Das kleine Monster | Ich | Menschen

Einen Rat beherzigen

von am 25. Oktober 2017

Ich schleppe es ja schon lange mit mir rum, habe es hier auf dem Blog auch immer mal wieder kurz angerissen. Aber so wirklich darüber geredet, das habe ich noch nicht.

Aber das soll ich tun, denn es ist eine ärztliche Verordnung. Und da ich mir ja mit reden immer so schwer tu, nehme ich einfach meinen Blog. Was würde auch besser passen, als dieses Medium?

Natürlich kann man darüber streiten und lange philosophieren, ob das wirklich ins www gehört. Bin ich nicht zu offenherzig? Mache ich mich angreifbar? Muss ich das alles in die Welt hinausschreien, dass ich gerade nicht so richtig ticke?

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Fotografie | Gedankenfetzen | Glücksmoment | Ich | Menschen

Das neue Jahr klopft schon ganz leise an

von am 18. Oktober 2017

Ja, ich weiß. Dieses Jahr bin ich mit allem früher als letztes Jahr. Aber ich habe das Gefühl etwas nachholen zu müssen. Dieses Weihnachtsgefühl, diesen Zauber, den will ich so gerne langsam aufbauen und bewahren bis zum Fest. Ich will mich wohl fühlen in den letzten Wochen des Jahres. Vor allem, weil sich am 12. Dezember der Todestag jährt.
Ein Jahr ohne Mama und es gab mehr Tiefen als Höhen.
Ich versuche mir Wohlfühlmomente zu verschaffen.
So habe ich schon jetzt begonnen, Weihnachtskekse zu backen. Zimtsterne und Vanillekipferl sind schon in den Dosen. Weitere Köstlichkeiten werden folgen.
Heute habe ich sogar schon die ersten Geschenke organisiert. Ich merke schon, ich übernehme Mamas System. Kaufen, verstauen und so entspannt wie möglich planen.

Was ich vom neuen Jahr erwarte? Was soll ich schon erwarten? Es soll sich nicht so taub anfühlen. Ich will diese Ohnmacht abschütteln, ich will mich wieder wohlfühlen in meiner Haut. Und da gehören diese alltäglichen Sachen, wie backen, kochen und putzen dazu.
Ich habe lange meinen Po nicht hochbekommen, das werde ich nun ändern. Ich versuche nun regelmäßig was zu tun und mich nicht von der Traurigkeit überwältigen zu lassen. Ich kann auch traurig Kekse backen. So wie ich für die ersten Geschenke schon traurig fotografiert habe. Aber der Traurigkeit verflog, dank lachneder Kinderaugen.

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Menschen | Musik | Wegbegleiter

Ich laufe nun nicht mehr hinterher

von am 5. September 2017

Ich habe die Schnauze voll. Von mir und meinem Rumgeheule. Keiner sieht mich, keiner wartet auf mich, niemand nimmt mich mit, da ist keiner, der mich integrieren mag.

Erst einmal weiß ich, dass das ja nicht nur so ist. Dieses nicht mehr mitkommen und sich ausgeschlossen fühlen, das ist nur in einigen Bereichen in meinem Leben. Zugegeben in einem Lebensteil, aber eben in einem Teil, der mich mal ausgefüllt hat.
Freundschaften haben sich dort verädnert. Und durch meine „Lebenspause“, die ich einlegen musste, haben wir verschiedene Wege eingeschlagen. Ich bin da niemanden böse. Ich gönne es den Menschen, die sich neue Bereiche erschlossen habe, wo ich eben nicht mehr so wirklich reingehöre. Das ist eben Leben es ändert sich. Und auch wenn ich fordere, geht doch einfach wieder so um mit mir wie früher, verstehe ich nun endlich, dass ich mir das zwar wünschen kann, dass dieses aber nicht mehr so einfach geht.

Ich kann nicht mehr so unbeschwert planen wie früher. Ich habe neue Aufgaben, die mir obliegen und die ich eben erfüllen muss. In einem Maß, in dem ich zwar noch existiere und auch Sachen für mich mache. Aber ich kann nicht mehr so sein wie früher. Wie kann ich dann erwarten, dass man wie früher mit mir umgehen kann.

Die letzten Wochen habe ich mich abgehängt gefühlt. Von Menschen, die mir mal sehr nahe standen und mit denen ich viel unternommen habe. Ich blieb stehen, sie gingen weiter. Ich brauchte Luft zum atmen, sie konnten sich in die Massen stürzen.
Die Wege gingen auseinander.

Ich fühle mich noch immer abgehängt, aber ich habe was geändert.

In den letzten Wochen habe ich allen hinterhergebrüllt, sie mögen doch bitte auf mich warten und mich mitnehmen. Aber das war nicht von Erfolg gekrönt. Ich fühlte mich wirklich schlecht damit und suchte die Schuld bei mir. Aber es hat niemand Schuld, und wenn, dann ist eben die Zeit dran Schuld. Die ging nämlich weiter, während ich mich verkrochen habe, um mich neu zu strukturieren. Nun wäre ich für all die Menschen wieder da, aber ich werde nicht mehr gebraucht, denn in diesem Lebensteil ging es ohne mich weiter.

Ich bin mir jedoch mehr wert, als mich ständig anzubieten. Die betreffenden Personen wissen mittlerweile wie es mir geht. Mehr kann ich nicht tun.
Ich kann mich nun nur noch auf meinen Weg konzentrieren und von meinem Standpunkt meinen Weg weitergehen.

