Advent

Der kleine Weihnachtsstern ~ 12

von am 12. Dezember 2017

Abraham kam erst gegen Mittag in den Stall. Der kleine Stern saß die ganze Nacht einfach auf dem Strohballen und grübelte über die Worte des Engels nach. Er hatte ja keine andere Wahl, er musste einfach daran glauben, was der Engel ihm erzählt hat.
„Hey, kleiner Stern, was machst du denn schon hier.“
Der kleine Stern schaute zu Abraham und dann erzählte er Abraham von dem Engel.
„Du glaubst nicht, was mir heute Nacht geschehen ist. Es ist unglaublich….“
Und der Stern erzählte und erzählte und konnte gar nicht mehr aufhören. Wenn er sich selbst so zuhörte, konnte er fast selbst nicht daran glauben, was alles geschehen war.
„Das ist echt eine unglaubliche Geschichte, aber warum soll das alles auch nicht geschehen sein?“
Der kleine Stern war noch immer nicht überzeugt. Natürlich war das alles irgendwie geschehen, aber vielleicht hatte er auch nur geträumt. Konnte das alles wirklich geschehen sein? Oder war er nachts irgendwo gegen geflogen und hatte sich so richtig dolle den Kopf gestoßen? Er hatte wirklich große Zweifel. Glauben, glauben war wirklich schwer.
„Du bist wirklich davon überzeugt, dass das alles so ist, oder Abraham? Du glaubst das alles?“
„Natürlich glaube ich das alles.“
„Wie kannst du an etwas glauben, was du nicht gesehen hast. Ich kann diese Engelsgeschichte ja nicht beweisen.“
Abraham stutze. So etwas fragte der kleine Stern, ein Wesen, an den die Menschen ja auch glauben mussten, weil nicht alle ihn sahen.
„Ach kleiner Stern. Vielleicht musst du nur das Wort Glauben verstehen. Glauben ist ein großes Wort. Vielleicht kann ich es dir erklären, wie Glaube sich für mich anfühlt. Glaube ist so etwas wie Hoffnung. Ich glaube daran, dass ich bald wieder nach Hause zu meinen Freunden komme. Ich weiß es nicht, denn ich weiß ja nicht, was in Zukunft geschieht. Vielleicht werden wir hier in Bethlehem noch überfallen. Oder wir geraten in der Wüste in einen Sandsturm. Aber mein Glaube gibt mir Kraft, dass ich das alles überstehe. Und um das Wort nochmal zu übersetzen. Meine Hoffnung, dass das alles so geschieht, das hilft mir. Und Hoffnung oder Glaube ist für mich stets Licht. Ein Licht, das da ist, auch wenn es dunkel ist. Nachts, wenn die Sonne nicht scheint, dann weiß ich ja trotzdem, dass die Sonne wiederkommt. Ich kann sie zwar nicht greifen, ich sehe sich auch nicht, aber dieses Licht ist in mir. Und sie hilft mir die Nacht zu überstehen. So wie der Glaube mir hilft, diese Zeit ohne meine Freunde und meine Oma zu überstehen. Verstehst du das, kleiner Stern.“
Der kleine Stern nickt zaghaft.
„Ich denke schon, ich weiß nicht was passiert, aber ich habe die Hoffnung, dass alles gut wird. Also glaube ich an das, was geschehen ist und ich glaube auch daran, dass ich meinen Sinn finden werde.“
„Richtig. Und jetzt? Wollen wir endlich den Stall reparieren?“
„Ja, lass uns starten.“

Und? An was glaubt ihr denn? Welche Hoffnung lebt in euch. Glaube hat nicht nur mit Gott zu tun. Glauben ist alles, was euch Mut gibt, weiterzumachen und an euren Träumen zu arbeiten. Niemals aufgeben, dass macht Glaube möglich. Ihr könnt an eure Freunde glauben, an euer Talent, ihr könnt es Schicksal oder Fügung nennen. Oder eben Gott.
An etwas zu glauben gibt Mut und Durchhaltevermögen, egal wie schwer das Leben manchmal ist. Und es fühlt sich immer an, wie ein kleines Licht, welches uns das Leben erhellt.
Der kleine Stern erhellt uns morgen unser Türchen Nummer 13.

