderung“ aufhält

von am 2. Juni 2016

Menschen und Dinge verändern sich. Das ist der Lauf der Zeit. Niemand wird je ein Leben lang der Gleiche sein. Und das ist auch gut so. Meistens. Denn auch wenn manch einer es nicht wahrhaben will, aber man kann sich auch zum negativen verändern. Ich spreche nicht einmal von Macht, oder Habgier, oder dergleichen. Oft fängt es bei kleinen, alltäglichen Dingen an. Man grüßt nicht mehr freundlich, hält anderen nicht mehr die Tür auf, schaut nur noch auf sich selbst und kriegt nicht mehr mit, was um sich herum passiert.

Schlimm oder tragisch sind diese Veränderungen aber selten für einen selbst. Am härtesten bekommen die Menschen die Veränderungen zu spüren, die einem nahe stehen. Freunde, Familie, Bekannte. Sie alle müssen unter den Veränderungen „leiden“. Was aber, wenn sich nicht ein Mensch alleine zum negativen verändert hat? Was, wenn es eine ganze Gruppe, ein Kollektiv, eine Gemeinschaft sich in diese Richtung verändert hat, und diese Veränderung andere Menschen, die ohnehin „so sind“ anziehen?

Genau diesen Fall erlebe ich seit etlichen Jahren in der deutschen Anime-Szene, oft sogar am eigenen Leib. Als die Animeszene vor 14 Jahren in Deutschland das erste Mal eine Größe erreichte, die beachtlich, aber für die Außenwahrnehmung vernachlässigbar war, da hatten wir nur uns. Es gab nur eine handvoll Otakus, und man war froh, auf Conventions auf Gleichgesinnte zu treffen. Und mehr noch, man war ein Stück weit aufeinander angewiesen, und konnte so die anderen Mitglieder dieser Szene für das wertschätzen, was sie dazu beitrugen. Jemand konnte japanisch? Großartig. Jemand war super gut im Zeichnen? Klasse! Jemand hatte ein tolles Kostüm geschneidert? Umwerfend!

Cosplaywettbewerbe gab es auch damals schon. Aber sie hatten nicht die Dimensionen heutiger „Contests“. WCS, ECG, EuroCos und DCM waren damals (mit Ausnahme vielleicht des WCS) noch nicht einmal erfunden. Und sselbst beim Cosplaywettbewerb gab es eine Sache, die ganz klar im Vordergrund stand: Spaß! Wir haben uns nicht nur für den Sieger gefreut, sondern für jeden Teilnehmen. Und nicht für jemanden, sondern auch über sie, die uns mit den vielfältigsten Bühnenshows unterhalten haben. Showgruppen wie Yume oder Tsuki no Senshi waren für uns nicht die Stars, weil sie so professionell waren, sondern weil wir es respektierten, dass sie ihre Freizeit geopfert haben, um uns eine Show zu liefern und uns zu erfreuen. Es war – wenn ich das in aller Bescheidenheit sagen darf – eine tolle Zeit, auf die ich gerne zurückblicke.

„Doch nichts im Leben ist unendlich“, sagte der Graf im Unheilig-Song „Zeit zu gehen“. Und so schien es auch in der Animeszene zu sein. Denn mit der breiten Masse an Manga und Anime, die seit 2002 in Deutschland verfügbar war, wuchs auch die Fangemeinde, und aus den ursprünglich knapp 5000 Connichibesuchern, wuchs binnen weniger Jahre eine Veranstaltung heran, die Fans unterschiedlichster Ausprägung anzog. Und nicht nur die Conventions zogen Fans an. Nein, auch Showgruppen, Fanprojekte oder Cosplayer wurden idolisiert und zum Nonplusultra der Szene erhoben. Aus kleinen Gruppen, die „von Fans für Fans“ ihre Freizeit zum Spaß opferten, wurden „Stars“ vergöttert. Nicht weil SIE es wollten, sondern weil ihre FANS es wollten.

Und wenn die Fans nicht bekamen, was sie wollten? Tja, dann machte man eben etwas eigenes. Und dieses „Eigene“ war natürlich viel besser, als das, was schon da war. Die „Neulinge“ zettelten Konkurrenzkämpfe an. Es zählte nicht mehr, die Besucher zu unterhalten. Es ging darum, besser zu sein, als die anderen. Freute man sich zu anfang, wenn man jemanden traf, der den selben Charakter cosplayte, wie man selbst, suchte man nun nach Fehlern, die der andere gemacht, und man selbst vermieden hatte. Dabei ging es anfangs noch um „harmlose“ Dinge, wie schiefe Nähte und vielleicht auch falsche Schnitte. Mittlerweile werden aber die Cosplayer selbst kritisiert. Die Körpermaße stimmen nicht (ich wurde selbst schon als „fette Jeanne“ bezeichnet), die Größe war falsch, und überhaupt sei man selbst ja sowieso die einzig wahre >Hier beliebigen Charakter einfügen<.