Ich habe so viel, was ich ja trotz allem weitergemacht habe und wo ich nicht hinterherlaufe. Da bin ich dabei und muss nicht rennen. Ich muss mir wieder eigene Wegpunkte schaffen. Solche Punkte, die die anderen, die mich abngehängt haben, eben nicht haben. Ich muss mir am wichtigsten sein und mich auf meinen Weg konzentrieren.

Und wenn es nicht mehr die Menschen von früher sind, dann werden es neue sein.

Ich möchte nun doch konkret werden. Ich renne nun nicht mehr hinther. Ich mache weiter, wo ich zurückgelassen wurde und freue mich, wenn aus dem alten, brachliegenden Lebensbereich sich Menschen umdrehen und mir winken, weil sie es wollen. Und nicht weil ich immer um deren Aufmerksamkeit buhle.

Mein Weg wird weiter die Musik sein, der Gesangsunterricht und der Chor. Meine eigenen Songs, meine Geschichten und meine Fotografie.

Das werden meine Wegpunkte sein. Und die Szene rund um Anime und Cosplay muss nicht auf mich warten. Das mach ich in meinem Tempo weiter und ich hoffe auch, dass die Menschen, die meine Freunde sind, das respektieren. Ich gönne jeden seinen derzeitigen Wegpunkt. Und auf jeden Berührungspunkt des Weges freue ich mich jetzt schon. Aber hinter diese Kreuzungen renne ich nicht mehr her, denn das würde eh nix bringen.

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360° Blickwinkel | Glücksmoment | Ich | Menschen | Musik

Menschen, die sich in mein Herz schleichen

von am 17. Juni 2017

Ich bin zwischenmenschlich gesehen ja ne harte Nuss.

Hier auf meinem Blog schreibe ich, was ich denke. So frei von der Seele. Im Real Life tu ich mir damit ja schwerer. Ich bin nett, hilfsbereit, aber mir fällt es schwer mich bei „Fremden“ zu öffnen. Natürlich rede ich, aber mit Hemmungen.

Trotzdem bin ich gern unter Menschen und wenn man mir genug Zeit gibt, dann klappt das auch mit dem zwischenmenschlichen Kontakten. 

Nach einem Jahr Chor knüpfe ich tatsächlich die ersten Kontakte, und das tut so gut. 

Da schleichen sich Menschen mein Herz, die ich nicht mehr missen möchte. Auch wenn es im großem und ganzen sich auf das musikalische fokussiert, es tut gut zu wissen, dass da Menschen sind, die einem zum Lachen bringen, die mich nehmen wie ich bin.

Ich bin dankbar für diese Erfahrungen, die ich da machen darf.

Der Chor, meine Heimat, meine Wohlfühlzone und etwas wofür es sich lohnt weiterzumachen. Dieser Chor kam einfach zur richtigen Zeit in mein Leben, Behinderung ist egal und auch die Trauer weicht. Wir sollten viel öfter proben… 

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Gedankenfetzen | Ich | Mamalächeln | Menschen | Trauer

Da gibt es keinen Knopf

von am 11. Juni 2017

Mein Blog klingt echt schwer in den letzten Wochen. Mir ist schwer ums Herz, und doch gibt es diese glücklichen Momente, wo sie eben nur ganz kurz fehlt.

Das Leben geht eben weiter, jeden Morgen geht die Sonne wieder auf, es gibt die großen und kleinen Sorgen, die gemeistert werden müssen. Und den Sachen stelle ich mich. Es geht, ich komm zurecht. Aufgaben sind jetzt halt andere. Und ich kann nicht so weiter machen wie vorher, dass ist ganz klar.

Ich bin eben näher an meinem Vater dran, um im Alltag zu helfen. Und ich helfe ja auch gern. Für mich ist das selbstverständlich. Das hat eben alles mit Mamas Tod zu tun. Wie ich bin, was mein Leben nun ist, warum ich Dinge tu, die ich tu.

Warum ich diesen Blogbeitrag schreibe?

Gestern war er wieder da. Dieser Satz, diese Frage… ob ich denn nicht genug getrauert hätte.

Ich dachte ich kann das mit einem Schulterzucken abtun. Aber es tut weh, wenn man so etwas hört. Und dann noch von nem guten Kunpel.

Ob es nicht langsam mal gut ist….

Trauer, das ist nicht wie eine Platzwunde am Knie… die heilt nicht einfach nach drei Wochen und dann ist alles weg. Trauer kann man nicht mit einer Pille heilen. Und es gibt auch keinen Knopf. 

Trauer ist ein so tiefes Gefühl, das gräbt sich in dich rein. Und je näher du einem Menschen warst, desto schlimmer ist es. Bei meinen Omas war ich traurig, aber das ist nicht im geringsten zu vergleichen. Mamas Tod löst anderes in mir aus. 

Es begleitet dich, täglich und fordert Raum. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag weinen muss. Ich lache, ich freue mich über das Leben. Aber es kommen eben immer wieder diese Momente, die, die weh tun. Die tief unter die Haut gehen und in denen du schlucken musst.

Abstand gewinnen ist ja ein kluger Rat…

Aber, das kann ich nicht, den mein Leben hat sich unmittelbar geändert. An den banalsten Stellen merkst du, wo sie fehlt. Heute, ich hab das erste Mal selbst Wurstsalat gemacht.

Ich übernehme viele Aufgaben von Mama. Weil es die Situation erfordert. 