weiterlesen

Advent

Der kleine Weihnachtsstern ~ 11

von am 11. Dezember 2017

„Kleiner Stern, siehe, ich verkünde dir heute eine große Freude. Ich beobachte dich schon, seit du dich als Sternschnuppe auf den Weg zur Erde gemacht hast. Es freut mich, dass du es schon bis hierhergeschafft hast. Bald wird alles einen Sinn ergeben und deine Suche wird ein Ende finden. Habe ein wenig Geduld, kleiner Stern, und mache das, wofür du bestimmt bist. Du muss deine Aufgabe erfüllen.“
Der kleine Stern lauschte gebannt den Worten des Engels.  Und er wurde ungeduldig, was war denn jetzt der Sinn, welche Aufgabe sollte er erfüllen?
„Dann sag mir doch auch, was ich tun muss und was mein Sinn ist. Ich suche doch schon so lange und verstehe noch gar nichts.“
„Nein, kleiner Stern, verraten kann ich dir nichts. Das musst du ganz alleine herausfinden. Ich kann dir nur sagen, dass dieses hier der Ort ist, der dir deine Antworten gibt.“
„Warum kannst du es mir denn nicht sagen? Engel, ich bitte dich. Ich weiß nicht, ob ich es alleine erkennen kann.“
„Du wirst es erkennen, kleiner Stern, aber es ist wichtig, dass es von dir selbst kommt. Keiner kann dir sagen, was für dich wichtig sein soll. Denn jeder Stern ist anders. Es sind ähnliche Sachen, aber für jeden ist es etwas völlig Neues. Der Sinn ist niemals völlig gleich, der Sinn kann Parallelen aufweisen. Vielleicht kreuzen sich die verschiedenen Sinne auch. Aber niemals hat ein Stern den völlig identischen Sinn. Aber damit es genau dein Sinn ist, darf ich ihn dir nicht verraten. Du sollst nichts kopieren. Keinen Sinn und keinen Stern. Sei einfach nur du selbst. Mit allem. Mit deinen Fragen, mit deiner Suche und deinen Ideen, wie du deinen Sinn erkennst. Nur dann findest du deinen wahren, reinen Sinn.“
„Aber ich habe Angst, dass ich das nicht schaffe.“
„Ach, kleiner Stern, Angst ist völlig normal. Es kommt etwas auf dich zu, was noch keiner vorher erlebt hat. Man kann dir Ratschläge geben. Ich kann dich warnen, dich lehren und dir versprechen, dass am Ende alles gut wird. Aber loslaufen, hinfallen und wieder aufstehen, dass musst du allein. Dann musst du warten, bis der Staub sich gelegt hat, nach deinem Sturz und du wirst erkennen, dass es jede Schramme wert war. Dazu gehört Mut. Lach deine Angst ins Gesicht und laufe los.“
„Ich schwebe dann wohl eher los.“
Der Engel lachte.
„Ja, du schwebst, du hast recht. Verzage also nicht. Am Ende deines Weges, wird sich alles zum Guten wenden.“
Mit diesen Worten stieg der Engel Gabriel wieder in den Himmel zurück und hinterließ einen friedlich schlafenden Stall und träumende Menschen in der Stadt Bethlehem.

Jeder soll seinen eigenen Sinn finden. Ich glaube, für uns Menschen gilt das auch. Wir haben unseren eigenen Weg, unseren eigenen Sinn und zu den sollen und müssen wir stehen. Stolz sollen wir sein. So wie wir sind, so sind wir richtig. Auch mit unseren Ecken, Macken und Kanten. Wie der kleine Stern sind wir wohl alle einmalig. In unserer Mischung und auf unserem Weg. Du hast einen Stein auf dem Weg, den ein anderer vielleicht nicht hat. Aber schaue nicht neidisch zu dem anderen rüber. Kletter über deinen Stein. Denn es lohnt sich alles. Und wenn du dann einen freien Weg hast, bekommt der andere einen Stein auf dem Weg. Dann kannst du von deinen Erfahrungen erzählen, aber drüberklettern muss jeder selbst.
Wie es für unseren kleinen Stern weiter geht, das erfahrt ihr morgen.