Auch die Showgruppen konkurrierten miteinander. Nein, nicht die Gruppen selbst, die Fans. Natürlich. War es früher besonders die Vielfalt an unterschiedlichsten Showgruppen und Showacts, ist es heute eigentlich mehr oder weniger „immer das gleiche“. Klar, jeder bringt seine Eigenarten rein, sodass man Gruppe A von Gruppe B unterscheiden kann. Aber mit etwas mehr Abstand betrachtet ist es immer das selbe Schema, das im Hintergrund zum Vorschein kommt. Comedy-Musicalprogramme mit Crossover zwischen zwei oder mehr Serien. Bei den Sängern möglichst nah am Original dran (sowohl musikalisch als auch stimmlich… achja, und natürlich optisch! Wer nicht so aussieht oder so klingt wie Charakter XY, der fällt unten durch). Bei den Zeichnern möglichst so, wie die Fans es gewohnt sind, bloß kein eigener, individueller Stil…

Fans sind in jeder Konstellation der entscheidende Faktor. Die Passiven der Szene. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Bei den Fanprojekten zum Beispiel. Hier sind es die Projekte selbst, die sich gegenseitig despektierlich verhalten. Es geht schließlich darum, möglichst alle Fans auf seine Seite zu holen. Und manch ein Projekt ist an diesem Konkurrenzkampf zugrunde gegangen.

Was hat zu der Veränderung geführt? Darüber kann man seitenlange Dissertationen und Doktorarbeiten veröffentlichen. Da ich aber weder Wissenschaftlerin noch Studentin bin, kann ich hier nur meine eigenen Empfindungen und Gedanken niederschreiben. Ich glaube nicht einmal, dass sich die Szene „verändert hat“. Sie ist nur in der falschen Richtung großgeworden. Wie ich eingangs erwähnt habe ziehen die „negativen Personen“ andere „Negative Personen“ an. Freund A ist ein Konkurrenzkämpfer, der sich immer mit allen messen möchte. Das findet Freund B cool, und unterstützt Freund A. Schon sind es zwei. Und wie beim Schneeball wird es größer und größer. Eigentlich sollte man meinen, dass es auch in die andere Richtung funktioniert, dass die positiven Personen ebenso „anziehend wirken“. Nur leider sind diese „positiven“ Personen, die wertschätzen, respektieren und anerkennen, zumindest in der Szene ausgestorben. Sie sind erwachsen geworden, haben vielleicht eine Familie, und haben die Szene hinter sich gelassen. Sie sind stille Konsumenten geworden, die immernoch Fans sind, aber nicht mehr die großen Conventions zelebrieren. Sie sitzen mit Sohn oder Tochter zuhause vorm Fernseher und verfolgen von dort die Abenteuer ihrer Anime-Helden.

Es ist also nicht die Veränderung selbst, sondern es ist das „Aussterben“ der Positivität innerhalb der Szene, die einem radikalen Konkurrenzdenken mitsamt Respektlosigkeit, Intoleranz und Homogenität Platz gemacht hat.

Und wenn du als Aktiver der Szene gefallen möchtest, wenn du Respekt und Anerkennung haben möchtest, dann nicht, weil du du bist. Sondern weil du das bist, was der Passive Teil haben möchte. Wenn du es nicht tust, dann ist dir Spott und Häme sicher, denn dann bist du ein Zielobjekt, über das man sich gemeinschaftlich lustig machen und lästern kann. Aus den Passiven Konsumenten werden Aktivisten, deren Ziel es ist, das „andere“, das „nicht so seiende“ auszumerzen, und mit allen Mitteln (von Lästern bis hin zu regelrechtem Mobbing) zu vertreiben. Denn wer nicht so ist, wie die anderen, ist peinlich.

 

Nun könnte man diesen Blogbeitrag als einen weiteren „Mimimimi, die Szene ist so blöd“-Post abtun. Eine verbitterte, alte Anime-Frau, die die glorreichen, goldenen Zeiten vermisst. Und vielleicht – man mag es mir nachsehen – ist es auch so. Aber was, wenn ich euch sage, dass ich mit dieser Ansicht nicht alleine bin?

Denn es gibt andere, die eine ähnliche Meinung dazu haben, und die trotzdem als „Idole“ der Szene gelten, die selber Aktive der Szene sind. Die sich selbst in ellenlangen Blogbeiträgen und Vlogs über die Zustände der Szene beklagen. Ich stehe also nicht alleine da, bin vielleicht verbittert, aber wenigstens zurecht.