Und so ist der Verlust immer spürbar, im banalen Alltag 

Ist es nicht langsam mal gut?

Es fühlt sich an, als wäre ich unnormal, als hätte ich mich verändert. Als wäre ich eine andere. Bin ich vielleicht…. 

Aber muss ich mich dafür entschuldigen, dass ich manchmal traurig bin, dass ich weine, dass meine Mama noch immer ein Thema ist?

Ist das denn normal? Sich für Trauer schlecht zu fühlen?

Ich mag wieder mehr Alltag, aber das was ich nun lebe, das ist mein neuer Alltag… dafür will ich mich nicht entschuldigen. Denn für den Alltag und meine Gefühle gibt es keinen Knopf.

Es ist eher wie meine Narbe am Rücken, nach Belastung zwickt es immer mal wieder, mal mehr mal weniger. Dann ziehe ich mich eben kurz zurück, halte inne und atme. Und dann geht es weiter.

Ich komme zurecht, aber mein Rhythmus ist ein neuer.

Ob es langsam mal gut ist?

Ich würde gerne ja sagen. Und ich sage das auch, das Leben, mein Leben, wovon ich nur eines habe, ist gut so wie es ist. Denn es wird sich nicht mehr ändern. Und in diesem Leben braucht auch meine Trauer einen Platz. Und wenn die Menschen das auf meinem Weg nervt? Kann ich es nicht ändern…. ich bin noch ich, aber eben mit neuen Aufgaben im Alltag die es zu bewältigen gilt, aber dabei bin ich noch immer ich, wenn Zeit dafür ist.

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360° Blickwinkel | Gedankenfetzen | Glücksmoment | Mamalächeln | Menschen | Seelenbilder | Übergewicht | Wegbegleiter

Ein Doo in F, Sonnenschein und Eis

von am 25. März 2017

„Lass die Sonne in dein Herz, schick die Sehnsucht himmelwärts…“

So lautet eine Zeile der Schlagergruppe Wind. Das Lied ist echt schon alt, aber wenn ich den heutigen Tag Revue passieren lasse, dann beschreibt diese Zeile es einfach am besten, wie es mir geht.

Heute ist ein grandioser Frühlingstag, etwa 14 Grad, der Wind ist noch frisch und er erinnert noch an den vergangenen Winter. Aber es ist sonnig, der Himmel ist blau und die Farben erstrahlen. Nun befinde ich mich nach einer sehr tollen Chorprobe mit meinem schmerzenden und fiesen Rücken halb liegend auf dem Sofa in der Sonne und möchte meine Gedanken aufschreiben.

Ich habe heute die Sonne in mein Herz gelassen. Und meine Sehnsucht zu meiner Mama himmwärts geschickt. Und… ich war nur ganz kurz traurig. Denn den Frühling, kurz vor Ostern, diese Zeit mochte sie sehr. Sie hat immer ihre Wohnung  dekoriert, hat die Hasen rausgeholt und Blumen gekauft. Narzissen, Tulpen, Primeln.

Auf meinem Tisch hier im Wohnszimmer steht auch ein Bund mit Tulpen, sogar meinem Papa habe ich einen Bund mitgebracht. Er macht sich da eigentlich nicht soviel draus, aber irgendwie war es mir ein Bedürfnis diese Tradition meiner Mama fortzusetzen. Im Frühling beginnt eben neues Leben, ein neuer Zyklus. Ein ganz neuer Lebensabschnitt.

Heute morgen las ich sehr gerührt einen Kommentar unter meinem letzten Blogbeitrag. „Die Leserin“ hat mir einen richtig hilfreichen und vor allem lieben Kommentar unter meinem doch eher depressiven Post geschrieben. Dafür möcht ich an dieser Stelle DANKE sagen. Der kam genau richtig.

Trauer muss nicht immer nur negative Gefühle beinhalten. Liebe, ja auch Liebe ist ein Gefühl von Trauer. Ich war auch nicht wirklich traurig, als ich an meine Mama und ihre Traditionen der ersten Frühlingstage gedacht habe. Schwermütig, oder besser melancholisch war ich. Aber ich hatte Freude ihre Hasen aus der Dekokiste zu kramen und zu verteilen. Und mein Herz hüpfe, als ich die Tulpen auf den Tisch stellte.

Ich weiß was „Die Leserin“ mit ihrem Kommentar meint, wenn sie schreibt, dass die Trauer nicht weg geht, sondern das sie einen gesunden Platz im Leben haben soll. Ja, ich glaube heute war so ein Tag, die Trauer war da, ich habe an meine Mama gedacht und trotzdem hatte ich einen sehr schönen Tag. Von den Rückenschmerzen mal abgesehen.

Aber mit der Trauer ist es wie mit meinem kaputten und verhunzten Rücken. Es kommt auf die Sicht der Dinge an. Das habe ich heute gelernt. Und diese Einsicht bringt mich auf meinem Trauerweg weiter nach vorne. Ich muss diese Gefühle einfach zulassen, notfalls Innehalten und das Leben weiterleben, was mich erfüllt.
So habe ich eben heute meine Rückenschmerzen genommen, die Zähne zusammengebissen und mit meinem Sitzkissen die Chorprobde durchgezogen. Um welchen Preis? Der Rücken tut noch mehr weh, ich hänge hier gerade wie ein Schluck Wasser in der Kurve, neben mir der Hund. Aber die Rückenschmerzen sind, nein, nicht egal, aber ich weiß, warum ich sie habe. Weil ich gesungen habe, etwas gemacht habe, was mich mit Freude erfüllt hat. Und dann nehme ich auch den unangenehmen Rückenschmerz in Kauf. Bis spätestens Montag ist der wieder weg, solange übertünche ich den Schmerz mit den vollklinden Doos in F und einem knackigen Scat Calypso und den vielen lachenden Chormitgliedern.