weiterlesen

Advent

Der kleine Weihnachtsstern ~ 9

von am 9. Dezember 2017

Der kleine Stern beschloss gemeinsam mit Abraham, dass es einen Versuch wäre, sich auf das Rind und den Esel einzulassen. Nur wie sollte der kleine Stern das angehen.
„Du musst vielleicht einfach was Sinnvolles für die beiden Tiere tun um zu merken, ob es dein Sinn ist,“ überlegte Abraham laut, während er mit dem Stern auf einem Heuballen saß und einen kleinen, schon vertrockneten Apfel aus der Herberge aß.
Der Stern schaute neugierig zu Abraham:
„Was meinst du damit? Was könnte ich schon Sinnvolles machen?“
Lange schwiegen Abraham und der kleine Stern. Der kleine Stern schwebte durch den Stall und betrachtete währenddessen alles ganz genau. Der Stall war wirklich staubig und verkommen. Das Stroh, auf dem das Rind und der Esel standen, waren dreckig. Fliegen zogen ihre Kreise und es surrte in der Luft. Über der Futterkrippe blieb der kleine Stern stehen und beobachtete die Mäusefamilie, die hektische wuselnd die Mäusebabys versorgte und immer wieder das kleine, flauschige Neste reparierte, nur um danach sofort das nächste Loch stopfen zu müssen.
Es war ungemütlich in diesem Stall. Die Hühner versuchten zwischen dem verdreckten Stroh ein paar Körner aufzupicken.
Der kleine Stern beobachtete auch das Rind und den Esel. Jetzt erst bemerkte er, dass beide Tiere wirklich mager waren. Das war ja auch kein Wunder, in der Futterkrippe war auch nichts für die Tiere zu essen. Selbst die Hühner fanden keine Körner mehr.
„Ich hab es,“ verkündete der kleine Stern.
„Ich weiß jetzt, was ich tun kann, um zu spüren, ob dieses mein Sinn ist. Abraham, wir werden den Stall saubermachen, reparieren und den Tieren neues Futter geben. Ich helfe den Tieren, vielleicht muss ich für die Tiere Strahlen, nachts am Himmel als Stern.“
Abraham nickte begeistert und schmiedete sofort Pläne mit dem kleinen Stern.

Oft sind es nur Kleinigkeiten, die es braucht, um anderen zu Helfen und ihnen ein Licht zu geben. Vor allem jetzt in der Weihnachtszeit. Schaut euch um, geht bewusst durch die Stadt. Brauchen Menschen Hilfe? Vielleicht ist es der Obdachlose, dem ihr durch eine kleine Geste ein Licht sein könnt. Es muss ja nicht der Euro sein, den ihr ihm zusteckt. Vielleicht habt ihr einen alten Schal, den ihr ihm geben könnt, oder ihr lächelt ihm einmal nur freundlich zu und grüßt ihn. Wenn ihr die Chance habt, ein Licht für jemanden zu sein, dann nutzt diese Gelegenheit, denn dann wird auch euer Licht erstrahlen. So geht es bestimmt auch dem kleinen Stern hinter Türchen Nummer 10 in unserem diesjährigen Adventskalender.