Nun bringt ein „mimimimi“ keine Veränderung. Jeder muss bei sich selbst anfangen. Natürlich muss man nicht jeden in der Szene mögen, mit ihm „Best Friends“ werden. Aber das Schlüsselwort heißt „Toleranz“. Wer eine Showgruppe oder einen Zeichner nicht gut findet, der muss das auch nicht. Das gibt ihm aber nicht das Recht, diesen Showact oder Zeichner zu beleidigen oder zu schikanieren, sich über ihn lustig zu machen, während er seiner Leidenschaft nachgeht um die Szene um eine Facette reicher zu machen.

Und das haben mittlerweile auch die Veranstalter erkannt. Nämlich dass diese Situation exisitiert. Nicht nur in meinem Kopf oder im Kopf anderer. Sondern dass sie real ist. Das es Mobbing innerhalb dieser Szene gibt. Das aus Toleranz Intoleranz, aus Respekt Despekt und aus Zusammenhalt Ausschließlichkeit geworden ist. Niemand will, dass alles so wird wie früher, das kann es nicht. Aber was diese Veranstalter wollen, ist, dass man sich gegenseitig akzeptiert. Es geht nicht um Wertschätzung, oder Respekt, sondern um Toleranz. Das man an einer übergewichtigen Yuna vorbeigehen kann, ohne zu lästern. Das man auch einen Cosplaywettbewerbsteilnehmer nicht auslacht, nur weil er sein Kostüm nicht perfekt genäht hat. Das man einen Showact nicht ausbuht, wenn er einen Song nicht so singt, wie der Originalinterpret ihn auf CD gesungen hat, oder er – Gott bewahre – vielleicht sogar einen Song komplett anders aufgebaut hat (Rock statt Pop).

Mit diesem – man kann es sehen wie man will, aber ich sehe es so – guten Beispiel geht das Visual Culture voran. Das Visual Culture war immer eine Eventreihe, die alle angezogen hat. Und auch die Spin-Off Events wie Kabuki Rockstyle setzten dies fort. Dort mischte man – wenn auch auf zwei verschieden Floors – harte Japanische Rockmusik mit Anime-Songs. Und so mancher „Rocker“ tanzte dort zu One Piece, und so mancher Cosplayer wurde beim headbangen auf dem Rockfloor beobachtet. Denn alle hatten die gleiche Leidenschaft: japanische Musik.

Der Organisator des Visual Culture, Julian Fuhrmann, hat vor wenigen Tagen einen Beitrag auf Facebook gepostet. Er schreibt zum Beispiel „Wir möchten eine Szene, für die Respekt, Toleranz und Gleichberechtigung keine Fremdworte sind und die diese Werte auch lebt und weitergibt.“ Natürlich bezieht er sich in erster Linie auf die Visual Kei-Szene. Aber wieso sollte dieser Beitrag nicht auch für andere Szenen gelten? Er hat sich die Mühe macht, einen Verhaltenskodex zu entwerfen, der im großen und ganzen auf dem beruht, was in anderen „Szenen“ schon lange Gang und Gäbe ist. In diesem Kodex, der nicht als Gesetzestext à la „So MÜSST ihr euch verhalten“ zu verstehen ist, ist in einfachen Worten beschrieben, was er sich wünscht, und was in anderen Bereichen schon funktioniert: Toleranz, Gleichberechtigung, Akzeptanz und Respekt.

Den „Code of Conduct“, der für alle Veranstaltungen von Visual Culture Events gilt, könnt ihr hier nachlesen.

Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele diesen Code of Conduct, diesen Verhaltenskodex, leben würde. Nicht nur in der Szene, sondern auch außerhalb, im wahren Leben, im Internet, überall. Denn das, was für mich die Szene so unwirtlich, so abweisend und kalt gemacht hat, so etwas möchte ich nicht im echten Leben begegnen. Doch leider „verändert“ sich auch die echte Welt, jeden Tag, jeden Augenblick, sogar in dem Ort, den ich mal als „Freundekreis“ bezeichnet habe.

Ich möchte nicht die Uhr zurückdrehen auf 2002. Ich möchte nicht „altes zurückholen“. Ich wünsche mir nur, dass das, was die Szene für mich so einzigartig gemacht hat, dass das wieder zurückkehrt. Und mit diesem „etwas“ kommt vielleicht auch meine Vorfreude zurück, wenn die nächste Convention ansteht. Wir sind alle Teil dieser Szene, wir alle tragen dazu bei, wie wir uns gegenseitig behandeln. Aber ich fürchte, wenn es bei uns schon nicht klappt, bei uns einst so toleranten, sich gegenseitig respektierenden und wertschätzenden Menschen, dann fürchte ich, wird auch auf der großen Welt nicht funktionieren. Und das wäre mehr als nur ein Scharmützel im Kostüm auf der Bühne, das wäre unter Umständen unser aller Ende.