Und auch mit meiner Trauer werde ich nun so umgehen können. Denn es ist ebenfalls ein Schmerz. Der tut eben nur anders weh. Ich werde die Schmerzen annehmen und schauen, was ich trotz ihnen machen kann und zulassen, dass der Schmerz der Trauer an die Oberfläche tritt. Denn mir ist nun bewusst, dass es neben dieser schmerzlichen Trauer eben auch die „schönen Seiten“ der Trauer gibt. Nämlich die positiven Erinnerungen, die mit der Trauer ebenfalls einhergehen können. Wie die Tulpen und der Sonnenschein heute.

Mir ist völlig klar, dass diese Tage auch weiterhin kommen werden, wo es einfach nur schwer ist und ich weinen muss… Aber, das nehme ich an… so wie diesen Rückschmerz nach der Chorprobe… Solange es immer etwas gibt, was mehr wiegt als die negativen Empfindungen, wird alles wieder gut.

Ich sitze hier, höre Sasche, wie er bei Kibo.FM moderiert, der Kater liegt auf dem Esstisch… Ja, fragt besser nicht. Oscar liegt eingekringelt neben mir auf dem Sofa. Vor mir liegt das Handy. Als Wallpaper habe ich ein Bild von mir mit meiner Mama. Sie lächelt mich an und hält ein Bonbon mit goldenem Papier in die Kamera. Sie grinst mich an. Und ich sitze hier, habe ein Eis mit Vanille und Keksstückchen und muss zurückgrinsen.

Denn ich weiß, was sie sagen würde.
Claudia, so ist es richtig. Lass es dir gut gehen und achte auf dich.

Und beim Thema Chor? Da würde sie mit mir lachen… denn…. Wir „tanzen“

Ich blicke aus de Fenster. Es ist 18:33 und die Frühlingssonne geht langsam unster. Man sieht ein helles Orange am Horizont. Die Vögel zwitschern mit Kiras Schnurren um die Wette. Irgendwo da lacht meine Mama jetzt bestimmt und denkt sich:

„Ach herrje, meine Große singt und tanzt. Wie ein Affe auf dem Schleifstein!“

Aber ich weiß, sie wäre stolz auf mich.

Das Leben geht weiter, das Leben ist schön, es erfüllt mich so Vieles mit einem Sinn. Das musste ich nur wiederfinden.

Es ist schade, Mama, dass du das nicht mehr Live miterleben kannst, wie ich zu einem freudigen Doo meine Arme im Rhythmus bewege, aber ich weiß, du bist bei mir.

Diese Gedanken stimmen mich wieder melancholisch, ein wenig traurig aber sie bringen mir auch die Sonne in mein Herz.

„Lass die Sonne in dein Herz, schick die Liebe himmelwärts…“

Ja, jeden Tag ein wenig mehr, denn ja, diese Phrase stimmt.

Zeit heilt alle Wunden und eine Narbe bleibt zurück, die es mit Sonnenschein zu pflegen gilt. Und dafür habe ich viele Dinge in meinem Leben, die mir den Sonnenschein bringen.

Ein Doo auf F, Eis und zwei Frauen mit Zauber im Herz.

Und natürlich die besten Freunde der Welt.

Ja, mir geht es gut, ich habe die Sonne im Herz und langsam eine Ahnung, welche Richtung mein Trauerweg nimmt.
Ich sehe wieder ein Licht auf diesem Weg. Die Sonne, die ich eben immer wieder erneut ins Herz lassen musst.

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Die Sache mit der Stimme – Oder: Warum mir diese Frau so unheimlich ist

von am 15. März 2017

Schlaf. Geschlafen habe ich früher gerne. Ich konnte mich hinlegen, bin eingeschlafen, habe durchgeschlafen. Meistens.
Seit Mamas Tod ist das anders. Schlaf? Was ist das? Kann ich das kaufen? Und dieser Schlafmangel macht sich in allem bemerkbar. Ich bin angespannt, kann nicht locker lassen, bin stets auf dem Sprung.
Das macht mir nicht nur mehr Rückenschmerzen als sonst, sondern diese Anspannung geht vor allem auch auf die Stimme. Sie klingt nicht so frei, nicht so selbstverständlich. Und das nervt mich natürlich zusätzlich.

Heute hatte ich Gesangsunterricht. Manchmal glaube ich ja, dass an der lieben Jasmin eine Hobbypsychologin verloren gegangen ist. Heute erzählt sie mir doch glatt was von loslassen, weitmachen und das man an meiner Stimme hört, das ich drüber bin. Weil ich höher rede, als meine Brustsingstimme es vermuten lässt.
Und irgendwie hat sie heute Worte dafür gefunden, die mich berührt haben. Und beruhigt haben? Kann man das sagen? Ich fühlte mich geerdet und locker, wie seit Wochen nicht mehr. Es fühlte sich alles ganz warm an und ich fühlte mich müde. Einfach, weil sie das aussprach, was mir schon seit Wochen im Kopf rumgeht. Das ich einfach mich wieder mehr reflektieren muss, locker lassen muss. Entspannen soll.