weiterlesen

Advent

Der kleine Weihnachtsstern ~ 8

von am 8. Dezember 2017

Als sie Bethlehem erreicht, das war die kleine Stadt brechend voll. Abraham und seine Familie suchten lange nach einer Unterkunft. Sie fanden einen Platz in einer kleinen Herberge. 6 Menschen. 3 Kinder, 2 Erwachsene, ein Baby und der kleine Stern. Alle zusammen in einem Zimmer mit nur einem Bett. Es war wirklich nicht erholsam.
„Sag mal Abraham, wie läuft das denn jetzt mit dieser Menschenzählung, ihr seid jetzt hier und nun?“
„Mein Papa hat beim Statthalter Cyrenius einen Termin. Aber erst in 5 Tagen. Solange müssen wir jetzt hierbleiben. Dann geht mein Papa mit uns allen dahin. Sagt, wer er ist, wie viele Kinder er hat und wo er nun lebt. Damit dem Kaiser kein Geld durch die Lappen geht, weißt du? Jeder Mensch muss bekannt sein, damit der Kaiser sagen kann, wieviel Geld jeder dem Kaiser geben muss.“
„Das klingt wirklich sehr kompliziert.“
„Das ist es auch.“
„Was wollen wir denn nun machen?“ fragte der kleine Stern.
„Hier in der Herberge, da gibt es ein paar Tiere. Hinten im Stall. Magst du mit mir dahin. Wir könnten uns eine Höhle im Stroh bauen und uns die Tiere anschauen.“
„Das machen wir.“
Der Stall war dreckig und staubig. In einer Ecke stand ein Esel, in der anderen ein Rind. Hühner liefen frei durch den Stall. In der Mitte stand eine schäbige Futterkrippe für alle Tiere. Eine Mäusefamilie hatte sich dort ein Nest gebaut.
„Ein kleiner Stern, IIIIAAAA! Ich habe lange keinen kleinen Stern mehr gesehen. Wird ein Wunder geschehen?“
„Muuuuh, das letzte Wunder ist schon so lange her. Wir hörten davon. Von einer Frau, die Gottes Sohn bekommen wird. Da fiel das letzte Mal ein Stern vom Himmel. Muuuh. Neune Monate ist das schon her.“
„IIIIIAHHHHH, der Stern, vor neun Monat fiel hier herunter, noch bevor das Rind in diesen Stall kam. Aber der Stern zog weiter und die Taube erzählte uns diese Geschichte.“
Der kleine Stern übersetzte die Sprache der Tiere für Abraham. Beide hörten gebannt zu. Als der Esel und das Rind fertig waren mit ihrer Geschichte sagte der kleine Stern:
„Ich weiß nicht, ob wieder ein Wunder geschieht. Ich suche nur nach meinem Sinn. Vielleicht seid ihr das ja?“
„Wir sollen dein Sinn sein? Muuuh!“
„Wie könnten wird das? IIIIIahhhhh.“

Eigentlich haben doch alle Lebewesen ein Wunder verdient. Warum sollte der Sinn in dem Leben des kleinen Sterns nicht das Rind und der Esel in diesem kleinen Stall sein. Sinn kann alles sein, was euch glücklich macht. Was sagte der weise Stern gestern? Du wirst es wissen, wenn du vor Glück fliegen kannst. Manchmal reicht dafür schon die Liebe eines Tiers.
In Türchen neun erfahrt ihr, ob der Esel und das Rind es sind, die dem kleinen Stern einen Sinn geben.

weiterlesen

Advent

Der kleine Weihnachtsstern ~ 7

von am 7. Dezember 2017

Die Reise ging weiter. Abraham und der kleine Stern wurden sehr gute Freunde. Der kleine Stern hatte zwar gehofft, dass vielleicht Abraham sein Grund wäre, warum er jeden Abend wieder am Himmel leuchten sollte, aber das war nicht so. Der kleine Stern wusste zwar nicht, wie er das merken sollte, wenn sein Sinn denn dann endlich da wäre, doch er fühlte sich eben wie immer. Nicht besonders, nicht strahlender als sonst. Es war noch nicht die Antwort, die er suchte. Dennoch genoss der kleine Stern Abrahams Gesellschaft. Sie spielten am Tag, während sie weiter Richtung Bethlehem zogen, sie erzählten sich abends am Lagerfeuer Geschichten und nachts kuschelte sich Abraham an den kleinen Stern.
Manchmal passten Abraham und der kleine Stern auch auf Johannes auf. Wenn die Mama kochte oder die Zelte wieder abgebaut wurden. Der kleine Stern fühlte sich pudelwohl und eigentlich hätte für ihn ja so weitergehen können. Doch eines Nachts sprach der alte, weise Stern zu ihm im Traum.
„Kleiner Stern, wie geht es dir!“
„Mir geht es gut. Ich habe einen lieben Freund gefunden. Und ich habe Johannes wiedergesehen. Wusstest du, dass er nun ein Mensch ist, ein kleines Baby!“
„Natürlich wusste ich das. Die Geschichte haben wir euch doch erzählt. Aber ich weiß ja, wie das mit euch jungen Sternen ist. Nur Flausen im Kopf.“
„Ich habe eine Frage, weiser Stern.“
„Frag!“
„Woher weiß ich, wenn ich meinen Sinn gefunden habe?“
„Du wirst es wissen, wenn du vor Glück fliegen möchtest, wenn du alle Fragen einfach beiseiteschieben kannst und du nur noch ans Strahlen denken musst. Dann hast du deinen Sinn gefunden.“
„Kann mein Sinn auch sein, dass ich einfach hier als Stern bei Abraham bleibe?“
Eigentlich kannte der kleine Stern die Antwort bereits, aber dieses Mal wollte er einfach die Chance nutzen, um mehr Wissen auf seinen weiteren Weg mitzubekommen.
„Nein, als Stern darfst du nicht auf dieser Erde bleiben.  Du musst dich entscheiden. Entweder als Stern hier bei uns am Himmel. Oder du verlässt den Himmel und wirst ein Mensch, wie Johannes das gemacht hat. Dann allerdings vergisst du, dass du mal ein Stern warst.“
„Was passiert, wenn ich als Mensch sterbe?“
„Dann, mein kleiner Stern, wirst du wieder ein Stern, kannst aber nie wieder zurück auf die Erde. Aber du wirst immer wissen, dass du mal ein Mensch warst. Und es bringt alles mit sich, was man als Mensch fühlt. Die Menschen, die man liebhatte, die wird man als Stern vermissen. Du musst also mit Bedacht wählen. Was willst du, kleiner Stern?“
„Das weiß ich noch nicht!“
„Du wirst es sicher bald wissen, kleiner Stern.“