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Fettschmelze | Schubladendenken

Dicke stinken -Schubladendenken die zweite

von am 8. März 2016

Heute geht es mal wieder um Klischee und Schubladendenken. Ein Vorurteil, welches oft Thema ist, ist der Körpergeruch von beleibteren Menschen. Der soll laut Aussage von einigen Auserwählten gerade bei meines Gleichen sehr unangenehm sein.
Wir überlegen mal gemeinsam, wie Körpergestank, entsteht. Auf der Haut befinden sich, egal wie oft man sich wäscht, Bakterien. Wenn man sich nicht regelmäßig wäscht, vermehren die sich. Bakterien haben wie alles Organismen eine Verdauung. Wann man das nicht entfernt, dann beginnt man zu riechen. Das ist ein wenig so, als wenn man immer wieder ins Klo kackt und nicht abzieht.
Wenn man sich nun aber regelmäßig wäscht und dann noch etwas nimmt, was den Geruch bekämpft (man nennt es im Volksmund Deo), dann entseht kein Geruch. Weder bei Dicken und Dünnen. Denn das Problem des transpirierens ist ein menschliches Problem. Jeder schwitzt und hat Hautbakterien.
Und wenn ein dünner Mensch sich vernachlässigt, dann riecht auch der.
Tja, schade, die Menschheit ist eben generell ein stinkender Haufen und das hat nichts mit dem Gewicht zu tun.
Glaubt ihr nicht? Hier riecht doch mal in meiner Achselhöhle, wohlduftend und betörend, versprochen!

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Fettschmelze | Schubladendenken

Schubladendenken

von am 16. Februar 2016

Ich teste Diättipps für mich, aber ich möchte auch mal in der Schubladenkiste kramen und schauen, was so an den Vorurteilen dran ist. Denn eins kann ich mit Sicherheit sagen. Klischeedenken gibt es. Egal wie frei du von Vorurteilen bist. Siehst du einen bestimmten Menschentyp, dann gehen bei einem jeden seine Gedanken an.
Eine meiner besten Freundinnen sah meinen Kurzhaarschnitt und sagte, ich sehe aus wie ein Kampflesbe. Sie weiß wie hetero ich doch bin, aber sie sieht diese Haare und hat gleich eine Schublade auf.
So geht das auch, wenn man einen dicken Menschen sieht. Ungewollt. Ich unterstelle keinem eine böse Absicht.
Also wird es diese neue Rubrik Schubladendenken geben in der ich mich mit allen Vorurteilen auseinandersetze, die es gibt und denen auch ich mich schon konfrontiert sah.
Heute geht es um das Vorurteil:

Dicke können sich nicht bewegen!

Allein dieser eine Satz, bringt mich schon zum Schmunzeln. Bewegung. Was sagt da denn mal Wikipedia dazu…..
Eine Ortsveränderung in der Zeit.

Huch, ich tippe hier wie eine Wilde! Meine Finger gehen gerade vom A zum B und dann auch noch auf die Umschalttaste, um Großbuchstaben zu erstellen. Alter. Ortsveränderung der Finger…. In Zeit. Bewegung.
Und ich bin dick. Ist das zu fassen. Eine Dicke die sich bewegt.

Ja, ich weiß was kommt. Kariii, so meinen die das doch nicht. Diese Menschen meinen, Dicke können sich nicht so sportlich und elegant bewegen.

Ach soooo, warum sagen die das denn nicht? Faulheit? Keine Ahnung. Aber das möchte ich für mich zumindest müde belächeln.

Denn bevor die Spondylodiszitis kam (ihr müsst nicht googeln, das ist eine Entzündung der Wirbelsäule, und das ist was richtig Fieses!), gab es nichts an Sport, was ich nicht hätte machen können. Und ich war fitter als mein Normalgewichtiger Ehemann. Schwimmen, Laufen, Rollschuhfahren. Natürlich gibt es auch bei Dicken Menschen Sportarten die man lieber macht als andere. Für euch Normalos ist ja auch nicht für alle Joggen was, sondern der eine oder andere setzt sich lieber auf das Fahrrad.

Dick bedeutet nicht, geht nicht. Das hat immer was mit Willen zu tun. Bei allen Menschen, egal wieviel Kilo. Mein Mann hat keinen Bock auf Sport. Ich hingegen schon. Also mache ich.

Und ob ich dabei elegant aussehe? Grazil wie eine Elfe? Darum sollte es denn nun wirklich gehen. Denn die allgemeine Aussage ist, Dicke können sich nicht bewegen. Was grazil und schön ist, das ist Geschmackssache. Ich mag zum Beispiel Elefanten, wenn die sich bewegen. Andere mögen Schmetterlinge.

So, und wer geht mit mir nun tanzen, frei nach Peter Fox, Schüttel deinen Speck? Ach, ihr habt keinen Speck zum Schütteln? Tja, Dünne können sich wohl nicht bewegen. 😉 Doof

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