Nun habe ich eine Hausaufgabe. Ich soll meine Stimme beobachten und schauen, wann sie eine Tendenz in die Kopfstimme bekommt. Innehalten, kurz durchatmen und mich reflektieren.

Warum kann diese Frau das? Immer gerade zur richtigen Zeit die richtigen Worte finden? Warum weiß die, zum Geier, was mit mir los ist? Und warum bringt die mich immer zum Heulen? Zum Glück nicht direkt beim Singen, aber der Kloß war schon da. Während ich locker die Sandé gesungen haben „Read all about it“ merkte ich schon, das ich mit dem Weit werden im Hals und im Loslassen in den Muskeln noch mehr den Weg bereitet habe. Anspannung von Wochen fiel ab. Die hatte ich alle gar nicht auf dem Schirm, aber die werden wohl irgendwo in mir gesessen haben. Da sitzt diese Frau mir gegenüber und kitzelt das aus mir raus, was ich eigentlich gerne in mir einschließen würde.

Im Moment versuche ich soviel, um wieder mehr zu mir zu finden, alles zuzulassen und es nicht einfach stumm wegzuschließen. Vieles versuche ich, aber so wirklich bringt es nichts.

Trauergruppe ist nett, ich merke, ich bin nicht alleine, aber viel hat das bisher nicht genützt.
Das schafft nur die Musik, der Chor, der Gesang und die Tee. Auch wenn ich an mir arbeiten muss, diesen blöden Kram zuzulassen, aber sie scheint es ja irgendwie zu schaffen. Sie scheint es wie so ein Trüffelschwein zu riechen und buddelt es aus. Das ist unheimlich. Als würde die deine Seele besser kennen als du selbst….
Oder hat man als Musikerin automatisch solche Antennen… Ich kann es mir nicht vorstellen.

Heute habe ich einen Entschluss gefasst. Was soll ich zu einen Psychologen gehen, wenn es Menschen gibt, in meinem Umfeld, die, ohne es zu wissen, mir die beste Therapie der Welt zur Hand geben? Warum mich einem Fremden öffnen, wenn ich doch alles, was ich brauche, schon in mir habe und weiß, was zu tun ist? Ich habe das alles schon einmal durch und ich schaffe das nochmal. Ich muss nur wieder bewusster daran an die Wurzel des Übels. An meine Angst vor Gefühl, weil ich Angst habe, verletzlich zu sein. Und an meine Angst, es allen recht machen zu wollen. Ich muss einfach wieder mehr nur mir genügen und auf „Die Anderen“ (entschuldigt den Ausdruck) scheißen. Ich muss mir wieder die Wichtigste sein und Dinge so machen, wie ich sie kann. Ich mag mich nicht mehr rumschubsen lassen und mir einreden lassen „Du nimmst das nicht wichtig“, „Du kannst das nicht“, „Du bist eben nicht Mama!“.

Diese Hausaufgaben mache ich gerne. Atmen, still sein, und schauen, was stresst mich gerade und wie kann ich wieder zu mir und meiner Mitte finden. Einfach mir mehr Raum und Zeit einräumen. Das ist im Grunde ja nix anderes als die Achtsamkeitsübung bei der Schmerztherapie. Ich muss mir wieder mehr bewusst machen, das Leben ist schön. Alles ist gut und alles darf geschehen. Es zulassen, mit dem Wissen, es geht alles vorüber. Auch der schlimmste Heulkrampf. Und wenn ich dann ausshehe wie ein Waschbär? Dann ist das eben so.

Eine Woche lange auf mich achten. Das schaffe ich. Und wer weiß, wie es mir dann beim Singen geht. Einfach loslassen und kein Druck. Oh Ohhh, Oh, Oh, Oh, Ohhhh.

Ich weiß, da ist noch viel Trauer in mir, die mir zwischendurch die Kehle einfach zuschnürrt, die mich anspannt. Es ist ein Gefühl, das ich unterdrücken mag, warum auch immer. Aber da sind noch mehr Gefühle, die ich unterdrücken will. Wut und manchmal sogar… nein, es ist nicht Hass. Es ist Unverständnis, wie Menschen mit Lügen sich eine ganze Welt zusammenbauen können, unter der andere Leiden. So könnte ich es am besten beschreiben. Diese Gefühle, die ich wegschließen will, aber sich immer wieder den Weg bahnen. Denen mehr Raum zu schenken, diese zulassen können um mir gerecht zu werden, dass sollte die nächsten Tage mein Ziel sein, was immer das auch für Konsequenzen hat.

Es hängt alles zusammen. Mein Rücken, meine Panikattacken, meine Stimme. Mit dem Wissen und der Einsicht, Kari, stress dich nicht selber, nimm dich einfach viel mehr aus Situationen raus, so sollte ich die nächsten Wochen wieder meistern können und mich endlich besser fühlen.

Und dann auch wieder so singen wie heute, als hätte ich nie was anderes gemacht. Selbstverständlich, alles offen und einfach alles in die Musik an Emotionen hineinlegend. Es wird ein hartes Stück Arbeit, aber die investiere ich, für mein Wohlbefinden.

Der Frühling ist endlich da, es wird Zeit, das auch ich wieder erblühe. Und meine Gefühle schicke ich zu den Sonnenstrahlen, damit sie mich wieder mit Energie und postiven Schwingungen erfüllen.