Was eine schöne, aber auch traurige Vorstellung, findet ihr nicht auch? Wir waren alle mal Sterne, die sich entschieden haben, auf die Erde zu kommen. Weil unser Sternen-Ich darin einen Sinn gesehen hat. Habt ihr diesen Sinn schon erkannt. Es gibt Menschen, die erkennen ihr sehr schnell. Den Sinn im Leben. Andere brauchen ein ganzes Leben dafür und wissen es erst, wenn sie selbst wieder Sterne sind. Habt ihr auch Sterne da oben, die vorher bei euch waren? Dann schaut jetzt kurz hoch. Denn sie erinnern sich daran, dass sie einmal Menschen waren. Und sie vermissen uns so sehr, wie wir sie vermissen. Was unser kleiner Stern wohl macht. Das erfahren wir erst im nächsten Türchen.

weiterlesen

Advent

Der kleine Weihnachtsstern ~ 6

von am 6. Dezember 2017

„Kleiner Stern, ich bin mir sicher, dass du reden kannst.“
Die anderen Kinder fanden den Stern nicht mehr so spannend und spielten weiter. Abraham hatte sich abseits in den Sand gesetzt und der kleine Stern lag auf seinem Schoß. Der Junge hatte sich ein Tuch genommen und befreite den kleinen Stern vom Dreck der letzten Stunden.
Der kleine Stern mochte das sehr und er fasste langsam Vertrauen zu dem kleinen Abraham.
„Weißt du, kleiner Stern,“ begann Abraham weiter zu reden.
„Ich weiß noch, wie Johannes als Stern war. Der war auch erst ganz still und schüchtern. Er hatte Angst, dass man ihm was tun würde. Aber ich habe ihn beschützt und er blieb ein paar Tage bei mir, bis er wusste, was er wollte und wo er hingehörte. Er dachte erst, alle könnten ihn sehen, in berühren. Aber das konnten sie nicht. Nur ein paar Kinder konnten den Stern sehen, Erwachsene gar nicht. Und Tiere. Johannes konnte mit den Tieren, dass weiß ich noch. Ich glaube, dass nur die Menschen Sterne sehen können, die auf den Boden gefallen sind, wenn sie an die Sterne glauben. Ich glaube an Sterne. Ich glaube, dass sie uns den Weg weisen, dass sie Wünsche erfüllen, und dass sie Wunder bewirken. Ich habe mir immer einen kleinen Bruder gewünscht. Und der Wunsch ist mit Johannes in Erfüllung gegangen. Siehst du, du musst wirklich keine Angst haben. Denn nur weil du da bist weiß ich, dass alles gut wird. Es wird was Tolles geschehen, auch wenn im Moment alles so traurig ist.“
Der kleine Stern hörte Abraham genau zu. Er wollte nicht, dass Abraham so traurig war. Deswegen musste der kleine Stern auch gar nicht lange nachdenken und sprach einfach drauf los.
„Warum ist denn alles so traurig, Abraham?“
Abraham wischte sich eine Träne vom Gesicht und lächelte vorsichtig.
„Wir sind ganz weit weg von zu Hause. Weißt du, es gibt da einen Kaiser. Augustus heißt der. Und der will, dass sich die Menschen, die in seinem Reich zählen lassen. Dafür muss jeder Familienvater mit seiner Familie in die Stadt, aus der er kommt. Mein Papa kommt aus Bethlehem. Wir sind schon zwei lange Wochen unterwegs und ich vermisse meine Freunde, die nicht mitgegangen sind. Und ich vermisse meine Oma. Die lebte nämlich nie in Bethlehem.“
„Aber dein Papa kommt doch aus Bethlehem?“
Der kleine Stern wurde stutzig. Er verstand das noch nicht so ganz.
„Die Oma, das ist die Mama meiner Mama. Und deswegen muss meine Oma nicht weg aus ihrem Dorf. Das ist das Dorf, in dem auch meine Mama geboren wurde. Die Mama von meinem Papa, die kommt aber aus Bethlehem. Und deswegen müssen wir dahin und uns zählen lassen.“
„Das ist wirklich traurig“ sagte der kleine Stern.
„Aber du musst jetzt nicht mehr traurig sein. Wenn ich darf, gehe ich ein Stück mit euch. Ich muss ja noch nach meinem Sinn suchen. Und vielleicht findest du den Sinn dann auch, warum du aus deiner Heimat wegmusstest.“
„Danke, kleiner Stern,“ flüsterte Abraham und drückte den Stern fest an sich.

Freunde und Familie im Leben haben ist wichtig. Sie stehen einem zur Seite und erleuchten einem den dunklen Weg. Manchmal sind die Freunde ganz weit weg. Oder Menschen aus der Familie gehen für immer. Aber dann kann man trotzdem ihr Licht sehen, was einen leitet. Denn es leuchtet weiter. In unseren Herzen, aber auch in der Nacht am Himmel. Und wenn man daran glaubt, so wie der kleine Abraham, dann kann man seinen Stern auch fest in die Arme nehmen und fühlt sich nie allein. Ich bin mir sicher, auch ihr seid mittlerweile ein Freund von dem kleinen Stern. Deswegen kommt morgen einfach wieder vorbei und öffnet Türchen Nummer 7!

weiterlesen

Advent

Der kleine Weihnachtsstern ~ 5

von am 5. Dezember 2017

Der kleine Stern schwebte und schwebte. Lange traf er nichts und niemanden. Hatte der weise Stern ihm etwa nicht die Wahrheit über die Erde gesagt? Hier war nur Sand, dann war da mal ein Baum und die Sonne war so heiß. Der kleine Stern wollte schon seine ganze Hoffnung aufgeben und sich einfach wieder in den Sand legen, als er weit hinten am Horizont eine kleine Gruppe Menschen sah. Da würde er mit Sicherheit antworten finden.
Als er ankam, sah er Zelte aus Decken gemacht, Kinder spielten, Erwachsene saßen an einem Feuer im Schatten und kochten eine wohlriechende Mahlzeit. Der kleine Stern schaute sich alles genau an. Als er einen Moment unachtsam war, da wurde er von einem Kind gesehen und einfach aus der Luft geschnappt.
Darüber hatte der Stern auch nicht nachgedacht. Konnten die Menschen ihn sehen? Und sogar berühren? Er war wirklich ein dummer kleiner Stern gewesen. Er hätte vorher viel mehr fragen sollen. Aber er war einfach zu ungeduldig und neugierig. Er wollte einfach so schnell wie möglich Antworten auf seine Fragen.
„Hey, schaut mal,“ rief der kleine Junge den anderen Kindern zu.
„Ich habe einen Stern gefunden.“
Die Mädchen und Jungen kamen sogleich herbeigeeilt und sahen den kleinen Stern in der Hand des Jungen.
„Mama, sieh nur, ein Stern,“ rief der Junge auch seiner Mutter zu.
Er streckte die Hand nach oben, damit die Mutter den Stern auch gut sehen konnte.
„Das ist aber ein schöner Stern, Abraham. Er hat eine tolle blaue Farbe.“
„Aber der Stern ist doch gelb!“
„Was auch immer du meinst, Abraham.“
Abraham schüttelte nur den Kopf. Um ihn herum waren nun auch alle Kinder aus dem kleinen Lager und bewunderten den kleinen Stern.
„Er ist wirklich schön, und schau nur das glitzernde Gelb,“ staunte Johanna.
„Kannst du reden, kleiner Stern?“ wollte Abraham nun wissen.
„Weisst du, vor einem Jahr habe ich schon einmal einen kleinen Stern gefunden. Der konnte reden und er erzählte mir, dass er einen Sinn im Leben sucht. Und er hat ihn gefunden. Er wurde zu meinem kleinen Bruder Johannes. Der Stern sagte, er hätte nun verstanden, was seine Aufgabe sei. Johannes ist nun schon fast 9 Monate bei uns. Bisher kann Johannes noch nicht viel. Aber wenn er erstmal laufen und sprechen kann, dann bin ich mir sicher, dass er seinen vorbestimmten Platz einnimmt. Und, du? Kleiner Stern, kannst du nun sprechen?“
Der kleine Stern traute sich nicht. Aber er kannte die Geschichte von Johannes, dem stets fragenden Stern. Warum hatte er diese Geschichte nur vergessen können? Vor einem Jahr war Stern Johannes einfach verschwunden. Die alten und weisen Sterne sagte, dass das der Lauf der Zeit ist, Sterne gehen und Sterne kommen. Aber sie gehen und kommen nie ohne Grund.
Der kleine Stern fand das damals alles sehr traurig. Und auch jetzt musste er sich eine Träne verdrücken, als ihm die Geschichte wieder ins Gedächtnis und mitten ins Herz traf.
Sollte er wirklich dem kleinen Abraham antworten? Er schien ja nett zu sein. Und wenn er Johannes kannte, dann war er seinem Sinn vielleicht schon ganz nahe.