Dieser Blogbeitrag ist der Start für eine besondere Achtsamkeitswoche.
Danke an die kleine Hobbypsychologin, die nicht nur meine Stimmebänder zum Schwingen bringt. Ganze Saiten meiner Seele möchten mitsingen und sagen mir: Mit Musik geht alles leichter.

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Gedankenfetzen | Ich | Mamalächeln | Menschen | Musik | Seelenbilder | Trauer

Darauf einlassen

von am 10. Februar 2017

Manchmal sitze ich hier auf dem Sofa und kann direkt durch die Tür in den Durchgangsraum schauen, den wir als Esszimmer eingerichtet haben. Dort steht eine Kommode mit einer kleinen Lampe darauf und direkt darüber hängt meine Mama, in Schwarz und Weiß und einer Schwesterntracht. Ich weiß nicht genau wie alt sie da war. Aber mein Papa erzählte mir, dass er sie genau so kennengelernt hat. Sie muss also um die 20 gewesen sein.

Ich ertappe mich dabei, wie ich mit ihr rede. Entweder schaue ich mir das Bild an oder ich schaue einfach hoch, an die Zimmerdecke, in den Himmel, wo immer ich auch bin. Das klingt ganz schön abgedreht, aber es hilft mir. Und ich habe das Gefühl, das es einfach so ist. Sie hängt da an der Wand und lächelt mit stumm mit ihrem verträumten, ernsten Blick zu. Ein Blick, der aber auch ganz viel Lebensfreude und Neugier ausstrahlt. Es ist mein Blick, wenn ich in den Spiegel schaue, traurig, aber voller Freude auf kommende Abenteuer. Nur hat sie nicht so schlimme Augenränder wie mein Spiegelbild sie aufweisen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mit mir redet. Oder mir eine Hand auf die Schulter legt. Sie ist einfach noch da. Hier bei uns und begleitet uns auf diesem Weg. Das spüre ich auch, wenn ich diese Zeilen schreibe. So viel von ihr ist hier. Nicht nur ihr geliebtes Halstuch um meinen Hals, oder Liese Lotte, die Puppe, die sie mir zum Geburtstag als Kind geschenkt hat. Blumen auf den Tisch, die wir uns sonst zusammen gekauft haben, das habe ich nun alleine gemacht, weil es immer so war. Das Windlicht mit der Eule, welches sie mir letztes Jahr geschenkt hat, weil ich es so toll fand. Ich will mir Leber kaufen, auch wenn nur ich die jetzt noch esse, aber auch das bleibt. Ich mag Leber noch immer, die habe ich immer mit Mama gegessen. Sie hat eben mein Leben geprägt.

Ich habe gestern Werbung gesehen. Die Joghurt Schnitte, ein Nebenprodukt der Milchschnitte gibt es jetzt mit Himbeere. Ich musste an Mama denken. Die hätte sie geliebt. Das weiß ich ganz genau. Nun kauft sie die nicht mehr zum probieren für uns. Aber ich werde das nun tun, und ich werde dabei an sie denken. Weil sie es nicht mehr kann. Es immer so war und sie uns das hiergelassen hat. Neugierig auf neues sein, ganz viel neues auszuprobieren, sich nie einschränken, ungewöhnliche Wege gehen. Und vor allem: Immer an das Unmögliche glauben. Sich selbst einschränken, dass kam für sie nicht in Frage. Weil sie sich eben so sehr in ihrem Leben durch die Krankheit hatte einschränken müssen, hat sie in den ihr möglichen Bereichen immer alles mitgenommen, egal wie ungwöhnlich es war. Hauptsache es ging ihr damit gut. So wurde eben auch neuer Joghurt probiert oder für Wasser 20 Cent mehr ausgegeben, weil die Eiskönigin auf der Flasche war.

Ich solle meinen Weg finden. Ich schreibe, ich singe, ich höre Musik. Ich lese Bücher über Mütter-Töchter-Beziehungen. Und das alles tut mir gut. Und ich gefalle mir in dieser doch ernsteren Version von mir sehr gut, denn trotz allem hat diese alte Claudia, die lacht und sich Glitzerkram kauft noch ihren festen Platz. Diese ernstere Claudia kann viel mehr über Dinge nachdenken. Ich musste mich erst darauf einlassen, mir selbst wieder gefallen. Mir zugestehen, das sich eben was verändert hat, was ich aus eigener Kraft eben dieses Mal nicht ändern kann. Und ich will neugierig auf Neues bleiben, so wie Mama.

Ich lasse mich im Moment auf viel neues ein. Ich lerne im Gesangsunterricht neue Sängerinnen kennen. Ich lasse mich auf neue Sounds ein. Und ich sauge das alles auf. Wohin mich das führt? Ich weiß es nicht. Ob anderen das gefällt? Das weiß ich nicht. Einige konnten damit nicht umgehen, mit dieser Veränderung, die ich gezwungener Maßen durchmachen muss. Aber in erster Linie muss ich mit mir klar kommen. Und das tu ich.

Ich kann durch diese Veränderung mich mit den Worten noch intensiver ausdrücken, ich kann mich einfacher auf Musik einlassen. Und ich glaube auch der Gesang an sich hat nochmal eine Schippe drauf bekommen.