Jeder hat eine Aufgabe im Leben. Das ist so. Und wenn die Aufgabe erledigt ist, dann geht man wieder. So wie der Stern Johannes. Er hat seine Aufgabe gefunden und kam in diese Welt, so wie der kleine Abraham erzählt. Und er bleibt so lange, bis er seine Aufgabe gemeistert hat. Und nur die Sterne, die gehen, die wissen, dass ihre Aufgabe erledigt ist. Aber die Sterne, die verlassen werden, die sehen das manchmal vor lauter Kummer nicht. Die bleiben fragend zurück. Der kleine Stern hat Johannes bestimmt nicht vergessen, aber vielleicht war er so traurig, das Johannes gegangen ist, dass er die Geschichte tief in sein Herz geschlossen hat. Manchmal ist das gut, für eine Zeit. Aber jetzt sollte der kleine Stern die Geschichte nicht mehr vergessen, vielleicht hilft sie ja. Und vielleicht kann auch der kleine Abraham helfen. Morgen geht es weiter.

weiterlesen

Advent

Der kleine Weihnachtsstern ~ 4

von am 4. Dezember 2017

Der kleine Stern fiel immer weiter und weiter. Der Wind blies ihm kalt um die 5 Zacken, dennoch spürte er im Inneren eine Wärme.
„Gleich, gleich bin ich endlich auf der Erde!“ dachte er begeistert.
Er flog an anderen Sternen vorbei, sah Vögel, Käfer und auch Blütenpollen. Sandkörner fühlten sich auf seiner Sternenoberfläche an wie Kitzeln und er freute sich, als er das erste Mal Regen auf seinen Sternenzacken spürte.
Es kam dem kleinen Stern vor, als würde er ewig so durch das Universum sausen. Er summte ein Lied, er zählte, er lachte und winkte.
Dann sah er die Welt, die näher und näher kam. Er bekam Angst, denn er wurde immer schneller und schneller und raste förmlich auf die Erde zu. Wenn er nicht unternahm, dann würde er sicher in tausende kleine Splitter zerbersten und es wäre für immer mit ihm vorbei. Aber wie sollte er denn bremsen? Warum hatte er das denn den alten, weisen Stern nicht gefragt? Seine Angst wuchs ins unermessliche. Doch kurz bevor er auf die Erde platschte geschah etwas Unglaubliches. Wie durch ein Wunder verringerte sich seine Geschwindigkeit. Er schwebte federleicht hinunter und landete im weichen Sand.
Mittlerweile war es strahlender Tag. Er war die ganze Nacht als Sternschnuppe vom Himmel gefallen und nun stand schon Mutter Sonne am Himmel. Um ihn herum war nur karge Wüstenlandschaft und er lag mitten im weichen, hellen Pudersand.
Er hatte sich beim Hinunterfallen gar keine Gedanken darüber gemacht, wie er sich hier auf Erden fortbewegen sollte. Konnte er laufen? Wie ging Laufen? Oder könnte er auch hier auf der Erde schweben?
Er ruckelte im Sand nach rechts und links bis er sich vom Sand befreit hatte. Er richtete sich auf und bemerkte, dass er leicht wurde. Er konnte hier auf Erden tatsächlich schweben.
Der kleine Stern brauchte einen kurzen Moment, bis her raushatte, wie er Höhe und Geschwindigkeit beeinflussen konnte. Aber als er endlich verstand, wie seine Bewegungen zusammenhingen, da war es das reinste Vergnügen. Doch was sollte er nun tun? Wie startete man denn nun die Suche nach dem Sinn?
Ach, hätte er den weisen Stern doch einfach viel mehr gefragt. Aber es half nichts. Er würde seinen Weg schon finden und auch seinen Grund, warum er jeden seinen Platz im Himmel einnahm.