Es verändet sich viel. Aber wenn man sich drauf einlässt, muss Veränderung nicht gleichzeitig schlecht sein. Das habe ich diesen fast neun Wochen nun begriffen. Mama ist nicht mehr da, aber sie hat Farben hier gelassen. Für die Erkenntnis muss ich der weltbesten Jasmin danken. Als hätte sie tief in meine Seele geschaut? Oder als könnte sie einfach nur super gut zuhören. Egal was es ist. Sie hat mich voll durchschaut.

Vielleicht ist es vorherbestimmt, was nun geschieht. Vielleicht war das der große Plan, auf den ich mich halt einlassen muss. Der anders läuft, als ich ihn mir erträumt habe. Denn ich konnte mir nicht vorstellen, nein, ich wollte mir nicht vorstellen, wie es ohne Mama weitergeht. Aber die letzten Wochen haben gezeigt, es geht weiter. Irgendwie.

Mir ist es gelungen ein paar Zeilen zu schreiben und diese tatsächlich zu vertonen.

Colors

So soll das gute Lied heißen. An Jasmin und Sascha geht schon einmal ein Dankeschön raus. Ohne euch wäre das nicht geglückt. Und ich mache noch mehr, was meine Mama immer gemacht hat. Groß denken. Denn nur wenn man es denkt, dann kann es auch wahr werden. Ich will mein eigenes kleines Mini-Album mir erarbeiten.

Me, Myself and Mum

6 Songtexte habe ich, es soll schlicht werden. Mal schauen ob es gelingt, aber ich will neugierig bleiben und mich nicht einschränken.

Ich schaue wieder durch die Tür zu meiner Mama. Sie lächelt noch immer still zu mir herüber, als würde sie ihren lockern Spruch gleich sagen:
„Mach doch, wenn du das willst. Mir doch egal.“

Und damit meinte sie immer lapidar.

„Ich stehe hinter allem, was du entscheidest Kind, weil ich weiß, dass du das richtige tust.“

Vertraut hat sie uns immer. Und deswegen weiß ich, dass sie mir auch dieses zutraut und mir vertraut. Ich mach diese Idee nicht wahr für andere, sondern für mich.

Den ersten Song Colors, den bekommt ihr hier auf dem Blog als Demo. Aber es wird noch dran gearbeitet.

Man muss sich einfach auf alles einlassen, denn ändern kann man an dem was geschehen soll und muss eh nichts. Man kann nur damit umgehen was geschieht. Und das tu ich nun, in Zukunft, hoffentlich einfacher als früher. Einfach drauf einlassen, mit der Gewissheit, alles wird gut immer.

 

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Gedankenfetzen | Ich | Menschen | Wegbegleiter

Um-Bruch

von am 30. Januar 2017

Mal wieder eine Nacht voller wacher Stunden. Mit vielen Gedanken in meinem Kopf. Gestern haben wir mit Freunden nochmal „Alles steht Kopf“ geschaut.
Ein toller Kinderfilm, dessen Botschaft man wohl erst ganz erfasst, wenn man erwachsen ist.
Was sagt Kummer zu BingBong?

„Ja, es tut weh, wenn man etwas verloren hat, was man liebt.“

Kummer hat so recht. Es tut weh, in jeder Faser deines Körpers. Als würdest du eine schwere Virusinfektion bekommen, so reißt es an deinen Gliedern. Dir ist flau im Bauch, dein Darm krampft, dein Kopf fühlt sich an wie in einer Wattewolke. Jede Bewegung fühlt sich schwer an. Minuten werden zu Stunden, Stunden fühlen sich an wie Tage. Während für meine Mitmenschen schon wieder 6 Wochen rum sind, sind es für mich erst 6 Wochen, die ich wie durch einen Nebel wahrgenommen habe.

Im Film geht es auch um das abstrakte Denken.

Auch ich denke im Moment viel Abstraktes.
Es geschieht so viel um mich herum, was ich nicht aufhalten kann. Weil es nicht in meiner Macht steht. Weil ich zu schwach bin, weil es im Leben Dinge gibt, die einfach geschehen….

„Dein Leben verändert sich gerade. Du ordnest dein Leben neu, weil gewohnte Strukturen weggefallen sind.“
(Weisheiten meiner lieben Anja)

Ja, aber diese Veränderung ist so viel mehr. Sie ist ein Umbruch. Umbruch. So ein komisches Wort. Was soll das heißen? Auf den ersten Blick scheint es so, als würde man etwas umkrempeln, auf eine gegenüberliegende Seite bringen.
Aber es bedeutet viel mehr, es ist fast so wie das Wort Tod.
Um-Bruch

Um. Etwas ist um. Vorbei. Unwiederbringlich beendet. Now old friends are acting strange. Meine Mama, die um ist. Ihr Leben ist um. Freunde verhalten sich anders. Weil bei mir etwas um ist. Meine Unbeschwertheit. Ist um.
Um. Weg, für immer. Ich kann diese Sachen nicht wiederherstellen. Meine Mama kommt nicht wieder.
Um. Jetzt verstehe ich. Ich verstehe was um bedeutet. Erst jetzt. Jetzt wird mir das Wort, die Bedeutung von „Um“ in Umbruch klar.
Und ich kann nichts ändern daran. Wenn etwas um ist, dann ist es vergeblich, darum zu kämpfen. Vor allem dann, wenn mit diesem einen Um andere Ums aus der Vergangenheit wieder auf den Plan treten.