Da ist er nun, unser kleiner Stern und er weiß nicht wohin. Uns geht auch manchmal so, oder? Wir haben ein Ziel, und wissen nicht, wie wir es erreichen sollen. Aber da ist auch keiner, der uns einen Rat gibt. Dann müssen wir selbst unseren Weg gehen. Immer mit der Zuversicht, dass alles gut wird. Und irgendwo da oben ein Stern für uns leuchtet. Morgen geht es weiter mit dem kleinen Stern. In Türchen Nummer 5.

weiterlesen

Advent

Der kleine Weihnachtsstern ~ 3

von am 3. Dezember 2017

Der kleine Stern hatte gut geschlafen. Und er hatte wirklich davon geträumt eine Sternschnuppe zu sein. Doch der kleine Stern fühlt sich sehr schwach. Sein Licht war fast erloschen. Aber er war auch voller neuer Hoffnung. Er freute sich darauf nun ganz bald die Erde besuchen zu können.
Er nahm wie jede Nacht seinen Platz am Horizont ein. Der große, weise Stern fragte:
„Kleiner Stern, bist du bereit für deine Reise? Oder brauchst du sie nun nicht mehr?“
„Doch, heute Nacht werde ich eine Sternschnuppe sein und hinunter fallen zur Erde. Und ich werde meinen Grund finden, warum ich jede Nacht wieder am Himmel leuchten soll.“
„Dann mach dich bereit, kleiner Stern. Pass auf dich auf und ich wünsche dir eine gute Reise.“
Der weise Stern freute sich sehr, dass der kleine Stern sich für diese Reise entschieden hatte. Aber er war auch besorgt, denn es gab schon Sterne, die nicht wiederkehrten. Doch das hatte der weise Stern noch keinem kleinen Stern gesagt, denn es war wichtig, dass jeder kleine Stern seinen ganz eigenen Weg gehen musste. Die kleinen Sterne mussten selbst Gefahren kennen lernen und selbst abwägen, was sie wollten. Aber der weise Stern spürte, dass unser kleiner Stern ein starker Stern war. Der würde seinen Weg auf jeden Fall machen. Da war sich der weise Stern sicher.
Mit Stolz beobachtete der weise Stern, wie der kleine Stern die Augen schloss und seine Reise als Sternschnuppe antrat.
Dem kleinen Stern war jedoch mulmig zumute. Er wünscht sich nun ganz doll, dass er eine Sternschnuppe werden würden. Als er spürte, dass er die ersten Zentimeter nach unten rutschte, da wurde es ihm doch unheimlich. Doch er fühlte sich auch leicht. Und mit jedem Meter mehr ging es leichter.
„Auf Wiedersehen, du lieber, weiser Stern, ich danke dir, für deine Hilfe und deinen Rat. Ich komme ganz bald wieder zurück.“
Die letzten Worte konnte der weise Stern nur noch erahnen, denn der kleine Stern fiel immer schnelle und schneller. Er zog einen glitzernden Schweif hinter sich her. Hoffentlich sahen die Menschen diese kleine Sternschnuppe. Denn immer, wenn ein Stern zum Himmel fiel, dann gingen Wünsche in Erfüllung und etwas Magisches geschah auf der Welt.

Das alles ahnt der kleine Stern natürlich nicht. Seine eigenen Erfahrungen machen, Fehler machen und daraus lernen, das ist wichtig im Leben, auch für den kleinen Stern. Begleitet ihr unseren kleinen Stern denn weiter in Türchen Nummer 4? Dann kommt morgen einfach wieder.

weiterlesen