In „Alles steht Kopf“ war es das Unterbewusstsein. Dinge, vor denen man Angst hatte, die werden dort weggesperrt. Broccoli zum Beispiel, der Staubsauger der Oma, ein fies grinsender Clown. Das kann ich so gut nachvollziehen. Auch ich habe da diese Dinge drin. Dinge, die schon vor Jahren „Um“ waren von einem Umbruch, von einer Veränderung.
Mit dem jetzigen „Um“ kommen die wieder jedoch wieder hoch. Als würde das eine „Um“ wie ein Schlüssel in das Unterbewusstsein passen und das alte „Um“ freundlich begrüßen. Hey komme, lass uns Party machen.
Und alles, was damals war, erfüllt mich mit den gleichen Gefühlen, die ich bei dem jetzigen „Um“ durchmache. Damals hatte ich Panikattacken, Herzrasen, Angst vor dem Unbekannten, Beklemmungen, Schwitzen, Schlaflosigkeit. Einfach einen riesen Schiss vor dem „Um“. Es hat was in mir kaputt gemacht. Ich habe es in mir eingeschlossen. Tief in mir drin. Um daran nicht zu zerbrechen.

Als meine Mama nun starb, kam dieses Gefühl des alten „Um“ wieder raus. Und vermischt sich nun mit dem „Um“ aus dem Unterbewusstsein. Die beiden „Um“ verstärken sich nun gegenseitig. Und ich komme mir vor, als würde ich verrückt werden. Ich will dieses „Um“ nicht, ich will mein Leben wieder, wie es war. Aber meine Mama kommt nicht wieder. Mit „Old Friends“ scheint es keine Chance zu geben, etwas zu kitten.
Weil ich mich verändert habe. „They shake their head, they say I’ve changed“.
Ja, diese Veränderung ist eben auch ein Um….

Nur dieses „Um“ ginge vielleicht ja noch.
Aber in Umbruch steht auch noch Bruch.

Etwas zerbricht, knackt laut, geht kaputt. Natürlich kann man Brüche zum Teil reparieren. Knochenbrüche werden gegipst. Ein gebrochenes Möbelstück kann man leimen.
Aber was ist mit den Brüchen der Seele. Die heilen sicher auch. Aber da werden immer Narben drauf sein, die nicht verschwinden. Da hat meine liebe River schon recht. Die Zeit heilt den Bruch, aber die Narbe bleibt.
Auch bei dem Möbelstück und beim Knochen. Auch wenn nach einem Bruch etwas repariert wird, du wirst die Stelle immer sehen, die repariert wurde. Es ist nichts mehr wie es war. Es ist anders. Verändert. Kaputt und nie mehr so stabil.

Was bleibt mir nun zu tun in dieser ausweglosen Situation?

Natürlich könnte ich in die Offensive gehen. Ich könnte lauthals den Tod verfluchen. Aber das ändert nichts am Um und nichts am Bruch.
Ich könnte nun zu der Welle der „Old friends are acting strange“ eine öffentliche Gegenbewegung starten.
Überall und jedem erzählen, was beim „Um“ und „Bruch“ geschehen ist. Das ich doch einfach nur eine Schulter wollte zum Anlehnen, einen Menschen, der zuhört…
Und nun hören viele zu, aber nicht meine Worte… Weil mich nie einer gefragt hat. Und die, die fragen, keine Armee bilden und für mich in die Schlacht ziehen. Weil ich das nicht will.
Weil das mein Um-Bruch ist. Das hat nichts mit den Menschen zu tun, die mir beistehen. Da reicht mir das Wissen, sie sind da.

Ich muss mit Mamas Tod umgehen, ich muss mit Unverständnis umgehen und mit dem Vorwurf, ich habe mich verändert. Das ist meine Sache….
Ich nehme alles an, was jetzt passiert. Die Narben sind schon da, waren schon beim ersten Um-Bruch tief.

Frei nach dem ABBA Song.

When all is said and done

„It’s so strange when you’re down and lying on the floor

How you rise, shake your head, get up and ask for more

Clear-headed and open-eyed

With nothing left to try

Standing calmly at the crossroads, no desire to run

There’s no hurry any more When All Is Said And Done

Und auch Joni Mitchell hat recht

„Something lost, somthing gained in living every day“

Eines steht jedoch fest. Zu so einem Umbruch gehören immer zwei Parteien. Und beide tragen Verantwortung für einen Umbruch. Meine Mama starb… Sie muss nun auf mich aufpassen. Ich lebe noch.
Danke an Sandra an dieser Stelle. Ja, auf mich wartet noch so viel, was ich meiner Mama berichten kann.

Vielleicht stimmt es. Ich habe mich verändert, das war mein Teil, den ich ohne Beschönigung zugeben muss.
Ich kann nur so sein, wie Kari eben ist. Mich zurückziehen, die Menschen sich einfach eine Meinung über mich bilden lassen und es aushalten. Ich habe keine Zeit und keinen Kopf, mir darüber Gedanken zu machen, ich muss erstmal den Bruch verheilen zu lassen.
Denn bei einem „Um“ und „Bruch“ ist es wichtig, es eben geschehen zu lassen, damit es besser heilen kann. Je mehr man versucht dagegen anzukämpfen, desto mehr tut es weh.

Um-Bruch? – Zu-lassen!

Das Schicksal wird wohl wissen was es tut.
Und ich? Ich muss schauen, dass es mir und meiner Psyche gut geht….

Denn wenn alles gesagt ist, dann braucht man sich keine Gedanken zu machen. Und ich glaube tatsächlich, es wurde alles gesagt….. aber es kam nicht an. Der Tod ist eben taub und einfach unfair….

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